Naturerbeflächen im FFH-Gebiet "Grumsiner Forst/Redernswalde"

Das Naturschutz- und Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) Gebiet "Grumsiner Forst/Redernswalde" ist mit einer Fläche von rund 6.100 Hektar das größte FFH-Gebiet im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Das Gebiet wird durch die Bundesautobahn (BAB) 11 zwischen Berlin und Prenzlau geteilt und erstreckt sich vom Redernswalder See im Norden bis nach Groß Ziethen im Süden. Es grenzt im Nordosten an den Wolletzsee sowie im Südwesten an den Grimnitzsee an.

Gebietsbeschreibung

Naturräumlich gehört das Gebiet zum Uckermärkischen Hügelland und wird vor allem von großflächig erhaltenen, naturnahen Laubwäldern insbesondere mit Dominanz der Rotbuche (Fagus sylvatica) geprägt. Dabei sind die über 100-jährigen Buchenwälder mit Hallencharakter in der fast 600 Hektar umfassenden Kernzone des Grumsiner Forst Teil des UNESCO-Weltnaturerbes "Alte Buchenwälder Deutschlands" (als Teil des Weltnaturerbegebietes "Buchenurwälder der Karpaten").

Durch die über 20-jährige Nutzungsauflassung in der Kernzone, aber vor allem in den seit jeher schwer nutzbaren Gebieten mit bis zu 200-jährigen Waldfragmenten, hat sich ein sehr hoher Strukturreichtum mit viel Totholz, Stammbrüchen, Wurzeltellern und Verjüngungsinseln eingestellt. Dabei kommen die für den Grumsin so charakteristischen Rotbuchenwälder vor allem auf den lehmigen Böden der End- und Stauchmoränen oder übersandeten Grundmoränen vor. Typische und teilweise gefährdete Arten der Krautschicht sind unter anderem Leberblümchen (Hepatica nobilis), Waldmeister (Galium odoratum), Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora), Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernalis) oder Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis).

Auf den verarmten Sandböden kommen vereinzelt bodensaure Eichenwälder vor und teilweise sind sehr alte Eichen (Quercus robur, Q. petrea) als Zeugnis einer ehemaligen Hutenutzung wie beispielsweise in der Kernzone nördlich des Redernswalder Sees in den Buchenbeständen eingemischt. Auf den feuchteren Standorten kommen des Weiteren Eichen-Hainbuchen (Carpinus betulus)-Wälder, oft gemischt mit Eschen (Fraxinus excelsior), Linden (Tilia cordata, T. platyphyllos) oder Spitzahorn (Acer platanoides) vor. An einigen steilen Hangkanten gibt es – sehr selten und kleinflächig ausgebildet – Ulmen-Hangwälder mit Flatterulme (Ulmus laevis), Bergahorn (Acer pseudoplatanoides), Spitzahorn, Rotbuche, Winterlinde oder Hainbuche im Oberstand.

In den zahlreichen vermoorten Senken, Kesseln und Rinnen haben sich Moorwälder aus Erlen (Alnus glutinosa), Birken (Betula pendula, B. pubescens) oder Kiefern (Pinus sylvestris) etabliert, wobei sich der größte Anteil im Bereich des Mellnsees befindet. Der Mellnsee ist ein großflächiges Moor im westlichen Teil des FFH-Gebietes und beherbergt zum Beispiel wertgebende Torfmoos-Moorbirkenwälder mit gefährdeten und stark spezialisierten Arten wie Moosbere (Vaccinium oxycoccos), Rosmarin-Heide (Andromeda polifolia), Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) oder Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum). Solche Moorwälder kommen auch meist in enger Verzahnung mit offenen, sauren Mooren wie beispielsweise dem Barschpfuhl oder das Schwingkantenried am Heilsee mit seltenen Arten wie Weißes Schnabelried (Rhynchospora alba) oder Blasenbinse (Scheuchzeria palustris) vor.

