Naturschutzfonds Brandenburg
 

Naturschutz in Brandenburg

Newsletter der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg | Ausgabe 01/2020

Schwerpunkt | Projektförderung | Stiftungsflächen | Stiftungsprojekte | Naturwacht | Naturschutz in Zahlen | Zu guter Letzt

Liebe Leserinnen und Leser,

Amphibien sind weltweit die am stärksten bedrohten Wirbeltiere. In Brandenburg gelten zehn der 15 vorkommenden Arten als gefährdet. In diesem Newsletter zeigen wir Ihnen, wie wir uns für die zierlichen Wasser-Land-Bewohner einsetzen und welche Projekte wir zu ihrem Schutz fördern und umsetzen. Außerdem stellen wir Ihnen wieder best practice Beispiele aus drei Landkreisen vor. Die Naturwacht hat neue Zahlen zu den Brandenburger Amphibien-Populationen und zu guter Letzt möchten wir Sie alle aufrufen, sich für den Brandenburger Naturschutzpreis zu bewerben oder Vorschläge dafür einzureichen. 

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre, viele Anregungen und freuen uns wie immer auf Ihre Rückmeldung an newsletter@naturschutzfonds.de.

Ihr Team der Stiftung

Schwerpunkt

Unser Einsatz für Amphibien

Amphibien benötigen passende Laichgewässer: zum Beispiel temporäre oder dauerhafte Kleingewässer (Sölle), überstaute Grünlandflächen und Altarme von Flüssen. Viele dieser Laichgewässer wurden jedoch im Zuge der intensivierten Landnutzung trockengelegt oder sind durch hohe Nährstoffeinträge aus angrenzenden Agrarflächen belastet.

Die Anlage oder Wiederherstellung von Kleingewässern steht daher für uns im Zentrum zahlreicher Projekte: Gemeinsam mit unseren Partnern entschlammen wir verlandete Feldsölle und renaturieren Dorfteiche. An Stepenitz, Dahme und Rhin kümmern wir uns in unserem LIFE-Projekt Feuchtwälder um Moor- und Auenwälder. Wir schließen Altarme wieder an Flüsse an und schaffen so Ruhezonen mit wenig Strömung, höheren Wassertemperaturen und Unterwasserpflanzen - ähnlich wie in einem Stillgewässer.  Mit dem Bau von Ablass- und Staubauwerken an fischereilich genutzten Teichen unterstützen wir außerdem die ökologische Teichwirtschaft, die günstige Bedingungen für bedrohte Amphibien wie die Rotbauchunke schafft.

Diese Infografik können Sie gern herunterladen und für Ihre Arbeit verwenden (Quelle: Naturschutzfonds Brandenburg Grafik: Jenne Baule-Prinz)


Neben den Laichgewässern sind auch passende Landlebensräume entscheidend. Denn die meisten Amphibien begeben sich bis zu dreimal jährlich auf Wanderschaft: zum Laichgewässer, in das Sommer- und schließlich in das Winterquartier. In den Landlebensräumen fehlen oft Kleinstrukturen wie Feldraine, Böschungen, Totholzhaufen oder kleine Senken im Grünland, die den Amphibien eigentlich Versteck und Nahrung bieten. Statt dessen machen Monokulturen und der Einsatz von Dünger und Pestiziden in Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft oder nicht angepasste Ackerbaumaßnahmen den Amphibien zu schaffen. Mit dem Rückgang der Insekten schließlich fehlt es den Tieren an Nahrung.

Unsere Stiftungsflächen bewirtschaften wir daher in enger Kooperation mit Land- und Forstwirten umweltverträglich: Wir verzichten beispielsweise auf Pflanzenschutzmittel und Dünger. Reine Nadelholzforste bauen wir zu naturnahen Laub-Mischwäldern um und überlassen sie zum Teil als Naturentwicklungsgebiete sich selbst. Außerdem informieren wir regelmäßig über Schutz und Bedeutung der Lurche und ihrer Lebensräume im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. 

Während ihrer Wanderung müssen die Tiere häufig zahlreiche Straßen und Wege passieren. Wichtig sind daher zum einen Amphibienschutzzäune, die von den Rangern unserer Naturwacht gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen aufgestellt und betreut werden. Zum anderen konnten wir bereits mehrere stationäre Amphibienschutzanlagen fördern: Amphibien oder auch kleine Säugetiere und Reptilien unterqueren Straßen sicher durch einen Tunnel. 

