Wasserrückhalt für seltene ArtenStauwerk am Muhrgraben repariert - Anlieger werden bei Probestau einbezogen

Potsdam (15.10.2026) – Im europäischen Natura-2000-Schutzgebiet „Muhrgraben mit Teufelsbruch“ ist jetzt ein Stauwerk am Muhrgraben (bei Oberkrämer, LK Oberhavel) repariert worden, um in Zukunft Wasser anstauen zu können. Nur so werden seltene Tier- und Pflanzenarten der Feuchtwiesen, Hochstaudenfluren und Auwälder hier auch in Zukunft ihren Lebensraum finden. Nach weiteren Abstimmungen soll zunächst ein zweijähriger Probestau erfolgen, um sicherzustellen, dass es zu keinen unerwünschten Beeinträchtigungen kommt. 

Vielfach ist die Rede davon, dass wir angesichts ausbleibender Niederschläge mehr Wasser in der Landschaft halten müssen. Der NABU Brandenburg und das Natura-2000-Team Nordwest sind mit der Reparatur eines Staukopfes dafür einen ersten wichtigen Schritt gegangen. Nur mit der regulierten Stauung des Wassers wird es möglich sein, dieses Niedermoorgebiet mit seiner außergewöhnlich großen Zahl hochgradig gefährdeter Pflanzenarten zu erhalten. 

Nadja Schedensack, Naturschutzreferentin des NABU Brandenburg, ist sich sicher: „Mit dem Anheben des Wasserstandes werden bestimmte Hochstaudenfluren und auch die überaus artenreiche „Enzianwiese“ profitieren. Denn die hier vorkommenden seltenen und gefährdeten Pflanzenarten wie Lungen-Enzian, Gewöhnlicher Teufelsabbiss oder Pracht-Nelke gedeihen nur unter feuchten Bedingungen. Auch auf den angrenzenden Eichenwald wirkt sich die Wasserrückhaltung positiv aus, insbesondere in Monaten, in denen Regenfälle ausbleiben.“

Manuela Brecht vom Natura-2000-Team Nordwest freut sich: „Schön, dass die Maßnahme vor Ort auf so große Zustimmung stößt. Nicht nur die Natur, sondern auch die Landnutzenden der umliegenden Flächen können von einer regulierten Stauung profitieren, die den Wasserstand bis ins Frühjahr stabil halten kann“.

Die notwendigen Arbeiten am bereits vorhanden Betonschacht wurden vom Wasser- und Bodenverband „Schnelle Havel“ kurzfristig und unkompliziert durchgeführt. Es wurden Risse und Fugen verschlossen, Rohre erneuert und der Schacht von unkontrolliert angestautem Material geräumt und gereinigt. Außerdem wurde ein Metallrahmen eingesetzt, in den Dammbalken geschoben werden können, um das Wasser kontrolliert auf eine bestimmte Höhe anstauen zu können. Eine Messlatte wird die Kontrolle des Pegels erleichtern.

Die eigentliche Stauung durch den Einsatz von Bohlen findet noch nicht statt, da erst alle Beteiligten, Nutzende und Eigentümer der anliegenden Flächen einbezogen werden sollen. Dann ist zunächst ein Probestau befristet auf 2 Jahre vorgesehen, damit die Anlieger die Möglichkeit haben, die Auswirkungen zu beobachten und zu prüfen. Bei Problemen könnte die Stauung kurzfristig angepasst werden.

Hintergrund

Der NABU Brandenburg hat im Rahmen des von der EU und dem Land Brandenburg geförderten Projekts „Lebenswerte Natura 2000-Gebiete“ gemeinsam mit dem Natura-2000-Team die Projektplanung und Umsetzung vorbereitet. Die Sanierung des Staubauwerkes erfolgte mit Fördermitteln der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg.

Die fünf Natura-2000-Teams sind eine Kooperation des Landesamtes für Umwelt und der Stiftung. Gemeinsame Aufgabe ist die Umsetzung von Natura-2000-Maßnahmen außerhalb der Nationalen Naturlandschaften im Land Brandenburg. 

Das Projektgebiet

„Muhrgraben mit Teufelsbruch“ ist ein rund 722 Hektar großes europäisches Natura-2000-Schutzgebiet in Brandenburg (Landkreise Oberhavel und Havelland), das wertvolle Feuchtwiesen, Niedermoore und naturnahe Laubwälder schützt.

Natura-2000-Gebiete

Mit fast 600 FFH-Gebieten und 27 Vogelschutzgebieten umfasst Natura 2000 in Brandenburg rund ein Viertel der Landesfläche. Als weltweit größtes Schutzgebietssystem ist Natura 2000 ein wirksamer Baustein im Kampf gegen das Artensterben. Hier setzt das NABU-Projekt an, mit dem Ziel, für die EU-Schutzgebiete zu sensibilisieren und zur Erhaltung der besonders schützenswerten Lebensräume und Arten beizutragen.

NABU-Projekt „Lebenswerte Natura-2000-Gebiete“

Der NABU Brandenburg hat für das Projekt „Lebenswerte Natura 2000-Gebiete – Netzwerk für Mensch und Natur!“ 30 FFH-Gebiete in Brandenburg ausgewählt, für die bereits Managementpläne vorliegen. Gemeinsam mit NABU-Aktiven in der Nähe der Schutzgebiete initiieren wir Naturschutzmaßnahmen in den FFH-Gebieten des Projekts. Der Aufbau eines Netzwerks aus Schutzgebietsbetreuer*innen im Projekt und die gezielte Öffentlichkeitsarbeit leisten einen Beitrag zur Umsetzung von Natura 2000 in Brandenburg.


Ihre Kontakte

Manuela BrechtNatura-2000-Team Nordwest

Tel.: 0160 99208105
E-Mail schreiben

Nadja SchedensackNABU Brandenburg

Tel.: 01514 2076732  

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