Zugnetzbefischung im Bröker SeeUnser Ziel: Schaffung naturnaher Gewässer

Der Bröker See nahe Brüssow ist Teil einer hügeligen Agrarlandschaft im Landkreis Uckermark. Um vor allem den Bestand der Silberkarpfen weiter zu reduzieren, wurde er im April 2022 mit Zugnetzen befischt. Auf dem 17 Hektar großen und maximal neun Meter tiefen See brachte der Fischer an zwei Tagen ein 700 Meter langes Zugnetz und ergänzend mehrere Stellnetze aus. Gefangen wurden insgesamt 0,9 Tonnen Fisch, wobei 78 Exemplare des Silberkarpfens etwa 800 Kilogramm ausmachten. Die schwersten Silberkarpfen wogen 19 Kilogramm. Außerdem gingen Schleie, Brassen, Plötze, einige Hechte und Barsche ins Netz.

Auf einen Blick

Landkreis: Uckermark
Fläche: 17 Hektar im FFH-Gebiet „Kleinseen bei Carmzow“, als Teil des Nationalen Naturerbes an die Stiftung übertragen
Maßnahme: Zugnetzbefischung und Kartierung
Ziele: Reduzierung der Neozoen, Wiederherstellung eines naturnäheren Zustandes, Erfassung der Makrophyten
Zeitraum: Zugnetzbefischung im April 2022, Kartierungen 2016 und 2021

Hintergrund

Mit Ausnahme der südöstlichen Ufer grenzt der Bröker See ausschließlich an Intensiväcker. Durch die intensive Landwirtschaft, aber auch durch die frühere Fischerei hat der Nährstoffgehalt des Sees enorm zugenommen. In den 60er Jahren begann ein intensiver Karpfenbesatz. Die Tiere wurden regelmäßig abgefischt und verkauft. In den 70er Jahren probierte man sich mit Silberkarpfen aus. Die Neozoen kommen ursprünglich aus großen Flusssystemen Ostasiens und filtrieren Plankton. Sie sollten eine bisher nicht von heimischen Fischen besetzte Nahrungsnische erschließen. So wollte man mehr Fisch für die Ernährung produzieren. Wesentlich später rückte auch die Verbesserung der Gewässerqualität in den Fokus: Durch die planktonfiltrierenden Fische erhoffte man sich ein Aufklaren der Seen.

Diese Ziele wurden aber nicht erreicht: Vielen DDR-Bürgern schmeckten die Silberkarpfen nicht, denn die Konsistenz des recht weichen und grätenreichen Fleisches ist nicht jedermanns Sache. (Nach Erfahrung unserer Kollegin sind geräucherter Silber- und Marmorkarpfen jedoch durchaus schmackhaft.) Zudem wurde der See durch den Besatz noch mehr eingetrübt. Die Ursachen sind vielfältig: Silberkarpfen filtrieren hauptsächlich Mikroalgen, kleine Zooplankter und Detritus aus dem Freiwasser. Dadurch verändert sich die Zusammensetzung des Phytoplanktons hin zu sehr kleinen Arten, die der Silberkarpfen nicht herausfiltrieren kann, und zusätzlich zu schwer verdaulichen Arten wie fädigen Blaualgen.

Inzwischen wird der See klarer

Ende der 70er Jahre wurde die intensive Fischerei im Bröker See schließlich aufgegeben und der Besatz mit Silberkarpfen eingestellt, das Gewässer wurde fortan extensiver genutzt, da andere Seen ertragreicher waren. Seit 2013 befindet sich der See im Stiftungseigentum und seit 2017 ist ein Fischbesatz gänzlich ausgeschlossen.

Seither ist der Bröker See insgesamt klarer geworden. Während er in den 90er Jahren noch hoch eutroph war, ist er jetzt schwach eutroph. Von dieser Entwicklung profitieren verschiedene Unterwasserpflanzen, die sich ausgebreitet haben – obwohl der Wasserstand in den sehr trockenen Jahren 2018-2021 stark gesunken ist. So hat sich die Bewuchsgrenze laut Kartierungen im Jahr 2016 und 2021 von 3,5 Metern in bis zu 5 Meter Tiefe verlagert. Im See kommen Raues Hornblatt, Spiegellaichkraut, Mittleres Nixkraut, Quellmoos und Geweiharmleuchteralgen vor. Auch für viele Fischarten ist diese Entwicklung vorteilhaft, denn sie legen zum Teil in den Wasserpflanzen ihre Eier ab. An der positiven Entwicklung in den letzten Jahren hat neben der veränderten Fischerei auch die Landwirtschaft ihren Anteil. So besteht seit etwa zwei Jahren ein schmaler Pufferstreifen um den See.

Erstaunlich alte Silberkarpfen

Silberkarpfen haben bei uns keine natürlichen Feinde und wachsen besonders in den ersten Jahren sehr schnell. Dabei werden sie bis zu 120 Zentimeter lang und 25 Kilogramm schwer. Im Bröker See können sie sich aufgrund der niedrigen Wassertemperatur nicht natürlich vermehren. Während in der Fachliteratur ein Höchstalter von etwa 20 Jahren beschrieben ist, müssten die Individuen in diesem Gewässer nach Angaben des Fischers, der den See seit den 60er Jahren kennt, inzwischen fast 50 Jahre alt sein.

Bislang ist es nicht gelungen, das genaue Alter der Tiere anhand der Jahresringe ihrer Schuppen zu bestimmen, da sie nur sehr undeutlich ausgebildet sind. Gründe dafür sind, dass die alten Fische nur noch sehr langsam wachsen, die Winter milder geworden sind und das Nahrungsangebot vermutlich suboptimal ist. Eine weitere Befischung soll in einigen Jahren erfolgen und wird möglicherweise weitere Erkenntnisse liefern.

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