Grundlage unserer Arbeit ist immer ein dauerhaftes Monitoring, das uns Grundlagendaten liefert. So können wir Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen treffen. Zu diesem Thema lesen Sie hier gleich mehr. 

Projektförderung

Aktuelle Förderbeispiele

Die Stiftung fördert Projekte im Land Brandenburg. Die Maßnahmen, die wir unterstützen, sind vielfältig, und immer geht es darum, naturnahe Lebensräume wiederherzustellen und Lebensräume bedrohter Arten zu schützen. Hier drei Beispiele, von denen Amphibien profitieren: Im Landkreis Uckermark konnten fünf Feldsölle revitalisiert und im Landkreisen Oberhavel das verlandete Feldsoll "Schafswäsche" entschlammt werden. Im Landkreis Havelland laichen nun in einem revitalisierten Gewässer wieder Amphibien. Mit der Förderung konnten wir auch ehrenamtliches Engagement im Naturschutz unterstützen!

Landkreis oder Kommune, Privatperson, Verband, oder Verein - jede natürliche oder juristische Person kann einen Projektantrag stellen. Hier finden Sie Förderhinweise und das Formular zur Beantragung von Fördermitteln (pdf-Datei). Auf unserer Webseite finden Sie die best-practice Beispiele aus 2019 auf einen Blick.

Stiftungsflächen

Klare Sicht im Wrietzensee

Auf unseren Flächen im Landkreis Uckermark, innerhalb des Naturschutz- und FFH-Gebietes "Eulenberge", haben wir die Nutzung des Wrietzensees sowie angrenzender Ackerflächen umgestellt. Unsere Erfolgskontrolle zeigt: Der Zustand des Sees hat sich bereits verbessert.

Stiftungsprojekte

Wassertourismus und Naturschutz

Gemeinsam mit zahlreichen Partnern haben wir im Rahmen der Natura 2000-Managementplanung ein Faltblatt für den Wassertourismus auf der Mittleren Havel entwickelt, das über die sensiblen Bereiche und wichtigsten Verhaltensregeln informiert. Die erste Auflage ist gerade druckfrisch erschienen und kann hier bestellt oder heruntergeladen werden.

Naturwacht

Ranger zählen deutlich weniger Amphibien

Im beginnenden Frühjahr stellen die Ranger der Naturwacht Brandenburg Amphibienschutzzäune auf. Bevor die Tiere über die Straße gesetzt werden und ihren Weg zu den Laichgewässern fortsetzen, erfassen die Ranger alle Tiere in den Fangeimern nach Art und Geschlecht. Diese Grundlagendaten werden benötigt, um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen. Wie notwendig dies ist, zeigen die Ergebnisse von 2019: Die Zahl der erfassten Amphibien hat sich im Vergleich zu den Vorjahren mehr als halbiert. Dieser dramatische Rückgang deutet darauf hin, dass die Tiere stark unter der extremen Trockenheit der beiden Vorjahre leiden.

Naturschutz in Zahlen

Sechs Jahre, 12 Kilometer Zaun, 36 Standorte

Über sechs Jahre hinweg - von 2014 bis 2019 - haben die Ranger unserer Naturwacht an 36 Standorten in den Brandenburger Naturlandschaften insgesamt 11,5 Kilometer Amphibienzaun ausgewertet. Die Ergebnisse haben wir Ihnen oben vorgestellt. Dies ist Teil eines umfassenden Monitorings, durch das die Kolleginnen und Kollegen der Naturwacht Entwicklungen bei gefährdeten Tier- und Pflanzenarten erkennen und passende Schutzmaßnahmen ableiten können. Die Ranger verschaffen sich damit tiefergehende Kenntnisse über Tier- und Pflanzenarten und Entwicklungen in den Schutzgebieten. Dieses Fachwissen kommt ihnen auch bei Führungen mit Besuchern zugute und in der Bildungsarbeit mit Schul- und Kitakindern.

Zu guter Letzt

Naturschutzpreis 2020: Bis zum 24. April bewerben!

Wir suchen auch in diesem Jahr Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich besonders für Natur und Kulturlandschaft, für die biologische Vielfalt unseres Landes engagieren. Bis zum 24. April 2020 können Vorschläge für oder Bewerbungen um den Brandenburger Naturschutzpreis in unserer Geschäftsstelle eingereicht werden.

Bewerbungsformular, Auswahlkriterien und weitere Informationen sind hier zu finden.