Naturschutzfonds Brandenburg
 

Naturschutz in Brandenburg

Newsletter der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg | Ausgabe 02/2021

Schwerpunkt | Projektförderung | Stiftungsflächen | Stiftungsprojekte | Naturwacht | UmweltbildungNaturschutz in Zahlen | Zu guter Letzt

Liebe Leserinnen und Leser,

sich in der Natur bewegen, Ruhe genießen und Eindrücke sammeln – in ihrer Freizeit zieht es viele Menschen hinaus in die Brandenburger Naturlandschaften. Der Nationalpark, die drei Biosphärenreservate und elf Naturparke beheimaten die schönsten Gebiete und laden zu Fuß, per Rad oder im Kanu zu tollen Naturerlebnissen ein. Erholung und Naturbeobachtung - das steht gerade in Corona-Zeiten hoch im Kurs. Aber es gibt einige Regeln zu beachten in diesen sensiblen Gebieten: unser Schwerpunkt in diesem Newsletter.

Bleiben Sie weiter gesund und senden Sie uns wie immer gern eine Rückmeldung an newsletter@naturschutzfonds.de.

Bis zum nächsten Newsletter im Juni,

Ihr Team der Stiftung

Schwerpunkt

Bitte Rücksicht nehmen!

Die steigenden Temperaturen locken die Menschen raus in die Natur. Aufgrund der eingeschränkten Urlaubsmöglichkeiten erwartet die Naturwacht Brandenburg im Vergleich zum langjährigen Mittel eine Verdopplung der Besucherzahlen in den Brandenburger Naturlandschaften. Besonders deutlich war diese Zunahme bereits 2020 in den berlinnahen Großschutzgebieten. Das gestiegene Interesse für die heimische Natur ist für die Brandenburger Rangerinnen und Ranger ein grundsätzlich positives Signal. Darin liegt die große Chance, mehr Menschen für die Schönheit der heimischen Natur und deren Schutz zu begeistern. Und Schutz braucht es hier, denn alle 15 Brandenburger Naturlandschaften sind besonders wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht klären deshalb die vielen Gäste ganz aktiv über die wichtigsten Verhaltensregeln auf.

Die Infografik gibt Hinweise, wie man sich in Schutzgebieten verhalten sollte. Infotafel: "Verhalten in den Schutzgebieten." Wenn Sie vor Ort auch auf die wichtigsten Verhaltensregeln in der Natur hinweisen möchten, sprechen Se uns gern an. Sie können unsere Infografiken (mit Quellenangabe) zum Beispiel als Schautafeln an Wanderwegen kostenfrei nutzen. Grafik: Jenne Baule-Prinz

Damit unsere Naturschätze erhalten bleiben, sind einige Regeln zu beachten. Zum Start in die Saison haben wir sie in einer Infografik zusammengefasst. Wichtig ist, auf den Wegen zu bleiben, um keine seltenen Pflanzen zu zertreten oder Wildtiere zu verschrecken. Hunde sind in Schutzgebieten an der Leine zu führen, damit streng geschützte Bodenbrüter ihre Gelege nicht verlieren. Keinen Müll in der Natur zu hinterlassen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Jedoch zeigen die Erfahrungen aus dem letzten Jahr, dass vor allem neue Besucherinnen und Besucher mit diesen Verhaltensregeln nicht hinreichend vertraut sind. In den allermeisten Fällen hinterlassen sie ihre Spuren ohne böse Absichten (Lesen Sie in diesem Newsletter mehr dazu.) Auch auf dem Wasser gilt es, Rücksicht zu nehmen und zum Beispiel den Schilfgürtel zu meiden. Eine zweite Infografik informiert hier über Verhaltensregeln und deren Hintergrund.

Tipps für die Ausflugsplanung

Darüber hinaus empfiehlt die Naturwacht, bei der Ausflugsplanung über die berlinnahen Großschutzgebiete wie die Naturparke Barnim oder Nuthe-Nieplitz hinaus zu schauen. Am Platz mangelt es nämlich nicht: Die 15 Großschutzgebiete umfassen immerhin ein Drittel der Landesfläche Brandenburgs. Weniger überlaufen sind vor allem die entlegeneren Naturlandschaften wie das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg oder die Naturparke Westhavelland und Stechlin-Ruppiner Land. Im Süden Brandenburgs finden Besucher in den Naturparken Niederlausitzer Heidelandschaften und Niederlausitzer Landrücken ebenfalls reichlich Platz, um die Natur und frische Luft zu genießen. Ganz im Osten lockt der Nationalpark Unteres Odertal mit seiner weitläufigen Auenlandschaft.

