Naturwacht BrandenburgMittler zwischen Mensch und Natur

Rangerinnen und Ranger gibt es weltweit und seit 1991 auch im Land Brandenburg. Als Mittler zwischen Mensch und Natur haben sie alle die gemeinsame Auf­gabe, Naturschätze zu bewahren und sich für eine intakte Umwelt einzusetzen.

Infografik zur Naturwacht Brandenburg als Mittler zwischen Mensch und Natur, gestaltet von Jenne Baule-Prinz, www.baule-prinz.de

Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht arbeiten auf rund 9.750 Quadratkilometern, also einem Drittel der Landesfläche Brandenburgs, als Mittler*innen zwischen Mensch und Natur. Sie setzen in 15 Nationalen Naturlandschaften – einem Nationalpark, drei Biosphärenreservaten und elf Naturparken – zahlreiche Natur- und Artenschutzmaßnahmen um und kontrollieren deren Erfolg. Sie erfassen Daten zu Tier- und Pflanzenbeständen sowie zu Lebensräumen und wecken mit ihren Umweltbildungsangeboten Interesse für den Natur- und Umweltschutz. Die Naturwacht stimmt sich eng mit der Verwaltung des Landesamtes für Umwelt (LfU) sowie dem Umweltministerium ab. Seit 1997 arbeitet die Naturwacht unter dem Dach der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. 

Schutzgebietsbetreuung

Die 90 Ranger*innen der Naturwacht Brandenburg arbeiten als Mittler zwischen Mensch und Natur. Sie sind ansprechbar für alle, die in den Nationalen Naturlandschaften leben, arbeiten oder zu Gast sind. Nachfolgend erfahren Sie mehr über ihre Arbeitsschwerpunkte im Rahmen der Schutzgebietsbetreuung. 

Arten- und Biotopschutz

Gebietskontrolle

Vertragsnaturschutz

Rangerinnen und Ranger sprechen Schutzmaßnahmen mit Landnutzern ab. Foto: S. Hennigs

Nehmen Landwirtinnen und Landwirte auf Belange des Naturschutzes besondere Rücksicht, können sie Mittel des Vertragsnaturschutzes erhalten. 2022 hat die Naturwacht 164 Verträge im Rahmen dieses Vertragsnaturschutzes betreut. Der Abschluss der Verträge erfolgt durch die Verwaltungen der Großschutzgebiete.

Besucherservice

Beobachtungsturm am Rambower Moor
Rangerin mit Gruppe. Foto: S. Hennigs

Die Informationszentren sind eine gute erste Anlaufstelle für Besucher*innen. Dort erfahren Sie mehr über das jeweilige Großschutzgebiet sowie die angebotenen Führungen und Exkursionen. Die Ranger*innen der Naturwacht begleiten jährlich rund 10.000 Gäste auf mehr als 500 geführten RangerTouren. Die aktuellen finden Sie im Veranstaltungskalender.

Kontakte der Naturwacht sowie alle Stützpunktadressen finden Sie hier.

Monitoring: regelmäßige und wiederholte Erfassung

Die Ranger*innen der Naturwacht Brandenburg erheben fortlaufend Daten. Diese regelmäßig wiederholte Erfassung gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume und auch abiotischer Parameter (Wasserstände, Wasserqualität) erfolgt nach standardisierter Methodik.

Gesetzliche Grundlagen

Naturschutzfachliches Monitoring ist im Bundesnaturschutzgesetz als Aufgabe von Bund und Ländern verankert: „Die Beobachtung dient der gezielten und fortlaufenden Ermittlung, Beschreibung und Bewertung des Zustands von Natur und Landschaft und ihrer Veränderungen einschließlich der Ursachen und Folgen dieser Veränderungen“ (§ 6 BNatSchG, Abs. 2).

