Naturschutzfonds Brandenburg
 

Naturschutz in Brandenburg

Newsletter der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg | Ausgabe 03/2021

Schwerpunkt | Projektförderung | Stiftungsflächen | Stiftungsprojekte | Naturwacht | UmweltbildungNaturschutz in Zahlen | Zu guter Letzt

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben unseren Jahresbericht 2020 veröffentlicht und legen in diesem Newsletter auch den Schwerpunkt auf unsere Bilanz. Außerdem in dieser Ausgabe zu finden: Beispiele unserer Projektförderung aus den Landkreisen Prignitz und Oberhavel, ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Stiftung und Pächter und eine geplante Kooperation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Auch einen Podcast empfehlen wir Ihnen.

Bleiben Sie weiter gesund und senden Sie uns wie immer gern eine Rückmeldung an newsletter@naturschutzfonds.de,

Ihr Team der Stiftung

Schwerpunkt

Unsere Jahresbilanz 2020: 75 Projekte für den Naturschutz in Brandenburg

Im Jahr 2020 stellten wir landesweit insgesamt 5,3 Millionen Euro für den Naturschutz bereit. Damit konnten 75 Naturschutzprojekte ermöglicht und umgesetzt werden. Der Einsatz der Stiftungsmittel bildet dabei für Landkreise und Kommunen, Naturschutzorganisationen oder private Akteure häufig den nötigen Eigenanteil, um Fördermittel der EU, des Bundes oder des Landes für ihre Vorhaben erhalten zu können. Die Möglichkeiten für den Naturschutz werden also vervielfacht: auf rund 10,8 Millionen Euro im Jahr 2020.

Mit drei Millionen Euro unterstützten wir in zwölf Landkreisen 56 große und kleine Naturschutzmaßnahmen finanziell. Diese Projekte wurden zum großen Teil außerhalb von Schutzgebieten umgesetzt. Also dort, wo Pflanzen, Tiere und deren Lebensräume besonders auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Aktivster Projektträger war der Gewässerverband Spree-Neiße, der mit acht bewilligten Projektanträgen zum Beispiel für eine bessere Wasserhaltung im Weschkenteich und Theresienteich bei Trebendorf sorgte. Die Bauernhof Weggun GbR im Landkreis Uckermark unterstützten wir mit der Pflanzung von Hecken und Obsthochstämmen, die innerhalb der landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen Rückzugs-, Nahrungs- und Nistmöglichkeiten für Kleinsäuger, Vögel und Insekten bieten. Die Stadt Bernau konnte 1.000 Bäume im Stadtgebiet und in Ortsteilen pflanzen. Die Stiftung unterstützte mit diesem Pflanzprojekt eine Kommune, in der Ersatzzahlungen aus Windenergieanlagen vereinnahmt wurden.

Neben vielen praktischen Beispielen aus dem Arbeitsalltag wird in diesem Jahresbericht der Beitrag der Stiftung zum Erhalt des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 in Brandenburg vorgestellt.

Ein wichtiges finanzielles Fundament für die Stiftungsarbeit sind die Ersatzzahlungen. Diese Zahlungen werden von den Verursachern von Eingriffen geleistet, zum Beispiel bei der Errichtung einer Windenergieanlage, wenn die entstehenden Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft nicht vermieden oder durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen kompensiert werden können. Die Stiftung verwaltet die Ersatzzahlung treuhänderisch und sorgt dafür, dass die Gelder wieder in den Landkreisen und Naturräumen eingesetzt werden, in denen die Eingriffe verursacht wurden.

2020 haben wir auch vielfältige eigene Naturschutzmaßnahmen verwirklichen können. Dazu zählen Heckenpflanzungen und neue Kleingewässer in der Agrarlandschaft nahe Eulenberge in der Uckermark, Waldumbau in Stiftungswäldern bei Muckwar im Landkreis Oberspreewald-Lausitz und Initialpflanzungen von typischen Gehölzen in der Oderaue Reitwein in Märkisch-Oderland.

