Naturschutzfonds Brandenburg
 

Naturschutz in Brandenburg

Newsletter der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg | Ausgabe 05/2020

Schwerpunkt | Projektförderung | Stiftungsflächen | Stiftungsprojekte | Naturwacht |
Naturschutz in Zahlen | Zu guter Letzt

Liebe Leserinnen und Leser,

sie finden ihre Wochenstuben und Winterquartiere in Siedlungen: Einige Fledermausarten sind Kulturfolger und haben sich an ein Leben auf ruhigen und dunklen Dachböden, Kirchtürmen oder in Gebäudespalten gewöhnt. Durch Gebäudesanierung oder Abriss gehen diese Quartiere allerdings oft verloren. Der Fledermausschutz im Siedlungsbereich ist deshalb unser Schwerpunktthema in dieser Ausgabe. Lesen Sie, wie wir uns hier für den Schutz der zierlichen Flugakrobaten einsetzen, zum Beispiel im Projekt Natura-2000-Umsetzung.

Außerdem stellen wir wieder Beispiele der Projektförderung vor, diesmal aus den Landkreisen Uckermark und Oberhavel. Lesen Sie, was Esel mit Landschaftspflege zu tun haben, was hinter dem Begriff Erfolgskontrolle steckt und welchen Zahlenschatz man sammelt, wenn man sich über Jahrzehnte dem Storchenschutz verschreibt.

Bleiben Sie gesund und senden Sie uns wie immer gern eine Rückmeldung an newsletter@naturschutzfonds.de.

Alles Gute
Ihr Team der Stiftung

Schwerpunkt

Fledermausschutz in Siedlungen

Der Schutz von siedlungsliebenden Fledermäusen wie der Zwerg- und der Mückenfledermaus steht für uns im Zentrum zahlreicher Vorhaben. Denn viele Wochenstuben und Winterquartiere der geschützten Tiere gehen verloren, wenn Gebäude abgebrochen oder saniert werden und dabei zum Beispiel giftige Holzschutzmittel Verwendung finden. Gebäude bewohnenden Fledermäusen fehlen so geeignete Wochenstuben oder Winterquartiere. In unserem Projekt Natura-2000-Umsetzung sensibilisieren wir Menschen für den Fledermausschutz in Siedlungen.

Auf einen Blick: Unterstützung für die Fledermäuse. Grafik: Jenne Baule-Prinz

Die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter aus unserer Potsdamer Geschäftsstelle und die Ranger unserer Naturwacht beraten und unterstützen direkt vor Ort in Natura-2000-Gebieten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt aktuell auf den Naturparken Hoher Fläming und Barnim. An Infoständen, auf Festen und Märkten informieren sie rund um den Fledermausschutz, beraten Haus- und Grundstücksbesitzende direkt zum fledermausfreundlichen Haus, wie zum Beispiel das Anbringen von Fledermauskästen. Sie kontrollieren bestehende Fledermausquartiere und initiieren den Aus- und Umbau geeigneter Objekte. Gleichzeitig entwickeln sie gemeinsam mit Waldbesitzern und Landnutzern Strategien, um geeignete Versteckmöglichkeiten wie alte Höhlenbäume zu erhalten und neue struktur- und insektenreiche Landschaften als Jagdhabitate zu schaffen. Hier finden Fledermäuse dann ein besonders reichhaltiges Angebot an Insekten und Käfern – eine entscheidende Voraussetzung für ihren Schutz.

Fledermaus-Projekte fördern

Auch durch unsere Projektförderung konnten wir zahlreiche Fledermausquartiere in ehemaligen Trafostationen und leerstehenden Gebäuden in ganz Brandenburg schaffen oder erhalten. Einige dieser Projekte haben wir für ein dauerhaftes Monitoring ausgewählt, um ihren Erfolg zu messen oder Probleme frühzeitig zu erkennen. In neu eingerichteten Fledermausquartieren im Landkreis Barnim konnten wir zum Beispiel im Rahmen dieser Erfolgskontrolle feststellen, dass schon nach kürzester Zeit fünf Arten hier ihre Winterquartiere eingerichtet haben. Fransen- und Wasserfledermäuse überwinterten in den letzten Jahre dort besonders gerne. Im kommenden Winter messen wir mit speziellen Datenloggern, wie sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Quartieren verändern. Fledermäuse bevorzugen Winterschlafplätze, die kühl und feucht, aber frostfrei sind. Mit diesen Daten können wir unsere Maßnahmen noch besser an die Bedürfnisse der Fledermäuse anpassen.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Projekt Natura-2000-Umsetzung, sowie in diesem Newsletter auch zur Erfolgskontrolle.

Projektförderung

Aktuelle Förderbeispiele

Im Landkreis Uckermark werden etwa 1.600 Meter neue Hecken sowie 50 Obsthochstämme gepflanzt. Warum wir das fördern? Hecken und Bäume sind wichtige Strukturelemente in der Agrarlandschaft. Sie vernetzen Lebensräume und bieten Rückzugs-, Nahrungs- und Nistmöglichkeiten.

