NaturschutzpreisEngagement für Natur, Kulturlandschaft und biologische Vielfalt

Es ist gewiss eine unserer schönsten Aufgaben: Seit unserer Gründung zeichnen wir Menschen aus, die sich besonders für die Natur unseres Landes engagieren. Wir ehren sie mit unserem Naturschutzpreis.

Bereits zum zwölften Mal haben wir den Brandenburger Naturschutzpreis in diesem Jahr ausgelobt und Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene gesucht, die sich besonders für Natur, Kulturlandschaft und biologische Vielfalt engagieren.

Die Preisträger 2019

Herzlichen Glückwunsch an Rocco Buchta, den  Leiter des Flussrenaturierungsprojekts "Untere Havelniederung zwischen Pritzerbe und Gnevsdorf", und die Waldhofschule Templin, eine integrative Schule in Trägerschaft der Stephanus gGmbH!

Waldhofschule Templin

Im Rahmen des Schulwald-Projektes der Waldhofschule Templin erleben Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung oder Förderbedarf aus verschiedenen Bildungseinrichtungen die Vielfalt der Natur und erkennen dabei die Vernetzung aller Lebensvorgänge. Die Kinder und Jugendlichen beschäftigen sich mit der ökologischen Nutzung und Umgestaltung des Waldes - in all ihren Facetten.

Die Waldhofschule Templin ist eine integrative Schule in Trägerschaft der Stephanus gGmbH, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Stephanus-Stiftung. Seit Januar 2007 werden 700 Hektar des Templiner Stadtwaldes an diese Stiftung verpachtet und so der Schulwald ermöglicht.

Beschreibung und Jury-Begründung

Gemeinsam mit Schulförster Joachim Lange verjüngen sie den Wald und bauen ihn zum ursprünglichen Mischwald um. Hierbei wird ihnen umfangreiches Wissen zur Ökologie des Waldes und zu seiner Bedeutung für den Klimawandel, aber auch ganz speziell für das eigene Leben vermittelt. Sie begleiten und erlernen dabei auch vielfältige praktische Schritte:

  • das Markieren schlagreifer oder befallener Bäume
  • das Vermessen von Rückegassen für Rückepferd Fritz (sein Stall befindet sich direkt neben der Waldhofschule)
  • die Verhandlung mit Holzkäufern
  • die eigene Bearbeitung des Holzes und
  • die Pflanzung neuer Bäume.

Bislang wurden 750.000 Laub- und Nadelbäume gepflanzt und 50 Prozent der Fläche in einen Mischwald umgewandelt.

Darüber hinaus erhalten und pflegen die Kinder und Jugendlichen seltene Lebensräume wie Moore, Streuobstwiesen, Bruchwälder und alte Buchenwälder und lernen dabei zahlreiche Arten kennen. In einem etwa 230-jährigen Buchenaltholz brütet beispielsweise seit über 15 Jahren ein Seeadlerpaar. Aus Gründen des Natur- und Artenschutzes wird hier auf eine Holznutzung verzichtet. In Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Horstbetreuern und der Naturschutzstation Woblitz konnten bereits mehrfach Schülerinnen und Schüler an einer Beringung der Jungvögel teilnehmen.

Auch Jagd und Wildverarbeitung sowie –vermarktung sind Teil des Projektes. Die Kinder und Jugendlichen lernen den Zusammenhang zwischen Jagd und Waldschutz kennen. Sie erfahren, wie Wild aufgebrochen und abgezogen wird und können im Rahmen einer Kooperation mit einer regionalen Fleischerei auch Praktika absolvieren, um zum Beispiel Bratwürste und Wildfleisch zu produzieren. Und schließlich bieten Schülerinnen und Schüler der Waldhofschule das Wildfleisch aus dem Schulwald auch in einem Hofladen zum Verkauf an.

Dieses extrem vielschichtige und dabei sehr stimmige Konzept des Schulwald-Projektes überzeugt. Hier gelingt es in vorbildhafter Weise, Wissensvermittlung und unmittelbare Erfahrung sowie die Lebenswelt der Lernenden einzubeziehen und so einen nachhaltigen Bildungserfolg zu erzielen. Mit der Preisvergabe wird ausdrücklich der integrativen Ansatz, die regionale Verankerung und das extrem hohe Engagement aller Beteiligten gewürdigt. Ein Projekt mit Modellcharakter!

Rocco Buchta

Herzlichen Glückwunsch auch an Rocco Buchta: Er trägt als Leiter des Flussrenaturierungsprojekts "Untere Havelniederung zwischen Pritzerbe und Gnevsdorf" maßgeblich dazu bei, dass die Untere Havel wieder naturnäher und vielfältiger wird. Das Gewässerrandstreifenprojekt des NABU e.V. - mit finanzieller Unterstützung des Bundes und der Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt - ist das größte Flussrenaturierungsprojekt Mitteleuropas. Rocco Buchta hat mit seinem herausragenden Engagement von Anfang an maßgeblich zum Projekterfolg beigetragen.

