Gemeinsam mit den Akteuren vor OrtNeue Planungen und Projekte für das europäische Naturerbe

Potsdam (20.05.2021). Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg übernimmt in den kommenden zwei Jahren für 18 Natura-2000-Gebiete in elf Landkreisen die Managementplanung. Parallel dazu unterstützt die Stiftung in ihrem Natura-2000-Umsetzungsprojekt regionale Akteure dabei, Naturschutzmaßnahmen aus den fertiggestellten Managementplänen in die Wege zu leiten und zu realisieren.

Managementpläne werden zum Beispiel für drei Gebiete im Landkreis Prignitz nahe Pritzwalk erarbeitet. Am Schlatbach, an der Kümmernitz und an der Dömnitz gibt es noch Auenwälder, die durch Natura 2000 als prioritäre Lebensraumtypen besonderen Schutz genießen. Die Gewässer selbst bieten europaweit geschützten Fischarten wie dem Bach-Neunauge, Lachs, der Westgroppe sowie der Kleinen Flussmuschel Lebensraum.

„In den Natura-2000-Gebieten sind besonders wertvolle wildlebende Arten und natürliche Lebensräume geschützt, unser europäisches Naturerbe sozusagen. Was wir für deren Erhalt tun können, legen wir in einem Planungsprozess im Dialog mit Behörden, Landnutzern, dem Wasser- und Bodenverband und Anwohnern fest“, erklärt Projektleiter Florian Grübler. Die Managementpläne sind ein wichtiges Werkzeug für den Erhalt und die Entwicklung der Natura 2000-Gebiete. Sie formulieren für jedes dieser Gebiet Empfehlungen für die Bewirtschaftung von Flächen und benennen die erforderlichen Maßnahmenzur Erhaltung und Entwicklung der dort vorkommenden geschützten Lebensräume, Tiere und Pflanzen. Für die Hälfte der 18 Gebiete übernimmt die Stiftung die Erstellung der Pläne selbst. Für die restlichen neun wurden Planungsbüros mit der fachlichen Vorbereitung der Pläne beauftragt.

Neben den Auenwäldern in der Prignitz bilden Lebensräume von Fischotter, Mopsfledermaus oder Hirschkäfer, aber auch besonders geschützte Steppen- und Sandrasen an den Oderhängen bei Mallnow im Landkreis Märkisch-Oderland oder die Streuwiesen bei Werder (Potsdam-Mittelmark) mit Pfeifengraswiesen und Brenndolden-Auenwiesen einen Schwerpunkt.

An gute Erfahrungen anknüpfen

Auch diesmal sind alle, die von den Planungen inhaltlich und räumlich berührt sind, eingeladen, sich aktiv in den Planungsprozess einzubringen: Behörden, Verbände, regionale Flächeneigentümer oder Landnutzer. Für einen fachlichen Austausch sind dazu regionale Arbeitsgruppen, Informationsveranstaltungen und Exkursionen geplant. „Wir haben in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen damit gemacht, alle Beteiligten frühzeitig an einen Tisch zu holen und gemeinsam zu überlegen, wie wir vorgehen wollen. Letztlich geht es auch um Fördermöglichkeiten, die Landnutzerinnen und Landnutzern für den Naturschutz offen stehen“, so Projektleiter Grübler.

An diese guten Erfahrungen bei der Öffentlichkeits-Beteiligung wolle sein Team auch unter den Corona-Bedingungen anknüpfen und hofft auf reges Interesse der Bevölkerung. Die heute beginnenden Treffen der regionalen Arbeitsgruppen werden per Videokonferenz stattfinden. Für die zweite Runde der regionalen Arbeitsgruppen im Herbst hofft Florian Grübler dann wieder auf Präsenzveranstaltungen.

Einen Überblick über die Natura 2000-Gebiete, in denen die Stiftung aktiv ist sowie die Termine für Veranstaltungen können auf der Projektseite www.natura2000-brandenburg.de eingesehen werden.

Maßnahmen zusammen mit Landnutzern

In ihrem Natura-2000-Umsetzungsprojekt berät und unterstützt die Stiftung gemeinsam mit den Rangern der Naturwacht seit 2018 Akteure vor Ort, beispielsweise Eigentümer oder Nutzer geschützter Lebensraumtypen. Daraus ergaben sich in 42 Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebieten bereits über 100 konkrete Naturschutzmaßnahmen, die entwickelt und zum Teil auch schon umgesetzt worden.

Im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft (Landkreis Elbe-Elster) trugen beispielsweise Gespräche mit Landnutzern erste Früchte. Flachlandmähwiesen entlang der Schwarzen Elster werden hier nun auf Initiative der Ranger mit dem Ziel bewirtschaftet, auch den dort vorkommenden und vom Aussterben bedrohten Wiesenknopf-Ameisenbläuling – eine Schmetterlingsart - zu schützen. Hierfür ist eine mehrwöchige Nutzungspause im Sommer erforderlich, in der sich die Blüten des Großen Wiesenknopfs, der Nahrungs- und Wirtspflanze des Falters, entwickeln können. Über Zahlungen aus dem Vertragsnaturschutz des Landes erhält der Landnutzer einen Ausgleich für die entstehenden Ertragsverluste.

