FreiwasserinselnAmphibienschutz im Landkreis Oder-Spree

Das Gebiet "Freiwasserinseln" ist bereits seit 2001 dauerhaft für den Naturschutz gesichert. Die etwa 16 Hektar große Stiftungsfläche liegt im Landkreis Oder-Spree, im FFH-Gebiet „Mittlere Oder“ und im gleichnamigen Naturschutzgebiet. Hier wollen wir Kleingewässer für Amphibien wie Rotbauchunke, Kammmolch und Moorfrosch wiederherstellen und ihre Landlebensräume aufwerten. Profitieren wird darüberhinaus auch der Große Feuerfalter. Nimmt man angrenzende Flächen hinzu, die sich im Besitz des Landes Brandenburg befinden, stehen insgesamt 19 Hektar für den Amphibienschutz zur Verfügung. 

Auf einen Blick

Projekt: "Freiwasserinseln - Aufwertung von Habitatstrukturen für Rotbauchunke und Kammmolch im FFH-Gebiet Mittlere Oder"
Ziel: Aufwertung von Kleingewässern als Amphibien-Lebensraum
Gebiet: Landkreis Oder-Spree, Amt Brieskow-Finkenheerd
Schutzstatus: FFH-Gebiet Mittlere Oder
Zeitraum: Winterhalbjahr 2023/24

Bereits 2001 wurden insgesamt fünf Kleingewässer angelegt – zwei davon im Gebiet "Freiwasserinseln" – dazu ein regelbarer Stau errichtet und ein Graben teilweise verfüllt. Beides hat bereits den Wasserhaushalt auf der Fläche verbessert. Ein Schilfgürtel wurde komplett aus der Nutzung genommen, die Grünlandnutzung sollte extensiviert werden. 

Wenige Jahre später, 2006, wurden diese fünf Kleingewässer als Lebensraumtyp (LRT) 3150 kartiert, also als Natürliche und naturnahe nährstoffreiche Stillgewässer mit Laichkraut- oder Froschbiss-Gesellschaften. Neben Schilfröhricht waren zu diesem Zeitpunkt noch typisch ausgeprägte Vegetationsstrukturen mit Wasserlinse, Wasserfeder, Laichkraut, Pfeilkraut, Froschbiß oder Teich- und Seerose vorhanden. Das umgebende Feuchtgrünland wurde als Feuchtweide und LRT 6440 – Brenndolden-Auenwiesen – eingestuft. Brenndolde, Kuckucks-Lichtnelke, Sumpf-Sternmiere , Schlanke Segge und Weidenblättrige Schafgarbe waren die wertgebenden Arten. Zum Zeitpunkt der FFH-Kartierung wurden die Flächen noch durch Rinder beweidet.

Wenige Jahre später sah die Situation völlig anders aus: Die Kleingewässer waren vollständig mit Schilfröhricht zugewachsen, hatten ihre typischen Vegetationsstrukturen verloren und konnten nicht mehr als LRT 3150 eingestuft werden. Die Wiesen wurden mehrmals im Jahr gemäht, teilweise blieb das Mahdgut als Mulchschicht liegen. Sie waren als Landhabitate für Amphibien und auch für den Großen Feuerfalter durch diese Art der Nutzung entwertet – und genau das wollten wir ändern. 

Kleingewässer und Stauanlagen

Um vor allem die Kleingewässer als LRT 3150 und die Habitate von Rotbauchunke, Kammmolch und Moorfrosch wiederherzustellen, wurden die Schilfröhrichte beseitigt und Sedimente abgetragen. Um den Wasserrückhalt im Gebiet zu verbessern, sollen die Gräben auf der Projektfläche möglichst hoch eingestaut werden. Dies dient nicht zuletzt dem Schutz des Niedermoorbodens als Senke für klimarelevante Gase. Auch im Gebiet "Freiwasserinseln" waren vor der konkreten Planung der baulichen Maßnahmen Vermessungsarbeiten notwendig: Sie dienen dem genauen Verständnis der morphologischen und hydrologischen Bedingungen.

Landhabitate

Die abgetragenen Sedimente der Kleingewässer haben wir genutzt, um den Strukturreichtum nahe der Uferbereiche zu verbessern: Viele Insekten bauen ihre Nester an südexponierten Abrisskanten und Steilwänden - entsprechende Geländerippen sollen Wildbienen und Co. hier nun Nistmöglichkeiten bieten. Um die Amphibien zu fördern –  insbesondere die innerhalb einer Saison häufig wandernde Rotbauchunke –  pflanzten wir Hecken und standortangepasste Gehölze. Sie dienen als Trittsteinbiotope und werten damit die Landhabitate der Amphibien auf. Auch das Landschaftsbild gewinnt durch diese Pflanzungen.

Angepasste Bewirtschaftung

Zur nachhaltigen Pflege der Kleingewässer und des Feuchtgrünlandes wurde eine extensive Beweidung etabliert. Das Feuchtgrünland wird von Rindern beweidet Diese Form der Nutzung bringt eine Vielzahl positiver Effekte: Die Kleingewässer bleiben offen und die Amphibien selbst werden geschont, sind doch die Verluste durch die bisherige maschinelle Flächenbearbeitung hoch. Durch eine extensive Beweidung entstehen Gehölzinseln, Trittstellen oder Pfade, alles Mikrohabitate und Lebensraumstrukturen. Auch die nicht gefressene, weitgehend abgestorbene Vegetation gehört hierzu.

Selbst der Dung der Weidetiere wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt aus. Viele Insekten ernähren sich vom Kot der Weidetiere oder legen dort ihre Larven ab: Dungkäfer, Kurzflügler oder Fliegen zum Beispiel. Diese Insekten wiederum bilden eine wesentliche Nahrungsgrundlage für insektenfressende Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere wie Fledermäuse. Pro (großem) Weidetier und Jahr, so haben Studien ergeben, können sich bis zu 120 Kilo Insekten entwickeln!

Durch den Verzicht auf eine Grabenmahd kann sich schließlich der Flussampfer etablieren; er ist die wichtigste Raupen-Nahrungspflanze des Großen Feuerfalters. Auch diese Umstellung der Landnutzung wird ein Vegetationsmosaik und damit eine verlängerte Blühperiode bewirken. Das fördert Insekten allgemein, vor allem ist dann ausreichend lange Nahrung für die adulten Tiere des Feuerfalters verfügbar – auch für mehrere Generationen im Jahr.

Rotbauchunke, Kammmolch und Moorfrosch haben in Brandenburg einen wichtigen Verbreitungsschwerpunkt. Die Rotbauchunke findet hier – und in Mecklenburg-Vorpommern sogar ihren bedeutendsten Verbreitungsschwerpunkt in ganz Deutschland. Daraus leitet sich die besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Arten ab. Unsere Maßnahmen zielen deshalb auf die Sanierung bestehender und die Neuanlage von Kleingewässern, den Wasserrückhalt im Gebiet und die Aufwertung von Landlebensräumen.

Ihr Kontakt

Lars Heling
Stiftungsprojekte
Tel.: 0331 / 97 164 894
E-Mail schreiben

Markus Stein
Stiftungsflächen
Tel.: 0331 / 97 164 850
E-Mail schreiben