Naturerbeflächen im FFH-Gebiet "Beetzseerinne"

Blick auf den Seggenried-Schilfbestand vom Hochsitz aus

Das mehr als 900 Hektar große Fauna-Flora-Habitatgebiet (FFH-Gebiet) „Beetzseerinne und Niederungen“ umfasst fünf Teilgebiete etwa 20 Kilometer nördlich der Stadt Brandenburg an der Havel, rund um den nordöstlichen Teil der Beetzseerinne.

Gebietsbeschreibung

Brache mit kleinem Schilfbereich

Wertgebende Bestandteile dieses FFH-Gebiets sind Feuchtwiesen, Moore und Stillgewässer. Mehr als ein Drittel der Gebietsfläche nehmen Gewässer mit Röhricht ein. Ein weiteres knappes Drittel der Fläche besteht aus Grünland sowie Staudenfluren. Auf den übrigen Flächen befinden sich Moore, Sümpfe und Uferbewuchs sowie naturferne Forsten und Wälder. Auf den randlichen Trockenstandorten kommen basiphiler Trockenrasen und Hangwald mit entsprechendem Artenreichtum vor. Im ca. 230 Hektar großen Teilgebiet "Päwesiner Lötz" befinden sich rund 15 Hektar Naturerbeflächen. Dieses Gebiet ist durch zahlreiche Gräben gekennzeichnet, die in der Zeit des Torf- und Tonabbaus zwischen 1875 bis 1970 entstanden sind. Die abgebauten Bereiche im mittleren Teil des "Päwesiner Lötzes" verfüllte man mit Trümmerschutt aus dem 2. Weltkrieg sowie mit Asche und Hausmüll. Für die landwirtschaftliche Nutzung wurde bis in die 1990er Jahre ein Schöpfwerk betrieben. Anschließend erfolgte durch die Aufgabe des Pumpbetriebes eine flächige Überstauung fast des gesamten "Päwesiner Lötzes", wobei große Wiesenbereiche am Rand vernässten und anschließend verschilften.

Der größere Teil der Abgrabungsgewässer und angrenzenden Röhrichtflächen im "Päwesiner Lötz" ist als natürliche eutrophe Seen mit Schwimmblatt- und Wasserpflanzenvegetation (LRT 3150) ausgewiesen. Aufgrund der geringen Bestände an Wasserpflanzen wurde der Erhaltungszustand als schlecht eingestuft, es handelt sich somit um eine Entwicklungsfläche. Die Naturerbeflächen liegen überwiegend im Offenlandbereich und sind landwirtschaftlich nicht nutzbar (artenreiche Feuchtwiesen nährstoffreicher Standorte, von Schilf dominierte Grünlandbrachen feuchter Standorte; Schilf-Röhricht). Weitere Flächen (insgesamt 4,3 ha) liegen in einem naturfernen Pappelforst.

Schutzstatus und Schutzgüter

Das FFH-Gebiet "Beetzseerinne und Niederungen" mit seinen fünf Teilgebieten befindet sich im Landschaftsschutzgebiet "Westhavelland" (seit 1998). Das Teilgebiet "Päwesiner Lötz", in dem sich die Naturerbeflächen befinden, gehört zum 2004 ausgewiesenen europäischen Vogelschutzgebiet "Mittlere Havelniederung" (SPA). Hier leben streng geschützte Vogelarten wie z.B. Wiesenweihe, Rohrdommel, Zwergdommel, Kleines Sumpfhuhn und Trauerseeschwalbe. Auch Kraniche, Seeadler und Fischadler sowie die Bekassine kommen hier vor.

Die Naturerbeflächen sind Teil des Verbreitungsschwerpunktes für die genannten geschützten Arten. Ebenso sind hier Fischotter und Biber ansässig, auch die stark bedrohte Rotbauchunke sowie der Kammmolch leben hier.  
 

Bestehende Planungen

Derzeit wird vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz ein Managementplan für das FFH-Gebiet „Beetzseerinne und Niederungen“ erarbeitet.

Leitbild und Naturschutzziele für das Teilgebiet „Päwesiner Lötz“:

  • Verbesserung des Erhaltungszustands der Gewässer im "Päwesiner Lötz", z.B. durch Reduzierung des Nährstoffeintrags über die einmündenden Gräben, um einen größeren Artenreichtum an Wasserpflanzen zu erhalten
  • Verbesserung der Brutsituation für zahlreiche im Gebiet brütende Wasservögel durch die Anhebung des Wasserstands im Sommer
  • Förderung der Amphibienvorkommen (wie z.B. Rotbauchunke und Kammmolch) im Randbereich des "Päwesiner Lötzes" durch die Anhebung des Sommerwasserstands
  • Erhaltung der vorhandenen Röhrichtbestände
  • Erhaltung der Niedermoorböden und Verbesserung der Standortbedingungen
  • Erhaltung und Förderung der Fischotter- und Biberpopulation
  • Umbau der naturfernen Forsten und Wälder zu einem naturnahen Mischwald mit heimischen und standortgerechten Baumarten; die Naturerbeflächen werden nach Umwandlung der Pappelforste in naturnahe Waldgesellschaften mit Baumarten der potentiell natürlichen Vegetation nach Möglichkeit als Naturentwicklungsgebiet sich selbst überlassen. Bereits vorhandenes Laubholz wird  durch Naturverjüngung gefördert.

 

Die Umsetzung der aufgeführten Naturschutzziele ist von besonderer Bedeutung, um diesen wichtigen Baustein im Biotopverbund der Niederungen entlang der Havel zu erhalten und zu verbessern.
Das außerhalb des FFH-Gebietes liegende Flurstück 145 wird gemäß Managementplan entwickelt bzw. bei Bedarf als Tauschfläche verwendet.

 

 

 

Kofinanziert aus Mitteln der Ersatzzahlung