Im Landkreis Teltow-Fläming hat das Projektteam der Stiftung gemeinsam mit einem regionalen Landwirt in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde eine Vereinbarung ausgearbeitet, um Natura-2000-Lebensraumtypen im FFH-Gebiet „Gadsdorfer Torfstiche und Luderbusch“ zwischen Zossen und Trebbin angepasst zu bewirtschaften. Davon profitieren wird eine geschützte Pfeifengraswiese und deren sensible Pflanzenarten wie zum Beispiel Wiesenorchideen. Zudem möchte der Landwirt durch eine extensive Nutzung und späte Mahd dafür sorgen, dass sich eine benachbarte Fläche zur Salzwiese, einem prioritären und damit besonders geschützten Lebensraumtyp, entwickeln kann. Solche Binnensalzstellen sind geologische und botanische Besonderheiten in Brandenburg. Wo im Binnenland salzhaltiges Grundwasser an die Oberfläche gelangt, entwickelt sich eine ganz besondere, angepasste Pflanzenwelt.

Ein zweiter Landwirt kümmert sich um eine angrenzende Fläche: Ebenfalls durch eine angepasste Mahd in Verbindung mit der Akzeptanz hoher Wasserstände sollen sich hier kalkreiche Sümpfe, ein weiterer FFH-Lebensraumtyp, und die entsprechenden Pflanzenarten wie zum Beispiel Schwarzschopf-Segge, Schneideröhricht oder Sumpf-Blutauge – allesamt gefährdete Arten - entwickeln. Finanziert werden alle diese Maßnahmen ebenso über Zahlungen aus dem Vertragsnaturschutz des Landes.

Für ein FFH-Gebiet an der Mittleren Havel, einem bei Wassertouristen beliebten Flussabschnitt zwischen Potsdam und Brandenburg/Havel, wurde eine Informationskampagne entwickelt, mit der die Besucher für ein rücksichtvolles Verhalten auf den Wasserwegen sensibilisiert werden sollen und die gleichzeitig einen Einblick in die dort vorkommenden geschützten Tier- und Pflanzenarten gibt.

Natura 2000

Natura 2000 ist das weltweit größte Netz von Schutzgebieten. Es dient dem Erhalt natürlicher Lebensräume und wildlebender Tiere und Pflanzen – der biologischen Vielfalt – innerhalb der Europäischen Union. Das Netz setzt sich aus Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH) und Vogelschutzgebieten (SPA) zusammen. In Brandenburg sind 44 Tier- und Pflanzenarten, 48 Vogelarten und 39 Lebensraumtypen aus den europäischen Richtlinien für Natura 2000 geschützt. Dazu gehören Klarwasserseen wie der Grubensee bei Storkow, naturnahe Flussläufe an der Stepenitz in der Prignitz und bodensaure Eichenwälder im Sutschketal bei Bestensee. Die Rotbauchunke, zahlreiche Fledermausarten, Steinbeißer und Rohrdommel sind ebenso geschützt wie die Sumpf-Engelwurz, die rund um die Uckerseen bei Prenzlau vorkommt. Besonders geschützt sind prioritäre Arten wie die Sand-Silberscharte und Lebensräume wie Binnensalzstellen, trockene, kalkreiche Sandrasen oder Moorwälder.

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

Um die Vielfalt und die natürliche Schönheit der märkischen Landschaften zwischen Elbe und Oder, Lausitz und Uckermark auch für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Land Brandenburg die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg errichtet. Mehr als 900 Naturschutzprojekte hat die Stiftung in diesen Jahren gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen, Verbänden und Vereinen sowie weiteren Partnern wie zum Beispiel Betrieben oder Privatpersonen realisiert oder in eigener Trägerschaft verwirklicht.

Die Ranger der Naturwacht sind in den fünfzehn brandenburgischen Großschutzgebieten auf mehr als 30 Prozent der Landesfläche aktiv. Als Mittler zwischen Mensch und Natur haben sie alle die gemeinsame Aufgabe, Naturschätze zu bewahren und sich für eine intakte Umwelt einzusetzen.

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Für Rückfragen

Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

Marc Thiele
Leiter Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0331 / 971 64 820
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Florian Grübler
Leiter Natura 2000 Managementplanung
Telefon: 0331 / 971 64 870
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Frank Berhorn
Projektleitung Natura 2000 – Umsetzung
Tel.: 0331/ 971 64 8866
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Philipp Bednarski
Projektleitung Natura 2000 – Umsetzung
Tel.: 0331/ 971 64 854
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www.natura2000-brandenburg.de