Pritzerber See, Landkreis PrignitzKünstliche Nisthilfen für die Fluss-Seeschwalbe

Für die Förderung der in Kolonien brütenden Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) wurde im Frühjahr 2019 eine künstliche Brutinsel auf dem Pritzerber See ausgebracht. 

Flussseeschwalben haben ihre Primärlebensräume in Dünengebieten, Nehrungen und Salzwiesen, in Flussauen, auf Inseln und in Mündungsbereichen mit lückiger, kurzer Vegetation. Sie kommt heute vor allem in extensiv beweideten Boddeninseln und in Tagebaugewässern vor. Im Binnenland fehlen ihr durch die Begradigung und Regulierung der Fließgewässer natürliche Kies- und Sandbänke als Bruthabitate. Zum Erhalt der Art und Unterstützung lokaler Populationen können künstliche Nisthilfen auf Seen ausgebracht werden. 

Die Brutinsel ist 4x4 m groß, besteht aus einer Aluminiumkonstruktion, einer Geotextilbahn mit aufgeschüttetem Kies und einem Betonanker. Die Seitenwände der Insel sind schräg, um Prädatoren wie beispielsweise Waschbären fernzuhalten. Zum Schutz der Küken vor Angriffen aus der Luft wurden außerdem Schutzdächer auf der Insel aufgestellt.

Methode

Seit Juni 2019 wird die Brutinsel von einer Mitarbeiterin der Naturwacht beobachtet. Dabei galt es herauszufinden, ob die Brutinsel von den Fluss-Seeschwalben angenommen wird und ob es Verluste durch Prädatoren aus der Luft und/oder vom Wasser bzw. Ufer aus gibt. Zunächst erfolgten die Beobachtungen vom gegenüberliegenden Steg. Für die genaue Erfassung des Bruterfolges war jedoch ein Anfahren der Brutinsel mit dem Boot notwendig. Aus diesem Grund wurden im April 2020 zusätzlich drei kleine Rettungsinseln an die Brutinsel gebunden, falls Jungtiere in Panik die Insel verlassen.

Bereits im ersten Jahr nach der Ausbringung konnten einzelne Flussseeschwalben auf dem Brutfloß beobachtet werden. Am 12. 6. 2020 wurden 30 Altvögel, 19 Küken und 17 Eier gezählt, was für eine Reproduktion von max. 36 Individuen spricht. Ob alle Eier ausgebrütet wurden und alle Küken flügge geworden sind, lässt sich jedoch nicht sagen. Die Zählergebnisse vom 6. 7. 2020 sind schwer zu interpretieren. Zu diesem Zeitpunkt können schon Paare mit flüggen Jungvögeln abgewandert sein.

Die Brutinsel wird auch von Lachmöwen (Larus ridibundus) genutzt. Fluss-Seeschwalben kommen häufig in Mischkolonien mit Lachmöwen vor. Dennoch sollte weiterhin beobachtet werden, ob die Fluss-Seeschwalben langfristig von Lachmöwen verdrängt werden. Damit die Insel über die Wintermonate nicht von anderen Wasservögeln, beispielsweise von Kormoranen (Phalacrocorax carbo) vereinnahmt wird, müssen Netze ausgebracht werden. Die Netze werden im Frühjahr zur Ankunft der Flussseeschwalben (Ende April/Anfang Mai) wieder abgenommen. Aufgrund des guten Bruterfolges der Flussseeschwalben auf der künstlichen Insel wird derzeit die Ausbringung einer zweiten Brutinsel vorbereitet.

Die Erfassung der Brutvögel soll dann in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Damit sollen weitere Erkenntnisse für die Optimierung solcher künstlichen Nisthilfen gewonnen werden, bei Bedarf nachgesteuert oder ggf. auch die Inseln gewartet werden.

Stand: Dezember 2020

Downloads

Die genauen Ergebnisse, Karten und Literatur zu den ausgewählten Flächen finden Sie im aktuellen Bericht zur Erfolgskontrolle (Stand 2020). 

Die vorangegangenen Berichte können Sie ebenfalls nachlesen: Erfolgskontrolle 2018 und Erfolgskontrolle 2019 

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