Beschreibung und Jury-Begründung

Bereits für die Planungsphase ließ sich Rocco Buchta 2005 als damaliger Leiter des Naturparks Westhavelland freistellen, um alle Beteiligten von der Projektidee zu überzeugen. Es folgten umfangreiche Planungen und Abstimmungen mit Flächeneigentümern, Nutzern und weiteren Akteuren auf einer Gesamtlänge von 90 Flusskilometern und einer Projektfläche von 18.700 Hektar. "Bei einer so großen Projektfläche sind natürlich auch zahlreiche Akteure im Spiel, deren Belange Gehör finden mussten", so Rocco Buchta. "Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, gemeinsam Wege zu finden, um diesen kostbaren Lebensraum zu erhalten."  

Im Rahmen des Projektes werden unter anderem:

  • 500 Hektar Überflutungsfläche für den Hochwasserschutz zurückgewonnen,
  • rund 90 Hektar Auenwald begründet,
  • knapp 30 Kilometer Steinschüttungen abgebaut sowie
  • 49 Flutrinnen und 15 künstlich abgeschnittene Altarme wieder angeschlossen.

Zudem werden Konzepte für eine bessere Grünlandnutzung ausgearbeitet, das Wassermanagement verbessert und die Gewässerunterhaltung in Abstimmung mit den zuständigen Behörden eingeschränkt. So gewinnt die Havel ein erhebliches Stück ihrer ursprünglichen Vielfalt zurück und mehr als 1.100 bedrohte Arten finden bessere Lebensbedingungen. Im Mittelpunkt steht dabei stets auch der Mensch, denn das Projekt liefert wichtige Impulse für die nachhaltige Entwicklung der Region.

Dieses außergewöhnlich umfangreiche und vielschichtige Projekt hat aus Sicht der Jury großes Potenzial, andere Projektträger bei der Umsetzung der Ziele des Naturschutzes, insbesondere des Schutzgebietssystems Natura 2000, zu inspirieren und ihnen Mut zu machen, solche Großprojekte anzustoßen.

Der Brandenburger Naturschutzpreis

Bereits zum zwölften Mal haben wir 2019 den Brandenburger Naturschutzpreis ausgelobt und Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene gesucht, die sich besonders für Natur, Kulturlandschaft und biologische Vielfalt engagieren.Wer kann sich bewerben und welche Auswahlkritereien liegen zugrunde?

Wer kann sich bewerben?

Wir zeichnen mit unserem Naturschutzpreis richtungsweisende Leistungen im Bereich des aktiven, praktischen Naturschutzes, der nachhaltigen Landnutzung oder auch eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung aus. Darüber hinaus ehren wir auch wissenschaftliche, planerische oder wirtschaftliche Leistungen.

Für den Brandenburger Naturschutzpreis können einzelne Personen, Verbände, Vereine, oder Unternehmen sowie Schulklassen, Kindergruppen oder Arbeitsgemeinschaften vorgeschlagen werden bzw. sich selbst bewerben.

Der Preis richtet sich auch an Menschen, die nicht in Brandenburg leben, sich aber in besonderem Maße um den Schutz von Natur und Landschaft zwischen Elbe und Oder verdient gemacht haben. Der Naturschutzpreis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro dotiert und kann geteilt werden.

Bewerbungen oder Vorschläge können voraussichtlich wieder im Frühjahr 2020 in unserer Geschäftsstelle eingereicht werden. Über die genauen Fristen informieren wir rechtzeitig.

Unsere Auswahlkriterien

Nach diesen Kriterien bewerten wir die Vorschläge und Bewerbungen:

  • Innovation und Kreativität der Leistung, die mit hohem persönlichen Engagement und Hartnäckigkeit umgesetzt wird,
  • Vorbild- oder Modellcharakter der Leistung, die auf andere Regionen Brandenburgs oder darüber hinaus übertragbar ist,
  • regionale Verankerung der Leistung, die sich in der Einbindung der Bevölkerung, dem Aufbau eines Netzwerkes oder auch der Medienwirksamkeit zeigt,
  • Nachhaltigkeit der Leistung, sowohl im ökologischen wie auch im zeitlichen Sinn: das Projekt wirkt nach,
  • die Leistung sollte innerhalb der letzten 24 Monate und in Brandenburg umgesetzt worden sein.

Die Preisträger vergangener Jahre

Neugierig geworden? Vorbilder gesucht? Lernen Sie auf der Seite Rückblick unsere Preisträger der letzten Jahre besser kennen.

Wenn Sie Fragen haben, helfen wir Ihnen gern weiter! Schreiben Sie uns eine E-Mail.

Ihre Ansprechpartnerin

Carolin Trübe
Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0331 / 971 64 853
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