Wegweiser fürs Naturerleben

Wir möchten unsere Begeisterung mit Ihnen teilen! Mit unseren RangerTipps öffnen wir Ihnen die Augen für Naturerlebnisse im Jahreslauf. Denn wie überall im Leben, ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung.

Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. Natur erleben nach Jahreszeit mit ganz besonderem Blick.

RangerTipps für den Juli

Diesmal wieder von Sabine Clausner, Rangerin im Naturpark Westhavelland.

Grünstreifen
Rohrkolben
Seifenkraut
Steinklee
Eiche
Gespinst
Fischadler
Strochennachwuchs

Die große Trockenheit

So sehr Wasserratten und Sonnenanbeter diese Tage genießen: Für die Pflanzenwelt ist die anhaltenden Trockenheit eine große Herausforderung und in der Folge auch für die Tiere, die ja letzten Endes alle davon abhängen.

Grün findet man nur noch auf tiefliegenden Flächen, die in normalen Jahren wegen der Feuchtigkeit kaum zu bewirtschaften oder zu befahren sind. In diesem Jahr ist das möglich, allerdings ist dies kein adäquater Ausgleich zu den jetzt zu trockenen Flächen, weil die Qualität nicht dieselbe ist.

Manch einer wird sich vielleicht über die stehengebliebenen Grünstreifen wundern: Hatte der Landwirt keine Lust mehr oder war Feierabend ? Weder, noch – des Rätsels Lösung: Diese Streifen lassen die Landwirte extra stehen. Als Schutzstreifen für die Tierwelt. Wenn sehr große Flächen gemäht werden, werden die Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten für größere und kleinere Tiere rar und bis zum nächsten Wiesenrand ist der Weg mitunter weit. Also lassen die Landwirte auf den Grünflächen in bestimmten Abständen immer wieder Streifen stehen. Dies ist auch für die Pflanzenwelt von Vorteil, weil einzelne Arten dann noch die Möglichkeit haben mit ihren Früchten bis zur Reife zu gelangen.

Wo Rohrkolben und Schilf stehen, sieht die Landschaft wenigstens ausschnittsweise noch einigermaßen grün aus: Diese Pflanzen wachsen an normalerweise sehr feuchten bis nassen Standorten. Hier finden sie aktuell trotz der langen Trockenperioden noch genügend Feuchtigkeit.

Allenthalben findet man auch Seifenkraut: Es blüht gerade. Zerreibt man die Blätter mit Wasser, erhält man eine seifenartige Lösung, worauf der Name ja schon hindeutet.

Beim Steinklee hingegen bleibt der Bezug zwischen Name und Verwendung erst einmal offen. Sein anderer Name ist allerdings Honigklee und dieser erklärt sich mit dem Duft der frischen Pflanze. Wird das gemähte Gras getrocknet und als Heu eingefahren, ist der Steinklee für den typischen Heugeruch verantwortlich.

Achtung: Brennhaare!

Was wie ein Bild einer Eiche im Frühling aussieht, das täuscht: Eichen, die jetzt so aussehen, sind Opfer des Eichenprozessionsspinners. Genauer gesagt, seiner Raupen. Diese fressen, wie der Name schon sagt, hauptsächlich die Eichenblätter. Ab dem dritten Stadium entwickeln die Raupen ihre berühmt-berüchtigten und schwerste allergische Reaktionen hervorrufenden Brennhaare, die leicht abbrechen und dann auch mit dem Wind verbreitet werden. Die Raupen leben gesellig und gehen in Gruppen von 20 bis 30 Individuen im "Gänsemarsch" auf Nahrungssuche - daher der Name "Prozessionsspinner". Die älteren Raupen ziehen sich tagsüber und zur Häutung in Raupennester (Gespinste) zurück, die bis zu einem Meter lang werden können und am Stamm haften oder in Astgabelungen liegen. Die alten Larvenhäute bleiben nach der Häutung in den "Nestern", deshalb ist hier die Konzentration an Brennhaaren oft sehr hoch. Alte Gespinstnester, ob am Baum haftend oder am Boden liegend, sind eine anhaltende Gefahrenquelle. Die Raupenhaare sind lange haltbar und reichern sich über mehrere Jahre in der Umgebung an, besonders im Unterholz und im Bodenbewuchs wie Gräsern und Sträuchern. Man sollte sich also tunlichst davon fern halten!

Völlig ungefährlich ist es hingegen, Fischadler auf ihren Horsten zu beobachten, die sie mit Vorliebe auf Strommasten bauen. Mittlerweile dürften die meisten Jungvögel schon flügge sein, sie üben sich bereits im Beute schlagen. Trotzdem sieht man noch häufig die Altvögel am Horst.

Der Nachwuchs der Weißstörche muss sich dagegen noch ein wenig gedulden. Zwar sind die meisten Jungen in den Horsten schon so groß, dass man sie auch von unten deutlich erkennen kann. Aber bis sie alleine auf Nahrungssuche gehen bzw. fliegen können, wird es wohl noch ein paar Tage dauern, in denen die Altvögel, je nach Anzahl der Jungen, einiges zu tun haben. Bleibt nur zu hoffen, dass sich bei der anhaltenden Trockenheit genügend Nahrung für alle Jungen findet.

Fotos: Sabine Clausner