Flatter-Ulmen und Mandel-WeidenNeuer Auenwald für die Stepenitz

Groß Pankow (25.03.2021) – Damit sich der natürliche Auenwald entlang der Stepenitz (Landkreis Prignitz) besser entwickeln kann, hat die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg im Rahmen ihres EU-Projektes „LIFE Feuchtwälder“ typische heimische Baum- und Straucharten angepflanzt.

Das Fließgewässersystem der Stepenitz im Norden Brandenburgs ist auch im landesweiten Vergleich noch besonders naturnah und verfügt über einen hohen Anteil nicht begradigter Gewässerabschnitte. Jedoch fehlen an manchen Ufern die typischen gewässerbegleitenden Auenwälder gänzlich. Sie wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gefällt und gerodet, um die Auenflächen als Wiesen und Weiden nutzen zu können. Heute ist diese Nutzung fast komplett aufgegeben und Schilfröhrichte und Hochstaudenfluren haben sich auf den Flächen ausgebreitet. Ihr sehr dichter Bewuchs macht es Bäumen und Sträuchern schwer, sich hier von allein wieder anzusiedeln.

Damit sich in Zukunft wieder standortgerechte Auenwälder an der Stepenitz entwickeln können, hat die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg im Rahmen ihres EU-Projektes „LIFE Feuchtwälder“ an sieben Standorten entlang des Gewässerlaufs der Stepenitz zwischen den Ortschaften Lübzow und Seddin in den letzten Wochen über 3.000 Bäume und Sträucher in den Boden der Flussaue gebracht.

„Mit den Pflanzungen wollen wir wieder einen Auenwald mit seinen vielfältigen Funktionen etablieren“, erklärt Projektmitarbeiterin Inga Willecke, „Die Gehölze sichern zum Beispiel die Uferböschungen und beschatten in den Sommermonaten das Gewässer, wodurch sich die Stepenitz nicht so stark erwärmt.“ Hierdurch verbessern sich die Sauerstoffverhältnisse im Fluss. Davon profitieren bedrohte Arten, die an sommerkühle Gewässer angepasst sind wie die Kleine Bachmuschel sowie Fische wie Döbel, Hasel und Lachs.

Typische Auenwaldarten aus regionalem Saatgut

Je nach Gewässerabschnitt hat das Projektteam unterschiedliche Auenwaldarten aus regionalem Saatgut von der Firma Claus Rodenberg GmbH aus Kastorf pflanzen lassen, unter anderem Ebereschen, Flatter-Ulmen, Erlen, Mandel-Weiden und Schneebälle sowie Eschen als weitere typische Baumart der Auenwälder. Um die jungen Gehölze vor Wildverbiss zu schützen, wurden sie für die ersten Monate eingezäunt, bis sie groß und widerstandsfähig genug sind.

Die Pflanzung der Eschen stellte dabei eine besondere Herausforderung dar. Inga Willecke von der Landes-Naturschutzstiftung erläutert: „Wegen des weitverbreiteten Eschentriebsterbens wird dieses Baumart von Baumschulen zur Zeit nicht mehr herangezogen, wodurch es keine Bäume zum Verpflanzen gibt. Glücklicherweise vermehrt sich die Esche von Natur aus an der Stepenitz noch zahlreich, sodass wir 80 Eschen direkt vor Ort gewinnen und in die Pflanzung integrieren konnten.“ Auenwälder haben wichtige Funktionen für den Gewässer- und Klimaschutz: Im Hochwasserfall mindern sie das Ausmaß der Überschwemmung, sie dienen als Kohlenstoffspeicher und Wasserfilter. Außerdem sind Auenwälder wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten wie Fischotter, Pirol und das Bittere Schaumkraut.

Hintergrund

Bis 2022 widmet sich die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg Auen- und Moorwäldern in den Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel und Dahme-Spreewald. Um diese bedrohten Lebensräume zu erhalten und zu entwickeln, setzt das Projekt-Team zahlreiche Maßnahmen um. Rund 3,8 Millionen Euro fließen für das Projekt aus dem LIFE-Programm der Europäischen Union nach Brandenburg. Die Stiftung selbst steuert rund 1,3 Millionen Euro aus den Ersatzzahlungen bei.

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

Um die Vielfalt und die natürliche Schönheit der märkischen Landschaften zwischen Elbe und Oder, Lausitz und Uckermark auch für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Land Brandenburg die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg errichtet. Mehr als 900 Naturschutzprojekte hat die Stiftung in diesen Jahren gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen, Verbänden und Vereinen sowie weiteren Partnern wie zum Beispiel Betrieben oder Privatpersonen realisiert oder in eigener Trägerschaft verwirklicht.

Die Ranger der Naturwacht sind in den fünfzehn Nationalen Naturlandschaften auf mehr als 30 Prozent der Landesfläche aktiv. Als Mittler zwischen Mensch und Natur haben sie alle die gemeinsame Aufgabe, Naturschätze zu bewahren und sich für eine intakte Umwelt einzusetzen.

Für Rückfragen

Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Marc Thiele
Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0331/ 971 64 820
E-Mail schreiben

Inga Willecke
EU-LIFE-Projekt Feuchtwälder
Tel.: 0331/ 971 64 874
E-Mail schreiben
www.feuchtwaelder.de