Wegweiser fürs Naturerleben

Wir möchten unsere Begeisterung mit Ihnen teilen! Mit unseren RangerTipps öffnen wir Ihnen die Augen für Naturerlebnisse im Jahreslauf. Denn wie überall im Leben, ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung.

Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. Natur erleben nach Jahreszeit mit ganz besonderem Blick.

Beobachtungstipps für den Dezember

Wunsch-Weihnacht
Singschwäne im Abflug
Baum im Schnee
Bartmeise
Bartmeise
Eichhörnchen
Sanduhrpappel
Amsel
Goldgelber Zitterling
Sonnenuntergang

WinterWunsch

Novembernieselgrau gegen Winterweiße Freudenstimmung? Beide ringen mühevoll miteinander und man kann nur hoffen, dass der graue Kraftarm den schneeweißen nicht herunterdrückt. Lange hatte er die Oberhand und die Sehnsucht nach glitzernden Eiskristallen in goldener Morgensonne ist groß. Endlich einmal wieder weiße Weihnacht, ein oft gehörter Wunsch in diesen Tagen.

Keine Frage, Schnee, Sonne, Licht, wer wünscht sich das nicht nach all der grauen Tristesse. Aber nur guten Mutes, erwartet uns doch Dezembergrau. Auch im Dämmerlicht lässt sich Vieles entdecken. Und überhaupt ist Sehen oft eine Frage der inneren Beleuchtung. Damit die Lichtfarbe stimmt, braucht es schöne Erlebnisse und die finden Sie auch in der Natur.

SchilfAkrobaten

Für diese kleinen Sumpfartisten braucht es Auge und Ohr. Wer gern einmal an Moor, Sumpf oder See spazieren geht, bemerkt die unsteten Vogelschwärme. Aus der Bodenperspektive klein und unscheinbar, ist es ihr Gesang, der den Blick nach oben wandern lässt. Bartmeisen zwitschern ständig vor sich hin und halten so Kontakt.

Nur gemeinsam geht es auf Futtersuche und das ist im Winter knapp. Es wird umgestellt, vom Insektenfang auf Samensuche. Sie dabei zu beobachten erfordert Geduld. Denn kaum haben sich die Vögel irgendwo gesetzt, sind sie auch schon wieder fort. An welchen Ort? Hier sind wache Augen gefragt um zu folgen. In kleinen Schwärmen ziehen Bartmeisen flink von Schilf zu Schilf und fallen kurz aber heftig über die Samen her. Akrobatisch kletternd an den Ähren zupfend. Gar nicht so leicht sie in das Blickfeld des Fernglases zu rücken. Und das braucht man unbedingt um ihre Schönheit zu entdecken. Exotisch wirkt das Männchen mit seinem Bart und richtig, die kleinen Sänger sind auch in Asien weit verbreitet. Wer sie hier entdeckt, hat einen Glückstag erwischt, denn sie kommen selten, weil nur in großen Schilfbeständen vor.

KletterKünstler

Diese kleinen Kobolde hingegen, bekommen wir häufiger zu Gesicht. Eichhörnchen bleiben winterwach und ziehen sich nur bei extremen Wetterlagen für längere Zeit in ihren Kobel zurück. Geschickte Kletterer, die flink von Baum zu Baum springen und ihren buschigen Schwanz als Balancierstange nutzen. Dabei ist der auch Wärmekissen wenn es einmal sehr kalt wird.

Ihren großen Augen entgeht nichts und Nüsse riechen sie schon meterweit. Ganz klar, dass es sich im Winter gut mit dem Menschen leben lässt. Eichhörnchen sind die besten und wendigsten Kletterer im Wald. Vorräte sammeln sie auch gern in Parks und Gärten. Und was immer Sturmtief "Xavier" in unseren Wäldern angerichtet hat, für die possierlichen Pinselohren erscheint alles wie ein großer Abenteuerspielplatz. Umgestürzte Bäume, aufgespaltene Stämme und abgebrochene Äste bieten neue Höhlen, Sitzpodeste und Versteckmöglichkeiten. Auch Tiere sind neugierig und jedes Detail wird genau untersucht. Was uns wie eine kleine Katastrophe erscheint, ist immer auch Chance auf etwas Neues. Waldgestaltung á la Natur. Eicheln, Bucheckern, Kiefernzapfen, die kleinen Nager haben Vorratslager und nicht immer werden alle Bodenverstecke restlos geleert. So gestalten auch sie und aus so manchem Versteck keimt im Frühjahr neues Leben. 