Insgesamt ist das FFH-Gebiet reich an Mooren, wobei eine besondere Verantwortung für den Erhalt der kalkreichen, nährstoffarmen Moore besteht, welche in den Jungmoränengebieten Nordostdeutschlands ihren Verbreitungsschwerpunkt haben. Kalkreiche Niedermoore kommen im FFH-Gebiet „Grumsiner Forst“ vor allem im Bereich des Mellnsees vor und beherbergen seltene Pflanzenarten wie Sonnentau (Drosera anglica, D. intermedia, D. rotundifolia), Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris), Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata, D. majalis), Zittergras (Briza media), Gelb-Segge (Carex flava), Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) oder Sumpf-Glanzkrautes (Liparis loesellii). Ansonsten sind an den Moorrändern, in vermoorten Senken oder als Gehölzsaum an Bächen sowie Gräben Erlenbruch- und Erlen-Eschenwälder weit verbreitet. Häufig kommen Erlenbruchwälder mit Winkel-Segge (Carex remota), rasig wachsenden Seggen (Carex acutiformis, C. riparia) und seltener mit bultigen Seggen (Carex elongata, C. elata, C. appropinquata) oder mit Torfmoosen (Sphagnum spec.) auf den Erlenbulten vor. An grundwasserzügigen Standorten gibt es auch kleinflächig ausgebildete Erlenwälder mit Bitterem Schaumkraut (Cardamine amara) und in wassergefüllten Schlenken mit Wasserfeder (Hottonia palustris).

Im Gebiet wurden wertgebende Säugetierarten wie Biber (Castor fiber), Fischotter (Lutra lutra), Rothirsch (Cervus elaphus) und allein zwölf Fledermausarten, darunter stark gefährdete Arten wie die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), Großes Mausohr (Myotis myotis), Fransenfledermaus (Myotis nattereri) oder die Brandtfledermaus (Myotis brandtii) nachgewiesen. In den ausgedehnten Buchenwäldern kommen unter anderem Schwarzspecht (Dryocopus martius), Zwergschnäpper (Ficedula parva) oder Schellente (Bucephala clangula) vor. Die Schellente brütet bevorzugt in alten Laubbäumen, welche sich in der Nähe von Gewässern befinden. In Buchenwäldern mit höheren Anteilen an alten, relativ frei stehenden Eichen kommen außerdem Mittelspecht (Dryocopus medius) und in den Bruchwäldern Kranich (Grus grus) und Waldwasserläufer (Tringa ochropus) vor.

Neben dem Erhalt eines der größten unzerschnittenen, naturnahen Waldes ist die Struktur- und Habitatvielfalt durch die eingestreuten Moore, über 20 Seen, fast 200 Kleingewässer, aber auch des Grün- und Ackerlandes besonders wertgebend für die Biodiversität im Gebiet. Davon sind unter anderem Großvögel wie See- und Fischadler (Haliaeetus albicilla, Pandion haliaetus) abhängig, welche Wälder oder Baumgruppen für den Horstbau in Nachbarschaft zu Gewässern als Jaghabitate benötigen. Die großen, störungsarmen Wälder mit den unmittelbar angrenzenden amphibienreichen Wiesen und Weiden sind außerdem potentielle Lebensräume für den seltenen Schreiadler (Aquila pomarina) und den Schwarzstorch (Ciconia nigra). Die Gewässer, ausgedehnten Verlandungszonen, Sölle und feuchten Senken sind typisch für die stark reliefierte Moränenlandschaft der Uckermark und wichtige Lebensräume für selten gewordene Brutvogelarten wie Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Rohrdommel (Botaurus stellaris), Schnatterente (Anas strepera), Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) oder Kiebitz (Vanellus vanellus).

Aber auch insbesondere die landwirtschaftlich genutzten Flächen, Wiesen und Weiden zeichnen sich mit den zahlreichen Lesesteinhaufen, Kleingewässern, vermoorten Senken, trockenen Kuppen, Hecken, Feldgehölzen, Altbäumen oder Waldfragmenten als gut strukturierte Kulturlandschaft mit einer hohen Biodiversität aus. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen südlich des Wolletzsees werden seit 2012/2013 ökologisch bewirtschaftet. In diesen Bereichen sind die Sölle und Ackernassstellen besonders für Amphibien wie Rotbauchunke (Bombina bombina), Kammmolch (Triturus cristatus), Moorfrosch (Rana arvalis), Laubfrosch (Hyla arborea) und Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) wichtige Reproduktionshabitate.