In den Brandenburger Naturlandschaften weisen größere Bereiche einen europäischen Schutzstatus als Schutzgebiet nach EG-Vogelschutzrichtlinie bzw. nach EU Fauna-Flora-Habitat-Richtline (FFH) auf. Sie gehören zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Aus den Richtlinien ergeben sich auch für die Natura-2000-Gebiete Verpflichtungen zur regelmäßigen Datenerhebung, z.B. bei der Dokumentation des Erhaltungszustands und der regelmäßigen Berichtspflicht gegenüber der EU. Monitoring-Verpflichtungen ergeben sich zudem aus verschiedenen internationalen Konventionen (wie dem Übereinkommen über den Erhalt der Biologischen Vielfalt, der Ramsar-Konvention zum Schutz von Wasservogelrastplätzen oder der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten).

Der Naturwacht wurde für die FFH-Gebiete in den Großschutzgebieten die Betreuung übertragen. Die Rangerinnen und Ranger führen fortlaufend umfangreiche Erfassungen für die Dokumentation des Erhaltungszustands durch. Sie ermitteln nach wissenschaftlichen Standards, wie sich die Bestände bestimmter Tier- und Pflanzenarten sowie ganze Lebensräume entwickeln.

Methoden

Hellawell (1991) definiert Monitoring als "wiederholt (regelmäßig oder unregelmäßig) durchgeführtes Untersuchungsprogramm, das den Grad der Übereinstimmung mit einem vorher festgelegten Standard oder das Maß der Abweichung von einer erwarteten Norm ermittelt".

Monitoring für den Naturschutz bedeutet:

  • "die wiederholte Erfassung des Zustandes von Natur und Landschaft oder deren Bestandteile sowie darauf einwirkender menschlicher Aktivitäten,
  • das Wahrnehmen von Veränderungen und
  • die Ausrichtung auf feste Zielsetzungen (z. B. als Grenzwert) oder Fragestellungen, die einen Anwendungsbezug haben" (Dröschmeister 1996)

Die Monitoring-Aufgaben werden generell mit standardisierten Methoden bearbeitet. Die methodischen Vorgaben lehnen sich an national und international gebräuchliche und anerkannte Verfahren an, um eine größtmögliche Vergleichbarkeit der erhobenen Daten zu gewährleisten. Dabei erfolgen ggf. Anpassungen der Standardmethodik an die Bedürfnisse der Naturwacht und des jeweiligen Auftrages. Anpassungen werden nur in Abstimmung mit den zuständigen Fachleuten im Landesumweltamt (LfU) durchgeführt.

Bereitsstellung der Daten

Die Datenhaltung erfolgt grundsätzlich digital. Die im Rahmen der Aufträge erfassten Parameter werden in die entsprechenden Datenerfassungssysteme übertragen. Aktuell werden folgende Systeme genutzt:

  • Eigengestaltete QGiS-Layer
  • Mit Lagedaten verknüpfte *xls-Tabellen
  • Ornitho.de
  • FloraDB

Eine vollständige Kompatibilität mit dem vom LfU genutzten zentralen Datenhaltungssystem MultibaseCS wird angestrebt.

Eine weitergehende Aufbereitung der Rohdaten ist prinzipiell möglich. Die Daten werden den auftraggebenden Personen im vorab vereinbarten Format übergeben. Eine parallele Datenhaltung erfolgt sowohl bei der betreffenden Naturwacht-Gruppe als auch bei der Naturwacht-Zentrale.

In Zukunft wird eine direkte digitale Erfassung in Handheld/Smartphone-Systeme immer wichtiger. Die Naturwacht prüft aktuell eine Erfassung im Rahmen der Gebietsbetreuung mit der frei programmierbaren App „ Cybertracker“.

Die beim Monitoring erhobenen Grundlagendaten werden benötigt, um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen. Daten über den Erhaltungszustand von Lebensräumen sowie Tier- und Pflanzenbeständen benötigt das Land Brandenburg zudem, um die Einhaltung seiner Verpflichtungen aus internationalen Abkommen belegen zu können. 