LandschaftsGestalter

Gibt es in Ihrem Leben jemanden, den Sie sprichwörtlich nicht riechen können? Was wir schnell einmal so dahin sagen, ist in der Tierwelt überlebenswichtig. Tatsächlich nicht riechen können, wäre geradezu fatal. Den Konkurrenten wittern, die Nahrung beschnuppern, den Jäger riechen. Ist die Rinde genießbar? Schwimmt ein Rivale heran? Gefällt die potenzielle Partnerin? Auch Biber erschnuppern alles und treffen sie auf Ihresgleichen der eigenen Sippe, werden die Nasen biberfreundlich aneinander gerieben. Das kennen wir sonst nur aus anderen Kulturen.

Winterzeit ist Biberbeobachtungszeit. Die laublose Landschaft bietet Übersicht und die karge Vegetation lässt seine Spuren schnell entdecken. Knüppelburgen oder Dämme, Fraßplätze und Sanduhrenstämme. Die Ufersäume sind gespickt mit Spuren. Wer sich durchs Biberrevier begibt während der Hausherr Burgensicher schlummert, lernt schnell seine Gewohnheiten kennen. Durch hohes Schilf führt ein ausgetretener Pfad zum Wasser. Ein Fraßplatz. Blank geputzte Zweige dümpeln haufenweise am platt gesessenen Ufer. Abgenagt und gelblich hell. Sternenförmig führen hier viele Wege nach....? Ich folge einem Trampelpfad der ins Hinterland weist. Spannend die morastige Spur, sie endet an einer Insel mit kleinen Bäumchen. Manche feinsäuberlich zerlegt und auf Enden geschnitten. Einige fehlen bereits, nur kleine Hobelhäufchen belegen einstige Anwesenheit. Aha, wohl für den Hausausbau gebraucht. Zurück am Wasser steht uferaufwärts eine Pappel zur Sanduhr geformt. Wann sie wohl fallen wird? Lange kann es nicht mehr dauern und ich stelle mir das gewaltige Platschen vor, das schon bald die Stille der Nacht durchbrechen wird. Ein genialer Landschaftsarchitekt, der ganz nebenbei auch Lebensräume modelliert.

FarbenSpiele

Wer meint, dass der Dezember keine Farben trägt, kann sich jetzt vom Gegenteil überzeugen. Beim Spazieren gehen etwas genauer hingesehen und es leuchtet kupferrot, orangegelb oder grasgrün. Zugegeben, sie sind sparsam, aber doch gleichmäßig gut verteilt. Noch immer leuchten die Früchte der Pfaffenhütchen in die Welt, Amseln, Drosseln und Rotkehlchen haben sie zum Fressen gern. Wilde Früchte und Samentragende Blumenstauden locken kunterbunte Vogelscharen. Wo heimische Gehölze im Garten wachsen und hohe Stauden bis zum Frühjahr stehen, kann zusätzliches Futter sparsam ergänzen. Goldgelbe Zitterlinge zieren Totholzäste und das Kupferfarbene Laub der Buchen sticht ins Auge. Jeden Morgen blitzen die kupfernen Blätter aus dem Jungaufwuchs märkischer Kiefernbestände. Ich freue mich über die zunehmende Baumvielfalt in unseren Wäldern. Und legt sich keine winterweiße Decke sanft über den Boden, leuchten zwischen Laubteppichen knallgrüne Moospolster hervor.

Morgenröte und Abendgold

Raureif verwandelt die Landschaft in romantische Winterkulissen. Kalte Nächte, feiner Niesel, eine Prise leiser Wind und geschwind zaubert Väterchen Frost über Nacht eine Märchenlandschaft. Mit rosarotem Morgenhimmel als Dekor. Am nahen Fluss brechen Singschwäne vom Schlafplatz auf. Wer diese wundervollen Morgenstimmungen nicht genießen kann, darf sich auf bildschöne Sonnenuntergänge freuen. Dann wird die Landschaft golden und feuerrot in Szene gesetzt. Baumsilhouetten im Scherenschnitt vor ziehenden Wolkenfeldern im Lichterglanz. Ganz ohne Kerzen. Und wird es doch einmal zu grau, helfen letztere die Dezemberstimmung nicht in einen November zu wandeln. Wer behält den Kraftarm oben? Winterweiß, nebelgrau, sonnengolden, rosarot? Wie wäre es mit einem Unentschieden? Die Mischung macht's, alles soll sich die Waage halten. Und na klar, den Schnee bitte zu Weihnachten.

Kommen Sie ruhig und besinnlich ins neue Jahr.

Text und Fotos: Ricarda Rath, Rangerin im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe
Foto (Eichhörnchen): Jorina Rath