Die Stimme erheben!

Die Natur ist und bleibt ungeheuer eindrucksvoll. Hier ist es die Würgefeige.
Manfred Lütkepohl und Roland Schulz mit Kollegen von "Down Under"

Manfred Lütkepohl, Leiter der Naturwacht  Brandenburg, und Roland Schulz, ihr Pressesprecher, sind vom World Ranger Congress in Tansania zurück. Voller Eindrücke, wie hier zu lesen ist:

Nach 17.000 Flugkilometern, einem Temperaturunterschied von annähernd 30 Grad und dem Gefühl, zwischen Welten gewandert zu sein, steht die Gewissheit: Unser Besuch beim 7. Weltrangerkongress in Tansania war wichtig.

Wichtig, weil wir nach vielen Vorträgen und Gesprächen gespürt haben, dass wir Ranger weltweit gemeinsame Ziele haben. Dazu gehört der Schutz gefährdeter Lebensräume, das Wohlergehen bedrohter Arten und natürlich immer wieder der Umgang mit ganz verschiedenen Menschen.

Ranger in Afrika benötigen Unterstützung bei der Bekämpfung der Wilderei

Mit Menschen, die als Hintermänner Nashörner und Elefanten abschlachten lassen und für teures Geld als Wundermittel und ästhetischen Bionippes meist nach Asien verkaufen. Mit hungrigen Menschen, die nicht verstehen, dass sie ihre seit Jahrhunderten angestammten Jagdgründe nicht mehr nutzen dürfen, während reiche Jagdgäste in genau diesen Arealen beliebig Trophäen schießen. Mit hungrigen Menschen, die wildern. Mit Menschen, deren Felder von Elefanten oder Pavianen verwüstet werden. Und natürlich mit Menschen, die wir als Verbündete für den Erhalt der biologischen Vielfalt gewinnen können. Gerade auch hungrige Menschen. Wenn es gelingt, diese Menschen für den Naturschutz zu gewinnen, ihre Ernten vor wilden Tieren zu schützen und sie an den Einnahmen aus dem Tourismus zu  beteiligen, dann öffnen sich Tore.

Foto einer Zeichnung, die die vielfältigen Aufgaben der Ranger in Arusha beschreibt.
Vielfältig sind die Aufgaben der Ranger im Arusha-Nationalpark...

Die wichtigste Aufgabe der Ranger ist wohl nicht mehr nur allein der unmittelbare Schutz der biologischen Vielfalt. Das ist für weite Teile der Weltbevölkerung längst selbstverständlich. Dass bei ihrem Einsatz für die Natur in jedem Jahr nach seriösen Schätzungen weit mehr als 100 Ranger ihr Leben verlieren, findet sich bestenfalls einmal in einer Randnotiz. Das muss sich ändern. Es ist eben nicht selbstverständlich, sein Leben für die Zukunft unserer Naturschätze zu geben! Und wenn Ranger dies tun, dann soll es auch publik werden, dann sollen die Ursachen thematisiert und Wege in eine bessere Zukunft diskutiert werden. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, die Stimme zu erheben. Auf Missstände aufmerksam zu machen. Mehr Unterstützung für die Bewahrung des Welterbes für zukünftige Generationen einzufordern. Gemeinsam als IRF, der „International Ranger Organisation“.

Ein Leopard springt von einem Baum.
Ranger sind Überlebenshelfer auch für den Leopard.

Ranger als Überlebenshelfer...


Die Wahl für den Ort des 7. World Ranger Congress fiel nicht zufällig auf Tansania. Hier finden sich Wiegen der Menschheit, hier liegt mit der „endlosen Steppe“ Serengeti das weltweit letzte Gebiet, auf dem riesige Tierherden uneingeschränkt dem Regen und somit dem lebenswichtigen Grün folgen können. Die Zukunft dieses Lebensraumes ist bedroht. Die Stimme erheben heißt, den Rangern gerade in Afrika endlich eine vernünftige Ausrüstung zu verschaffen. Mit Latschen auf Patrouille zu gehen, mit uralten Karabinern gegen hoch gerüstete Wilderei mit Maschinenpistolen zu ziehen, oftmals schlecht bezahlt, das funktioniert nicht. Deshalb: Die Stimme erheben. In Medien, in Gremien und gerade auch in der UN. Zum Wohl und für die Zukunft der UN- Welterbestätten. Die Serengeti darf nicht sterben - eigentlich, aber ohne Unterstützer wird sie sterben. Die Überlebenshelfer können nur Ranger sein, gut ausgerüstet, gut vorbereitet, angemessen bezahlt.

Ein Leopard springt von einem Baum.
Ranger sind Hüter der Wildnis ...
und ausgezeichnete Kenner der Natur.

…brauchen Unterstützung.


Die Stimme zu erheben, heißt ausgezeichnete Umweltbildung zu betreiben. Weltweit. Auf die vielfältigen heimischen Schönheiten und Schätze aufmerksam machen, für die interkontinentalen Verbindungen etwa bei Zugvögeln zu sensibilisieren, den unschätzbaren Wert von Lebensräumen wie Klarwasserseen, alten Wäldern, Mooren oder Heideflächen in Brandenburg zu verdeutlichen. Auch hier Verbündete zu gewinnen. Viele Wege führen zum Ziel. Auch in Brandenburg. Ausdauer gehört dazu und über allem steht: die Menschen mitnehmen. Daran arbeiten wir Ranger in aller Welt. Dafür benötigen wir die Unterstützung möglichst vieler Menschen, die weiter sehen und sich nicht mit jedem Verlust abfinden. Auch dank internationaler Proteste wurde unlängst eine projektierte Fernverkehrsstraße durch die Serengeti gestoppt. Sie hätte die Tierwanderung durchbrochen, blutig gestoppt. Das war knapp. Und immer wieder wird es knapp werden.

Ich freue mich, dass ich zur weltweiten Rangerfamilie gehöre. Mag sein, dass da auch ein wenig Stolz mitschwingt. Und wir werden alles geben, dass es auch die nächsten Male gut geht. In der Serengeti, in Brandenburg, weltweit. Leider ohne Gewähr.

Text und Fotos: Roland Schulz