Imposante KrabblerDeutschlandweit größtes Heldbock-Vorkommen entdeckt

Potsdam/Baruth – Käfer-Experten haben im Baruther Urstromtal zwischen Luckenwalde, Jüterbog und Baruth einen bislang verborgen Natur-Schatz entdeckt: das deutschlandweit größte bekannte Vorkommen des hierzulande vom Aussterben bedrohten Heldbocks.

"Mit derzeit rund 2.400 Heldbock-Eichen existiert zwischen Luckenwalde, Jüterbog und Baruth nicht nur das größte Brandenburgische Vorkommen dieser seltenen Käferart, sondern wahrscheinlich auch das größte in Deutschland", berichtet Biologe Jan Stegner, der das Gebiet gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Martschei in den vergangenen Jahren im Auftrag des Landes sowie für die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg mehrmals untersucht hatte.

Dabei ist bei der Erfassung des Heldbocks, der auch als Großer Eichenbock bekannt ist, detektivischer Spürsinn gefragt, denn seine Larven leben im Verborgenen im Inneren der Bäume und die ausgewachsenen, nachtaktiven Käfer nur wenige Wochen im Jahr. Ihr Vorkommen wird anhand frischer Schlupflöcher, von Bohrmehl, durch Funde lebender und toter Käfer sowie deren Fragmente wie Beine und Flügel bestimmt.

Die Naturschutzstiftung des Landes plant derzeit gemeinsam mit Partnern ein umfangreiches Projekt zur Förderung des Heldbocks im Baruther Urstromtal. "Dazu sind vor allem Maßnahmen hilfreich, die die Waldstruktur verbessern und heimische Eichenarten fördern", erläutert Eva Sieper-Ebsen von der Landesstiftung. So ist geplant, zum Beispiel verschattete Bereiche aufzulichten und gezielt Einzelbäume freizustellen, unterschiedliche Altersstrukturen zu entwickeln, Eichensprösslinge für die Einzelbaumentwicklung zu pflanzen oder aber bestehende Baumbestände durch Nachpflanzungen zu vernetzen. Von diesen Maßnahmen profitiert nicht nur der Heldbock, sondern auch andere bedrohte Käferarten wie Eremit und Hirschkäfer oder aber Fledermäuse.

Der Heldbock besiedelt heimische Eichenarten wie Stiel- oder Traubeneiche und kommt vor allem in lichten und gut besonnten Wäldern, aber auch in Parks und Eichenalleen vor. Mit bis zu 5,5 cm Körperlänge und zehn Zentimeter langen Antennen ist er einer der imposantesten Käfer Europas. Die Insekten besiedeln alte, bereits geschwächte Eichen, in denen sich ihre Larven vom Holz der Bäume ernähren können.

Während die Art früher in Deutschland weit verbreitet war, sind ihre Vorkommen in den vergangenen Jahrzehnten auf wenige Restvorkommen vor allem in den Hartholzauen an Elbe und Rhein geschrumpft. Der Rückgang und die Verinselung von alten Laubbaumbeständen führten europaweit dazu, dass mit ihren Lebensräumen auch die imposanten Käfer verschwanden. "Umso bemerkenswerter sind die Zahlen aus der Baruther Gegend", sagt Jan Stegner und ergänzt: "Das Land Brandenburg hat somit auch eine große Verantwortung für den Schutz dieser bedrohten Tierart in der Europäischen Union."

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