Wegweiser fürs Naturerleben

Wir möchten unsere Begeisterung mit Ihnen teilen! Mit unseren RangerTipps öffnen wir Ihnen die Augen für Naturerlebnisse im Jahreslauf. Denn wie überall im Leben, ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung.

Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. Natur erleben nach Jahreszeit mit ganz besonderem Blick.

Ranger-Tipps im Oktober

Das Licht ist dämmrig, Gänse fliegen in einiger Entfernung über das Wasser.
Am Gülper See.
Umgeknickte und umgestürzte Bäume.
Sturmschaden nach "Xavier".
Auf einer Baumkrone sitzen zwei Seeadler. Sie sind weit entfernt.
Seeadler.
Vor blauem Himmel sind von unten Kraniche zu sehen.
Kraniche.
Auf einem abgemähten Feld stehen Kraniche.
Nahrungssuche.
Gänse fliegen in Formation: Eine bildet die Spitze, die übrigen folgen in schräger Linie.
Formationsflug.
Am Ufer stehen Silberreiher, ihr Gefieder fällt vor dem Grün der Wiese auf.
Silberreiher.
Nahaufnahme eines leuchtend gelben Baumpilzes.
Baumpilz.
Ein umgestürzter Baum, der Wurzelteller ist gut zu sehen.
Sturmschaden.

Oktober – der Inbegriff des Herbstes: Morgens beim Aufstehen ist es noch dunkel und es wird erst langsam hell. Wenn ich auf dem Weg zur Arbeit am Gülper See anhalte, um nach zu sehen, wie viele Gänse auf dem See schlafen, steigen in der Morgendämmerung Nebelschwaden auf und lassen einen Teil des Sees mit den auf den Wellen schaukelnden Vögeln im grau-blauen Dunst verschwinden. Erst allmählich, wenn die Sonne sich mit ihren Strahlen Bahn bricht, werden einzelne Konturen sichtbar. Wenn es dann hell genug ist, erheben sich, wie auf ein geheimes Kommando, aber mit lautstarkem Geschnatter Trupps von Gänsen und fliegen auf die umliegenden Wiesen und Felder um zu äsen.

Im Tageslicht wird der idyllische Eindruck jedoch jäh gestört, sobald der Blick vom See zum Ufer schweift: der Sturm hat sich hier ausgetobt. Abgeknickte Bäume, entwurzelte Bäume, alles liegt kreuz und quer. Im Wäldchen zwischen Straße und Deich ist das eine Sache, aber die Bäume, die dem Sturm nicht trotzen konnten, liegen auch auf dem Lehrpfad vom der Bockwindmühle zum großen Aussichtsturm am See, der Beobachtungsstrecke am Gülper See. Wie lange es wohl dauern wird, bis der Weg wieder frei ist? Es ist ja auch bei weitem nicht die einzige Stelle, an der das Unwetter zu geschlagen hat. Die Straßen sind glücklicherweise schon wieder alle frei; aber auch hier liegen die Bäume und Stämme noch zu Hauf am Rand und müssen noch beräumt werden.

Seeadler sind zwar das ganze Jahr über hier, aber auf den kahlen Bäumen fallen sie doch mehr ins Auge und ein Blick durchs Fernglas lohnt sich, um fest zu stellen, ob es sich um ein Jungtier oder ein Erwachsenes handelt. Letztere haben einen leuchtend weißen Schwanz.

Mittags kreisen Kraniche hoch oben am Himmel; oft so hoch, dass sie nur noch als kleine Punkte zu erkennen sind – aufmerksam wird man, weil ihr Rufen weithin zu hören ist. Sie haben die Nacht am See, im seichten Wasser stehend, verbracht und fressen sich auf den abgeernteten Maisfeldern, auf denen sie immer noch genügend Maiskörner finden, eine Fettreserve für den weiten Weg in wärmere Gefilde an; obwohl es auch genügend abgelegene Felder gibt, trifft man auch in Ortsnähe auf Kranichtrupps, die sich durch die unmittelbare Nähe der Menschen nicht stören lassen.

Abends wieder am Gülper See, kann man den Einflug der Gänse auf ihr Schlafgewässer verfolgen. Aus allen Richtungen trudeln die Trupps von ihren Äsungsflächen ein, tauschen sich noch lautstark über den Tag aus und geben auch nach Hereinbrechen der Dunkelheit noch keine Ruhe. Kraniche schweben ebenfalls zum Schlafen ein, landen scheinbar im Schilf, in Wahrheit sind dort aber freie, seichte Wasserflächen, wo die Kraniche im Wasser stehend, vor vierbeinigen Fressfeinden sicher, übernachten.

Vor einigen Jahren noch beinahe eine Sensation, sind Silberreiher mittlerweile ein gewohnter Anblick geworden. Während des Sommers sieht man sie eher vereinzelt oder in kleineren Trupps, jetzt im Herbst hingegen sind Gruppen mit mehr als zehn Tieren keine Seltenheit. Um auf zu fallen bedarf es aber inzwischen schon größerer Ansammlungen von über 50 Exemplaren.

Auch im Oktober sind noch Pilze zu finden: Baumpilze und der eine oder andere Schirmpilz auf der Wiese oder am Straßenrand; meist handelt es sich dabei um einen Parasol. Der Schwefelporling ist jung essbar und schmeckt gegart nach Hühnchen. Ob es sich bei diesem fotografierten Exemplar um solch einen handelt? Ansonsten heißt es: im Zweifel lieber stehen lassen.

Egal, wo man unterwegs ist: die Auswirkungen des Sturmes sind allgegenwärtig. Immer wieder einzelne mächtige Bäume, die so lange Zeit allen Unwettern getrotzt haben: bei einem Teil der Bäume sind dicke Äste abgebrochen oder der Stamm ist geborsten oder sie wurden mit zum Teil gewaltigen Wurzeltellern aus der Erde gerissen.

Kommen Sie gut und sturmsicher durch den Herbst!

Text und Fotos: Sabine Clausner, Rangerin im Naturpark Westhavelland.