Naturschutzfonds Brandenburg
 

Naturschutz in Brandenburg
Newsletter der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg | Ausgabe Oktober 2026

Woran wir arbeiten | Was wir fördern | Naturwacht | Unsere Partner | Zu guter Letzt

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn die Natur langsam zur Ruhe kommt, krempeln wir die Ärmel hoch: Herbst und Winter sind Baustellenzeit und so stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe einige aktuelle Maßnahmen und Projekte vor. Um praktischen Naturschutz dreht sich auch ein weiteres Thema: Nach sieben Jahren biegt unser EU-Projekt “LIFE Trockenrasen” auf die Zielgrade. Kennen Sie schon unsere abschließende Projektbroschüre? 

Eine interessante Lektüre wünscht

Ihr Team der Stiftung

Trockenrasen in Brandenburg
EU-Projekt "LIFE Trockenrasen" geht auf die Zielgrade

In Brandenburg mit seinen wasserdurchlässigen Böden und geringen Jahresniederschlägen sind Trockenlebensräume typisch. Die hier lebenden Tiere und Pflanzen haben sich an diese Trockenheit und Wärme angepasst. Dennoch sind einige typische Arten wie die Wiesen-Küchenschelle oder die Sand-Silberscharte kaum noch zu finden. Seit 2019 standen deshalb in unserem Projekt LIFE Trockenrasen zahlreiche Vorkommen kalkreicher Sandtrockenrasen und Steppentrockenrasen in 29 Natura-2000-Gebieten im Fokus.

Eine Rarität auf trockenen Sandflächen: die Sand-Silberscharte. Foto: T. Geisel

Für diese Lebensraumtypen trägt Brandenburg europaweit eine besondere Verantwortung: Hier, an der Westgrenze ihres Verbreitungsgebietes, kommen mehr als ein Viertel der kalkreichen Sandtrockenrasen und fast die Hälfte aller Steppentrockenrasen in Deutschland vor.

Gemeinsam mit Schäfereibetrieben, Saatgutproduzentinnen, Gemeindeverwaltungen, Naturschutzbehörden und Flächeneigentümer*innen ist es gelungen, zahlreiche Inseln der Vielfalt in der Prignitz, im Havelland, im Dahme-Seengebiet und in der Lausitz für die Menschen erlebbar zu machen, das lokale Aussterben gefährdeter Pflanzenarten zu verhindern und eine regelmäßige Nutzung und Pflege dieser besonderen Lebensräume zu organisieren. Lesen Sie mehr auf der Website des Projektes oder die abschließende Projektbroschüre (PDF) für den schnellen Überblick. 

Woran wir arbeiten
Projekte und Maßnahmen für Arten und Lebensräume

Mehr Leben im Thymenfließ

Vor Beginn der Arbeiten werden Bachmuscheln geborgen. Foto: Foto: F. Grunicke

Am Thymenfließ im Landkreis Oberhavel sind aktuell Bagger im Einsatz: Wir lassen im Rahmen unseres EU-Projekts LIFE Bachmuschel 28 Totholzstrukturen und 45 Kiesbänke einbauen, an drei Stellen wird das Ufer abgeflacht. So geben wir dem Gewässer mit relativ einfachen Mitteln wieder mehr Dynamik und neue Lebensräume für bedrohte Muschel- und Fischarten.

Lebensräume in der Agrarlandschaft

Das Rebhuhn - Vogel des Jahres 2026 - zählte einst zu den typischen Arten strukturreicher, offener Agrarlandschaften. Foto: G. Schmidt-John

Wir setzen in der Gemeinde Großwoltersdorf nördlich von Gransee (Landkreis Oberhavel) unsere Arbeiten für neue Lebensräume in der Agrarlandschaft fort. Neben Amphibien steht diesmal auch das in Brandenburg vom Aussterben bedrohte Rebhuhn im Fokus. Kernstück der aktuellen Naturschutzbemühungen ist eine umfangreiche, breite Heckenpflanzung. Hier arbeiten Landnutzer, Naturschutz und Jagdverband Hand in Hand. 