Amphibien-Monitoring

Biber-Monitoring

Fischotter-Monitoring

Fledermaus-Monitoring

Brutvogel-Monitoring

Wasservogel- und Rastvogelzählung

Punkt-Stopp-Zählungen / Linienkartierung

"Vogel singt" könnte zum Beispiel die Notiz zu diesem Braunkehlchen lauten. Foto: Mario Herzog

Bei diesen verbreiteten Standardmethoden zur Erfassung mittelhäufiger bis häufiger Brutvogelarten in der Normallandschaft auf festgelegten Routen in einem bestimmten Gebiet werden alle festgestellten Vögel erfasst. Mitunter ergänzen die Ranger*innen auch Angaben zur Aktivität der gesichteten Tiere wie „Vogel singt“ oder „trägt Futter“. Die Erfassung wird auf exakt derselben Route in regelmäßigen Abständen (z.B. alle zwei Wochen) im Frühjahr mehrere Male wiederholt. Über Jahre entstehen so Datenreihen über das Vorkommen typischer Vogelarten in einem Gebiet, die gut zu vergleichenden Auswertungen genutzt werden können.

Käfer-Monitoring

Tagfalter-Monitoring

Pflanzen-Monitoring

Rangerin Heike Rothe aus dem Naturpark Westhavelland zählt jedes Jahr zur Blütezeit die Orchideen. Foto: Johannes Müller

Einige landesweit bedeutsame Vorkommen von Pflanzenarten (z.B. Orchideen) werden von der Naturwacht regelmäßig aufgesucht, ihre Bestände gezählt und Aussagen zum Zustand der Populationen, zur Wirksamkeit von Pflegemaßnahmen und zu möglichen weiteren bestandsstützenden Maßnahmen getroffen. Z.T. wurden auch Dauerflächen eingerichtet, in denen regelmäßig der gesamte Artenbestand inklusive Deckungsgrad erfasst wird.

Biotopkartierung

Durch regelmäßige Gebietskontrollen stellen Rangerinnen und Ranger rasch Veränderungen fest. Foto: Johannes Müller

In jedem Großschutzgebiet ist mindestens ein Ranger oder eine Rangerin als Biotopkartierer*in zertifiziert. Diese Naturwächter*innen führten im Rahmen der FFH-Managementplanung seit 2009 für ca. 30 FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat Gebiete des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000) umfangreiche Biotopkartierungen nach dem Landesstandard der Brandenburgischen Biotopkartierung (BBK) durch.

Nach Vorlage der abgeschlossenen Managementplanung als „status quo“ sollen von der Naturwacht in der Zukunft Änderungen im Erhaltungszustand durch die Methode der Biotopkartierung im Rahmen der Gebietskontrollen systematisch festgehalten werden.

Erfassung Pegel

FFH-Gebietskontrollen

Der Naturwacht wurde für die FFH-Gebiete in den Großschutzgebieten die Betreuung übertragen. Nach Vorlage der abgeschlossenen Managementplanung als „status quo“ sollen von der Naturwacht in der Zukunft Änderungen im Erhaltungszustand systematisch festgehalten werden.

Die Rangerinnen und Ranger dokumentieren dazu fortlaufend Abweichungen vom festgestellten Zustand. Zusätzlich werden Ergebnisse aus naturkundlichen Erfassungen sowie Zufallsbeobachtungen dokumentiert und Vorschläge für die weitere Gebietsentwicklung (auch aus Gesprächen mit Landnutzer*innen und Anwohner*innen) abgeleitet. Eine Datenbank zur Aufarbeitung und Dokumentation befindet sich aktuell in der Abstimmung. Die Daten können eine wichtige Rolle für die von der EU geforderten regelmäßigen Berichte zum Zustand der FFH-Gebiete spielen.