Karte 1

Der Glambecker See befindet sich im Nordosten des FFH-Gebietes und ist etwa 18 ha groß und bis zu 15,5 m tief. Dabei handelt sich um ein ursprünglich oligo- bis mesotrophes Gewässer (FFH-LRT 3140), welches vor allem durch Nährstoffeinträge über künstliche Zuflüsse aus dem entwässerten Mellnsee-Moor eutrophiert wurde. Als weitere Beeinträchtigung nennen Mauersberger & Mauersberger 1996 den (früheren) Besatz mit Asiatischen Karpfen (Silber-, Marmor-, Graskarpfen) sowie Spiegelkarpfen und die daraus resultierende Ichtyoeutrophierung. Der ehemalige Abwasserzustrom aus der Schweinemastanlage Parlow und ein sinkender Wasserspiegel sind weitere Eutrophierungsquellen, die z.T. noch nachwirken. Heute weicht der See deutlich von seinem Primärzustand ab und befindet sich im hocheutrophen Zustand (Trophieklasse e2). Der See hat einen Gehölzsaum aus Erlen, einen schmalen Gürtel aus Teichrose (Nuphar lutea) und Schwimmendem Laichkraut (Potamogeton natans) sowie schüttere Röhrichte aus Schilf (Phragmites australis), gemischt mit wenig Teichsimse (Schoenoplectus lacustris), Rohrkolben (Typha angustifolia) und Igelkolben (Sparganium erectum). Die Makrophytenvegetation reichte während der letzten Biotopkartierung 2009 bis in 3,2 m Tiefe und bestand hauptsächlich aus Rauem Hornblatt (Ceratophyllum demersum) und punktuell aus Ährigem Tausendblatt (Myriophyllum spicatum), beides nährstofftolerante Arten. Die für den FFH-LRT 3140 typischen Armleuchteralgengesellschaften fehlen.

Östlich an den Ort Glambeck schließt sich eine Wiese mit dominantem Glatthafer (Arrhenatherum elatius) auf einer Kuppe an, wobei weitere vorkommende Arten wie Rotes Straußgras (Agrostis capillaris) oder Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella) auf trockene Verhältnisse und Landreitgras (Calamagrostis epigejos) und Rainfarn (Tanacetum vulgaris) auf eine einsetzende Verbrachung hinweisen. Nördlich der Wiese ist eine wassergefüllte Senke mit Erlen, Seggenrieden und Schilfröhrichten und zeigt, wie die eng verzahnten unterschiedlichen Standortbedingungen die große Lebensraumvielfalt im Gebiet bedingen.

Karte 2

Die Feuchtwiesen nördlich der Glambecker Mühle sind auf stark entwässertem und bereits vererdetem Niedermoorboden entstanden. Sie werden von Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea), Seggen (Carex acutiformis, C. hirta) und Binsen (Juncus articulatus, J. effusus) dominiert, wobei auch etwas Kuckucks-Lichtnelke (Silene floscuculi) und der in Brandenburg gefährdete Wiesen-Knöterich (Bistorta officinalis) vorkommen. Östlich schließt sich im Übergang zu den angrenzenden Erlenbruchwäldern ein Schilfröhricht auf Moorboden an.

Die Naturerbeflächen zwischen der Glambecker Mühle und dem Wolletzer See bestehen aus einem Seggenried mit dominanter Sumpfsegge und auch der umgebende, gut wassergesättigte Erlenbruchwald wird von Sumpfsegge in der Bodenvegetation dominiert. Der südlich angrenzende Erlenforst stockt auf etwas höherer Lage mit mineralischem Untergrund und wird von Bergahorn in der Naturverjüngung und Brennnessel (Urtica dioica) in der Krautschicht charakterisiert.