Nachkontrolle zeigt Wirkung der Maßnahmen

Diese Kiesinsel ist bereits bewachsen. Foto: LIFE Bachmuschel

Zwischen Dezember 2025 und März 2026 ließ unser Team LIFE Bachmuschel an der Dosse auf vier Kilometern Länge Kiesinseln und -gleiten, Stammbuhnen und Faschinen einbauen. Bei der Nachkontrolle dieser vielfältigen Strukturmaßnahmen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin zeigten sich jetzt die ersten Ergebnisse: Die Maßnahmen wirken wie geplant!

Muschelexpert*innen treffen sich in der Prignitz

Expert*innen aus Deutschland und Luxemburg tauschten sich aus. Foto: S. Bude

Der Wissenstransfer ist ein wesentlicher Aspekt unserer EU-Projekte: Für LIFE Bachmuschel haben wir deshalb Expertinnen und Experten aus Deutschland und Luxemburg eingeladen. Wie sich naturnahe Gewässerstrukturen durch eine angepasste Gewässerunterhaltung entwickeln lassen, war eines der Themen des Expert*innen-Treffens in Pritzwalk, der Einbau von Sedimentfängen ein weiteres. An Stepenitz, Cederbach und Karthane wurden Praxistipps ausgetauscht.

Wasserrückhalt für seltene Arten

Von der Anhebung des Wasserstandes wird auch die artenreiche „Enzianwiese“ profitieren. Foto: K. Bastian

Es ist ein wichtiger erster Schritt, den Wasserrückhalt im Natura-2000-Gebiet „Muhrgraben mit Teufelsbruch“ zu verbessern: Das Natura-2000-Team-Nordwest und der NABU Brandenburg haben am Muhrgraben bei Oberkrämer im Landkreis Oberhavel ein Stauwerk reparieren lassen. Vom Anheben des Wasserstandes wird zum Beispiel die überaus artenreiche „Enzianwiese“ profitieren. Hier gedeihen seltene und gefährdete Pflanzenarten wie Lungen-Enzian, Gewöhnlicher Teufelsabbiss oder Pracht-Nelke. Die notwendigen Arbeiten – finanziert mit Mitteln aus der Ersatzzahlung – hat der Wasser- und Bodenverband „Schnelle Havel“ umgesetzt. Nach weiterer Abstimmung mit den Eigentümern und Pächtern der anliegenden Flächen ist ein Probestau vorgesehen. 

Senken vertieft, Laichgewässer erhalten

Behutsam werden die Geländeformen vertieft. Bereits während der Arbeiten kommt das Wasser zurück. Foto: T. Jarik

Nördlich von Dissen im Landkreis Spree-Neiße hat das Natura-2000-Team Süd natürliche Senken auf einer Ackerfläche behutsam vertiefen lassen und so fünf neue Kleingewässer geschaffen. Ihr Vorteil: Künftig kann Grundwasser diese neuen Gewässer speisen und das Wasser bleibt über die Amphibien-Laichzeit stehen. Die Kleingewässer sind aber mehr als nur Wasserstellen …mehr lesen

Gut vernetzt für mehr biologische Vielfalt

Praktisch wurde es auf den Flächen der Baruther Urstromtal Rinderhaltung GmbH und des Howa Biobetriebes. Foto: W. Wolff

Welche finanziellen Anreize und Förderinstrumente stehen landwirtschaftlichen Betrieben zur Verfügung, um Naturschutzmaßnahmen auf ihren Flächen wirtschaftlich tragfähig umzusetzen? Auch bei diesem Vernetzungstreffen von Fachleuten aus Landwirtschaft und Naturschutz standen wieder Theorie und Praxis auf der Tagesordnung. Nach Baruth/Mark im Landkreis Teltow-Fläming hatten das Team der „Vernetzungsstelle Biodiversitäts- und Klimaberatung Brandenburg“ und das Natura-2000-Team Mitte eingeladen. …mehr lesen

Was wir fördern
Projektförderung für alle, die Natur schützen wollen

Artenvielfalt und Biotopverbund in der Elbtalaue
Förderprojekt im Landkreis Prignitz

