Wegweiser fürs Naturerleben

Wir möchten unsere Begeisterung mit Ihnen teilen! Mit unseren RangerTipps öffnen wir Ihnen die Augen für Naturerlebnisse im Jahreslauf. Denn wie überall im Leben, ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung.

Ranger-Tipps im April

Buschwindröschen
Moorfrosch
Froschlaich
Erdkröte
Tagpfauenauge
Star
Zaunkönig
Stockente
Graugans

Ankommen und Bleiben

Der April verwöhnt uns an seinem ersten Tag mit einem Frühsommer, der auch den Letzten aus seinem Winterblues holt. Warmes Sonnenlicht macht Seelenfroh, frisch und munter. Die Sonne bestimmt den Lauf der inneren Uhr und dirigiert unseren Biorhythmus. Doch Hand aufs Herz: Wie oft hören Sie auf Ihre Biologie? In der modernen Welt geben Armbanduhr und Smartphone den Schnelltakt an. Gut organisiert, bestens technisiert und doch reicht die Zeit nie aus. Weil uns Dinge überfrachten die niemand braucht und kaum noch jemand darüber nachdenkt. Sie schon? Dann ist es Zeit von der betriebsamen Überholspur auf ruhige Nebenstrecken zu wechseln. Halten, verweilen, bleiben. Beobachten, erleben, staunen. Ankommen in der schönsten Zeit des Jahres, die gerade wieder beginnt.

Der Reiher am Weiher

Der stumme Wächter steht reglos am Wasser und wartet auf die Gelegenheit zuzuschnappen. Ob Fisch oder Frosch, egal, beides macht satt und garantiert den Fortbestand. Zak, nur ein Stoß und der zappelnde Bissen verschwindet blitzschnell im Schlund. Bin ich froh, nicht auf diese Art von Beutefang angewiesen zu sein. Und doch ist der graue Vogel ein Vorbild. Im stillen Beobachten, in der Kunst geduldig abzuwarten, ruhig am Wasser zu sitzen und die Ohren zu spitzen.

An diesem lichtwarmen Tag erklingen die Chöre der Wasserfroschmänner. Zwei leuchtendweiße Schallblasen verstärken den Gesang und tragen ihn übers Land. Wer etwas auf sich hält, nutzt den ganzen Körper als Resonanzraum.

Bei Moorfröschen muss man genauer hinhören um dem Geblubber aus dem Schilf zu lauschen. Schon die leiseste Bewegung und sie sind weg. Für eine Weile jedenfalls. Dann tauchen sie wieder auf und lugen wie das Spährohr eines U-Bootes aus dem Wasser. Ist die Luft rein? Gut getarnt im schlichten braun, das farbenfrohe Hochzeitsblau gerade abgelegt. Mit leisen „öck, öck“ Rufen verraten Erdkröten ihre Anwesenheit.

Das Ergebnis kontaktfreudiger Nächte lässt sich tagsüber im Flachwasser entdecken. Aufgequollene Laichballen bilden große Klumpen und an Pflanzen haben Kröten ihre Laichschnüre wie Perlenketten aufgereiht. Kugel an Kugel, unmöglich sie alle zu zählen. Wie viele werden den Sommer erleben? Kaulquappen stehen auf vielen Speisekarten, da muss reichlich Nachwuchs her.

Bunter Reigen

Es flattert wieder in Brandenburg und mit jedem Tag wird es bunter. Den Reigen eröffnen Zitronenfalter. Im Spätwinter von ersten Sonnenstrahlen geweckt, verkünden sie den nahen Frühling. Mit einem Frostschutzmittel in den Adern überstehen die Gelben eisige Temperaturen und sind nach langer Winterpause ein erster Farbtupfer. Dem Reihentanz folgen Tagpfauenaugen. Auch sie erwachen aus der Winterstarre und haben karge Monate hinter sich. Ein wenig ramponiert, von frisch geschlüpften Schmetterlingen leicht zu unterscheiden. Der dritte im Bunde ist ein Admiral. Es ist Mitte März und ich frage mich, ob er ein Heimkehrer oder Hiergebliebener ist. Nicht immer zieht es den Wanderfalter in den Süden, er kann auch bleiben und überleben. So kommt eins zum anderen. C-Falter, Kleiner Fuchs, sie alle sind im April zu bestaunen. Blühende Weiden ihre erste Weide. Mit der Blüte des Wiesenschaumkrauts beginnt eine neue Generation. Aurorafalter schlüpfen aus Gürtelpuppen, die in Pflanzenstängeln ruhten. Gaukelt er über unsere Feuchtwiesen, hat der Frühling endgültig Einzug gehalten.