Die Waldflächen westlich des Wolletzsees sind durch die Welse kurz vor ihrer Einmündung in den Wolletzsee und ihren bachbegleitenden Erlenbrüchen mit Sumpfsegge, Schilf sowie Echtem Spring-kraut (Impatiens noli-tangere) im Mündungsbereich geprägt. Nördlich schließt sich ein Kiefernforst mit Winterlinde, Spitzahorn, Hainbuche und Rotbuche im Zwischenstand an. Südlich ist ein zum Zeitpunkt der Kartierung intensiv genutzter Acker auf einer welligen Kuppe ohne nennenswerte Segetalflora mit zwei trockengefallenen bzw. temporär wasserführenden Kleingewässern. Dieser Acker wird inzwischen extensiv bewirtschaftet. An den Acker schließt sich, an einem Hang in Richtung Wolletzsee, eine aufgelassene Frischwiese mit dominantem Glatthafer und starker Verbuschung mit Birne (Pyrus communis x P. pyraster) an. Trotz der anscheinend länger anhaltenden Auflassung sind noch typische Arten der mageren Flachlandwiesen wie Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Wilde Möhre (Daucus carota) oder Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) vorhanden. An einer Hangkante in Richtung Heiliger See, südlich des Ackers, wurde ein Grünlandstreifen als Puffer angelegt, der derzeit noch recht artenarm ist und vor allem von Glatthafer und Weidelgras (Lolium perenne) beherrscht wird. Südwestlich des Ackers schließt sich des Weiteren ein junger Kiefernforst an.

Karte 3

Die Feuchtwiesen westlich der Dachsberge werden durch ein Grabensystem stark entwässert, wobei der mittlere, permanent wasserführende Graben etwa einen Meter tief und die fischgrätenartig angeordneten Stichgräben etwa 50 cm tief sind. Der Moorboden ist bereits stark vererdet und es dominieren Arten des frischen Grünlandes wie Glatthafer, Quecke (Agropyron repens) oder Knaulgras (Dactylis glomerata), wobei nitrophile Stauden wie Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) und Brennnessel auf eine einsetzende Verbrachung der Fläche hindeuten.

Die Waldwiesen nördlich des Großen Grumsinsees sind wertgebende Pfeifengraswiesen mit dem namensgebenden Pfeifengras (Molinia caerulea) und vielen weiteren, charakteristischen und teilweise stark gefährdeten Arten wie Gelb- und Hirse-Segge (Carex flava, C. panicea), Breitblättriges und Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza majalis, D. incarnata), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Gewöhnliche Natternzunge (Ophioglossum vulgatum), Moor-Labkraut (Galium uliginosum), Große Pimpinelle (Pimpinella major), Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula), Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre) oder Wassernabel (Hydrocotyle vulgaris). Dementsprechend gibt es auch eine reichhaltige Insektenfauna und es kommen beispielsweise Schmetterlingsarten wie Kaisermantel (Argynnis paphia), Spiegelfleck-Dickkopffalter (Heteropterus morpheus), Kleines Fünffleck-Widderchen (Zygaena viciae), Schönbär (Callimorpha dominula) oder das Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifolii) vor. In diesem Teilgebiet wurde außerdem die höchste Populationsdichte der schmalen Windelschnecke (Vertigo angustior), einer FFH-Anhang-II-Art nachgewiesen. Auf einem kleinen Hügel in der Mitte der Fläche ist eine aufgelassene trockene Wiese mit dominantem Landreitgras, nur noch wenigen Wiesenarten wie Glatthafer, Rot-Schwingel (Festuca rubra), Wilde Möhre, Odermennig (Agrimonia eupatoria) oder Wiesen-Labkraut (Galium mollugo agg.) und ansonsten aufkommende Gehölze wie Birnen und Weißdorn (Crataegus monogyna). Die Waldwiesen nördlich des Grumsinsees grenzen im westlichen Bereich an Rotbuchenwald und südöstlich an einen jungen Erlenwald (vermutlich aus Sukzession hervorgegangen) an.

Die Waldwiesen nordwestlich des Großen Grumsinsees bestehen aus Feuchtwiesen auf entwässertem Niedermoor mit rasig wachsenden Seggen wie Sumpfsegge, Steife Segge, Schnabel-Segge, Hirse-Segge (Carex acutiformis, C. elata, C. panicea) sowie der in Deutschland stark gefährdeten, bultig wachsenden Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata). Weitere typische Arten sind Wald-Simse (Scirpus sylvaticus), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre), Sumpf-Hornklee (Lotus pedunculatus), Sumpf-Labkraut (Galium palustre), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Kuckucks-Lichtnelke oder Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides). Die Waldwiesen gehen im Süden in Seggenriede mit dominanter Ufer-Segge (Carex riparia) und teilweise in Erlenbruchwald mit Sumpfsegge über.

