Gutes Jahr für die Wiesenorchideen

Die feuchte und kühle Witterung im Frühjahr 2021 sorgte für ein gutes Wachstum bei Wiesenorchideen. Das ergibt die Auswertung der Orchideen-Zählung durch die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht Brandenburg. Auf 66 Zählflächen in zehn Brandenburger Großschutzgebieten wurden dieses Jahr rund 51.000 blühende Orchideen erfasst. 2020 waren es knapp 30.000, im Jahr 2016 etwa 14.000. Die Daten beziehen sich auf die beiden Wiesen-Orchideenarten Breitblättriges Knabenkraut und Steifblättriges Knabenkraut sowie die hybride Form.

In Brandenburg sind 39 Arten und drei Unterarten wilder Orchideen sicher nachgewiesen. 13 Arten allerdings gelten als ausgestorben. Orchideenstandorte werden in der Regel speziell bewirtschaftet, um die Pflanzen zu schützen. Im Naturpark Uckermärkische Seen werden zum Beispiel 14 Orchideenflächen über den Vertragsnaturschutz gefördert. Für die insgesamt knapp 20 Hektar werden rund 40.300 Euro bereitgestellt. Nehmen Landnutzer beispielsweise Rücksicht auf den für Orchideen günstigen Mahdzeitpunkt und verzichten dadurch auf Ertrag, erhalten sie vom Landesamt für Umwelt, LfU, einen finanziellen Ausgleich.

Seltene Schönheit

Wiesenorchideen besitzen sehr schöne und zumeist auch große Blüten. Die Pflanzen sind mehrjährig und setzen bei ungünstiger Witterung auch jahrelang mit der Blüte aus. Verschollene Vorkommen könnten dann wieder auftauchen. Mittlerweile sind wilde Orchideen in Deutschland selten geworden. Als Hauptgründe sind die Intensivierung der Landwirtschaft sowie die Trockenlegung von Standorten, aber auch das Überwuchern durch konkurrenzstärkere Pflanzen, Sträucher und Bäume zu nennen. Auch einige Zählflächen der Naturwacht wurden in den vergangenen Jahren aufgegeben, weil sich die Standortbedingungen der Wiese soweit verändert hatten, dass das ehemalige Vorkommen als erloschen gelten muss.

Es kommt immer wieder vor, dass vermeintliche Pflanzenliebhaber Orchideen ausgraben, um sie zuhause zu kultivieren. Das ist einerseits verboten und funktioniert zudem nicht: Erstens stimmen die Standortbedingungen im heimischen Garten nicht und zweitens leben die Orchideen mit bestimmten Pilzen in einer Symbiose, die in normalen Gartenböden gewöhnlich nicht anzutreffen sind. Dabei siedeln sich die Pilze auf der Wurzel an. Durch das Umpflanzen werden die beiden voneinander getrennt. Die Orchidee geht ein, weil ihr Nährsalze und Wasser fehlen, die der Pilz zur langjährigen Partnerschaft beisteuert.

Im Einsatz für den Erhalt der Orchideen

Die Knabenkräuter, aber auch andere seltene Pflanzenarten wie Prachtnelke, Kümmel-Silge, Teufelsabbiss oder Kuckucks-Lichtnelke sind auf eine Beweidung oder regelmäßige Mahd angewiesen, weil sie andernfalls schlichtweg von konkurrenzstarken Arten wie Schilf überwuchert und verdrängt würden. Die frühere kleinteilige landwirtschaftliche Nutzung des Dauergrünlandes hat maßgeblich zum Überleben der Wiesenorchideen beigetragen. Mit dem weitgehenden Verschwinden dieser kleinteiligen Nutzung muss die regelmäßige Mahd für den Erhalt solcher Arten anders organisiert werden.

Hier sind Landwirte wichtige Partner der Naturwacht. Mit ihnen wird abgestimmt, wann das Schneidwerk auf der Fläche zum Einsatz kommt. Das Landesamt für Umwelt LfU fördert die Pflege der Flächen durch Mittel des Vertragsnaturschutzes; d.h. dass Landnutzer Geld dafür bekommen, die Mahd zu einem bestimmten Zeitpunkt durchzuführen oder Flächen auf Orchideen-fördernde Weise zu bewirtschaften. Auf schwer zugänglichen oder sehr kleinen Standorten legt die Naturwacht selbst Hand an. Regelmäßig helfen hier Schulklassen im Rahmen der Umweltbildung oder auch die Freiwilligen der Naturwacht mit.

Ihr Kontakt

Ralf Klusmeyer
Sachgebietsleitung Monitoring
Telefon: 0331 / 97 164 869
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