KonzertSofa

Gehören Sie auch zu jenen, denen Beobachtungen vom Ruhesofa gelingen? Für ein Gesangskonzert muss man nicht unbedingt hinaus aus dem Haus. Fenster auf und lauschen, irgendwer singt immer. Die Amsel auf hoher Warte, der Baumläufer aus der Robinie, die Bachstelze wippend vom Dachfirst, der kleine Zaunkönig aus dem Unterholz. Ein Star trällert sein Repertoire so munter aus dem Flieder, das ich ihn spontan imitiere. Ein vergnügliches Wechselspiel beginnt. Er singt, ich antworte, er antwortet, ich singe.

Aus dem höfischen Stimmengewirr entnehme ich noch Grünfinken, Ringeltauben, Meisen, Wacholderdrosseln, eine Mönchgrasmücke, den Gartenrotschwanz, einen Buchfink und Spatzen. Die ganze Schar. Aus der Allee klingt ein Grünspecht herüber und vom Moorsee die Kraniche. Im Häuschen am Schuppen fliegen Blaumeisen ein und aus, Amseln tragen Zweige zum Efeu. Moosbeladen fliegt der Kleine König in die Hecke. Und am Zaun kämpft ein Sperling mit altem Stängelwerk des Nachtschattens. Häuslebauer überall, Familienplanung wohin man schaut. Irgendwann hält es mich doch nicht mehr in den Wänden. Und wer weiß, vielleicht ergattern Sie bei einem Ihrer Konzertbesuche den Logenplatz. Eines unserer Waldsofas inmitten Brandenburger Natur.

Leben im Wunderland

Zeit für Entdecker. Mit der Fähigkeit Tempo aus dem Alltag zu nehmen für einen Blick, einen Spaziergang, eine Wanderung, beschenken Sie sich selbst. Wenn ich am Morgen aus dem Auto steige, mich klappernd die Störche begrüßen und einen Steinwurf entfernt der Turmfalke auf dem Kirchturm in der Sonne sitzt, ist mein Tag nicht immer perfekt, aber schon schöner.

Auf der kleinen Mittagsrunde im Park liegen mir Teppiche von Buschwindröschen und Scharbockskraut zu Füßen. Weinbergschnecken haben aufgedeckelt und kriechen nun wieder feuchten Fußes über den Boden. Ein Blick in die Baumvielfalt verrät, der Hasel hat abgeblüht, die Eiche braucht noch ein paar Tage und die Ulme blüht gerade erst auf. Den Blick wieder unten, kreuzt eine Erdkröte den Weg. Ganz schön flink. Ob sie noch zum Wasser will? Dort wartet eine Stockente auf ihren Partner, der kurz darauf im Tümpel landet. Bis dahin äugt sie neugierig und gar nicht scheu. Anders die Graugans. Sie wird gleich auffliegen, ich ziehe mich zurück. Sehr geschäftig geht es bei den Waldameisen zu. Das Gewimmel täuscht, hier hat jede ihre Aufgabe.

So könnte es noch unendlich weiter gehen, das Detail zu sehen ist auch ein Glückgarant im Wunderland Natur. Genießen Sie den Frühling. Gern auch mit uns Rangern.

Text und Fotos: Ricarda Rath, Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe - Brandenburg

Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. Natur erleben nach Jahreszeit mit ganz besonderem Blick.