Karte 4

Die sogenannten Dachsberge sind ein landwirtschaftlich genutzter kuppiger Endmoränenbogen. Zum Zeitpunkt der Kartierung (2009/10) wurden die Äcker noch intensiv genutzt, seit 2012/2013 jedoch ökologisch bewirtschaftet. Sie weisen gute Bestände mit dem gefährdeten Acker-Rittersporn (Consolida regalis) auf. Außerdem ist der Ackerschlag mit seinen vielen Kleingewässern, teilweise auch trockengefallenen Hohlformen mit aufgewachsenen Gebüschen aus Grauweiden (Salix cinerea), Holunder (Sambucus nigra), Schlehe (Prunus spinosa) oder Weißdorn sowie zahlreichen Baumgruppen aus Erlen, Silberweiden (Salix alba), Eichen, Hainbuchen (Carpinus betulus), Rotbuchen oder Wildäpfeln (Malus sylvestris) reich strukturiert. Im Norden der Dachsberge befindet sich des Weiteren ein periodisch trocken fallender Erlenbruchwald mit Walzensegge (Carex elongata). Solche Offenlandschaften mit eingestreuten Gebüschen sind unter anderem wichtige Habitate für Neuntöter (Lanius collurio) und Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) sowie potentieller Lebensraum für Raubwürger (Lanius excubitor), für den Nachweise aus den Jahren 2008 und 2010 vorliegen.

Östlich der Dachsberge schließen sich die Naturerbeflächen im südlichen Bereich des Feuchtgrün-lands „Große Wiese“ an, wobei der Übergang am Hangfuß hauptsächlich aus feuchten Hochstaudenfluren besteht. Die Fläche ist durchsetzt mit Schilf, Sumpfsegge und Waldsimse (Scirpus sylvatica), ansonsten kommen Mädesüß (Filipendula ulmaria), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre) und Sumpf-Hornklee vor. Der gemähte Teil der Fläche wird dominiert von Sumpfsegge, Waldsimse und Behaarter Segge (Carex hirta), gemischt mit Mädesüß und Blut-Weiderich (Lythrum salicaria). Im nördlichen Bereich geht die Fläche eher in eine Frischwiese mit Glatthafer, Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Schafgarbe (Achillea millefolium) und Weißklee (Trifolium repens) über, welche ein wichtiges Braunkehlchen-Habitat ist. In einer Senke hat sich ein Erlenbruchwald etabliert.

Die Wiesen südlich Altkünkendorf und die Ackerflächen östlich der Großen Wiese werden ebenfalls ökologisch bewirtschaftet.

Karte 5

Die Frischwiesen südlich des Wolletzsees sind aus Ackergras hervorgegangen und aktuell recht blü-tenarm mit Glatthafer, Knaulgras, Honiggras (Holcus lanatus) und Weiß-Klee. Weitere Naturerbeflächen in diesem Bereich weisen Fichtenstangenholz an einem Hang und eine Ackerfläche auf.

Karte 6/7

Südlich des Großen Grumsinsees befinden sich Rinder-Weiden auf kuppigem Gelände mit dominantem Weidelgras (Lolium perenne), aber auch typischen Vertretern frischer Weiden wie Kammgras (Cynosurus cristatus), Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), Wilde Möhre, Schafgarbe, trittresistenten Rosettenpflanzen wie Herbst- und Wiesen-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis, Taraxacum officinale agg.), Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata) oder Weidezeigern wie Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius), der vom Weidevieh eher gemieden wird. Die Weideflächen werden von Wald eingerahmt und von Gehölzgruppen sowie Hecken reich strukturiert. Die Weideflächen grenzen an einen Hügel mit Rotbuchenwald an, der mit Eiche und Kiefer im Oberstand gemischt ist. Im Zwischenstand sind des Weiteren Winterlinde, Flatterulme, Erle und Hainbuche und in der Krautschicht typische Arten der Rotbuchenwälder mittlerer Standorte wie Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Einblütiges Perlgras, Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella) oder Goldnessel (Lamium galeobdolon).