Ausflüge in die Natur sind auch auf eigene Faust sehr gut möglich – geführte RangerTouren können derzeit pandemiebedingt nicht angeboten werden. Brandenburg hat ein sehr großes Netz an Wander- und Radwegen ausgebaut. Einige Touren stellen wir auf unserer Webseite vor. An beengten Stellen wie zum Beispiel auf den zahlreichen Beobachtungstürmen ist auf die Einhaltung des Mindestabstands zu achten.

Projektförderung

Aktuelle Beispielprojekte

In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen drei von uns geförderte Projekte vor. Den Anfang macht die Verbesserung der Wasserversorgung der Euloer Teiche im Landkreis Spree-Neiße. Die Teiche im FFH-Gebiet Euloer Bruch bleiben nun als Lebensraum für zahlreiche Arten erhalten. 

Im Landkreis Teltow-Fläming konnte der Storchenhorst auf dem Schornstein der "Alten Molkerei" in Großbeeren saniert werden. Zur diesjährigen Brutsaison steht dieser Brutplatz also wieder zur Verfügung. Die Gemeinde plant den Einbau einer WebCam - wir sind gespannt. 

Das dritte Beispiel kommt aus dem Landkreis Prignitz: Nachdem ein ehemaliger Trafoturm im Pritzwalker Stadtteil Seefeld saniert wurde, finden Fledermäuse und gebäudebrütende Vögel dort ein neues Quartier. Das ist wichtig, denn durch Abriss oder Sanierung gehen viele Quartiere für diese Kulturfolger verloren.

Sie möchten einen Projektantrag stellen? Auf unserer Webseite finden Sie die nötigen Infos und auch die Beispielprojekte der vergangenen Jahre. Bitte haben Sie Verständnis, dass aufgrund der Corona-Einschränkungen die Bearbeitung eines Förderantrags länger dauern kann.

Stiftungsflächen

Wasser für die Retziner Teiche

Von einer extensiven Teichwirtschaft profitieren zahlreiche Vogelarten, Amphibien und Säugetiere. Die Aufgabe der Nutzung gefährdet diesen Lebensraum. Das gilt auch für die Retziner Teiche im Landkreis Prignitz: Die Teichanlage liegt innerhalb des Naturschutz- und Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiets Stepenitz und bietet zahlreichen seltenen Arten wie dem Kammmolch und der Bauchigen Windelschnecke Lebensraum.

Allerdings ist die Teichanlage seit fünf Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Die Retziner Teiche drohten zu verkrauten. Wir wollen die Teiche als wichtigstes Stillgewässer in der Umgebung erhalten.

Stiftungsprojekte

Aktualisierte Webseiten

Bereits seit 2005 arbeiten wir in eigenen Projekten. Das reicht von kleineren Maßnahmen auf stiftungseigenen Flächen bis zu komplexen und großräumigen Naturschutzvorhaben, für die Flächen erworben oder von Dritten bereitgestellt werden.

Damit Sie sich schneller und umfassender über unsere sehr unterschiedlichen Projekte informieren können, haben wir unsere Website in diesem Bereich angepasst und deutlich ausgebaut. Ob investive Maßnahmen, LIFE-Projekte oder Managementplanung und Umsetzung für Natura 2000 – unter "Stiftungsprojekte" sind die Eckpunkte und Maßnahmen beschrieben. Wir überprüfen mit unserer Erfolgskontrolle, wie wirksam umgesetzte Maßnahmen sind: Auch diese Berichte finden Sie hier. Nach und nach werden sich diese Seiten weiter füllen, wenn wir über aktuelle Stiftungsprojekte berichten. Wiederkommen lohnt sich also...

Naturwacht

Besucheransturm schon im letzten Jahr

Im vergangenen Jahr registrierten die Rangerinnen und Ranger vermehrt die Missachtung des Wegegebots, illegales Zelten sowie Feuerstellen. Viele Menschen reagierten auf die spürbar reduzierten Kapazitäten auf Campingplätzen oder in Unterkünften, indem sie mit ihren Wohnmobilen und Campern wild am Straßenrand oder auf Waldwegen parkten. Die Naturwacht beantwortete den gestiegenen Besucherdruck mit verstärkter Gebietskontrolle und Aufklärung. Ein Brennpunkt lag im Rambower Moor zur Kranichrast: Besucher liefen abseits der Besuchertürme und Wege in die Wiesen, um rastende Vögel möglichst nah zu beobachten und störten dadurch massiv.

