Wegweiser fürs Naturerleben

Wir möchten unsere Begeisterung mit Ihnen teilen! Mit unseren RangerTipps öffnen wir Ihnen die Augen für Naturerlebnisse im Jahreslauf. Denn wie überall im Leben, ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung.

Ranger-Tipps im August

Im Vordergrund liegt das Stroh noch lose, im Hintergrund ist ein Strohballen zu sehen.
Goldgelbes Stroh heißt auch: Sommerende in Sicht.
Blau-violette Blüten des Lungenenzians.
Der Lungenenzian blüht zwischen Juli und September.
Sechs kleine Blessrallen auf dem Wasser.
Eine Blessralle führt ihre Küken.
Ganz oben, auf der Spitze eines Strommastes haben Fischadler ihr Nest gebaut.
Fischadler brüten gern auf Strommasten.
Drei Weißstörche im Horst. Ein Jungtier schlägt mit den Flügeln.
Jung und alt im Storchenhorst.

Von Frühstartern und Nachzüglern

In diesem Monat kündigen abgeerntete Getreidefelder schon das Ende des Sommers an: Goldgelbes Stroh liegt lose herum und wartet darauf in Ballen gepresst zu werden. Andernorts wiegen sich die prallen Ähren noch im Wind und werden abgeschnitten und gedroschen, sobald Reife und Trocknungsgrad dem Landwirt gut dünken. Mitunter ist auch ein wenig Glück dabei, den richtigen Zeitpunkt vor dem nächsten Regenguss abzupassen.

Dabei gilt es längst nicht für alles, dass die Saison schon vorüber ist. Manches kommt überhaupt erst in die Gänge: zum Beispiel der Lungenenzian. Die Pflanzen erscheinen im Sommer, beginnen erst jetzt zu blühen ... und danach kommen die Samen. Für diese Pflanzen ist es überlebenswichtig, dass die Wiesen, auf denen sie wachsen, sehr spät gemäht werden. Nur dann können sich nämlich aus den späten Blüten Samen bis zur Reife entwickeln.

Auch im Tierreich gibt es Frühstarter und Nachzügler. Graugänse sind ihre Sorgen mit dem Nachwuchs schon weitgehend los. Im Familienverband sind die Jungen von den Eltern kaum mehr an der Größe zu unterscheiden. Mehr oder weniger selbständig sind sie auch schon. Bei den Blessrallen hingegen findet man auch jetzt noch Familien, bei denen die Küken für jeden als solche erkennbar sind.

Die Fischadler sind zwar schon einige Zeit mit der Familienplanung beschäftigt, aber hier dauert die Brutzeit etwas länger und auch die Jungen brauchen länger, um heran zu wachsen. Auf den weithin sichtbaren Strommasten - hier brüten sie bevorzugt - kann man gut den schon halbstarken Nachwuchs beobachten und auch, wie die Eltern eifrig füttern.

Als Boten der Frühlings werden alljährlich die Störche erwartet, und, wenn sie dann da sind, werden ihr Aktivitäten akribisch registriert. Das liegt natürlich auch an den Standorten ihrer Horste: gern in Dörfern, auf Hausdächern oder Masten, die eigens für sie aufgestellt wurden.

Inzwischen sind die Jungstörche schon so groß, dass man sie auch von unten gut erkennen kann. Bei ihnen sind Schnabel und Beine noch dunkel, bei den erwachsenen Tieren ist beides leuchtend rot. Erste Trockenübungen im Flügelschlagen kräftigen die Muskeln und ab und zu gelingt es dem einen oder anderen Jungen, sich ein paar Zentimeter über das Nest zu heben.

Es ist aber auch an der Zeit, denn bald geht es los auf die große Reise. Aber auch, wenn sich die ersten Zugvögel schon wieder auf den Weg machen, können wir hier noch auf den Altweibersommer hoffen.

 

Text und Fotos: Sabine Clausner, Rangerin im Naturpark Westhavelland

Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. Natur erleben nach Jahreszeit mit ganz besonderem Blick.