Nicht zuletzt verschaffen sich die Rangerinnen und Ranger durch Monitoring-Tätigkeiten auch selbst tiefergehende Kenntnisse über Tier- und Pflanzenarten und Entwicklungen in den Schutzgebieten. Dieses Fachwissen kommt den Naturwächter*innen auch bei Führungen mit Besucher*innen zugute und in der Bildungsarbeit mit Schul- und Kitakindern.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Mit ihren Bildungsangeboten ist die Naturwacht Teil des Netzwerkes der regionalen Bildungslandschaften einer nachhaltigen Entwicklung, BNE. Die Rangerinnen und Ranger setzen den gesetzlichen Auftrag der naturkundlichen Bildung und der Bildung für einen nachhaltige Entwicklung in 15 Nationalen Naturlandschaften Brandenburgs um.

Sie sensibilisieren und begeistern Einheimische und Gäste für den Erhalt und Schutz der biologischen Vielfalt und den schonenden Umgang mit Ressourcen. Aufgrund ihrer Erfahrungen aus allen Arbeitsfeldern der Schutzgebietsbetreuung fließen besondere Fach- und Ortskenntnisse in die Bildungsangebote ein und bieten damit einzigartige Bildungserlebnisse.

Kinder und Jugendliche können über das BNE-zertifizierte Junior-Ranger-Programm und das Erlebnis-Vielfalt-Programm die elf Naturparke, drei Biosphärenreservate und den Nationalpark Unteres Odertal erleben und die biologische Vielfalt Brandenburgs erforschen.

Das Junior-Ranger-Programm

Das Erlebnis-Vielfalt-Programm

Ein Beispiel für einen besonderen Lernort

Führungen & Vorträge

Die Naturwächter*innen begleiten jährlich rund 7.500 Gäste auf mehr als 400 geführten RangerTouren durch die Großschutzgebiete des Landes. Durch spezielle Veranstaltungsangebote wie KonzertfrühlingLange Naturwacht-Nacht oder Führungen zum Großen Vogelzug verschafft die Naturwacht verschiedensten Besuchergruppen eindrucksvolle Naturerlebnisse. Sie vermitteln Wissen zu Arten und Lebensräumen sowie Schutzmaßnahmen und leistet damit wichtige Beiträge zur Stärkung des Tourismus in den Großschutzgebieten. Alle RangerTouren auf einen Blick finden Sie im Veranstaltungskalender.

Präsenz auf Messen & Festen

Auch auf überregionalen Veranstaltungen, wie der Internationalen Tourismus Börse und der Internationalen Grünen Woche in Berlin, werben die Ranger*innen für einen nachhaltigen Tourismus. Besonders wichtig ist der Naturwacht der Kontakt mit den Bewohner*innen der Schutzgebiete. Erfahrungsgemäß kommt man in der zwanglosen Atmosphäre auf regionalen Festen besonders gut miteinander ins Gespräch. Deshalb sind die Rangerinnen und Ranger bei solchen Anlässen häufig mit Infoständen vertreten.

Freiwillige bei der Naturwacht

Mit dem Freiwilligenprojekt, das seit 2003 gemeinsam mit dem Verband EUROPARC Deutschland entwickelt wird, möchte die Naturwacht Bürgerengagement für die Großschutzgebiete mobilisieren. Aktuell sind mehr als 350 freiwillige Helferinnen und Helfer bei der Naturwacht Brandenburg registriert. Sie helfen der Naturwacht beim Bau von Amphibienzäunen und der Pflege von Orchideenwiesen, wirken bei naturkundlichen Daueruntersuchungen wie den regelmäßigen Wasservogelzählungen mit und bringen sich bei der Kinder- und Jugendarbeit ein. Zum Jahresende richtet jedes Naturwacht-Team eine Dankveranstaltung für "ihre" Freiwilligen aus. Einmal im Jahr findet auch eine gemeinsame große Dankveranstaltung statt. 

Aufgaben der Freiwilligen

Einsätze von Unternehmen

Rangerinnen und Ranger weltweit

Überall auf der Welt setzen sich Rangerinnen und Ranger für den Erhalt einer intakten Umwelt, für die biologische Vielfalt ein. Die Ranger-Teams der einzelnen Staaten haben sich meistens in nationalen Verbänden organisiert. Auf Bundesebene ist das zum Beispiel der Bundesverband der Naturwacht e.V..