In der Folge verlagerte sich der Kranicheinflug in fernere, nicht einsehbare Wiesenbereiche. Die allermeisten Fälle konnten jedoch durch Aufklärungsgespräche einvernehmlich gelöst werden. Insgesamt verzeichnete die Naturwacht 2020 mit insgesamt 2.412 Überschreitungen (1.151 in 2019) eine deutliche Zunahme von Verstößen in der Landschaft.

Naturschutz in Zahlen

Neuer Auenwald für die Stepenitz

389 Flatter-Ulmen, 313 Schwarz-Erlen, 102 Schneebälle, 81 Europäische Pfaffenhütchen ... Insgesamt wurden im Rahmen unseres Projektes LIFE-Feuchtwälder über 3.000 Setzlinge 17 typischer Bäume und Sträucher der Auenwälder gepflanzt. An sieben Standorten entlang des Gewässerlaufs der Stepenitz im Landkreis Prignitz sichern die Gehölze die Uferböschungen und beschatten in den Sommermonaten das Gewässer. In Folge verbessern sich die Sauerstoffverhältnisse, wovon bedrohte Arten, die an sommerkühle Gewässer angepasst sind, profitieren: die Kleine Bachmuschel zum Beispiel oder Fische wie Döbel, Hasel und Lachs.

Alle Setzlinge entstammen regionalem Saatgut. Die geplante Pflanzung von Eschen war dabei eine Herausforderung: Über Baumschulen bekommt man zur Zeit keine Eschen zum Verpflanzen. Der Grund ist das Eschentriebsterben. Doch glücklicherweise vermehrt sich die Esche von Natur aus an der Stepenitz noch zahlreich, sodass 80 Eschen direkt vor Ort gewonnen und gepflanzt werden konnten.

In unserem LIFE-Projekt widmen wir uns dem Erhalt und der Wiederherstellung von Auen- und Moorwäldern. Mehr zur Pflanzung und über das Projekt lesen Sie unter www.feuchtwaelder.de.

Umweltbildung

Verlängerung für ErlebnisVielfalt

Die Naturwacht arbeitet in ihrer Umweltbildung nach den Grundsätzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Auch das außerschulische Bildungsangebot ErlebnisVielfalt, das sich bereits seit 2017 an Kinder- und Jugendgruppen wendet, fußt darauf. Das Projekt musste aufgrund der Corona-Pandemie teilweise pausieren und wurde deshalb um ein Jahr verlängert.

Die Gruppen erforschen verschiedene Lebensräume und ihre Arten. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Menschen und Lebensräumen. Auch die mitunter schwierige Abwägung zwischen Nutzung und Naturschutz wird thematisiert.

Die Angebote sind zeitlich, inhaltlich und methodisch auf verschiedene Altersgruppen zugeschnitten. Eine Evaluation aus dem letzten Jahr zeigt, das die Themen Gewässer, Wald, Wiese, Insekten und Wolf auf besonderes Interesse stoßen. Vor allem Kitas und Grundschulen buchen das Programm und gerade in der Zielgruppe zwischen vier und zehn Jahren kam das Angebot auch sehr gut an. Besonders schön: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen ihre Erwartungen erfüllt, empfehlen die Angebote weiter oder würden sie erneut buchen.

Das geht dank der Verlängerung nun – natürlich unter Berücksichtigung der Corona-Regeln. Das Programm kann auch 2021 in den Großschutzgebieten kostenfrei angefragt werden. Mehr dazu auf unserer Webseite.

Zu guter Letzt

Rund um Brodowin

Mit Hilfe des europäischen Agrarfonds ELER wird auch der Ausbau der touristischen Infrastruktur in den 15 Nationalen Naturlandschaften unterstützt. Ein Beispiel ist das Besucherleit- und Informationssystem rund um Brodowin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Und weil das Erkunden von Natur und Kultur eine gute Alternative zu geführten Touren und unter Corona-Einschränkungen möglich ist, wurde diese Wanderung samt Broschüre das ELER-Projekt des Monats April.  Lieber gleich los wandern? Sie können die Broschüre auch auf der Website des Ökodorfs Brodowin direkt herunterladen.