Die extensiv genutzten Grünlandflächen werden durch die Heckenreihen und Baumpflanzungen ökologisch aufgewertet: Es entstehen neue Strukturen. Foto: C. Schneider

Neue Hecken- und Baumpflanzungen bei Klein Lüben vernetzen Lebensräume und fördern die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. In fünf Heckenstreifen können mit unserer Förderung standortgerechte Gehölze wie Flatterulme, Stieleiche, Weißdorn, Roter Hartriegel oder Hundsrosen gepflanzt und auch die Lücken in einer Alteichen-Baumreihe geschlossen werden. So wird die Strukturvielfalt erhöht und nicht zuletzt das Landschaftsbild aufgewertet.

Wir fördern Naturschutzprojekte. Egal ob Landkreis oder Kommune, Privatperson, Verband oder Verein – jede juristische oder natürliche Person kann einen Projektantrag stellen. Sie haben selbst eine Projektidee? Informieren Sie sich hier, ob Ihr Projekt förderfähig ist. 

Naturwacht
Mittler zwischen Mensch und Natur

Wertvolle Unterstützung

Ein herzliches Dankeschön an alle Freiwilligen der Naturwacht! Foto: M. Detel

Mit dem Freiwilligenprojekt “Ehrensache Natur” mobilisiert die Naturwacht seit über 30 Jahren Bürgerengagement für die Großschutzgebiete. Mehr als 390 Freiwillige unterstützen die Rangerinnen und Ranger derzeit bei zahlreichen Aufgaben. Sie unterstützen unter anderem beim Bau von Amphibienzäunen und der Pflege von Orchideenwiesen, wirken bei naturkundlichen Daueruntersuchungen mit oder bringen sich bei der Kinder- und Jugendarbeit ein. Mit einer gemeinsamen großen Veranstaltung bedanken wir uns regelmäßig für diese wertvolle Unterstützung – dieses Jahr auf Schloss Gadow im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Wer die Naturwacht ebenfalls unterstützen möchte, findet hier neben der Beschreibung verschiedener Aufgaben auch den Kontakt zu den Freiwilligen-Koordinatoren. 

Interview-Reihe
Unsere Partner*innen im Video

Unterstützung für die Sumpfschildkröte

In einer Interview-Reihe stellen wir einige unserer Partner*innen vor, diesmal die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Artenschutz e. V. - kurz AGENA e.V.. Sie kümmert sich unter anderem in der Naturschutzstation Linum um die Aufzucht und Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröte. Dr. Norbert Schneeweiß bringt Ihnen die "Relikte aus der Saurierzeit" näher.  …Video ansehen (Vimeo)

Zu guter Letzt
Wir schauen über den Tellerrand

Unterstützung für die naturnahe Waldentwicklung

Das Brandenburger Forstministerium hat eine weitere Förderrichtlinie zur Unterstützung privater und kommunaler Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen veröffentlicht. Sie schafft neue Möglichkeiten für eine naturnahe Waldentwicklung und Waldbewirtschaftung. Unter anderem Erstaufforstungen, die Beseitigung von Altlasten im Wald, die Pflege von Saatgutbeständen und die bodenschonende Holzernte mit Pferden können gefördert werden.

Webinar: Urbane Gemeinschaftsgärten und Artenvielfalt

Urbanes Gärtnern schafft lebendige Nachbarschaften und Räume für Beteiligung, steigert die Lebensqualität und fördert  – bei naturnaher Gestaltung  – die Artenvielfalt vor Ort. Was als Nischenbewegung begann, ist in vielen Städten und Gemeinden mittlerweile fester Bestandteil des Alltags. Vor diesem Hintergrund lädt der Verein Kommunen für biologische Vielfalt e.V. am 25. November 2026 von 14.00 bis 17.15 Uhr ein zu dem Webinar "Urbane Gemeinschaftsgärten – Potenziale für Artenvielfalt und Lebensqualität". Der Anmeldeschluss ist am 20. November 2026.