Naturschutzfonds Brandenburg
 

Naturschutz in Brandenburg
Newsletter der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg | Ausgabe 03/2024

Stiftung | Projektförderung | Stiftungsflächen | Stiftungsprojekte | Naturwacht | Umweltbildung | Naturschutz in Zahlen | Zu guter Letzt

Liebe Leserinnen und Leser,

was haben wir gemeinsam mit Partnern im vergangenen Jahr für die Natur Brandenburgs erreicht? In dieser Ausgabe stellen wir unsere Bilanz vor. Die weiteren Themen: zwei umfangreiche Förderprojekte aus den Landkreisen Prignitz und Havelland, eine Moor-Renaturierung im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, die Starthilfe für den Nachwuchs der Bachmuschel, das Update der "Wilden Welten" und – gerade erst online – eine neue Website zur Agrar-Beratung.

Eine interessante Lektüre wünscht

Ihr Team der Stiftung

Stiftung – Unsere Jahresbilanz 2023
107 Projekte für den Natur- und Artenschutz

Noch nie konnten wir in einem Jahr so viel Geld für den Natur- und Artenschutz bereitstellen wie 2023: 14,8 Millionen Euro Stiftungsmittel ermöglichen 107 Projekte im Gesamtumfang von 28,9 Millionen Euro. Brandenburgweit haben wir 72 Projekte gefördert und 35 eigene umgesetzt. Es ging um den Wasserrückhalt und bessere Lebensbedingungen für Amphibien, um Hecken und Bäume für die Agrarlandschaft oder um neue Quartiere für Weißstorch und Fledermaus. 

2023 haben wir landesweit 72 Projekte von Partnern gefördert und 35 eigene Projekte realisiert: Lesen Sie mehr in unserem Jahresbericht.

In allen 14 Landkreisen und in der Stadt Cottbus waren wir im vergangenen Jahr aktiv. Die meisten Projekte konnten wir 2023 in den Landkreisen Uckermark (21), Oberspreewald-Lausitz (13), Prignitz (11) sowie Ostprignitz-Ruppin (10) fördern und umsetzen.

Ein Schwerpunkt mit 56 Projekten: das Thema Wasser. Gemeinsam mit unseren Partnern konnten wir nicht nur die Lebensbedingungen für geschützte und gefährdete Arten wie Rotbauchunke, Fischotter, Bachmuschel oder für Torfmoose verbessern. Mit konkreten Maßnahmen haben wir zum Beispiel dazu beitragen, dass auch bei Trockenheit und in Dürreperioden mehr Wasser in unseren Landschaften gehalten wird.

Auch die Naturwacht blickt auf ein arbeitsreiches Jahr zurück: Im Rahmen des Monitorings haben Ranger*innen zum Beispiel im Naturpark Dahme-Heideseen eine neue Flussseeschwalben-Ansiedlung auf der Groß Schauener Seenkette erfasst und einen verschollen geglaubten Tagfalter wiederentdeckt – den Hochmoor-Bläuling. Grund zur Freude bot auch das Video einer Fotofalle im Naturpark Hoher Fläming. Sie filmte erstmals Jungtiere der erst kürzlich in Brandenburg wieder eingewanderten Wildkatze. Es handelt sich um den Erstnachweis einer erfolgreichen Reproduktion.

Neugierig geworden? Dann lesen Sie doch in unserem Jahresbericht 2023 weiter!