Der Kleine Grumsinsee ist etwa drei Hektar groß und bis 2,6 m tief. Mehr als die Hälfte der Wasser-fläche ist mit See- und Teichrosen (Nymphaea alba, Nuphar lutea) bedeckt. Unter Wasser kam während der Kartierung 2009 ausschließlich Quellmoos (Fontinalis antipyretica) punktuell vor. Der See liegt vollständig im Wald und ist nordöstlich von Buchenwald und südwestlich von Erlenbruchwald umgeben. Das als natürlich eutroph eingeschätzte Gewässer (FFH-LRT 3150) befindet sich derzeit im schlechten Erhaltungszustand und ist hocheutroph (Trophieklasse e2). Als Hauptursache sind Nährstoffeinträge über einen künstlichen Zufluss aus einem nördlich gelegenen Feuchtgebiet sowie eine Wasserstandsabsenkung durch einen künstlichen Abfluss nach Südwesten anzusehen.

Südlich des Kleinen Grumsinsees befindet sich innerhalb der Naturerbeflächen des Weiteren ein wertgebender Laubmischwald mit Rotbuche, Eiche, Winterlinde und Hainbuche sowie einigen Cha-rakterarten des Labkraut-Eichen-Hainbuchenwaldes wie Wald-Zwenke, Waldmeister, Einblütiges Perlgras, Hain-Rispengras (Poa nemoralis) und Wald-Ziest (Stachys sylvatica) in der Bodenvegetation.

Direkt um den Ort Grumsin sind außerdem artenarme Frischwiesen mit Glatthafer, Knaulgras, Wiesen-Löwenzahn, Schafgarbe, Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) und Weiß-Klee.

Bestehende Planungen

Für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin existiert seit 1997 ein Landschaftsrahmenplan. Aktuell wird ein Managementplan für das FFH-Gebiet "Grumsiner Forst/Redernswalde" erarbeitet, der Entwurf liegt seit September 2015 vor (LUGV 2015). Derzeit befindet sich dieser Management-planungsentwurf in der Überarbeitungsphase. Auch die Erstellung eines neuen Pflege- und Entwicklungsplanes (PEP) für das gesamte Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin findet derzeit statt. Der vorhergehende PEP stammt aus dem Jahr 1997. Für den Großtil der Landwirtschaftsflächen liegt des Weiteren ein Naturschutzfachplan (im Rahmen der Managementplanung NATURA 2000) vor.

Schutzstatus und Schutzgüter

Der Schutzzweck im Naturschutz- und FFH-Gebiet "Grumsiner Forst" ist der Erhalt und die weitere möglichst störungsarme Entwicklung der Lebensraumtypen nach Anhang I und Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie wie beispielsweise Biber (Castor fiber), Fischotter (Lutra lutra), Großes Mausohr (Myotis myotis), Rotbauchunke (Bombina bombina), Kammmolch (Triturus cristatus), Steinbeißer (Cobitis taenia), Bitterling (Rhodeus amarus), Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) oder das Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii) sowie weiterer wertgebender, gefährdeter Arten. Die Kernzonen sind außerdem Teil des UNESCO Weltnaturerbegebiet "Alte Buchenwälder Deutschlands" (als Teil des Weltnaturerbegebietes "Buchenurwälder der Karpaten"), welche neben dem Grumsin die Buchenwaldgebiete Jasmund, Serrahn, Hainich und Kellerwald umfassen. Die Verordnung des Naturschutzgebietes "Grumsiner Forst/Redernswalde", welches fast deckungsgleich mit dem FFH-Gebiet ist, sieht gleichfalls die Erhaltung, Wiederherstellung und Förderung der Lebensräume bedrohter Tier- und Pflanzenarten vor.

