Naturschutzfonds Brandenburg
 

Naturschutz in Brandenburg

Newsletter der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg | Ausgabe 04/2021

Schwerpunkt | Projektförderung | Stiftungsflächen | Stiftungsprojekte | Naturwacht | Umweltbildung Naturschutz in Zahlen | Zu guter Letzt

Liebe Leserinnen und Leser,

ob Schaf, Ziege, Pferd oder Wasserbüffel: Beweidung spielt in Naturschutz und Landschaftspflege eine zunehmende Rolle. Zeit, dieses Thema zum Schwerpunkt unseres Newsletters zu machen. Außerdem in dieser Ausgabe zu finden: Förderprojekte aus den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Uckermark, die Artenvielfalt der Feuchtwiesen, Orchideen in Brandenburg, Neues von den Junior Rangern und zum Schluss die Frage "Wie schön ist Brandenburg"? 

Bleiben Sie gesund und senden Sie uns wie immer gern eine Rückmeldung an newsletter@naturschutzfonds.de,

Ihr Team der Stiftung

Schwerpunkt

Beweidung fördert Artenvielfalt

Trockenrasen und Heideflächen, Niedermoore und Orchideenwiesen haben eines gemeinsam: Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Entstanden sind sie durch die jahrhundertelange Streugewinnung und die extensive Nutzung als Weideflächen. Heute lohnt sich eine Bewirtschaftung dieser Kulturlandschaft finanziell kaum noch. Aus Sicht des Biotop- und Artenschutzes ist sie jedoch unerlässlich: Ohne eine extensive Nutzung überwuchern konkurrenzstarke Gräser, Sträucher und Bäume diese Flächen und konkurrenzschwache Arten werden verdrängt. Kennen Sie noch die Wiesen-Küchenschelle oder die Graue Skabiose in freier Wildbahn? Wann haben Sie zuletzt eine Orchideenwiese bewundert? Viele in Brandenburg früher geradezu gewöhnliche Arten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. In unseren Projekten und auf unseren Stiftungsflächen ist die Beweidung eine der Maßnahmen, mit denen wir Lebensräume und ihre Arten schützen und entwickeln. In Abhängigkeit von Standort und Pflegeziel werden Schafe und Ziegen für die Beweidung eingesetzt oder es kommen Pferde, Robustrinder oder Wasserbüffel zum Einsatz.

Wie eine Beweidung die Artenvielfalt fördert, erläutert unsere Infografik. Grafik: Jenne Baule-Prinz | www.baule-prinz.de

Im Projekt "LIFE Trockenrasen" halten Schafe und Ziegen die Gräser kurz und verhindern die Ausbreitung von Gehölzen. Durch ihre Huftritte schaffen sie gleichzeitig das Keimbett für die Samen der Trockenrasenpflanzen. Wir können hier auf Erfahrungen aus früheren Projekten aufbauen. Bei unseren Beweidungsmaßnahmen arbeiten wir mit lokalen Tierhaltern zusammen und unterstützen sie bei der Anschaffung mobiler, wolfssicherer Zäune und Tränken oder der Einrichtung von festen Weidekoppeln.

Ein weiteres Beispiel: Die wertvollen Trockenrasen am Mühlenberg bei Borne werden mit Pferden beweidet. Der Mühlenberg im Naturpark Hoher Fläming gehört zum Natura 2000-Gebiet "Flämingrummeln und Trockenkuppen". Hier blühen noch Berg-Haarstrang, Kartäuser-Nelke und Echtes Labkraut. Für diese Beweidung konnte das Team unseres Projektes "Unser Naturerbe schützen – Zusammen für Natura 2000 in Brandenburg" in Abstimmung mit den Flächeneigentümern und der Verwaltung des Naturparks eine Pferdehalterin gewinnen. Den notwendigen Bau eines Zaunes haben wir über "LIFE Trockenrasen" unterstützt.

In den Eichwerder Moorwiesen im Landkreis Oberhavel unterstützen uns derweil Esel bei der Landschaftspflege. Die genügsamen Tiere fressen die aufwachsenden Gräser, außerdem schaffen sie durch Scharren und Wälzen offene Bodenstellen: Lichtbedürftige Pflanzen können besser keimen.

