Wegweiser fürs Naturerleben

Wir möchten unsere Begeisterung mit Ihnen teilen! Mit unseren RangerTipps öffnen wir Ihnen die Augen für Naturerlebnisse im Jahreslauf. Denn wie überall im Leben, ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung.

Ranger-Tipps im Juni

Die Frühlingsgeneration des Landkärtchens leuchtet orange-rot.
Landkärtchen, die Frühlingsgeneration.
Die zweite Generation des Landkärtchens im Sommer ist schwarz mit weißem Flügelband.
Landkärtchen, die Sommergeneration.
Ein Schwalbenschwanz mit gelb-schwarzem Muster, der blauen Binde und roten Augenflecken am hinteren Flügel.
Schwalbenschwanz.
Die Beutelmeise schaut aus ihrem kunstvollen Nest.
Beutelmeise.
Das Nest ist gekonnt verwoben im Geäst einer Weide.
Nest im Weidengeäst.
Die schwarze Färbung an den Augen gleicht einer Räubermaske.
Bezugsfertig.
Glasklares Wasser. Am Ufer leuchtet frisches Eichengrün, der Himmel spiegelt sich im Wasser.
Landidyll.
Die goldgelbe Blüte einer Schwertlilie.
Schwertlilie.
Die Schallblasen des Wasser- oder Grünfrosches sind prall gefüllt.
Wasserfrosch.
Am Stängel einer Wasserpflanze hängt eine leere Larvenhülle.
Larvenhülle.
Ein Männchen der Großlibelle namens Plattbauch.
Plattbauch, ein Männchen.
Auf der Spitze eines Busches hält dieser Neuntöter Ausschau nach Insekten.
Neuntöter.
Das Kitz, das diese Nahaufnahme zeigt, ist in der hohen Wiese nur scheinbar sicher.
Rehkitz.

WunderFinder

"Diese Welt wird für Wunder immer blinder, wenn du sie sehen kannst bist Du ein Wunderfinder". Seit ein paar Tagen singe ich diesen Song, habe den Text im Kopf und die Melodie auf den Lippen. Der Frühsommer ist voll von Düften, Farben, Klängen und Gesängen. Licht und Leben überall. Wer schaut und nicht nur sieht, wer lauscht und nicht nur hört, wer schnuppert und nicht nur riecht, wer steht und nicht nur geht wird sie entdecken, die kleinen Wunder der Natur. Oft verborgen, manchmal heimlich und ganz leise. Innehalten, verweilen und die kindliche Neugier wiederbeleben: Es ist so einfach, glücklich zu sein.

BlütenMeer

Wiesenstreifzug am Kindergarten. Morgen geht es mit den Jüngsten auf Schmetterlingssafari und mal schauen wer hier so flattert. An diesem Vormittag lassen die Falter nicht lange auf sich warten. Mein Blick schweift über ein buntes Blütenmeer aus gelbem Habichtskraut, pinken Heidenelken, lilafarbenen Glockenblumen, blauem Natternkopf, weißer Schafgarbe, grünen Gräsern, und vielem mehr. Ein Schlaraffenland der Farben und Düfte. Finden auch die Falter und schweben reichlich. Manche besuchen gelbe, andere violette oder weiße Blüten. Einige Pflanzen werden kaum beachtet, andere scheinen von magischer Anziehungskraft. Jeder Schmetterling hat seine Vorlieben.

Das kleine Wiesenvögelchen ist nicht sehr wählerisch und steuert verschiedene Nektarquellen an. Gelbe, blaue, weiße. Ein Kurzstreckenflieger und Ortstreu. Vor, hinter und neben mir, überall flattern sie herum. Tagelang. Auf einer knallgelben Blüte sitzt ein orange leuchtendes Landkärtchen. Welch ein Kontrast. Bleibt es warm und trocken, wird am Ende des Monats die zweite Generation zu bewundern sein: schwarz mit weißem Flügelband. Eine Besonderheit in der Tagfalterwelt.

Dann traue ich meinen Augen kaum. Ein Schwalbenschwanz gaukelt vorüber. Wie angewurzelt versuche ich dem Flug zu folgen. Gar nicht so leicht. Der große Falter ist unentschieden, flattert links, dann rechts, schräg herüber, hoch, tief, vor und wieder zurück. Es lebe die Reaktionsfähigkeit. Dann endlich, Spontanlandung auf einem Habichtskraut, puuh, war das anstrengend. Morgen werde ich ihn wohl nicht wiedersehen, Schwalbenschwanzfalter brauchen Raum und fliegen weit. Mit steigender Sonne kommen Bläulinge, Scheckenfalter, Ochsenaugen, Weißlinge, Dickkopffalter und Widderchen hervor. In kunterbunten Blütenwelten wimmelt es vor Schmetterlingen. In Hochleistungskulturen wie Raps und Mais wird man sie vergebens suchen. Schön, wenn blütenreiche Feldraine in der Nähe sind.

WunderWerke

Keine Falter ohne Raupen. Anders als bei Schmetterlingen, sind ihre Raupen wählerischer. Manche haben nur eine Pflanze auf dem Speisezettel. Wächst diese in seltenen Lebensräumen, sind die Prognosen schlecht. Die Raupe des großen Feuerfalters liebt Wasserampfer und ist in Feuchtwiesen zu Hause, die des Ameisenbläulings den Großen Wiesenknopf und der Schwalbenschwanz bevorzugt Doldenblütler wie Wilde Möhre. Während Falter leicht zu entdecken sind, braucht es für Raupen detektivischen Spürsinn. Von tiefschwarz über grasgrün bis zu kunterbunten Musterungen ist alles möglich. Oft aus der Gefahr heraus. Viele haben sie zum Fressen gern. Halt, ich bin giftig. Oder nein, man sieht mich nicht. Abschreckung und Tarnung sind erprobte Überlebensstrategien. Übrigens, Brennnesseln sind vieler Raupen Lieblingsspeise. Dulden Sie ein kleines Eckchen in Ihrem Garten.