Die nationalen Verbände haben die International Ranger Federation, IRF, gegründet. "Ein Planet, eine Zukunft, eine Verantwortung – Ranger*innen ohne Grenzen" lautet das Motto dieser weltweiten Dachorganisation. Es ist auch unser, denn wir sind überzeugt: In einer Zeit zunehmender Globalisierung ist es entscheidend, dass die Verantwortung aller Menschen für die Bewahrung unseres Planeten zunehmend ins Bewusstsein gerät. Auch in diesem Sinne sind wir Mittler zwischen Mensch und Natur.

World Ranger Day

Ranger*innen gibt es weltweit und seit 1991 auch in Brandenburg. Alle verbindet die Aufgabe, Naturschätze zu bewahren und sich für eine intakte Natur einzusetzen. Der World Ranger Day am 31. Juli ist deshalb ein Tag der Würdigung der weltweiten Gemeinschaft von rund 285.000 Ranger*innen und ihres täglichen Einsatzes für den Erhalt und Schutz der Natur. Ausgerufen hat diesen Tag die International Ranger Federation, IRF, bereits 2007.

Die Naturwacht Brandenburg versteht sich als Teil der internationalen Ranger-Gemeinschaft. Zum World Ranger Day erklären unsere Kolleg*innen im Rahmen von Führungen ihre Aufgaben hierzulande und die der Ranger*innen in anderen Teilen der Welt. Erfahren Sie mehr über den World Ranger Day in Brandenburg

Austauschprogramm mit Israel

Die Naturwacht Brandenburg versteht sich als Teil der internationalen Ranger-Gemeinschaft - den Austausch mit Rangern aus Israel zu unterstützen und mit Leben zu füllen, passt in dieses Selbstverständnis. Die Idee, ein Austauschprogramm zwischen deutschen und israelischen Rangern aufzubauen, entstand bereits 2016 auf dem Welt-Ranger-Kongress der IRF in Colorado. Im Mai 2018 fand der erste Besuch einer israelischen Delegation in der Hauptstadtregion statt, auch Kolleginnen und Kollegen aus Brandenburg waren bereits mehrfach in Israel zu Gast - zuletzt Anfang 2023. Lesen Sie mehr über dieses Austauschprogramm.

Hintergrund und Ausbildung

Die Naturwacht Brandenburg startete am 1. Oktober 1991 als Arbeits-Beschaffungs-Maßnahme (ABM), die von der Bundesanstalt für Arbeit finanziert wurde und zeitweise über 200 Mitarbeiter umfasste. Aktuell verfügt die Naturwacht Brandenburg über 95 Stellen (Stand September 2021). Sie hat sich zu einer modernen Naturschutzorganisation entwickelt, die sich als professioneller Mittler zwischen den Ansprüchen der Menschen und den Bedürfnissen der Natur versteht.

Rangerausbildung heute

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde bietet innerhalb des Studiengangs Landschaftsnutzung und Naturschutz eine Vertiefung Schutzgebietsbetreuung an, die als Berufsziel die Tätigkeit als Ranger*in anvisiert.

Die Hochschule betont dabei, dass Studierende, die sich für diese Vertiefung entscheiden, als Praktiker*innen mit sowohl umfangreichen Methodenkenntnissen als auch mit Kompetenzen im Umgang mit Interessenvertreter*innen ausgebildet werden.

Die vier Vertiefungsthemen sind

  • Artenschutz, Landschaftspflege und Monitoring
  • Kontrolle der Einhaltung gesetzlicher Regelungen
  • Bildung, Besucherbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit
  • Bau und Instandhaltung der touristischen und naturschutzrelevanten Infrastruktur.

Ein Berufspraktikum, Exkursionen und Projektarbeiten sind im Laufe des Studiums vorgesehen. Die Naturwacht Brandenburg bietet hierfür regelmäßig Möglichkeiten.