Projektförderung – Hecken und Gewässersanierung
Stiftungsrat beschließt über Projektanträge

Das Rebhuhn ist in Brandenburg vom Aussterben bedroht. Der Jagdverband Pritzwalk stemmt sich dagegen. Foto: G. Schmidt-Stohn

Übersteigt eine beantragte Fördersumme 150.000 Euro, dann entscheidet unser Stiftungsrat über diese Förderanträge. Das ehrenamtliche Gremium tagt zweimal im Jahr und hat auf der diesjährigen Frühjahrssitzung zum Beispiel Fördermittel für den Jagdverband Pritzwalk beschlossen: Im Landkreis Prignitz kann der Jagdverband nun an sechs Standorten auf rund 2,8 Kilometern Länge Hecken pflanzen. Je nach Standort werden die Strauchhecken zwischen fünf und 15 Meter breit wachsen. Sie sind Teil eines größeren Rebhuhn-Schutzprogramms des Jagdverbandes Pritzwalks. Es kann nur erfolgreich sein, wenn die Tiere Lebens- und Rückzugsräume finden sowie Insekten als wichtigste Nahrungsgrundlage.

Einer der zwei Röthehofer Pfühle, die revitalisiert werden sollen. Hier ist kaum noch Wasserfläche zu erkennen. Foto: A. Franz

Der NABU Regionalverband Osthavelland kann nach der Zusage der Fördermittel die Revitalisierung von sechs Kleingewässern angehen. In den vergangenen Jahren waren sie aufgrund fehlender Niederschläge ausgetrocknet. An zwei Gewässern haben zudem Nährstoffeinträge von benachbarten Äckern die Verlandung beschleunigt. Nun kann wieder Lebensraum für stark gefährdete Amphibien wie Rotbauchunke, Kammmolch oder Knoblauchkröte entstehen. Der Regionalverband hat übrigens bereits 2020 ein Kleingewässer erfolgreich saniert: den Fuchspfuhl bei Tremmen.

Sie haben selbst eine Projektidee? Informieren Sie sich, ob Ihr Projekt förderfähig ist. Auch viele Beispiele geförderter Projekte haben wir gesammelt - seit 2012.

Stiftungsflächen – Wasser für Grumsiner Moore
Das Ziel ist ein naturnaher Wasserhaushalt

Die Entwässerung der "Pferdekoppel" genannten Moorfläche ist hier noch gut zu erkennen. Foto: I. Wiehle

Im FFH-Gebiet „Grumsiner Forst/ Redernswalde“ im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin stellen wir den natürlichen Wasserhaushalt zweier Moore so weit wie möglich wieder her. Wie? Auf der einen Flächen haben wir einen Graben verschlossen mit Material, das wir vor Ort durch eine Flachabtorfung gewonnen hatten. Auf der zweiten Fläche bauten wir Torfplomben und Sohlschwellen ein. Damit bleibt das Wasser dort, wohin es gehört - im Moor, das langfristig wieder wachsen und hoffentlich seine vielfältigen ökologischen Funktionen zurückerlangen kann. Vom Wasserrückhalt und dem daran gekoppelten Grundwasseranstieg profitieren auch die umliegenden höhergelegenen Wälder.

Stiftungsprojekte – Larve trifft Wirtsfisch
Starthilfe für Bachmuschel-Nachwuchs

Mitarbeiter des IfB bestimmen und vermessen die gefangenen Fische: nur Elritzen werden für diese Maßnahme eingesetzt, andere Arten werden sofort freigelassen. Foto: M. Zauft

Die Fortpflanzung der Bachmuschel ist kompliziert, ohne ihre Wirtsfische geht es nicht: Die Larven oder Glochidien der Bachmuschel heften sich an Gewebe der Kiemen und Flossen von Groppe, Elritze oder Döbel und entwickeln sich hier zur Jungmuschel. Nach etwa vier Wochen lösen sich die Jungmuscheln von ihren Wirtsfischen und leben fortan im Gewässergrund vergraben. 

Da inzwischen sowohl Bachmuschel als auch Wirtsfische in Brandenburg selten geworden sind, bestehen immer geringere Chancen auf eine Begegnung von Glochidie und Wirtsfisch und damit auf eine natürliche Vermehrung. Im Rahmen unseres Projekts LIFE Bachmuschel helfen wir den Mollusken nun dabei.