Kunst am Bau

Spaziergang an den Teichen. Blauer Himmel, Sonnenschein und ganz allein die Ruhe genießen. Leiser Wind, wie friedlich alles ist. Auf dem Teich gründeln Schnatterenten, Graugänse führen ihre Halbwüchsigen über das Wasser und eine muntere Blesshuhn-Bande hält seine Eltern auf Trab. Flauschig weiche Weltentdecker, neugierig und keck. Was wohl das Schilf verborgen hält? Schon durchdringt ein Nebelhorn dichten Pflanzendschungel. Rohrdommelmusik, die schon bald verstummen wird. Auf hohen Halmen singen Rohrammern, Drosselrohrsänger übertönen ihren zarten Gesang.

Und dann erklingt etwas, das meinen Pulsschlag höher schlagen lässt. Ein lang gezogenes "Ziiieh". Immer wieder. Die Uferweiden fest im Blick, lockt mich der Gesang auf Stichwege, von einem Teich zum anderen, links herüber, rechts ein Stück und wieder zurück. Als wollte der kleine Vogel verstecken spielen. Und als ich gerade aufgeben will, entdecke ich es, mein Wunschobjekt: Das kunstvolle Nest einer Beutelmeise. Beinahe bezugsfertig, gekonnt verwoben und festgezurrt im Geäst einer Weide. Seiler, Weber, Zimmermann, faszinierend was die kleine Meise kann. Wie lange sie daran wohl arbeitet? Voller Spannung warte ich im Unterholz. Die Rufe nähern sich und plötzlich turnt der Meister mit der Räubermaske im Geäst und sammelt flauschige Samenwolle. Schnell hüpft er ins Haus, verknüpft die Wolle und hopst wieder heraus um Nachschub zu holen. Zwischendurch wird gesungen, eine Gefährtin hat er offenbar noch nicht. Ob ihr das Heim gefallen wird? Wieder im Anflug, verweilt der kleine Sänger und beäugt den neugierigen Besuch. Was der Eindringling wohl will? Nur den Glücksmoment genießen und dann ziehe ich mich dezent zurück und wünsche viel Glück bei der Partnersuche. Vielleicht tummelt sich jetzt Nachwuchs im filzigen Hängebeutel.

AbenteuerLand

Morgenstimmung am Badebrack. Menschenleer, keine Seele, Zeit für Stillegenießer. Das kleine Landidyll besticht mit glasklarem Wasser, blühenden Schwimmteppichen und goldgelben Lilien. Am Ufer leuchtet frisches Eichengrün und das Blau des Himmels spiegelt sich im Wasser. Ein Pirol taucht auf und verschwindet im dichten Laubwerk. Sein glockenheller Gesang ist einmalig, aber bewundern lässt sich der Knallgelbe nur selten. Lautes Pfeifen lenkt meinen Blick zurück aufs Wasser. Gerade noch rechtzeitig um den schillernd blauen Eisvogel in einer Uferweide verschwinden zu sehen. Vorsichtig lugen Grünfrösche aus dem Wasser. Wie Luftballons pumpen sie ihre Schallblasen auf und quaken lautstark um die Wette. Der Blick ins Wasser erfasst einen Schwarm junger Rotfedern. Was für ein Geschenk gerade hier zu sein.

In einer Stunde wird die lebendige Rasselbande des nahen Ferienhofes in die spannende Unterwasserwelt eintauchen. Barfuß und mit Keschern in der Hand ins Abenteuerland. Wasserdrachen, Monsterlarven, Skorpione, Wassernadeln, Kaulquappen, Blutegel, Fische und Krebse landen in den Netzen und werden in Gläsern unter die Lupe genommen. Nein, der Skorpion hat keinen Stachel, das ist sein Atemrohr und aus den Gruselmonstern werden wunderschöne Großlibellen. Blaupfeil, Plattbauch, Mosaikjungfern, eine schöner als die andere.

Und noch viel mehr

Auf den Spitzen von Büschen und Hecken sind Neuntöter zu entdecken, sie halten Ausschau nach Insekten. Über dem Dorf hängt betörender Robinienduft, Bienen summen tausendfach im süßen Traubenmeer. In hohen Wiesen wähnen Ricken ihre Kitze in Sicherheit. Trügerisch. Setzen leistungsstarke Maschinen zur Arbeit an, haben die Kleinen oft keine Chance. Hier ist Aufmerksamkeit und Umsicht gefragt. Erst mit der Dämmerung gehen Rehe auf Nahrungssuche, verlassen schützendes Dickicht und fressen auf Lichtungen und Wiesen. Richtig spannend wird es bei Dunkelheit. Glühwürmchen leuchten um die Wette und tanzen als neongelbe Lichtpunkte durch hohes Gras. Darüber jagen Fledermäuse Plagegeister. Bis zu einem Kilo Mücken vertilgt eine Fledermaus pro Jagdsaison. Laubfroschkonzerte und Unkenrufe erfüllen die Nacht am Strom. Wer mag, kommt aus faszinierten Staunen gar nicht mehr heraus. Viel Spaß beim Entdecken und Erleben.

So könnte es noch unendlich weiter gehen, das Detail zu sehen ist auch ein Glückgarant im Wunderland Natur. Genießen Sie den Frühling. Gern auch mit uns Rangern.

Text und Fotos: Ricarda Rath, Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe - Brandenburg

Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. Natur erleben nach Jahreszeit mit ganz besonderem Blick.