Auch in unseren zwei großen EU-LIFE-Projekten konnten wertvolle Fortschritte verbucht werden:

  • In LIFE Trockenrasen hat das Projektteam im vergangenen Jahr die ersten 8.000 Exemplare bedrohter Pflanzenarten in Natura-2000-Gebieten ausgepflanzt. Dafür wurden seit 2019 Samen gesammelt und im Botanischen Garten der Universität Potsdam Jungpflanzen herangezogen.
  • In LIFE Feuchtwälder setzte das Team auf Kies und Totholz: Mehr als 1000 Tonnen Kies und etwa 500 Kubikmeter Holz wurden im Jahr 2020 auf insgesamt vier Kilometern Fließstrecke im Rheinsberger und Kleinen Rhin sowie in der Dömnitz verbaut. Diese verleihen den begradigten Flussabschnitten nun mehr Dynamik und sorgen für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt in den angrenzenden Auenwäldern.

Übrigens haben wir 2020 bereits zum dritten Mal die Ergebnisse unserer Erfolgskontrolle in einem umfangreichen Bericht dokumentiert. Ziel ist es, deren Wirksamkeit zu überprüfen, neue Erkenntnisse abzuleiten und bei Bedarf die Umsetzung zu optimieren.

Den Jahresbericht 2020 können Sie hier herunterladen (pdf-Datei, 8 MB). Schreiben Sie uns gern eine E-Mail an info@naturschutzfonds.de, wenn Sie ein gedrucktes Exemplar bevorzugen.

Projektförderung

Aktuelle Beispielprojekte

Der Verein "Leben in Berge e.V." pflanzt verschiedene Bäume und Sträucher am Knorrenberg im Landkreis Prignitz. Am Ortsrand der Stadt Fürstenberg/Havel im Landkreis Oberhavel hat der Wasser- und Bodenverband „Uckermark-Havel“ ein verlandetes Kleingewässer wiederhergestellt. Die Fördermittel für beide Projekte stammen aus Ersatzzahlungen, die als Kompensation für Eingriffe in Natur und Landschaft zu leisten sind und nun zurück in die Landkreise flossen. Auf unserer Webseite beantworten wir auch Fragen, die häufig in Zusammenhang von Ersatzzahlungen und Projektförderung gestellt werden.

Sie möchten einen Projektantrag stellen? Auf unserer Webseite finden Sie die nötigen Infos und auch die Beispielprojekte der vergangenen Jahre. Bitte haben Sie Verständnis, dass aufgrund der Corona-Einschränkungen die Bearbeitung eines Förderantrags länger dauern kann.

Stiftungsflächen

An der Wurzel gepackt

Unsere Stiftungsfläche liegt im Landschaftsschutz- und SPA-Gebiet Agrarlandschaft Prignitz-Stepenitz, Landkreis Prignitz. Die zuvor intensiv genutzte Ackerfläche haben wir 2018 neu an einen regionalen Demeter-Betrieb verpachtet. Eine Heckenpflanzung und ein Blühstreifen sollen die Fläche zu einem weiter konventionell genutzten Ackerschlag begrenzen und gleichzeitig naturschutzfachlich aufwerten.

Die Fläche befindet sich in Umstellung zur Nutzung im ökologischen Landbau und lag ein Jahr brach. Begünstigt durch Bodenverhältnisse und Witterung breitete sich das giftige Frühlingskreuzkraut massiv aus – an eine Zwischennutzung zur Futtergewinnung war nicht zu denken. Gemeinsam mit der Pächterin wurden wir aktiv.

Stiftungsprojekte

Kooperation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

Am südlichen Rand des Landkreises Teltow-Fläming fehlen in der intensiv genutzten Agrarlandschaft blütenreiche Säume, Randstreifen, Hecken oder Feuchtstellen. Das Fehlen dieser vielfältigen Strukturen gilt als wesentliche Ursache für den Rückgang der Artenvielfalt bei Insekten. Gemeinsam mit mehreren Akteuren aus Landwirtschaft und Naturschutz planen wir ein gemeinsames Projekt, um dem gegenzusteuern. Hier lesen Sie die ersten Eckpunkte.

