Gehölzpflanzung an der KarthaneProjekt im Landkreis Prignitz südwestlich von Bad Wilsnack

Wir haben 2018 auf stiftungseigenen Flächen in zwei Teilabschnitten am Ufer der Karthane südwestlich von Bad Wilsnack einen etwa zwei Kilometer langen Gehölzsaum aus gebietsheimischen Bäumen und Sträuchern gepflanzt.

Die Pflanzungen wurden sehr unterschiedlich gestaltet: Breite heckenartige Abschnitte wechseln sich ab mit kleineren und größeren Gehölzgruppen, Solitärbäumen und schmaleren Heckenabschnitten. In Teilbereichen wurde auf eine Bepflanzung ganz verzichtet. Hier können sich durch natürliche Sukzession artenreiche Hochstaudenfluren entwickeln, die Lebensraum für Insekten wie z.B. Schmetterlinge bieten. Um die Hochstaudenfluren dauerhaft zu erhalten, müssen sie künftig extensiv gepflegt werden.

Die Strukturvielfalt der Pflanzungen trägt zu einem naturnahen auetypischen Landschaftsbild in der Karthaneniederung bei. Insbesondere im westlichen Teil der Pflanzung bleiben größere Lücken bestehen, um Rast- und Zugvögel den wichtigen freien Zugang zur Karthane zu erhalten.

Auf einen Blick

Projekt: Gehölzpflanzung am Südufer des Elbnebenflusse Karthane auf einer Gesamtlänge von 2.140 m (inkl. Lücken)
Besonderheit: Förderung der heimischen Echten Schwarzpappel (Populus nigra) im Biosphärenreservat
Gebiet: im Biosphärenreservat "Flusslandschaft Elbe Brandenburg", im SPA "Unteres Elbtal", im LSG "Brandenburgische Elbtalaue" und teilweise im Naturschutzgebiet "Wittenberge-Rühstädter Elbeniederung" sowie im FFH-Gebiet "Karthane".
Zeitraum: 2018 bis 2021 (inkl. Entwicklungspflege und Endabnahme)
Finanzierung: aus GAK-Mitteln (GAK = Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes)

Hintergrund

Das Fließgewässersystem der Elbe, zu dem auch die Karthane als Elbnebenfluss gehört, wurde in den vergangenen Jahrhunderten stark verändert. So wurden die ursprünglich vorhandenen ausgedehnten Waldgebiete der Flussniederungen zugunsten der landwirtschaftlichen Nutzung stark zurückgedrängt. Bereits im 14. Jahrhundert war die Elbe größtenteils eingedeicht und der Wald in den Niederungen überwiegend gerodet. 

Im Zuge der Komplexmelioration seit den 1960er Jahren wurde der die Karthane verbreitert, eingetieft, begradigt und der ursprüngliche Gehölzbestand fast vollständig beseitigt.  Mit der Pflanzung an der Karthane möchten wir dazu beitragen, der Karthaneniederung ein Stück Naturnähe, Strukturvielfalt und Artenreichtum zurückzugeben.

Für die Pflanzung wurden verschiedene Baumarten wie Echte Schwarzpappel, Eiche, Esche, Ulme, Weide, Schwarzerle, Hainbuche, Wildapfel und -birne sowie Sträucher wie Schlehe, Weißdorn, Kreuzdorn, Hartriegel und Pfaffenhütchen verwendet. Insgesamt wurden 2.750 Gehölze gepflanzt. Dabei verwenden wir ausschließlich herkunfts-, standort- und sortengerechtes Pflanzmaterial, das den Vorgaben des "Erlasses zur Sicherung gebietsheimischer Herkünfte bei der Pflanzung von Gehölzen in der freien Natur" des Landes Brandenburg entspricht. Die Pflege und Wässerung der Pflanzung ist für drei Jahre geplant, sie spielt eine große Rolle für den Erfolg der Pflanzung. 

Vorbereitung und Umsetzung des Projektes wurde durch die enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe Brandenburg, der Naturwacht, den Fachbehörden des Landkreises Prignitz, der Gemeinde Bad Wilsnack/Weisen, dem Wasser- und Bodenverband Prignitz, den Landwirten und weiteren Akteuren aus der Region ermöglicht.

Seit 2018 werden im Rahmen der Erfolgskontrolle Brutvogelkartierungen und Fotodokumentationen durchgeführt. Ziel ist es, die Entwicklung der Habitatstrukturen und Veränderungen des Landschaftsbildes zu dokumentieren.

Besonderheit: Echte Schwarzpappel (Populus nigra)

Ein besonderes Anliegen ist es, im Rahmen dieser Pflanzung die heimische Schwarzpappel im Biosphärenreservat zu fördern: Die Echte Schwarzpappel (Populus nigra) ist eine der wenigen Charakterbaumarten der Weichholzauen und prägt mit ihrem einzigartigen Habitus die Landschaften der Flussauen. Diese beeindruckenden Bäume können Größen von 35 Meter Höhe und drei Meter Durchmesser erreichen und bis 200 Jahre alt werden.

Die Schwarzpappel wird in der Roten Liste der Gefäßpflanzen Brandenburg als "stark gefährdet" eingestuft und ist in den ostdeutschen Ländern sogar vom Aussterben bedroht.

Es wurden ausschließlich genetisch reine, autochthone Schwarzpappeln mit zertifizierter Herkunft aus der Elbtalaue gepflanzt. Da in Brandenburg zum Zeitpunkt der Pflanzung keine Schwarzpappel-Junggehölze aus zertifizierten Beständen zur Verfügung standen, wurden die Junggehölze vom Staatsbetrieb Sachsenforst bezogen.