RangerTippsNaturbeobachtungen im Sommer

Wie überall im Leben ist auch in der Natur der richtige Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung. Lesen Sie, was Sie mit etwas Geduld und Glück entdecken können, was bemerkenswert ist in Brandenburgs Natur. 

Schmetterlingstag

Welche Schmetterlinge wird man wohl diesen Sommer beobachten können? In der jetzigen Jahreszeit ist die Sonne weniger von Wolken bedeckt als im Rest des Jahres. Die Blütenvielfalt erreicht im Verlauf des Sommers ihren Höhepunkt und als Folge wird es auch bei den Schmetterlingen bunter. Distelfalter, Landkärtchen, Mauerfüchse, Scheckenfalter und der Schwalbenschwanz, sie alle fliegen wenn es blüht. An einer Distel entdecke ich den Baumweißling. Hübsch geadert und erst aus der Nähe genau zu erkennen. Diese Pracht kann man nur sehen, wenn nicht große oder kleine Mäher vielfältige Wiesen kontinuierlich in monotone Grünflächen verwandeln. Ob Sportrasen oder Futterwiese, der Insektenvielfalt dienen sie nicht.

Ein weiterer Wehmutstropfen: Der Mai trug zwar ein wenig mehr Regen in den Wolken, aber längst nicht genug. Die Trockensommer der letzten Jahre ließen die Falterbestände schwinden, besonders jene mit Spätsommergeneration, deren Futterpflanzen schlicht vertrocknet sind. Der Kleine Fuchs macht sich rar, sein Abwärtstrend ist gerade nicht aufzuhalten…

Kleine Dschungel

Wenn die Heuwiesen schon gemäht sind bleibt einem nur, die Randvegetation unter die Lupe zu nehmen. Entlang der Gräben und dem Waldsaum am Wegesrand tummeln sich allerhand Schmetterlinge und auf einem Quadratmeter sind zwanzig keine Seltenheit. Feuerfalter, Ochsenaugen, Wiesenvögelchen, Weißlinge, Zitronenfalter und Tagpfauenaugen sind auf Nektarsuche in unzähligen Grasnelken, Kornblumen und Wegwarten. Von einem Grashalm leuchtet mir das Orange einer Streifenwanze entgegen. Ausgestattet mit breiten schwarzen Streifen, die auf Feinde wohl recht bedrohlich wirken. Auch eine Strategie. Dann entdecke ich einen Schmetterling, der wie fest getackert auf einer Blüte sitzt. Geradezu platt gedrückt und unbeweglich. Als ich näher komme, löst sich das Rätsel schnell. Ein Ochsenauge ist in den Fangbeinen einer Krabbenspinne gelandet. Nicht immer ist die Größe entscheidend. Fest in ihren Klauen hat sie dem Falter ein Gift injiziert und wird ihn aussaugen. Ein Dschungelkrimi wie er im Buche steht.

Im Garten

In diesem Sommer ist so manches anders. Wer deshalb im Urlaub mal nicht weit weg durch unbekannte Landschaften streifen kann oder will, der hat die Möglichkeit sich im eigenen Garten auf die Lauer zu legen und auch aktiv zu werden (oder in einem fremden – aber bitte vorher fragen, das versteht sich von selbst). Dort kann man mit einfachen Mitteln ein Falterparadies erschaffen. Blühende Kräuter - ob Oregano, Borretsch oder Salbei - sind nicht nur dekorativ und gesundheitsfördernd, sondern Weide für unzählige Insekten. So tummeln sich dort viele Schmetterlinge auf Nektarsuche. Im Gemüsegarten gedeihen Schwalbenschwanzraupen an Dill- und Möhrenkraut. 

Es gilt: Nur was man kennt, kann man auch schützen. Und wo geht denn beides auf einen Schlag besser als im eigenen Naturgarten?! Wer dann noch mit offenen Augen durch die Landschaft streift, sich einlassen und begeistern kann und auf Augenhöhe mit allem Leben ist, wird immer wieder Faszinierendes entdecken. Ob im Garten oder in der weiten Welt. Mal klitzeklein, mal riesengroß.

Text und Fotos: Ricarda Rath, Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg.