Arusha statt Westhavelland

Manfred Lütkepohl und Roland Schulz packen ihre Koffer. Die Reise geht in den Arusha Nationalpark im Norden Tansanias. Dort treffen sich Ranger aus allen fünf Kontinenten zum 7. World Ranger Congress. Auch die Naturwacht Brandenburg ist Teil der weltweiten Ranger-Familie. Der Kongress dauert noch bis zum 9. November. Kurz vor dem Abflug sprachen wir mit Manfred Lütkepohl, Leiter der Naturwacht Brandenburg.

Ranger aus allen fünf Kontinenten treffen sich in Tansania.

Der "Welt-Kongress der Ranger" - was ist das überhaupt?
Die Ranger der einzelnen Staaten haben sich meistens in nationalen Verbänden organisiert. Auf Bundesebene ist das der Bundesverband der Naturwacht. Vor etwa 15 Jahren wurde von den nationalen Verbänden die „International Ranger Federation“ ,IRF, als weltweite Dachorganisation gebildet. Die IRF veranstaltet alle zwei Jahre einen Welt Ranger Kongress.

Warum fahren Sie zum "World Ranger Congress"?
Das Motto der IRF heißt „Ein Planet, eine Zukunft, eine Verantwortung – Ranger ohne Grenzen“. In einer Zeit zunehmender Globalisierung ist es aus meiner Sicht tatsächlich sehr wichtig, dass die Verantwortung aller  Menschen für die Bewahrung unseres Planeten zunehmend ins Bewusstsein gerät. Dafür ist es sehr gut, wenn sich abseits von politischen Verhandlungen und wirtschaftlichen Kontakten Menschen mit einem ähnlichen Erfahrungshorizont - wie die Ranger - treffen, ihre Erfahrungen vergleichen und für gemeinsame Themen wie Umweltbildung und nachhaltigen Ressourcenschutz voneinander lernen.

Was erwarten Sie sich von dem Treffen?
Ich erwarte viele Begegnungen mit Menschen, mit denen mich ein gemeinsamer beruflicher Hintergrund verbindet. Für diesen Kongress haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen fünf Kontinenten zugesagt, wobei Afrika besonders stark vertreten sein wird. Ich hoffe, dass ich viel von der Arbeit der Ranger in unterschiedlichen Ländern erfahren werde, von ihrem Alltag, den Besonderheiten ihrer Gebiete, ihren spezifischen Problemen, ihren Erfolgen und Rückschlägen.

Manfred Lütkepohl, Leiter der Naturwacht Brandenburg.

Viele Beiträge stehen unter Themen wie „Ranger in Konfliktregionen" oder „Naturschutz und Hunger“ - welche Diskussionen erhoffen Sie sich?
Der Kongress steht unter dem Oberthema „Working for healthy parks – dealing with hungry people“. Der Schutz von Großschutzgebieten kann nur in enger Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung erreicht werden. Momentan kommt es durch zunehmende Wüstenbildung und Übernutzung in Teilen der Welt zu einer starken Verknappung von fruchtbaren Böden. Dieser Trend wird durch Energiepflanzenanbau und Landgrabbing, also den Erwerb von Land als Geldanlagestrategie, noch verstärkt.

Ich hoffe, dass diese Prozesse in ihren Auswirkungen auf Schutzgebiete in den Diskussionen deutlicher werden. Ich hoffe auch, dass die Auswirkungen unserer Lebensweise in einer reichen Industrienation auf Schutzbemühungen in ärmeren Ländern deutlich werden. Wenn wir zum Beispiel bei uns fordern, größere Teile der Waldflächen der Wildnisentwicklung zu überlassen, ohne gleichzeitig Holz einzusparen, hat das eine verstärkte Ausbeutung der Wälder in anderen Teilen der Welt zur Folge. Ich hoffe, das Zusammenhänge dieser Art auf dem Kongress deutlich werden.

Worauf freuen Sie sich besonders?
Ganz besonders freue ich mich auf die Kollegen, die ich auf dem Kongress treffen werde. Ich freue mich aber auch darauf, einige afrikanische Landschaften kennen zu lernen, über die ich seit meiner Kindheit schon so viel gelesen habe.

Waren Sie eigentlich schon einmal auf einem World Ranger Congress? Was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?
Ich habe die früheren Kongresse leider nicht besucht. Im letzten Jahr hatte ich aber Besuch des englischen Rangers Gordon Miller, auf dessen Initiative die Gründung der IRF zurückgeht. Er hat mich davon überzeugt, dass die Teilnahme an diesen Kongressen wichtig ist.

Zum Schluss - Tragen eigentlich alle Ranger Hüte?
Nein, nicht alle Ranger tragen Hüte; das wäre in vielen Klimaten der Erde auch unzweckmäßig. In Brandenburg stellen wir es den Kollegen frei, ob sie Hüte tragen möchten oder nicht. Manche Kollegen fühlen sich unter einem Hut nicht wohl und Kleidung ist schließlich etwas sehr Persönliches.

Vielen Dank und gute Reise!!

Die Fragen stellte Silke Rosenbach.

Roland Schulz ist ebenfalls in Arusha dabei. Lesen Sie seine Eindrücke. Sie möchten mehr wissen? Hier finden Sie weitere Informationen zum World Ranger Congress (englisch). Zum Arusha-Nationalpark können Sie Ihre Recherche bei wikipedia starten.