Blick auf die TeichlandschaftUnser Ziel: Kontrolle des aktuellen Gewässerzustands

In der Teichlandschaft Buchwäldchen-Muckwar im Landkreis Oberspreewald-Lausitz setzen wir uns für die ökologische Teichwirtschaft ein: Insgesamt elf Teiche mit einer Fläche von etwa 42 Hektar gehören zu unseren Flächen. Vier davon werden bewirtschaftet, die restlichen nicht, weil die Wassermengen nicht ausreichen. Nach wiederholten Hinweisen eines Anwohners, dass sich in den Teichen keine Kleinstlebewesen mehr befinden, haben wir gemeinsam mit Kollegen der Naturwacht Brandenburg sowie der Unteren Naturschutzbehörde den aktuellen Zustand und die biotische Ausstattung der Teiche untersucht.

Auf einen Blick

Landkreis: Oberspreewald-Lausitz
Fläche: im Naturschutz- und FFH-Gebiet "Teichlandschaft Buchwäldchen-Muckwar"
Maßnahme: Teichuntersuchung Großer Brauer, Krummetteich, Kleiner Paul, Großer Paul
Ziele: Sicherung eines Lebensraumtyps und Unterstützung der ökologischen Teichbewirtschaftung
Zeitraum: 2021

Hintergrund

Die gemeinsamen Untersuchungen Ende Juni 2021 waren umfangreich:

  • Makrophytenkartierung vom Boot aus mit Krautanker,
  • Phyto- und Zooplanktonprobenahme (Planktonnetz),
  • Sichttiefenmessung und
  • Keschern vom Ufer, das einen kleinen Einblick in Makrozoobenthos und anderes Wassergetier gab.

Das Ergebnis: Die nur einen Meter tiefen Fischteiche sind alle sehr nährstoffreiche Gewässer (eu- bis polytroph) mit geringen Sichttiefen zwischen 20 und 50 Zentimeter. Sie sind überwiegend struktur- und makrophytenreich. Die Teiche gehören dem FFH-Lebensraumtyp "natürlich eutrophe Seen und Teiche" an und befinden sich alle in einem noch guten Zustand. Die Makrophytendominanz im Großen Paul ermöglicht verschiedenen Amphibienarten trotz Fischbesatz eine Reproduktion. Die fischereiliche Bewirtschaftung sollte auch zukünftig nur extensiv und unter besonderer Berücksichtigung von Amphibien und Pflanzenbewuchs erfolgen.

Ein genauer Blick

In ihrem Wasserpflanzenbewuchs sind die Teiche sehr verschieden. Der Krummetteich ist unter Wasser fast kahl. Der Große Brauerteich ist immerhin locker mit nährstofftoleranten Arten (Kammlaichkraut, Krauses Laichkraut) bewachsen und wird durch ausgedehnte Seerosenfelder und stellenweise breites Schilfröhricht strukturiert.

Deutlich artenreicher mit Unterwasserpflanzen ausgestattet sind der Kleine Paul und der Große Paul. Hier kommen sechs bzw. elf  submerse (untergetauchte) und natante (schwimmende) Arten vor. Der Kleine Paul ist zur Hälfte mit Schilf verlandet, das offene Wasser ist fast vollständig mit Schwebematten und Schwimmdecken aus Gemeinem Wasserschlauch, Wasserlinsen, Schwimm- und Teichlebermoos ausgefüllt. Auch im Großen Paul wachsen die eutrophierungstoleranten Arten z.T. bis unter die Wasseroberfläche. Wasserfenchel und Sumpf-Wasserstern waren besonders häufig. Auch Teichfaden, Krauses Laichkraut, Kammlaichkraut, Wasserknöterich, Wasserlebermoose und Quirl-Tausendblatt treten regelmäßig auf. Eine Besonderheit ist die Stachelspitzige Glanzleuchteralge (Nitella mucronata). Im Gegensatz zu den meisten anderen Armleuchteralgenarten besiedelt sie auch nährstoffreiche Gewässer. Früher in Brandenburg weit verbreitet sind die Bestände inzwischen rückläufig. In der Roten Liste Brandenburgs wird sie als gefährdet geführt.

Struktur und ein gedeckter Tisch

Artenreiche Makrophytengesellschaften geben einem Gewässer Struktur, die von verschiedensten Wassertieren als Habitate genutzt werden. Die Planktonanalyse steht zwar noch aus, aber bei der Probenahme war schon mit bloßem Auge ersichtlich, dass in den beiden "krautreichen" Teichen deutlich mehr Zooplankter wie Wasserflöhe oder Ruderfußkrebse leben als im Großen Brauer und Krummetteich. Im fast unbesiedelten Krummetteich konzentrierten sich kleine Hüpferlinge über dem Sediment, im Freiwasser wurden kaum welche gefangen.

Die filigranen Makrophyten im Kleinen und Großen Paul bieten den Zooplanktern einen gewissen Schutz vor Fraßfeinden. Ähnlich ging es wohl auch den Quappen der Knoblauchkröte und Rotbauchunke sowie der Teichmolchlarve, die uns im Kleinen Paul bzw. Großen Paul in den Kescher gegangen sind. Im Makrophytendschungel finden die Amphibienlarven zudem einen gedeckten Tisch vor.

Exkurs: Fischbesatz, Blaubandbärblinge und Nutria

Der sehr unterschiedlich dichte Bewuchs mit submersen Makrophyten lässt sich teilweise mit dem unterschiedlichen Fischbesatz erklären. Bis auf den Kleinen Paul werden die untersuchten Teiche extensiv fischereilich bewirtschaftet. Der Große Brauerteich sowie der Krummetteich werden beide mit mehrsömmrigen Karpfen und der Brauerteich außerdem mit Zandern besetzt, der Große Paul mit ein- und zweisömmrigen Karpfen sowie mit Hechten. Dass Karpfen auf der Suche nach Nahrung im Sediment wühlen und dadurch Unterwasserpflanzen mechanisch schädigen können, ist hinreichend bekannt. Ob und wie stark sich das negativ auf die Makrophyten und somit auf das Gewässerbiotop auswirkt, hängt von der Menge und Göße der Fische ab. Wassertransparenz, Trophie, Wassertiefe u.a. sind ebenfalls maßgebliche Faktoren für die Artenzusammensetzung der Unterwasserpflanzen. Nicht zuletzt spielt auch der Zufall eine Rolle, z.B. der Eintrag über Wasservögel.

Bemerkenswert sind die Vorkommen von Blaubandbärbling und Nutria im Teichgebiet. Beide Arten sind Neozoen. Einige Blaubandbärblinge wurden im Großen Brauer und Krummetteich gekeschert. Laut Fischer sind sie im gesamten Teichgebiet verbreitet und gelangen beim Bespannen über das Zuflusswasser in die Teiche. Der aus Ostasien stammende Kleinfisch wurden in den 1960er Jahren nach Europa eingeschleppt und wird ungewollt über Besatz verbreitet. In Brandenburg kommt er seit 20 Jahren vor. Vorkommen in Teichen und Flüssen der Niederlausitz sind seit längerem bekannt.

Das aus Südamerika stammende Nutria wurde in den 1920er Jahren als Pelztier in Deutschland eingeführt und ist seitdem wiederholt entkommen oder ausgesetzt worden. Wir konnten fast an jedem Teich einige Tiere beobachten. Auffällig war sein Wirken am Großen Brauerteich, Großen und Kleinen Paul. Das Nagetier hat den Schilfbestand gegenüber früheren Jahren merklich zurückgedrängt. Der Wasserfenchel schwamm im Großen Paul großflächig in Kleinteilen auf der Wasseroberfläche. Vollständiger Wasserfenchel war die Ausnahme. Die Auswirkungen des Nutria auf die heimische Flora und Fauna sind umstritten. Im Hinblick auf die Teichpflege kann zumindest der Schilffraß durchaus von Vorteil sein, solange nicht das gesamte Röhricht dadurch vernichtet wird. Problematisch ist eher das Untergraben von Dämmen.

Die Teichlandschaft

Die Teiche im FFH- und Naturschutzgebiet "Teichlandschaft Buchwäldchen-Muckwar" wurden vermutlich im 12. Jahrhundert zur Fischzucht angelegt. Es handelt sich um ein ausgeklügeltes System mehrerer Teiche, die durch Zulaufgräben gespeist werden. Durch dauerhaft niedrige Wasserstände sind Teile der Teiche mit Schilfröhrichten zugewachsen und können inzwischen nicht mehr bewirtschaftet werden. Die fischereiliche Nutzung ist jedoch maßgeblich für den Erhalt dieser nährstoffreichen Stillgewässer mit Schwimm- oder Wasserpflanzenvegetation. Hier finden zahlreiche bedrohte Arten einen Lebensraum, darunter Rotbauchunken, Laubfrösche und Kraniche.

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