Klare Sicht im WrietzenseeUnser Ziel: Hilfe für lebensraumtypische Arten

Auf unseren Flächen, die im Landkreis Uckermark innerhalb des Naturschutz- und FFH-Gebietes "Eulenberge" liegen, haben wir die Nutzung des Wrietzensees und angrenzender Ackerflächen umgestellt. Unsere Erfolgskontrolle zeigt: Der Zustand des Sees hat sich maßgeblich verbessert.

Auf einen Blick

Landkreis: Uckermark
Fläche: im Naturschutz- und Fauna-Flora-Habitat- (FFH-)Gebiet "Eulenberge" sowie im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
Maßnahmen: Umstellung der fischereilichen Nutzung des Wrietzensees und landwirtschaftliche Nutzungsänderungen im Einzugsgebiet (Ackerflächen)
Ziele: Verbesserung der Wasserqualität, Wiederbesiedlung mit Unterwasserpflanzen (submersen Makrophyten)
Zeitraum: im Flächenbesitz seit 2013

Hintergrund

Der Wrietzensee ist etwa 20 Hektar groß und nur vier Meter tief. Etwa bis Mitte des letzten Jahrhunderts war er ein nährstoffarmer (mesotroph-alkalischer) Klarwassersee mit artenreichen Armleuchteralgenrasen und Laichkrautbeständen. Unterwasserpflanzen (submerse Makrophyten) sind wichtig für den Klarwasserzustand eines flachen Sees: Sie halten das Sediment fest und unterbinden dadurch die Rücklösung von Nähr- und Trübstoffen. Zudem geben sie Sauerstoff ab und bieten Fischen Laichplätze, Nahrung sowie Versteckmöglichkeiten vor Fraßfeinden. Viele Armleuchteralgenarten sind Indikatoren: Ihr Vorkommen lässt auf eine gute Wasserqualität schließen, denn sie bevorzugen klare nährstoffarme Seen und reagieren sehr empfindlich auf Wassereintrübungen.

Der Wrietzensee ist jedoch im letzten Jahrhundert aus dem Gleichgewicht geraten: Durch Nährstoffeinträge aus angrenzenden, intensiv bewirtschafteten Äckern nahm der Nährstoffgehalt stark zu. Phytoplankton konnte sich rasant vermehren und verhinderte, dass ausreichend Sonnenlicht den Grund des Sees erreichte.

Dazu wurden in den 1980er Jahren massiv (Speise-)Karpfen sowie ostasiatische Silber- und Marmorkarpfen eingesetzt. Silber- und Marmorkarpfen sind Planktonfresser und verstärken die Trübung des Wassers. Bodenwühlende Fischarten wie Karpfen fördern in hohen Bestandsdichten die Nährstoffrücklösung aus dem Gewässergrund und trüben das Wasser durch die Aufwirbelung von Schwebstoffen. Außerdem schädigen sie Wasserpflanzen durch Fraß. Seit der Wende wurden dem See sukzessive Silber- und Marmorkarpfen entnommen.

Dennoch: Fast alle Wasserpflanzen starben ab, der einst nährstoffarme und wasserpflanzenreiche Klarwassersee verwandelte sich in einen sehr nährstoffreichen, fast kahlen Trübwassersee.

Was haben wir verändert?

2013 übernahmen wir den See als Nationales Naturerbe von der Bodenverwertungs- und –verwaltungs GmbH (BVVG). 2018 wurde der See an einen neuen Pächter vergeben, und zwar mit folgenden Auflagen:

  • Es dürfen keine Fische besetzt werden, die Zahl der Angelkarten wurden beschränkt und das oft durch Angler praktizierte Anfüttern von Fischen untersagt.
  • Im Rahmen der regulären Befischung entnimmt der Fischer ostasiatische Karpfen, (Speise-)Karpfen und andere bodenwühlende Arten, vor allem große Bleie. Erfreulicherweise kann er die Bleie als Speisefisch gut vermarkten.

Darüber hinaus gehören auch der Gehölzsaum und ein Ackerstreifen im Süden und Westen des Wrietzensees zu unseren Stiftungsflächen. Diese Ackerflächen werden inzwischen extensiv als Grünacker bewirtschaftet. Aber auch auf fast allen anderen Flächen im direkten Umfeld wurde die Nutzung seitens der Eigentümer innerhalb der letzten Jahrzehnte extensiviert.

Erfolgskontrolle

Der Zustand des Wrietzensees hat sich durch diese Nutzungsänderungen deutlich verbessert: Im Rahmen unserer Erfolgskontrolle haben wir festgestellt, dass Wasserpflanzen wieder in großen Bereichen und in größerer Tiefe bis zu drei Meter vorkommen. Auch die Artenzahl hat sich vergrößert: Vor allem das Quirl-Tausendblatt (Myriophyllum verticillatum) hat zugenommen. Es wurden gleichzeitig Arten erfasst, die in Brandenburg als gefährdet gelten: das Mittlere Nixkraut (Najas marina ssp. intermedia) und das Glänzende Laichkraut (Potamogeton lucens).

Der See ist klarer geworden und sein Nährstoffgehalt hat sich zugleich von hocheutroph zu schwach eutroph verringert. Wenn dieser Trend weiter anhält, könnte sich der See irgendwann wieder zu einem mesotrophen See mit Armleuchteralgen entwickeln. Ob sich diese positive Entwicklung fortsetzen und der ökologische Zustand weiter verbessern wird, sollen weitere Erfassungen zeigen, die für 2023 geplant sind. 

Ihre Ansprechpartnerin

Ines Wiehle
Fachbereich Flächenmanagement
Telefon: 0331 / 971 64 860
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