Wasserbüffel sorgen im Projekt "LIFE Feuchtwälder" für mehr Licht auf den Feuchtwiesen, sodass seltene Orchideen und die Kuckuckslichtnelke bessere Wachstumsbedigungen vorfinden. Auf den Flächen rund um die ehemalige Umweltbegegnungsstätte in Zippelsförde im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land grasen sie neben Pferden und Moorschnucken. Nachdem wir im Projekt den Bau eines Zaunes finanzieren konnten, beweiden die Tiere nun auch eine Moorfläche und halten sie offen. Wasserbüffel sind für die Beweidung von Feuchtgebieten besonders geeignet. Aus Naturschutzsicht käme sonst nur eine Mahd mit angepasster Spezialtechnik in Frage, die allerdings weitaus höhere Kosten verursachen würde.

Auch Blühstreifen müssen gepflegt werden, damit sich dort keine konkurrenzstarken Pflanzenarten ausbreiten. Auf diesem Blühstreifen bei Rühstädt kommen zum Beispiel Schafe zum Einsatz. Hier prüfen wir regelmäßig im Rahmen unserer Erfolgskontrolle, wie wirksam die umgesetzten Maßnahmen sind.

Schon diese Auswahl an Beispielen zeigt: Beweidung ist nicht gleich Beweidung. Gut geplant und in Absprache mit allen Beteiligten ist die Beweidung von Naturschutzflächen aber ein unverzichtbarer Baustein, um verschiedene Biodiversitätsziele in Brandenburg zu erreichen und Tierhalter zu unterstützen.

Projektförderung

Aktuelle Beispielprojekte

Für den Bau einer stationären Amphibienschutzanlage an einer Kreisstraße südlich von Karwe im Landkreis Ostprignitz-Ruppin stehen jetzt Fördermittel des Landes und unserer Stiftung zur Verfügung. Moorfrösche, Teichmolche, Erdkröten und andere Arten können die Straße demnächst gefahrlos unterqueren. Auch Reptilien und Kleinsäuger werden von der Anlage profitieren.

Im Landkreis Uckermark wird südlich von Polßen ein verlandetes Kleingewässer revitalisiert. So sollen unter anderem gut besonnte Flachwasserzonen entstehen, in denen sich die Larven von Laubfrosch und Moorfrosch entwickeln können. Bislang war das 0,5 Hektar große Feldsoll nur noch in sehr niederschlagsreichen Jahren als Lebensraum für Amphibien geeignet.

Die Fördermittel für beide Projekte stammen aus Ersatzzahlungen, die als Kompensation für Eingriffe in Natur und Landschaft zu leisten sind und nun zurück in die Landkreise fließen. Sie möchten selbst einen Projektantrag stellen? Auf unserer Webseite finden Sie die nötigen Hinweise.

Stiftungsflächen

Blick auf die Teichlandschaft

In der Teichlandschaft Buchwäldchen-Muckwar im Landkreis Oberspreewald-Lausitz setzen wir uns für die ökologische Teichwirtschaft ein: Insgesamt elf Teiche mit einer Fläche von etwa 42 Hektar gehören dort zu unseren Flächen, vier davon werden bewirtschaftet.

Die fischereiliche Nutzung ist für den Erhalt dieser nährstoffreichen Stillgewässer entscheidend. Hier finden zahlreiche Arten einen Lebensraum, darunter Rotbauchunken, Laubfrösche und Kraniche. Nach Hinweisen eines Anwohners, sich die Situation den Teichen einmal genauer anzusehen, haben wir gemeinsam mit Kollegen der Naturwacht Brandenburg sowie der Unteren Naturschutzbehörde den aktuellen Zustand und die biotische Ausstattung der Teiche untersucht.

Stiftungsprojekte

Die Artenvielfalt der Feuchtwiesen

Früher häufig, mittlerweile selten und streng geschützt ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Im langen Namen des Tagfalters steckt schon eine seine Besonderheiten: Nur wo der Große Wiesenknopf wächst, die Pflanze des Jahres 2021, fliegt auch dieser Bläuling. Seine Raupen sind zwingend auf ihre Futterpflanze angewiesen. Falter und Pflanze sind typische Arten feuchter bis nasser, nur extensiv genutzter Wiesen. Um diese artenreichen Flächen zu erhalten, haben wir im Rahmen des Workshops "Artenvielfalt auf Feuchtwiesen" gemeinsam mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Landwirtschaft sowie Gewässer- und Naturschutz verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten diskutiert.

