RangerTipps: Wegweiser fürs Naturerleben

Wie überall im Leben ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung. Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. Natur erleben nach Jahreszeit mit ganz besonderem Blick, das sind die RangerTipps.

RangerTipps für den September

von Sabine Clausner, Naturpark Westhavelland.

Efeu
Hagebutten
Apfel
Weißdorn
Holunder
Kastanien
Frosch
Roter Milan
Kraniche auf dem Feld
Kraniche hoch oben
Gänse
Abendicher Einflug

Bevor ich mit den Beobachtungstipps für September anfange, gehe ich erst einmal zum Mülleimer und bringe den Papiermüll weg. Dabei überlege ich schon mal, was ich denn so schreibe... Am Mülleiner angekommen, stutze ich: Ein Summen und Brummen! Was ist hier los? Es ist doch schon Herbst und die Hauptflugzeit für die meisten Insekten schon vorbei.

Es blüht ja auch nicht mehr allzu viel, an dem sich Biene, Hummel und Co laben könnten. Doch hier ist die Hauswand mit Efeu begrünt. Und hier summt es. Ein Blick genügt und ich stelle fest: Der Efeu blüht! Wenn die meisten anderen Pflanzen lange verblüht sind und sich schon Früchte gebildet haben, dann bietet der Efeu im September und Oktober Insekten noch eine willkommen Nektarquelle. Die Früchte reifen von Januar bis April und dienen vielen Vögeln als Nahrungsquelle.

Wenn sich dieser Tage auch mal die Sonne zeigt, leuchten die Hagebutten besonders intensiv, aber auch bei bedecktem Himmel sind die Früchte der Rosen Farbtupfer in der sonst eher tristen Landschaft.

Es ist Erntezeit

Äpfel und Birnen reifen. Bei den Birnen lassen die Stare allerdings kaum einem anderen eine Chance. Sie machen sich über das Obst her, bevor es noch richtig reif ist. Und die angepickten Früchte werden gerne von anderen weiter ausgehöht, sei es nun, dass sie noch am Baum hängen, oder schon am Boden liegen. Hier ist beim Auflesen oder Abpflücken Vorsicht geboten, damit man nicht einer Wespe in die Quere kommt, die sich womöglich schon an der Frucht gütlich tut, die man sich auch ausgeguckt hat.

Auf den ersten Blick vielleicht zum Verwechseln: Die Früchte des Weißdorns sind ebenfalls leuchtend rot wie die Hagebutten, aber bei genauerem Hinsehen gibt es doch deutliche Unterschiede. Und wer sich am Namen stört;die Blüten sind weiß.

In diesen Tagen könnte man auch Holunder ernten - wenn man denn eine Stelle kennt, die die Stare noch nicht gefunden haben. Sicherlich werden die Beeren auch von vielen anderen Vögeln gefressen, aber die schwarz glänzend Gefiederten sind momentan lautstark in großen Trupps unterwegs und müssen sich eine gewisse Gefräßigkeit nachsagen lassen.

Kastanien sind dagegen bei anderen Sammlern sehr beliebt - hauptsächlich bei Kindern. Und diese Früchte werden ihnen auch höchstens von ihren Spielkameraden streitig gemacht. Aber hier sollte es genug für alle geben.

Blick nach oben

Noch haben sich nicht alle Amphibien verkrochen. Tagsüber, wenn die Wassertemperatur gegenüber der Nacht wieder etwas ansteigt, wagt sich der eine oder andere Frosch doch noch an die Wasseroberfläche.

Rote Milane ziehen am Himmel noch ihre Kreise, Wenn auf den Feldern die Ernte eingefahren wird oder die Wiesen gemäht werden, haben sie leichtes Spiel und kommen bequem an ihre Beutetiere. Günstig, um sich für den Zug ins Überwinterungsquartier zu stärken.

Kraniche tun es ihnen gleich, sie suchen ihre Nahrung aber auf den abgeernteten Maisfeldern, die immer noch genug Maiskörner bieten, um satt zu werden. Fliegende Kraniche hört man oft schon lange, bevor man sie sieht. Sind sie nicht all zu hoch, fliegen sie nur vom Futterplatz zum Schlafplatz. Die Nacht verbringen sie in einem seichten Gewässer: im Wasser stehend, sicher vor Räubern. Wenn es Zeit wird für die Zug in die wärmeren Winterquartiere, sind die großen Vögel am Himmel manchmal nur noch als kleine Punkte zu erkennen.

Graugänse sammeln sich zum Fressen und suchen zum Schlafen ebenfalls ein Gewässer auf. Das darf aber ruhig auch ein bisschen tiefer sein, weil Gänse auf dem Wasser schwimmend schlafen, um vor Fuchs, Mink und Marder sicher zu sein. In der Dämmerung fliegen die Gänse in Trupps zum Schlafgewässer, aber auch im Stockdunkeln kommen noch immer wieder Scharen eingeflogen.

Übrigens: Wir Ranger bieten zum Vogelzug wieder einige Touren an. Begleiten Sie uns zu den Kranichen und Gänsen!

Text und Fotos: Sabine Clausner