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Hecken - Vielfalt in Art und Form


In der Prignitz finden sich Orte wie Rosenhagen oder Simonshagen, deren Namen –hag auf eine Heckenlandschaft hinweisen. Hecken dienten dem Menschen über viele Jahrhunderte als Grundstücks- und Weidenbegrenzung, als Windschutz und zur Verbesserung des Kleinklimas.

Wo sie als "lebender Zaun" genutzt wurden, setzte man Hecken auf den Stock: Immer größer werdende Büsche und verschiedene Baumarten wurden knapp über dem Boden abgesägt und schlugen dann wieder aus. So lieferte die Natur ständig das nötige Brennholz. Früchte wie Hagebutte, Holunder und Schlehe waren zudem unentbehrliche Nahrungsquelle.

Krautstreifen und Überhälter

Je nach Eigenschaft der Böden findet man in Hecken die verschiedensten Gehölzarten. Auf nährstoffreichen Böden wächst die Rotbuche, während Eiche, Vogelkirsche und Birke auch auf Sandböden gedeihen. Sträucher wie Schlehe, Weißdorn, Haselnuss, Pfaffenhütchen, Heckenrose, Ohrweide, Brombeere und Ginster lassen eine Hecke bald undurchdringlich erscheinen.

An einer artenreichen Hecke finden wir einen ein bis zwei Meter breiten Krautstreifen. Bäume, die über die Krautschicht hinauswachsen, nennt man Überhälter. Im Innern einer Hecke entwickelt sich schon bald ein waldtypisches Klima, es herrscht hier weitgehend Windstille.

Vorteile für die Landwirtschaft

Hecken halten starken Wind ab, schützen vor Spätfrösten und auch die Taubildung bietet der Landwirtschaft entscheidende Vorteile: Die Kulturen sind vor Wind- oder Wassererosion geschützt. Eine acht Meter hohe Hecke, die eine Feldkultur umsäumt, kann Ertragssteigerungen bis zu 20 Prozent bewirken. Mit der Flurneugestaltung in den 1960er-Jahren erfolgten aber tiefgreifende Veränderungen der historisch gewachsenen Landschaft. Hecken wurden umgepflügt, größere Felder mussten her. Aber sie erfahren wieder zunehmende Wertschätzung, nicht nur mit Blick auf die Erholungsfunktion der Natur und Landschaft. 

Lebensquelle Hecke

Hecken wirken als Ausbreitungs- und Wanderlinien für viele Tierarten, bieten Deckung und Schutz, sind Überwinterungsquartier, Rückzugsraum, Nahrungsstätte und Lebensraum für Insekten, Lurche, Reptilien und zahlreiche Kleinsäuger der Agrarlandschaft. Haben Sie an einem Frühlingstag schon einmal am Rand einer Hecke gesessen? Man fühlt sich geborgen und geschützt, umgeben von einer lebendigen Mauer aus Blättern und Zweigen, die Sonne wärmt. Es summt, brummt, flattert, kreucht und fleucht. Der Duft verschiedener Blüten lockt zahlreiche Insekten. Verrottendes Holz, feuchte Mulden und Gräben im Krautstreifen und aus der Hecke ragende Bäume bieten Kleintieren, Insekten und Vögeln Nahrungs- und Lebensraum. Von den Beeren der Eberesche zum Beispiel ernähren sich 63 Vogel- und 31 Säugetierarten! Allein von der Schlehe können sich mehr als 80 Schmetterlingsarten ernähren. Holunderbeeren sind nicht nur für uns Menschen interessant, auch Rüsselkäfer, Taufliegen und Haselmäuse ernähren sich davon.

Auf Dornen gespießte Insekten sind sein Speisevorrat, hin und wieder gehört dazu auch eine Maus - aber durch das Abholzen der Hecken zählt der Neuntöter heute zu den gefährdeten Vogelarten. Ein kleiner unscheinbarer Vogel erregt schon ab dem Monat Mai unsere Aufmerksamkeit: Man möchte der Nachtigall stundenlang zuhören, zu sehen ist sie recht selten. Das dichte Blattwerk der Hecke lässt sie im Verborgenen. Hier ist sie sicher, hier baut sie ein Nest, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Auch andere Vogelarten wie Grasmücke, Gelbspötter, Zaunkönig und Goldammer brüten in Hecken.

Das Erlebnis "Natur"

Der bequeme Mensch mit ausgeprägtem Sinn für Ordnung und Sauberkeit gestaltet Gärten mit Koniferen, Rhododendron und artenarmen Rasenflächen. Das Erlebnis „Natur“ wird man hier nicht finden. Dabei sind heimische Gehölze preiswerter und robuster als Exoten. Sie sind an die bestehenden Boden-, Klima- und Feuchteverhältnisse angepasst. Die Hecke im Wandel der Jahreszeiten bietet nicht nur Kindern spannende Naturbeobachtungen. Begeistert schaut man auf das Sprießen der ersten Knospen im Frühjahr, riechen Nasen später an den duftenden Blüten und sammeln Hände die Früchte im Herbst.

Die Feldhecke

1993 legte der Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung e.V. eine etwa 700 Meter lange Feldhecke mit einheimischen Gehölzen - wie Wildapfel, Wildbirne, Vogelkirsche, Vogelbeere, Weißdorn, Schlehe, Wildrose und Weichselkirsche - auf dem ca. 120 Hektar großen Feld östlich der Allee an. Sie gliedert und strukturiert diesen riesigen Schlag und verbindet den "Grünen Steig" und die Alleebäume der Landstraße mit dem Kiefernforst des Hohen Berges. Zugleich begrenzt sie das Naturschutzgebiet Nuthe-Nieplitz-Niederung. Die Ackerfläche nördlich der Hecke befindet sich im Naturschutzgebiet und wird mit eingeschränktem Düngereinsatz und ohne Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet. Am Standort dieser Hecke ist die Verbreitung von Ackerwildkräutern in der Kultur auf beiden Seiten der Hecke und das Ausschwärmen der Bienen auf die Kräuter gut zu beobachten.

Quellen: Naturwacht Rühstädt, Naturpark Nuthe-Nieplitz.