Wrietzensee, Landkreis UckermarkStabilisierung bzw. Verbesserung des ökologischen Zustandes

Der Wrietzensee liegt im Landkreis Uckermark  innerhalb des NSG und FFH-Gebiets "Eulenberge" und ist Teil des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Den ca. 20 Hektar großen, aber nur vier Meter tiefen Wrietzensee hat unsere Stiftung 2013 als Nationales Naturerbe übernommen. Neben der Seefläche gehören der Gehölzsaum und ein Ackerstreifen im Süden und Westen des Wrietzensees zu den Stiftungsflächen. Sie werden ebenfalls in die Betrachtung einbezogen.

Ende 2016 wurde das bestehende Pachtverhältnis mit dem Fischer aufgelöst und zu Beginn des Jahres 2018 neu vergeben. Zu den wichtigsten Pachtauflagen des neuen Vertrages gehören das Besatzverbot, das Verbot des Zu- und Anfütterns (auch für Angler) und die Beschränkung der Angelkarten.

Im Zuge der regulären Hege sollen insbesondere bodenwühlende (benthivore) Weißfische und ggf. noch vorkommende Silber-, Marmor- und Graskarpfen sowie Speisekarpfen entnommen werden. Silber- und Marmorkarpfen wirken sich als Planktonfiltrierer auf die Zusammensetzung von Phyto- und Zooplankton aus und können Blaualgen fördern. Die Trübung eines Sees wird nicht nur von der Phytoplankton- Quantität, sondern auch dessen Qualität bestimmt. So können beispielsweise bei gleicher Chlorophyll-a-Konzentration viele kleine Mikroalgen das Wasser stärker trüben als wenige große Mikroalgen. Benthivore Fischarten fördern hingegen die Nährstoffrücklösung aus dem Sediment, trüben das Wasser durch die Aufwirbelung von Schwebstoffen und schädigen Makrophyten durch Fraß.

Der Wrietzensee ist eines der Gewässer mit dem höchsten Bestand an Karpfen und ostasiatischen Pflanzenfressern. Der Besatz fand mutmaßlich in den 1980er Jahren statt. Daten aus einer Bonitierung des Instituts für Binnenfischerei mit Hilfe von Netzen und Elektrobefischung im Jahr 2001 belegen das Vorkommen folgender Fischarten: Aal, Barsch, Blei, Güster, Hecht, Moderlieschen, Plötze, Rotfeder, Silberkarpfen und Zander. Nach Mitteilung des früheren Fischereipächters wurde der See letztmalig 2010 befischt. Bei einer Probebefischung im Jahr 2016 mit Zugnetz sollen nur noch wenige Silber- und Marmorkarpfen ins Netz gegangen sein.

Neben der Nutzungsänderung des Sees konnten durch zusätzlich erworbene, westlich und südlich angrenzende Ackerflächen auch das Einzugsgebiet durch Extensivierung aufgewertet und die Nährstoffeinträge verringert werden. Aber auch über das Stiftungseigentum hinaus hat eine Nutzungsänderung im direkten Seeumfeld innerhalb der letzten Jahre stattgefunden.

Methoden

Die Ziele der Erfolgskontrolle am Wrietzensee sind die Dokumentation der Veränderungen des Zustandes des Sees hinsichtlich der Vegetation - insbesondere der Armleuchteralgen, der Trophie und des Wasserhaushaltes. Dazu wurden 2017 der See und sein Gehölzsaum sowie alle angrenzenden Ackerbiotope nach der Brandenburgischen Biotopkartierung erfasst. Bei den Ackerflächen gab es Anpassungen in der Bewirtschaftung zur Förderung der Ackerbeikräuter.

Als Vergleich liegt eine Biotopkartierung von 2011 vor, welche im Rahmen der FFH-Managementplanung angefertigt wurde. Zusätzlich wurden 2017 im Wrietzensee vier Transekte angelegt, die die Vegetation von der mittleren Wasserlinie bis zur unteren Makrophytengrenze abbilden. Im Rahmen eines limnochemischen Monitorings im gleichen Jahr wurde die aktuelle Trophie des Gewässers ermittelt. Altdaten zur Vegetation und Trophie des Sees sowie zur Nutzung einiger Biotope wurden ebenfalls recherchiert und verglichen.

Zur Abbildung des Landschaftswasserhaushaltes wurden im November 2013 zwei Grundwassermessstellen in Seenähe eingerichtet. Am Ostufer des Sees wurde des Weiteren im März 2018 ein Lattenpegel errichtet.

Zusammenfassend werden folgende Untersuchungsmethoden am Wrietzensee angewendet:

  • Einrichtung eines Vegetationstransektes (2017)
  • Biotopkartierung (2011, Wiederholung 2017)
  • limnochemische Untersuchung (2017)
  • 2 Pegel (seit 2014)
  • 1 Lattenpegel (seit März 2018)

Zusammenfassung

Der Zustand des Wrietzensees hat sich aktuell gegenüber den 1990er und 2000er Jahren kontinuierlich verbessert. Das spiegeln insbesondere eine Zunahme der von Submersvegetation besiedelten Bereiche und der untergetauchten Wasserpflanzenarten sowie eine größere Tiefenverbreitung der Makrophyten wider.

Innerhalb der trophierelevanten, limnochemischen Parameter hat sich bislang nur die Wassertransparenz merklich verbessert. Dies ist zugleich der entscheidende Parameter für die Besiedlung mit Makrophyten. Die Phytoplanktonbiomasse ist seit längerem auf niedrigem Niveau. Eine Abnahme der Nährstoffparameter Gesamtphosphor und Gesamtstickstoff lässt sich bisher nicht eindeutig erkennen. Dennoch hat sich die Trophie des Sees um eine Stufe, von hocheutroph zu schwach eutroph verringert, auch wenn der mesotrophe – von Armleuchteralgen dominierte – Primärzustand noch nicht wieder erreicht werden konnte.

Maßgeblich für die Verbesserung des Wrietzensees innerhalb der letzten ca. 25 Jahre waren die Nutzungsänderungen des Sees und des direkten Einzugsgebiets, wobei diese erst seit wenigen Jahren zielgerichtet erfolgen. Die Extensivierung der umliegenden Äcker war entscheidend für eine Reduzierung des Nährstoffeintrages in den See. Vermutlich hat sich dies bisher noch nicht in den Nährstoffkonzentrationen des Epilimnions bemerkbar gemacht, weil sich aufgrund der Polymixis des Flachsees keine stabile Schichtung aufbauen kann und somit ganzjährig aus den (nährstoffreichen) Sedimenten Nährstoffe nachgeliefert werden. Ein Flachsee reagiert langsamer auf Nährstoffreduzierungen als stabil geschichtete Seen. Die dauerhafte Reduktion von Nährstoffeinträgen ist dennoch essenziell für eine Verbesserung des Wrietzensees.

Zudem deutet einiges darauf hin, dass die Bestände der Asiatischen Karpfenarten in den letzten Jahrzehnten rückläufig waren. Vermutlich wurden sie seit 1989 nicht mehr nachbesetzt und haben eventuell ihr natürliches Alter erreicht. Der Rückgang der Fischarten kann somit ein entscheidender Grund für die Aufklarung des Sees sein. Höhere Sichttiefen fördern wiederum das Makrophyten-Wachstum, wodurch das Sediment und die Nährstoffe festgelegt werden.

Stand: November 2019

Downloads

Die genauen Ergebnisse, Karten und Literatur zu den ausgewählten Flächen finden Sie in den Zwischenberichten Erfolgskontrolle 2018 und Erfolgskontrolle 2019.

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Leitung Stiftungsprojekte
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