RangerTipps: Wegweiser fürs Naturerleben

Wie überall im Leben ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung. Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. Natur erleben nach Jahreszeit mit ganz besonderem Blick, das sind die RangerTipps.

RangerTipps für den Januar

Diesmal von Sabine Clausner, Rangerin im Naturpark Westhavelland.

Vögel zählen und Singschwänen lauschen

Weide an der Havel
Letzte Hagebutten
Seeadler für Adleraugen
Singschwäne
Ein Singschwan ist beringt
Leuchtender Sanddorn
Weißdornfrüchte

Voller Elan beginnt das neue Jahr gleich mit einer Vogelzählrunde. Ein Pluspunkt für mich: Da es selbst um acht Uhr noch nicht hell ist, schon gar nicht bei Regenwetter, brauche ich auch nicht extra früher aufbrechen. Halb neun reicht völlig aus.

Schlafplatzzählung ist erst wieder bei der Internationalen Wasservogelzählrunde, die immer Mitte des Monats stattfindet. Da heißt es dann vor dem Hellwerden an seiner Zählstelle zu sein, um die Gänse beim Losfliegen in der Morgendämmerung erfassen zu können. Falls jemand beim Lesen ein déjà vu hat: Ja, das war letztes Jahr auch schon so, auch mit dem bescheidenen Wetter im Januar. Aber vielleicht schafft es ja der Februar noch, uns zu einem richtigen Wintererlebnis zu verhelfen.

Bei dem regnerischen, trüben Wetter sitzen nicht einmal Kormorane auf den Bäumen am Havelufer. Der eine oder andere Baum, der schon vor längerem umgebrochen ist und es trotzdem im Frühling immer wieder schafft auszutreiben, lässt den Blick einen Moment verweilen.

Seeadler entdecken

Üppig blühende Rosenbüsche im Sommer, davon bleiben jetzt immerhin noch die rot leuchtenden Hagebutten in der sonst überwiegend in grau gehaltenen Landschaft.

Dann jedoch, schon von weitem, ziehen einige größere Gestalten am Himmel die Aufmerksamkeit auf sich. Zu groß für Bussarde entpuppen sich die Akrobaten in luftiger Höhe beim näheren Hinsehen als Seeadler. Zwei der Adler scheinen sich über die Reviergrenzen zu streiten, oder sollte es sich schon um erstes Balzgehabe handeln? Da die Adler schon früh mit der Eiablage beginnen, sind sie neben Uhus und Raben sehr zeitig mit Partnersuche und -wahl beschäftigt.

Vielgestaltiges Schwanenballett

Da der Winter noch nicht vorbei ist, kann man allenthalben Singschwäne in kleineren Trupps sehen. Oft sogar zu hören, bevor man sie zu Gesicht bekommt. Im Gegensatz zu den Höckerschwänen, die ganzjährig bei uns anzutreffen sind, kommen die Singschwäne aus ihren noch kälteren nordischen Brutgebieten, um bei uns „im Warmen“ zu überwintern. Singschwäne unterscheiden sich von Höckerschwänen, die einen orangefarbenen Schnabel haben, durch ihren gelben Schnabel.

Zwergschwäne sind ihnen sehr ähnlich, nur etwas kleiner und in unseren Regionen nur sehr sporadisch anzutreffen. In aller Regel handelt es sich bei gelbschnäbeligen Schwänen um die genannten Singschwäne. Sie machen ihrem Namen auch alle Ehre. Vielleicht mag der eine oder andere ihre Lautäußerungen nicht unbedingt als Gesang bezeichnen, aber wenn eine Truppe Singschwäne irgendwo herumsteht, ist ihre Unterhaltung deutlich zu hören.

Höckerschwäne sind demgegenüber mucksmäuschenstill. Wie bei diesem Trupp kommt es immer wieder vor, dass ein Schwan mit einem Halsband markiert ist. Mit Hilfe von Fernglas und Spektiv lassen sich darauf Zahlen und Nummern erkennen: 8E52 zum Beispiel. Diese Angabe mit Ort und Datum werden an die Vogelschutzwarte Hiddensee gemeldet, und diese meldet dann zurück, wann und wo der Vogel mit dem Halsband versehen wurde, wann und wo er bisher gesichtet wurde. Dieser Singschwan wurde im Oktober 2015 in Lettland mit dem Halsband markiert und inzwischen in Dänemark und in Mecklenburg-Vorpommern, mit einem Abstecher ins Baltikum, gesichtet.

Letzte Früchte

Wenn an manchen Tagen doch mal die Sonne hervor bricht und blauer Himmel zu einem Spaziergang lockt, leuchten Sanddornbeeren, die von den scheinbar immer hungrigen Vogelschwärmen noch nicht geplündert wurden. Aber auch diese werden in den nächsten Tagen sicher verschwinden.

Wahrscheinlich nicht ganz so bekannt wie die Früchte der Rosen sind die Früchte des Weißdorns, bei deren Anblick sich mancher fragt, woher der Strauch seinen Namen hat: Er blüht im Frühling weiß. Die Früchte im Herbst sind dunkelrot und bleiben bis in den Winter am Busch, wo sie vielen einheimischen Tieren über die nahrungsarme Zeit helfen.