Der Studiengang Landschaftsnutzung und Naturschutz umfasst sechs Semester und führt zum Abschluss Bachelor of Science (B. Sc.). Studienort ist Eberswalde. Bewerbung zum Studiengang ist vom 1. Juni bis zum 15. Juli des jeweiligen Jahres möglich.

Alternative zum Studium: Geprüfte Natur- und Landschaftspfleger

Eine weitere Möglichkeit Ranger*in bzw. Schutzgebietsbetreuer*in zu werden, ist die staatliche Anerkennung zum „Geprüften bzw. geprüfte Natur- und Landschaftspfleger*in“ (GNL). Es handelt sich hierbei um eine Fortbildung für Ausbildungsberufe wie Forst- oder Landwirt*innen. Ein Quereinstieg ist jedoch möglich.

Entwicklung des Ranger-Berufs in Brandenburg

Historie: Naturschutz in Deutschland

Die Naturschutzbewegung in Deutschland entwickelte sich als Reaktion auf die starken Veränderungen der Landschaft durch die Bodenreformen und die Technisierung der Landnutzungen im 19. Jahrhundert. Die Bedrohung der Bestände wildlebender Tiere und Pflanzen drang seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in das öffentliche Bewusstsein, nachdem zuvor eine verstärkte naturkundliche Heimatforschung eingesetzt hatte.

1898 erhob der Abgeordnete Wilhelm Wetekamp im preußischen Landtag die Forderung, Naturschutzparke beziehungsweise größere Schutzgebiete auszuweisen (Pflug 1969). Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstanden Flächenschutzgebiete an der Küste, wo Seevögel direkten menschlichen Verfolgungen ausgesetzt waren. Sie wurden bei Ausflugsfahrten von Gästen der Badeorte in großen Mengen geschossen und litten unter dem massenhaften Absammeln von Eiern durch die Küstenbevölkerung. Zu den ersten Seevogelschutzgebieten gehörten die Inseln Mellum und Memmert (Pflug 1969, Dominick 1992). Weitere Impulse erhielt der Flächennaturschutz durch den 1909 in München gegründeten Verein Naturschutzpark e.V., der sich für die Schaffung von Großschutzgebieten nach US-amerikanischem Vorbild einsetzte. Tatsächlich erreichte der Verein bereits 1911 die Ausweisung eines fast 200 Quadratkilometer großen Naturschutzparks in der Lüneburger Heide.

Mit der Entstehung dieser Flächenschutzgebiete stellte sich auch die Frage, wie sie betreut werden sollten. Innerhalb der Seevogelschutzgebiete wurde in der Regel zumindest während der Brutzeit eine Aufsicht durch Vogelwarte organisiert. Im Naturschutzpark Lüneburger Heide entstand mit der Heidewacht ab 1924 ein straff organisierter Dienst ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer*innen.

Neben der Vermittlung zwischen den Ansprüchen der Menschen und den Bedürfnissen der Natur führte die Heidewacht auch umfangreiche naturkundliche Erfassungen durch, die in jährlichen Berichten dokumentiert wurden (Duve 1924). Aufgrund der hohen Professionalität, die dieser Ranger-Dienst im Laufe der Zeit erreichte, hätte es nur noch eines kleinen Schrittes bedurft, um einige Mitglieder zu hauptamtlichen Schutzgebietsbetreuer*innen zu ernennen. Stattdessen wurde die Heidewacht jedoch 1934 unter nationalsozialistischem Einfluss aufgelöst, weil sie in enger Verbindung zur sozialdemokratischen Arbeiterbewegung stand (Lütkepohl u. Prüter 1998).