Eingeladen hatten wir gemeinsam mit der Loki Schmidt Stiftung und dem Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Im Rahmen unserer Arbeit für das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 engagieren wir uns für die Umsetzung der Managementpläne, beraten Landnutzerinnen und Landnutzer vor Ort und bringen möglichst alle Beteiligte an einen Tisch.

Naturwacht

Der Große Vogelzug

Herbstzeit ist Zugvogelzeit. Zu bestaunen sind hierzulande vor allem Kraniche, Gänse und Enten, die in den wasserreichen Großschutzgebieten Brandenburgs in Gruppen von vielen Tausend Tieren allabendlich auf den großen Seen zur Nachtruhe landen – ein faszinierendes Naturschauspiel. Im September und Oktober bietet die Naturwacht mehr als 30 Exkursionen zum Großen Vogelzug an. Von Beobachtungstürmen an den Schlafgewässern kann man die Tiere besonders gut beobachten – ohne zu stören. In Brandenburg rasten jährlich mehrere Hunderttausend Wasser- und Watvögel auf ihrer Reise zwischen den nördlich und nordöstlich gelegenen Brutgebieten und den Winterquartieren im wärmeren Süden. Einige, wie beispielsweise die Singschwäne, überwintern auch hier bei uns. Andere Arten, wie die Watvögel – auch Limikolen genannt – fliegen dabei zum Teil Strecken von mehreren Tausend Kilometern am Stück!

Umweltbildung

Junior Ranger treffen sich wieder

Seit Ende der Sommerferien treffen sich auch die Junior-Ranger-Gruppen der Naturwacht Brandenburg wieder. Das mehrfach ausgezeichnete Junior-Ranger-Angebot richtet sich in den Brandenburger Naturlandschaften an Kinder im Alter zwischen sechs und 18 Jahren: Spielerisch lernen sie, wie der Schutz der biologischen Vielfalt schon im Kleinen und Alltäglichen anfangen kann. Die Junior Ranger setzen dabei selbst Nachhaltigkeitsprojekte unter der Anleitung der Rangerinnen und Ranger um und treffen sich zu regionalen und überregionalen Camps. Da das Programm in Großschutzgebieten bundesweit angeboten wird, entwickeln sich Freundschaften auch über die Grenzen Brandenburgs hinaus. Perspektivenvielfalt, Themenvielfalt, Inklusion, Selbständigkeit und Empathie sind dabei wichtige Bestandteile des Junior-Ranger-Lebens.

Grundsätzlich hat jedes Kind die Möglichkeit, kostenfrei am Junior-Ranger-Programm teilzunehmen. Freie Plätze gibt es derzeit im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land (Standort Banzendorf) und im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Standort Blumberger Mühle). Auch im Biosphärenreservat Flusslandschaft-Elbe (Standort Rühstädt) ist eine neue Junior-Ranger-Gruppe geplant. Dort arbeitet die Naturwacht eng mit der Montessori-Schule Wittenberge zusammen - der ersten Biosphärenschule Brandenburgs. Wer mehr über das Junior-Ranger-Programm erfahren möchte, findet hier weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten.

Naturschutz in Zahlen

Gutes Jahr für Wiesenorchideen

Die feuchte und kühle Witterung im Frühjahr 2021 sorgte für ein gutes Wachstum bei Wiesenorchideen. Das ergab die Auswertung der Orchideen-Zählung durch die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht Brandenburg. Auf 66 Zählflächen in zehn Brandenburger Großschutzgebieten wurden 2021 rund 51.000 blühende Orchideen erfasst. 2020 waren es knapp 30.000, im Jahr 2016 etwa 14.000. Die Daten beziehen sich auf die beiden Wiesen-Orchideenarten Breitblättriges Knabenkraut und Steifblättriges Knabenkraut sowie die hybride Form der beiden Arten.

Zu guter Letzt

Umfrage: Wie schön ist Brandenburg?

Wie schön ist Brandenburg? Das möchte das Brandenburger Umweltministerium genau wissen und hat eine entsprechende Umfrage gestartet. Die Ergebnisse sollen die Basis behördlicher Entscheidungen bilden, denn das Landschaftsbild soll in Planungsprojekten besser berücksichtigt werden. Unter allen, die teilnehmen, werden Preise verlost: Der erste Preis ist eine exklusive Ranger-Tour ...