Bergbaufolgelandschaft "Revier 55"

Schüttrippen als Eindruck vom Revier 55.

Die Flächen im Bereich des Alttagebaus "Revier 55" liegen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz bei Lauchhammer. Sie wurden im Jahr 2005 von der LMBV erworben. Sie umfassen ein Gebiet in einer Größe von knapp 64 Hektar. Die Flächen sind nicht Bestandteil eines Schutzgebietes, sind aber ein "Käfer"-Revier: Es konnten 200 Arten holzbewohnender Käfer nachgewiesen werden.

Gebietsbeschreibung

Eine Sanierung nach heutigen Maßstäben wurde nicht durchgeführt. Nach einer Aufforstung in den 1950er Jahren blieb das Gebiet weitgehend ohne anthropogene Einflüsse, so dass es sich nahezu natürlich wiederbesiedeln konnte. Infolge der verbliebenen stark wechselnden Geländehöhen entstanden vielfältige Biotopstrukturen, deren Entwicklung seit mehr als dreißig Jahren kontinuierlich faunistisch und floristisch untersucht wird. Dieses Gebiet ist heute geprägt durch ein kleinteiliges Mosaik unterschiedlicher Forsten und Waldgesellschaften sowie verbliebener Schüttrippen.

Vor den Toren der Stadt erwuchs eine urtümliche Landschaft

Aufgrund der Nähe zur Stadt Lauchhammer ist das Gebiet durch eine starke Erholungsnutzung gekennzeichnet. Hier gilt es, bestimmte Bereiche zu beruhigen, zum Beispiel teilweise Trampelpfade zu sperren. Auch künftig wird die Entwicklung des Gebietes im Rahmen eines Monitoringprojektes dokumentiert. Vorhandene kleinteilige, naturferne Waldbestände sollen durch geeignete Waldumbaumaßnahmen in naturnahe, standortgerechte, strukturreiche Laub- und Mischwälder überführt werden. Erste Waldumbaumaßnahmen im Bereich einer Kiefernmonokulturfläche wurden im Jahr 2006 realisiert.

Totholz als Käfer-WG

Im Revier 55 ließ die Stiftung NaturSchutzFonds vom Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (Ingmar Landeck & Christoph Ertle) eine Studie zum Vorkommen von Totholzkäfern als Indikatoren für Naturnähe anfertigen. Das Ergebnis war erstaunlich: 16 Kubikmeter Totholz je Hektar wurden im Gebiet ermittelt – das Dreifache des Mittelwerts für brandenburgische Wälder. Also Beste Wohnbedingungen für Holz bewohnende Käfer.

Stammeklektor
Lufteklektor zum Käfersammeln (3 Fotos: I. Landeck)

200 dieser Käferarten konnten die Experten im "Käfer"-Revier 55 nachweisen, darunter 63 Arten aus mindestens einer der Roten Listen Deutschland, des Freistaates Sachsen oder des Landes Brandenburg. 36 Arten genießen gesetzlichen Schutz.

Der seit mehr als 50 Jahren nicht mehr in Brandenburg gefundene Bockkäfer Pachytodes cerambyciformis, der bisher als ausgestorben galt und vor wenigen Jahren in der Umgebung wiederentdeckt wurde, lebt auch im Gebiet. Zwei der nachgewiesenen Arten - Schwarzroter Buchen-Schwammkäfer (Leiesthes seminigra) und der Gehörnte Zunderschwamm-Schwarzkäfer (Neomida haemorrhoidalis) - werden in Deutschland als Urwaldrelikt-Arten eingestuft.

Ein Grund für die außergewöhnliche Vielfalt ist das vielgestaltige Relief und die daraus resultierende Standortvielfalt. Dadurch finden Arten, die unterschiedliche Ansprüche an Substratfeuchte und Temperatur besitzen, ihren Lebensraum. Der hohe Anteil an Birken-, Grau- und Schwarzerlen-Totholz im Gebiet ist ein zweiter Grund für die hohe Artenvielfalt holzbewohnender Käfer.

Im Revier 55 zeigt sich, dass der Sukzession überlassene Pionierwälder durchaus als Zwischenlebensraum für ansonsten in Altholzbeständen und Urwäldern vorkommende Arten fungieren können. Für die Biodiversität in der Bergbaufolgelandschaft im Süden Brandenburgs besitzt das Revier 55 demnach eine außerordentliche Bedeutung.

Weitere Informationen:
Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V.
Ingmar Landeck & Christoph Ertle
Tel.: 03531 / 79 07 19
Email: fib@fib.ev.de
http://www.fib-ev.de