In den Jahrzehnten nach dem Ende des zweiten Weltkriegs führten die Entwicklung der Konsumgesellschaft und ein erheblicher Industrialisierungsschub erneut zu umfangreichen Veränderungen der Landschaft und vielfältigen Bedrohungen der wildlebenden Tier- und Pflanzenwelt. In Westdeutschland gingen durch die Flurbereinigungen zahlreiche Kleinstrukturen verloren. Der Übergang zur Großraumlandwirtschaft in der DDR hatte ähnliche Folgen. Die hohen Stickstoffeinträge durch eine intensive Düngung bewirkten eine großräumige Eutrophierung der Landschaft und der umfangreiche Einsatz von Pestiziden schränkte die Existenzmöglichkeiten für wildlebende Organismen zusätzlich ein. Darüber hinaus entstanden in Westdeutschland durch die Verdichtung des Verkehrsnetzes und die damit einhergehende Zerschneidung der Landschaft erhebliche Naturschutzprobleme. Negative Folgen hatte auch die Zersiedlung großer Regionen durch die Ausdehnung urbaner Zentren. In der DDR wurde die Renaissance der Braunkohleförderung Ende der 1970er Jahre zum besonders deutlichen Zeichen für die Ausbeutung der Natur. Die Anordnung über die Geheimhaltung von Umweltdaten von 1982 behinderte nicht nur den gesellschaftlichen Diskurs über Umweltprobleme, sondern auch die Diskussion über eine bessere Integration von Natur- und Umweltschutz in das wirtschaftliche Handeln (Behrens 2000).

In Westdeutschland hatten unter anderem die Bücher "Der stumme Frühling" von Rachel Carson (1962) und "Die Grenzen des Wachstums" vom Club of Rome (Meadows et. al. 1972) zu neuen Einsichten über die Bedrohung der natürlichen Artenvielfalt und die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen geführt. In dem 1970 gegründeten Nationalpark Bayrischer Wald wurde ab 1974 erstmals eine hauptamtliche Schutzgebietsbetreuung, die Nationalparkwacht, aufgebaut. Der weitaus größte Teil der Schutzgebiete Westdeutschlands blieb jedoch ohne hauptamtliche Betreuung und ihr Zustand verschlechterte sich zusehends. Eine 1988 veröffentliche Studie ergab, dass von 867 untersuchten Schutzgebieten 80% die Qualitätsanforderungen nicht mehr erfüllten (Haarmann & Pretscher). Die Frustration, die sich aufgrund dieser Situation innerhalb der Naturschutzbewegung breit machte, brachte der Zoologe Hermann Remmert in seinem 1988 erschienen Buch "Naturschutz" zum Ausdruck, worin es unter anderem heißt, dass jeder das Phänomen kennt, wie aus Naturschutzgebieten Müllplätze, Sportplätze, Bauplätze und Campingplätze wurden.

Die politische Wende in der DDR bewirkte auch eine Wende für den Flächennaturschutz in Deutschland. In einer enormen Anstrengung wurde zur Zeit der de Maiziere-Regierung ein Großschutzgebietsprogramm aus Nationalparken, Biosphärenreservaten und Naturparks entwickelt und in der letzten Sitzung des DDR-Ministerrats am 12.9.1990 verabschiedet. Es umfasste 9,6% des Staatsterritoriums (Behrens 2000).

Brandenburg entwickelte das Großschutzgebietssystem mit besonderer Weitsicht fort, weil dessen Chancen für die Erhaltung der Biodiversität, für die naturschonende Regionalentwicklung und die Stärkung des ländlichen Raums frühzeitig erkannt wurden. Inzwischen existieren 15 Großschutzgebiete, die fast 35 Prozent der Landesfläche umfassen. Als Eckpfeiler dieses Systems wurde mit den jeweiligen Großschutzgebietsverwaltungen eine professionelle Schutzgebietsbetreuung aufgebaut - die Naturwacht Brandenburg.


Ihr Kontakt

Britta SchmidtLeitung Naturwacht

Tel.: (0331) 97 164-790
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Ralf KlusmeyerMonitoring

Telefon: 0331 / 971 64 869
E-Mail schreiben

Johannes MüllerÖffentlichkeitsarbeit Naturwacht

Telefon: 0331 / 971 64 810
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Moritz DetelUmweltbildung / BNE

Telefon: 0331 /  97 164 792
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