Hilfe für Findeltiere

"Was tun, wenn ich einem scheinbar hilfsbedürftigen Tier begegne?" Mit dieser Frage von Tier- und Naturfreunden werden wir Ranger der Naturwacht Brandenburg, aber auch Förster, Tierärzte oder ehrenamtlich aktive Naturschützer häufig konfrontiert.

Hier haben wir erste Tipps im Umgang mit "Findelkindern" und verletzten Wildtieren zusammengestellt. Damit wollen wir Tierfreunden den richtigen Umgang mit Wildtieren erleichtern.

Was also tun, wenn man ein scheinbar hilfsbedürftiges Tier findet? Das oberste Gebot: Abstand halten, kurz beobachten und nachdenken.

Herbstzeit ist Igelzeit

Wer Igel schützen will, der sollte einen naturnahen Garten mit Obstbäumen, Hecken und Unterschlupfen wie Laub- und Reisighaufen schaffen. Dass Igel Äpfel auf ihrem Stachelkleid in ihre Verstecke tragen, ist eine Mär. An dem herunter gefallenen Obst laben sich aber Schnecken, Würmer und Insekten und die wiederum locken magisch Igel an.

Was tun, wenn man im Herbst einen klitzekleinen Igel findet? Zuerst einen Blick auf die folgenden Zahlen werfen und im Zweifelsfall den Igel auf eine Waage setzen. Igel sind hilfsbedürftig, wenn sie Ende September weniger als 200 Gramm, Mitte Oktober weniger als 300 Gramm, Ende Oktober weniger als 400 Gramm und Mitte November weniger als 500 Gramm wiegen.

Zur Fütterung ist Katzenfutter bestens geeignet. Zudem mögen und vertragen Igel hartgekochte Eier, Rührei und gekochtes Geflügelfleisch. Als verdauungsfördernde Ballaststoffe dienen Weizenkleie sowie Haferflocken. Aber bitte: Geben Sie dem Igel niemals Milch!

Igel, die verletzt oder bei Frost aktiv sind, gehören in die Hände von Fachleuten. Beachten Sie beim Kontakt mit den Stacheltieren, dass diese häufig stark von Parasiten wie Zecken befallen sind. Am besten feste Bauhandschuhe anziehen. Weitere Informationen finden Sie hier:

Großvögel

Sollten Sie einem verletzten großen Vogel begegnen, dann informieren Sie bitte unverzüglich die Unteren Naturschutzbehörden, die in jedem Landkreis zur Kreisverwaltung gehören. In meist ehrenamtlich auf Spendenbasis betriebenen Wildtierpflegestationen versuchen Fachleute alles, um die Vögel aufzupäppeln und auszuwildern.

Informationen auch unter:

Oder bei der Wildvogelstation Berlin des Nabu e.V..

Sollten Sie ein verletztes oder augenscheinlich hilfloses Tier am Straßenrand entdecken, wenden Sie sich an den zuständigen Jäger, an das nächste Forstamt oder einfach an die Polizei.

Sollten Sie einen großen Vogel benommen im näheren Straßenumfeld sehen, kann dies ein anderes Verhalten erfordern. Diese großen Vögel - meist Beutegreifer wie Eulen, Adler, Bussarde, Falken oder ähnliche Greife- werden auf der Suche nach überfahrenen Tieren gelegentlich selbst vom Sog eines Lkw erfasst und zu Boden gerissen. Dort sitzen sie eine Weile benommen und fliegen dann im besten Fall weiter.

Aber: Hier ist doppelte Vorsicht geboten. Wenn Sie aussteigen und Lederhandschuhe anziehen oder eine Decke als Greifschutz verwenden, beachten Sie, dass Schnäbel und Krallen großer Vögel in vermeintlicher Notwehr zu wirksamen Waffen werden. Auch hier sind die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise sowie ehrenamtliche Wildtierstationen Ihre Ansprechpartner.

Findeltiere im Frühjahr

Bereits im ausgehenden März verwandeln sich Wald und Flur in große Kindergärten. Bei Begegnungen mit jungen Säugetieren ist das Handeln einfach: Finger weg, möglichst großen Abstand halten und in aller Ruhe weitergehen. Denn die Mütter sind in aller Regel nah.

Sollte bei ihrer Rückkehr der Geruch einer auch nur kurz streichelnden Menschenhand auf dem Fell haften, bedeutet das unweigerlich das Todesurteil für die kleinen Pelztiere. Und: Wenn Menschen nahe an Jungtiere herangehen, kann das Mütter abschrecken sowie Beutegreifer anlocken.

Jungvögel

Bei Jungvögeln ist es wie bei den Säugetieren: bitte nicht berühren. Die meisten Jungvögel rufen, weil sie Hunger haben. Auch wenn sie verlassen scheinen, nur keine Sorge: Die Eltern füttern ihren Nachwuchs außerhalb des Nestes, wenn der erste flatterige Flugstunden unternimmt.

Gerade junge Amseln und Drosseln verlassen das viel zu eng gewordene Nest vor der Flugzeit. Wenn Menschen dem Jungvogel allerdings zu nahe kommen, dann wagen sich die Eltern nicht an den Nachwuchs heran. Falls nötig, einfach die Katze zwei Tage im Haus lassen.

Sitzen Jungvögel an Straßenrändern oder ähnlichen Gefahrenorten, dann zehn bis 15 Meter forttragen und auf einen sicheren Ast setzen.

Anders verhält es sich bei kleinen Nestlingen, die kaum befiedert aus dem Nest gefallen sind und wohlauf scheinen: am besten eine Leiter geholt, sicher angestellt und zurück ins Nest gesetzt. Wenn mehrere Nester benachbart sind, können Sie das Jungtier in ein Nest mit möglichst vergleichbar großen Vogelkindern setzen. Die Eltern zählen ihre Sprösslinge nicht und hungrig aufgesperrte Schnäbel wirken unwiderstehlich.
Und wenn ein Jungvogel offensichtlich ein Waisenkind ist? Dann gibt es in aller Regel keine Hilfe ...

Ganz am Rande: Die Natur ist so, wie sie ist. Und das Fressen und Gefressen werden rangiert dabei ganz oben unter den Gesetzen. Trotzdem ist es immer gut, wenn Menschen mit dem notwendigen Hintergrundwissen Wildtiere retten.

Fotos: Ranger der Naturwacht

Faltblatt Findeltiere

Alle Informationen finden Sie auch in unserem Faltblatt Findeltiere (pdf-Datei, 1,2 MB).