In alten Laubbaumbeständen:
... an frischen Rindenwunden
... an warmen, windstillen Abenden im Juni/ Juli schwärmen die Tiere in der Dämmerung
... Käferfragmente
Erlöse des 1. Moorlaufs im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Brandenburg kamen auch dem Rambower...
40-Seitige Broschüre stellt Veranstaltung in der Elbtalaue vor
Die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg ist Gastgeberin für die Regionalgruppensitzung des...
Wenn man als Waldspaziergänger den imposanten Geweihträger zu Gesicht bekommt, hat der Hirschkäfer (Lucanus cervus) den Großteil seines Lebens bereits hinter sich und nur noch wenige Wochen zu leben. Eigentlich schade, denn so richtig ansehnlich wird der mit bis zu neun Zentimeter Länge größte Käfer Mitteleuropas erst kurz vor seinem Tod, wenn er endlich das Käferstadium erreicht hat. Bis dahin entwickelt er sich jahrelang im Verborgenen. Im Wurzelbereich abgestorbener Alteichen oder in morschen Stubben kann man seine Larven finden. In Deutschland zählt das Insekt des Jahres 2012 zu den vom Aussterben bedrohten Arten.
Schon vor Jahrtausenden hatten die Menschen aus spirituellen, medizinischen oder kulinarischen Gründen Interesse am Hirschkäfer. Den Germanen galten die Sechsbeiner als heilige Tiere Donars, wie sie den nordischen Gott Thor nannten. Die Römer trugen die „Geweihe“ der Käfer als glückbringendes Amulett um den Hals. Ihre Kinder sollten damit vor dem Bettnässen behütet werden. Als beliebter Snack fand sich so manche Hirschkäfer-Larve auf dem Teller eines römischen Senators wieder.
Im Mittelalter diente der Hirschkäfer den Menschen als Aphrodisiakum Mittel und als Arznei gegen Ohrenschmerzen. Wie man sich das wohl vorzustellen hat?
Weil das „Geweih“ der männlichen Insekten beim Überflug eines Feuers mitunter gut sichtbar leuchtete - als würde er glühende Kohlen tragen -, hieß der Hirschkäfer früher im Volksmund auch Köhler. Bei dem bis zu 20 mm langen zangenartigen Geweih handelt sich in Wirklichkeit um den Oberkiefer der Männchen, die sich dadurch optisch stark von ihren Weibchen unterscheiden. Der Fachausdruck dafür lautet Sexualdimorphismus.
Wie bei anderen Insekten auch spielt sich der Großteil eines Hirschkäferlebens im Dunkeln ab. Nach der Eiablage benötigen die bis zu 11 cm langen Larven je nach Nahrungsangebot drei bis acht Jahre bis zur Verpuppung. Etwa faustgroß sind die Puppenwiegen, in denen sich die Larven zum Käfer entwickeln. Haben sie das geschafft, bleibt ihnen im Herbst ihres Lebens noch ein kurzer Sommer. Im Juni und Juli schwärmen die Tiere in der Dämmerung aus und haben nur zwei Lebensinhalte: Fressen und Vermehren.
Erster Stopp - „Käferkneipe“. Die Hirschkäfer ernähren sich ausschließlich von Baumsäften. Eichensaft steht dabei ganz oben auf der Getränkeliste. Ab und an geht der Saft in Gärung über und macht die Käfer regelrecht betrunken. Und so endet manch unachtsames Käferleben bereits auf dem Heimweg von der ersten Käferkneipe im Schnabel eines hungrigen Waldkauzes.
Zweiter Stopp - „Rammelbaum“. An diesen Paarungszentren ringen die Männchen um die Gunst der Weibchen und versuchen, ihre Rivalen mit Hilfe der Geweihe auszuhebeln und vom Baum zu werfen. Während der Kämpfe knacken die Panzer manchmal meterweit hörbar. Um die Auserkorene bei der Paarung vor den Angriffen zum Beispiel von Specht und Krähe zu beschützen, stellen sich die Männchen oft tagelang über ihre Weibchen. Viele opfern dafür ihr Leben und so findet man unter den „Rammelbäumen“ oftmals dutzende tödlich verwundete und angefressene Hirschkäfermänner.
In Brandenburg lebt der Hirschkäfer vor allem im Süden und in der Mitte des Bundeslandes. Doch er sieht seinen Lebensraum auch hier zunehmend schwinden. Werden zum Beispiel Bäume noch vor der Altersphase entnommen oder Totholz entfernt, verliert der Hirschkäfer den Rückzugsraum, um sich zu entwickeln. Die Weibchen beziehen zunehmend seltener morsche Eichenwurzelstöcke oder Stubben, in denen sie ihre Eier ablegen können. So findet sich der ansehnliche Sechsbeiner, den die EU als Art von gemeinschaftlichem Interesse (Anhang II der FFH-Richtlinie) führt, als besonders gefährdet auf der Roten Liste wieder.
Die folgende Karte bildet die Hirschkäfervorkommen in Brandenburgs FFH-Gebieten ab. Grün markiert sind jene Gebiete, in denen wir im Rahmen unserer Natura 2000 - Managementplanung auch für die Hirschkäfer Verantwortung übernehmen.
Damit die Käfer auch zukünftig genügend Lebensraum finden, werden sie bei der Natura 2000 -Managementplanung besonders berücksichtigt. Als Anhang II-Art werden die Vorkommen der Tiere und ihre Verbreitungsgebiete untersucht und Maßnahmen für den dauerhaften Schutz diskutiert. Als praktische Schutzmaßnahmen für diesen zangenbewehrten Krabbler dienen unter anderem die Erhöhung des Laubwaldanteils (insbesondere Eichen), Totholz und Stubben im Wald zu belassen oder Altholzstreifen an Waldrändern zu erhalten, die nach Süden weisen - Maßnahmen, wie wir sie im Rahmen unseres Flächenmanagements zum Beispiel in der Gegend um Atterwasch in der Lausitz berücksichtigen.
Der Hirschkäfer: ein Tier mit imposantem Geweih. Im Süden von Brandenburg werden die Hirschkäfer geschätzt und sogar gezählt. Revierförster Ralf Bekker notiert und fotografiert jeden Hirschkäfer schon seit mehr als dreißig Jahren.
http://www.waldwissen.net/marmelade
http://www.hirschkaeferpirsch.de
http://www.hirschkaefer-suche.de