Naturwacht

Rangertouren gestartet

Mit dem Wegfall der Maskenpflicht im Freien machen die geführten RangerTouren wieder richtig Spaß. Die 87 Rangerinnen und Ranger der Naturwacht füllen den Veranstaltungskalender mit neuen geführten Touren durch die 15 Brandenburger Naturlandschaften. Und auch zwei besondere Highlights sind in der Planung: Die Touren zum World Ranger Day am 31. Juli und zur Langen Naturwacht-Nacht im August!

Damit der weiter geltende Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten werden kann, können jeweils 15 Personen teilnehmen. Bitte melden Sie sich unbedingt vorher an. Alle RangerTouren finden sich in unserem Veranstaltungskalender oder auch unter rangertouren-brandenburg.de.

Umweltbildung

Besucherinformationszentren öffnen wieder

Rechtzeitig zur Urlaubssaison öffnen auch die Besucherinformationszentren (BIZ) in den Nationalen Naturlandschaften Brandenburgs wieder ihre Türen. Die BIZ sind Teil der außerschulischen Bildungslandschaft Brandenburgs, die das jeweilige Großschutzgebiet in einer Ausstellung repräsentieren und entsprechende Bildungsangebote machen.

Ein Beispiel: Die Burg Storkow im Naturpark Dahme-Heideseen bietet mit ihrer neuen Dauerausstellung "GRUNDverschieden - von staubtrocken bis pitschenass" ein echtes Highlight: Der Naturpark umfasst sehr unterschiedliche Lebensräume, deren Geheimnisse und Zusammenhänge in den Bodenstationen der Ausstellung und auf den ausgearbeiteten Touren entdeckt werden können. Dieses Angebot ist in enger Zusammenarbeit mit der Naturwacht und der Verwaltung des Naturparks entstanden: Die Stationen und Touren spiegeln Fachwissen und Ortskenntnisse.

Gleichzeitig können im Nationalpark, in den drei Biosphärenreservaten und elf Naturparken Brandenburgs die Bildungsangebote der Naturwacht wieder gebucht werden.

Aufgrund der jeweils angepassten Corona-Verordnung fragen Sie bitte vor Besuch eines Zentrums die dort gültigen Hygieneauflagen nach. Die Adressen finden Sie hier.

Naturschutz in Zahlen

Zur Lage der Natur

Mehr als ein Drittel der rund 15.000 in Brandenburg heimischen Tierarten gilt als gefährdet. 581 Arten sind akut vom Aussterben bedroht, 389 bereits ausgestorben: das Birkhuhn zum Beispiel, der Kampfläufer oder die Moorente. Auch der Seggenrohrsänger konnte in den letzten Jahren nicht mehr nachgewiesen werden. 26 Vogelarten sind akut vom Aussterben bedroht. 34 von 39 Lebensraumtypen, die in Brandenburg vorkommen, sind in einem unzureichenden bis schlechten Zustand.

Die Zahlen nannte das Landesamt für Umwelt, LfU, im Mai und führte auch gleich die wichtigsten Gründe an: die intensive landwirtschaftliche Nutzung - über ein gemeinsames Projekt zum Schutz der Artenvielfalt lesen Sie unter Stiftungsprojekte mehr -, das Austrocknen von Gewässern und Mooren und die weitere Zersiedlung, Versiegelung und Zerschneidung der Landschaft besonders im Ballungsraum um Berlin. Dazu kommt die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre.

Zu guter Letzt

Hörtipp: Zukunft der Land(wirt)schaft

Im Podcast "Fruchtfolgen – die Zukunft auf dem Acker" dreht sich alles um die Zukunft der Land(wirt)schaft. Wie sieht die Landschaft im Jahr 2050 in unserer Region aus? Welche Auswirkungen hat das auf die Landwirtschaft und auf das, was wir auf unseren Tellern finden? Gelingt eine Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit? Die ersten Folgen sind zum Beispiel auf rbbkultur.de/podcasts sowie auf der Seite des Forschungsnetzwerks querFELDein veröffentlicht.