Naturschutzziele

  • Erhaltung und Entwicklung der oligo- bis mesotrophen (FFH-LRT 3140) und der natürlichen eutrophen Seen (FFH-LRT 3150) hinsichtlich einer naturnahen Gewässerstruktur
  • Nach Möglichkeit Wiederherstellung/Verbesserung des Binneneinzugsgebietscharakters, der natürlichen Wasserstandsdynamik und Erhöhung der Mittelwasserstände von Glambecker See und Kleinem Grumsinsee
  • Sofern eine Nutzungseinstellung nicht realisiert werden kann, ist die Fischerei nur in Form eines naturschutzorientierten fischereilichen Managements mit der Zielsetzung der Entwicklung autochthoner Fischbestände in allen Gewässern auszuüben; fischereiliche Nutzung ausschließlich extensiv unter Verzicht auf Zufütterung, Anfütterung, Fischbesatz (mit Ausnahme der Wiederansiedlung ausgestorbener einheimischer Arten) und Elektrofischerei (außer zu Forschungszwecken); Fanggeräte oder Fangmittel sind so einzusetzen oder auszustatten, dass ein Einschwimmen oder eine Gefährdung von streng oder besonders geschützten bzw. gefährdeten Arten weitestgehend ausgeschlossen ist
  • Ggf. Entnahme von faunenfremden Fischarten aus dem Glambecker See
  • Erhaltung der Kleingewässer, insbesondere in den Ackerflächen, und Schutz vor Nährstoffeinträgen sowie Pflanzenschutzmitteln durch die Einhaltung bzw. Einrichtung von Pufferzonen
  • Unterlassung von Aufschüttungen der Hohlformen mit Feldsteinen und stattdessen Ablage der Feldsteine am Rand als Lesesteinhaufen
  • Erhaltung der Hochstaudenfluren, Röhrichte und Riede durch Zulassen von Sukzession (ggf. auch stellenweise extensive Nutzung), ggf. Rückbau von Meliorationsgräben
  • Erhaltung und Optimierung der Frisch- und Feuchtwiesen sowie der Magerweiden durch extensive Grünlandnutzung, ggf. Sanierung des Wasserhaushaltes, insbesondere bei den Waldwiesen nördlich des Großen Grumsinsees
  • Entwicklung von Grünlandbrachen zu artenreiche Wiesen oder Weiden durch Einbeziehung in eine extensive Nutzung bzw. Erhaltung von Grünlandbiotopen (u.a. Großseggenwiesen, Staudenfluren) durch Weiterführung der extensiven Nutzung
  • in Teilbereichen natürliche Sukzession der Grünlandbrachen, v.a. dort, wo aufgrund von Kleinflächigkeit, natürlichen Begebenheiten o.ä. keine Nutzer gefunden werden können
  • Erhaltung von Hecken, Feldgehölzen, Gebüschen, Waldrelikten sowie Altbäumen als Naturentwicklungsgebiete (keine forstliche Nutzung)
  • Erhaltung und Entwicklung der Erlenbruch- und Auwälder sowie Moorwälder als Naturentwicklungsgebiete (keine forstliche Nutzung), ggf. durch Sanierung des Wasserhaushaltes  Erhaltung und Entwicklung naturnaher Laubwälder, insbesondere der standortheimischen Buchen-, Eichen-Hainbuchen- und Eichenwälder sowie Ulmen-Hangwälder durch Entnahme standortfremder Baumarten wie Douglasie, Fichte oder Lärche, unter anderem als Habitate für Fledermäuse, Vögel oder totholzbewohnenden Insekten (z.B. Eremit, Hirschkäfer); nach Umwandlung in naturnahe Waldgesellschaften werden die Bestände als Naturentwicklungsgebiet sich selbst überlassen
  • in Waldbeständen mit nichtheimischen Gehölzen, insbesondere in naturfernen reinen Nadelholzforsten, Waldumbau (z.B. durch trupp- bis horstweise Entnahme der nicht standortheimischen Gehölze und Förderung der Naturverjüngung standortheimischer Baumarten) zu einem naturnahen Laub-Mischwald; die Naturerbeflächen werden nach Umwandlung in naturnahe Waldgesellschaften als Naturentwicklungsgebiet sich selbst überlassen
  • Beibehaltung einer extensiven, naturschutzorientierten Nutzung der Ackerflächen wie bei-spielsweise auf dem stark reliefierten Dachsberg südwestlich von Altkünkendorf u.a. zur Förderung von gefährdeten Segetalarten
  • Um eine naturschutzorientierte extensive Bewirtschaftung des Grünlandes sowie der Ackerbereiche sicherzustellen, wird diese ggf. über Flächen-/Pflugtausch umgesetzt, da der erforderliche Flächenzusammenhang derzeit nicht gegeben ist. Ein realer Flächentausch zur Arrondierung der Naturerbeflächen mit nachfolgender Umsetzung einer naturschutzorientierten extensiven Bewirtschaftung wird angestrebt.
  • Es wird angestrebt, die siedlungsnahen Flächen (Gärten, Grabeland) zu verkaufen.

 

 

Download

Informationen rund um die Naturerbeflächen im A4 Format zum Ausdrucken (pdf-Datei). Diese Datei enthält weitere Details zu den einzelnen Flächen.