In den Landkreisen Uckermark und Oberhavel fördern wir ein Projekt zum Erhalt der einzigen in Mitteleuropa heimischen Schildkrötenart: der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Das Land Brandenburg hat bundesweit eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art: Hier leben deutschlandweit die letzten Exemplare.

Einen Projektantrag kann jede natürliche oder juristische Person - Landkreis oder Kommune, Privatperson, Verband, oder Verein - bei uns stellen. Auf unserer Webseite finden Sie weitere Infos. Auch die Beispielprojekte der vergangenen Jahre haben wir dort zusammengestellt.

Stiftungsflächen

Eselbeweidung auf dem Eichwerder

Der Eichwerder, ein eiszeitlicher Sandhügel inmitten der gleichnamigen Moorwiesen im Naturpark Barnim bietet vielen seltenen Pflanzen ein Zuhause. Diese hochspezialisierten Magerrasenpflanzen, von denen einige auf der Roten Liste bedrohter Pflanzen stehen, werden jedoch zunehmend durch schnell wachsende Gräser und Gehölze überwuchert. Wir setzen daher nun auf tierische Landschaftspfleger: Sieben Esel unterstützen uns auf der zwei Hektar großen Stiftungsfläche zwischen der Gemeinde Schildow und der Berliner Stadtgrenze. Die Tiere des Vereins Esel-Freunde Havelland e.V. sollen in den nächsten fünf Jahren regelmäßig die dortigen Stiftungsflächen abgrasen und dem Aufwuchs zu Leibe rücken.

Stiftungsprojekte

Erfolgskontrolle geht online

Wir fördern und realisieren landesweit Naturschutzprojekte, um besonders gefährdete Lebensräume zu erhalten. Wir überprüfen aber auch, wie wirksam die umgesetzten Maßnahmen sind: Erreichen wir die gesetzten Ziele? Was können wir aus Erfolgen und Misserfolgen lernen? Wie lassen sich Methoden verbessern? Mit Unterstützung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) haben wir ein Konzept für unsere Erfolgskontrolle entwickelt. Untersucht werden die ausgewählten Flächen je nach Zielstellung der Maßnahmen anhand unterschiedlicher Parameter wie Vegetation, Wasserhaushalt, Lebensraumqualität oder Zielartengruppen. Die ersten Zwischenberichte und Steckbriefe der ausgewählten Flächen finden Sie auf dieser Seite.

Naturwacht

Hilfe für junge und verletzte Wildtiere

Was tun, wenn man ein verwaistes oder scheinbar verletztes Wildtier findet? Auch uns erreichen immer wieder Anfragen, wie man sich verhalten soll. Die Kolleginnen und Kollegen der Naturwacht haben jetzt für die erste Hilfe von Igel, Fledermaus, Vogel und Säugetier hilfreiche Informationen, weiterführende Links und mögliche Anlaufstellen zusammengestellt. Drei Verhaltensregeln gelten immer, egal welchem Tier Sie begegnen: Abstand halten, beobachten und nicht berühren. Kleine Igel zum Beispiel wirken oft hilfsbedürftig, aber nur in seltenen Fällen ist eine intensive Pflege wirklich notwendig. In welchen Fällen Sie jedoch helfen sollten, erfahren Sie hier.

Naturschutz in Zahlen

50 Jahre Storchenschutz in der Prignitz

Eine unserer schönsten Aufgaben ist es, den Landesnaturschutzpreis zu verleihen. Im Oktober erhielt die Fachgruppe Ornithologie des NABU Kreisverbandes Prignitz diese Würdigung für ihr langfristiges, kontinuierliches und beharrliches ehrenamtliches Engagement.

Die Mitglieder der Fachgruppe beobachten Weißstörche und das schon seit Jahrzehnten: In insgesamt 198 Orten oder Ortsteilen haben sie in den letzten 50 Jahren insgesamt 711 Horststandorte dokumentiert und dort zusammengerechnet 8.266 Weißstorchpaare erfasst. 15.606 Jungstörche sind seitdem ausgeflogen, allein 7.000 hat die Fachgruppe beringt. Dieser Datenschatz gilt im gesamten Verbreitungsareal des Weißstorches als einmalig und das Monitoringsystem der Fachgruppe ist Fundament für internationale Standards. Erst langen Aufzeichnungsreihen wie dieser ist es zu verdanken, die Brisanz von Veränderungen im Vogelbestand rechtzeitig einschätzen zu können.

Zu guter Letzt

Mehrwert für Umwelt und Finanzhaushalt

Gibt es Handlungsspielräume, um Klimaschutz vor Ort auch in Zeiten klammer Kassen umzusetzen? Eine neue Broschüre und fünf ergänzende Infoblätter des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zeigen: Auch finanzschwache Städte und Gemeinden können in Klimaschutz investieren und davon regionalökonomisch profitieren. Beispiele aus der kommunalen Praxis und umfangreiche weiterführende Informationen zeigen, was Kommunen tun können.