Naturerbeflächen im FFH-Gebiet "Langer Grund-Kohlberg"

Das etwa 142 Hektar große Naturschutz- und FFH- (Fauna-Flora-Habitat-) Gebiet "Langer Grund-Kohlberg"  liegt westlich von Dolgelin und bildet einen sehr strukturreichen und reliefierten Hangabschnitt des Übergangsbereiches zwischen der Lebuser Platte und dem Oderbruch.

Gebietsbeschreibung

Das Gebiet ist gekennzeichnet durch ein Vegetationsmosaik aus kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen, thermophilen Säumen und Laubgebüschen, Feldgehölzen und Trockenwäldern.

Neben der vielfältigen Habitat-Ausstattung und dem besonderen Landschaftsbild sind die Flächen vor allem durch das Vorkommen stark gefährdeter Pflanzenarten (RL 2, BB) wie Sommerwurz-Arten (Orobanche caryophyllacea, O. lutea), Echter Wiesenhafer (Helictotrichon pratense) oder Schopfiges Kreuzblümchen (Polygala comosa) besonders wertgebend.

Charakteristisch sind dabei die hohen Anteile an repräsentativen Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie wie trockene kalkreiche Sandrasen (6120) und Adonisröschen-Fiederzwenken-Halbtrockenrasen (Adonido vernalis-Brachypodietum pinnati Krausch 1961), welche zum prioritären Lebensraumtyp Subpannonische Steppen-Trockenrasen (6240*) gehören.

Neben den namengebenden Arten Adonisröschen (Adonis vernalis) und Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum) kommen unter anderem Mittleres Zittergras (Briza media), Erd-Segge (Carex humilis), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) und Berg-Klee (Trifolium montanum) als kennzeichnende Arten vor. Die basiphilen Trocken- und Halbtrockenrasen sowie subpannonischen Steppen-Trockenrasen sind durch Waldrodung und intensive Beweidung vor allem Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts entstanden.

Der Erhalt dieser Landschaften und der an Beweidung angepassten Arten sind entsprechend ihrer Nutzungsgeschichte auf eine Weiterführung dieser Nutzungsform angewiesen. In das Naturschutz- und FFH-Gebiet sind insgesamt 11,6204 Hektar Naturerbeflächen eingebettet. Sie bestehen zum größten Teil aus Trockenrasen-Entwicklungsflächen, welche noch bis 1989 als Acker genutzt wurden und mittlerweile in das Pflegemanagement der Beweidung mit Schafen und Ziegen integriert wurden.

Die Beweidung hat dabei in den letzten Jahren den Austausch und die Verbreitung der Diasporen (Transport von Samen durch Fell, Tritt oder Kot) vieler Trockenrasenarten wie beispielsweise beim Adonisröschen gefördert. In den letzten 10 Jahren konnten sich so typisch ausgebildete basiphile Trockenrasen auf den Naturerbeflächen entwickeln. Gleichzeitig dämmt die Beweidung die weitere Dominanzbildung der Aufrechten Trespe (Bromus erectus) ein bzw. lockert die Vegetationsdecke auf und ermöglicht die Keimung lichtliebender, gefährdeter Arten.

Die angrenzenden Hecken und eingestreuten Laubgebüsche trockenwarmer Standorte mit Weißdorn (Crataegus spec.), Rose (Rosa spec.), Schlehe (Prunus spinosa) sowie Übergänge zu lichten Gehölzbeständen aus Kiefer (Pinus sylvestris), Birke (Betula pendula) und Robinie (Robinia pseudoacacia) mit thermophilen Säumen bilden wichtige Nahrungsgrundlagen und Lebensräume für zahlreiche Insekten, Vögel oder Reptilien. Die dichteren Gehölzbestände sind dabei ebenso Teil des vielfältigen Biotopkomplexes und gleichzeitig natürliche Unterstände für die Weidetiere, insbesondere bei Hitze.

Schutzstatus und Schutzgüter

Die Naturerbeflächen sind Bestandteil des Naturschutz- und FFH-Gebietes "Langer Grund-Kohlberg" und damit Teil des Biotopverbundes der Oderhänge zwischen Lebus, Mallnow und Seelow.  

Bestehende Planungen

Derzeit werden die Flächen mit Schafen und Ziegen beweidet. Dafür wurde durch den Gebietsbetreuer ein Beweidungsplan ausgearbeitet und mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt.

Es erfolgt eine regelmäßige Erfolgskontrolle durch den Gebietsbetreuer in Zusammenarbeit mit dem Schäfer und gegebenenfalls eine Nachjustierung des Beweidungsregimes. Ein Managementplan für dieses FFH-Gebiet wird in den kommenden Jahren erarbeitet.  

Leitbild und Naturschutzziele

  • Erhaltung und weitere Entwicklung der basiphilen Trocken- und Halbtrockenrasen sowie der Steppenrasen, der Feldgehölze und Wälder trockenwarmer Standorte sowie der hier lebenden typischen, seltenen oder gefährdeten Pflanzen- und Tierarten.          
  • Weiterführung des derzeitigen Beweidungsmanagements          
  • Erhalt der thermophilen Säume sowie Feldgehölze und lichten Gehölzbestände standortheimischer Baum- und Straucharten      
  • Langfristige Überführung der Robinienforste in Trockenrasen durch Entnahme der Robinien auf Teilflächen        
  • Auflichtung der übrigen Robinienforste zur Förderung standortheimischer Gehölzarten, insbesondere der verbisstoleranten Eiche zur langfristigen Entwicklung lichter Hutewälder, und Integration in die Beweidung