Gemeinsam mit unserem Partner, dem Institut für Binnenfischerei aus Potsdam-Sacrow, haben wir jüngst 3.300 Elritzen mit Muschellarven beimpft und in die Dosse entlassen. Mit dem Einsetzen muscheltragender Fische wollen wir in ausgewählten Fließgewässern den Bestand der Bachmuschel vergrößern oder neu aufbauen. Lesen Sie hier mehr über das Rendez-vous im Tank.

Naturwacht – Brutvogel-Erfassung abgeschlossen
Monitoring bildet Grundlage für Schutzmaßnahmen

Eine wichtige Aufgabe der Naturwacht Brandenburg ist die Erfassung von ausgewählten Brutvogelarten in zwölf EU-Vogelschutzgebieten (Special Protected Areas, kurz SPA). Im letzten Erfassungszeitraum von 2019 bis 2023 konnten die Rangerinnen und Ranger innerhalb der Nationalen Naturlandschaften 4.561 Reviere von 49 Arten nachweisen. Die am häufigsten erfasste Art ist die Grauammer mit 664 Revieren. Diese Zahlen allein haben noch wenig Aussagekraft, bilden jedoch die Grundlage für die Detailauswertung im Ergebnisbericht der Vogelschutzwarte Brandenburg und damit auch für wirksame Schutzmaßnahmen. 

Umweltbildung – Wilde Welten ohne Kabel
Update für die VR-Anwendung

Auf der "Woche der Umwelt" konnten Besucher*innen die kabellosen Wilden Welten ausprobieren. Foto: Ch. Ehrke

Buchstäblich einzutauchen in die Natur und Wald, Moor, Wiese oder Heide hautnah zu erleben, das ermöglicht die Expedition Wilde Welten: In der Virtual Reality-Anwendung können diese Lebensräume nahezu wirklichkeitsgetreu erkundet werden. Die Wilden Welten haben nun ein technisches Update erhalten - einfach VR-Brille auf und los geht´s ganz ohne Kabel und Rechner. So ist diese neue Generation VR-Brille sehr gut geeignet für den Unterricht, für Ausstellungen und Standbetreuung. Das Begleitheft für Kinder und die Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer unterstützen diesen Einsatz noch. 

Wir beraten gern zur Nutzung, die Inhalte stehen kostenfrei zur Verfügung. Wenn Sie mehr über die Einsatzmöglichkeiten wissen möchten oder gleich die Begleithefte bestellen wollen, schreiben Sie uns gern eine E-Mail.

Naturschutz in Zahlen – Die Arbeit der Naturwacht 2023
Arten- und Biotopschutz als wichtiger Schwerpunkt

211 Nisthilfen für seltene und gefährdete Vogelarten wie Schellente, Wiedehopf und Steinschmätzer bauten und betreuten die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht im Jahr 2023. Auch 18 Nisthilfen für Großvögel wie Weißstorch, Fisch- und Seeadler hat die Naturwacht eingerichtet und instand gehalten, 304 Winterquartiere für Fledermäuse erfasst und 47 Amphibienzäune auf einer Länge von 12 Kilometern aufgebaut und kontrolliert. Auf 57 Hektar haben sie Orchideenwiesen und andere Flächen mit schutzwürdiger Vegetation gemäht und entbuscht. Mehr Zahlen rund um den Arten- und Biotopschutz sind in dieser Grafik zusammengefasst.

Zu guter Letzt – Agrarberatung auf einen Blick
Neue Website ermöglicht gezielte Suche

Auf der Suche nach passender Agrarberatung zu Fragen des ökologischen Landbaus sowie zu Naturschutz, Nachhaltigkeit, Umwelt und zu betriebswirtschaftlichen Themen können landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe in Brandenburg jetzt eine zentrale Webseite ansteuern: www.beratung-landwirtschaft-bb.de. Entstanden ist dieses Angebot im Kooperationsprojekt AnpaG, das durch kollegiale Gruppenberatung die Transformation der Landwirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit voranbringen möchte.