Naturerbeflächen im FFH-Gebiet "Treplin-Alt Zeschdorfer Fließtal"

Das Naturschutz- und FFH-Gebiet "Treplin-Alt Zeschdorfer Fließtal" hat eine Größe von rund 132 Hektar und liegt in einer glazialen Schmelzwasserinne zwischen dem Kleinen Trepliner See und dem Schlosssee bei Hohenjesar.

Gebietsbeschreibung

Das Gebiet wird durch das streckenweise sehr naturnahe Alt Zeschdorfer Mühlenfließ mit seinen typisch ausgeprägten fließgewässerbegleitenden Auenwäldern und eingestreuten alten Teichanlagen, Röhrichten, Rieden und Hochstaudenfluren charakterisiert. Dabei handelt es sich um ein weitgehend naturnah beschattetes, leicht mäandrierendes Fließgewässer mit einer Breite von etwa einem bis fünf Meter und einer geringen Wassertiefe von weniger als einem Meter. Mit seiner relativ geringen Strömung, dem sandigem Substrat, organischen Auflagen und vielen Strukturen wie Kolken, Flachwasserbereichen und Totholz repräsentiert das Alt Zeschdorfer Mühlenfließ einen typisch ausgebildeten, organisch geprägten Tieflandbach. Das Gewässer mündet bei Lebus in die Oder und gehört zu den Vorkommens-Schwerpunkten des Elbebibers in Ostbrandenburg.

Die Hauptbaumart der an das Fließ angrenzenden Feuchtwälder ist Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), teilweise gemischt mit Esche (Fraxinus excelsior), Ulme (Ulmus laevis, U. minor), Stieleiche (Quercus robur) oder Weide (Salix alba, S. fragilis). In der Strauchschicht kommen Faulbaum (Frangula alnus), Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) und Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) vor. Die Krautschicht wird durch Sumpfsegge (Carex acutiformis) und in den Quell-Bereichen durch Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara) dominiert. Weitere im Gebiet vorkommende und für den FFH-Lebensraumtyp 91E0 – Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior kennzeichnende Pflanzenarten sind Winkel-Segge (Carex remota), Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Einbeere (Paris quadrifolia) und Wechselblättriges Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium).

An den Talhängen und auf den Hügeln gehen die Feuchtwälder in naturnahe Eichen-Hainbuchen-, Waldziest-Ahorn-Hainbuchen- und Straußgras-Eichenwälder über. Neben der Eiche als Hauptbaumart kommen hier in der Krautschicht unter anderem Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Mauerlattich (Mycelis muralis), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum) oder Gewöhnlicher Dornfarn (Dryopteris carthusiana) als typische Arten für den FFH-LRT 9190 – Alte bodensaure Eichenwälder vor.

Im westlichen Teil des Naturschutzgebietes, im Abflussbereich des Trepliner Sees, befindet sich die etwa 10,86 Hektar große Fläche des Nationalen Naturerbes sowie ein weiteres 91 m2 großes Flurstück der Stiftung. Sie liegen fast vollständig in einem der festgesetzten Totalreservate des Naturschutzgebietes. Mit einem großen Anteil des Biotoptyps Großseggen-Schwarzerlenwald bilden sie einen typischen Ausschnitt des Mühlenfließes mit seinen begleitenden Feuchtwäldern ab.

Der westliche Teil der Naturerbefläche besteht aus einem älteren Erlenbruchwald mit mittlerem Baumholz (BHD 35-50 cm) und dominanter Sumpfsegge in der Krautschicht. Am Rand sind auch ältere Stieleichen und Ulmen beigemischt, wobei in diesen Bereichen Giersch in der Krautschicht dominiert. Aber auch hier kommen kennzeichnende Arten wie Großes Springkraut (Impatiens nolitangere), Wechselblättriges Milzkraut oder Gundermann (Glechoma hederacea) vor.

Am westlichen Rand, auf einer trockeneren Kuppe, ist eine Insel aus Eichenmischwald bodensaurer Standorte eingestreut. Neben den teilweise sehr stattlichen Eichen (BHD > 75cm) prägen Ulmen, Birken und Erlen in diesem Bereich den Oberstand. In der Strauchschicht kommen Faulbaum und Holunder (Sambucus nigra), aber auch Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) vor.

In östlicher Richtung geht der Erlenwald in einen jüngeren – vermutlich aus Grünlandsukzession hervorgegangenen – Bestand mit schwachem Baumholz (BHD 20-35 cm) über. Die dominierende Sumpfsegge ist hier unter anderem mit Schilf (Phragmites australis), Rasenschmiele (Deschampsia cespitosa), Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) und z.T. Bittersüßem Nachtschatten (Solanum dulcamara) durchsetzt. Auf den Erlenbulten kommen des Weiteren Winkel-Segge (Carex remota) und Sumpf-Lappenfarn (Thelypteris palustris) und in den wassergefüllten Schlenken Wasserstern (Callitriche spec.) vor.

Eingebettet in den Erlenbruchwald hat sich im östlichen Bereich ein kleiner Teil als Grünlandbrache mit dominantem Schilf als Zeuge einer früheren Nutzung erhalten. Diese Lücke im Feuchtwald wird durch Sukzession und der Etablierung eines Erlen-Vorwaldes geschlossen werden. Daran grenzt der ehemalige Mühlenteich an, der verlandet ist.

Südlich des Erlen-Bruchwaldes, im Übergang zum Grünland befindet sich ein Streifen Pappelforst (Populus x canadensis) an einer Hangkante. Dabei handelt es sich um ältere Pappeln, welche teilweise bereits abgängig sind, so dass dieser Streifen bei weiterer Auflassung langfristig in einen naturnäheren Straußgras-Eichenwald, wie im östlich angrenzenden Biotop vorkommend, übergehen kann.

Schutzstatus und Schutzgüter

Im Westen des Naturschutzgebietes wurde ein Totalreservat festgesetzt (Zone 1), welches größtenteils deckungsgleich mit der Naturerbefläche ist. Der besondere Schutzzweck der Zone 1 ist die störungsarme Entwicklung naturnaher Fließgewässer mit ihren Begleitbiotopen wie Röhrichte, Riede, feuchte Staudenfluren und Auenwälder sowie der langfristig ungestörte Ablauf natürlicher Prozesse. Eine forstwirtschaftliche Nutzung ist nicht zulässig.

Das Trepliner Mühlenfließsystem ist als Auenbiotopverbund mit Zulauf in das Odertal und Lebensraum für gefährdete Arten wie Fischotter (Lutra lutra), Elbe-Biber (Castor fiber albicus) und Rotbauchunke (Bombina bombina) besonders schützenswert.

Leitbild und Naturschutzziele

  • Erhalt des naturnahen Alt Zeschdorfer Mühlenfließes
  • Erhalt der naturnahen Feucht- und Eichenmischwälder als Naturentwicklungsgebiet
  • Weitere Entwicklung des Feuchtwaldes durch Zulassen der Sukzession der Grünlandbrache als Erlen-Vorwald
  • Nutzungsauflassung des Pappelforstes zur natürlichen Entwicklung eines Eichenmischwaldes