Naturwacht BrandenburgMittler zwischen Mensch und Natur
Rangerinnen und Ranger gibt es weltweit und seit 1991 auch im Land Brandenburg. Als Mittler zwischen Mensch und Natur haben sie alle die gemeinsame Aufgabe, Naturschätze zu bewahren und sich für eine intakte Umwelt einzusetzen.
Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht arbeiten auf rund 9.750 Quadratkilometern, also einem Drittel der Landesfläche Brandenburgs, als Mittler*innen zwischen Mensch und Natur. Sie setzen in 15 Nationalen Naturlandschaften – einem Nationalpark, drei Biosphärenreservaten und elf Naturparken – zahlreiche Natur- und Artenschutzmaßnahmen um und kontrollieren deren Erfolg. Sie erfassen Daten zu Tier- und Pflanzenbeständen sowie zu Lebensräumen und wecken mit ihren Umweltbildungsangeboten Interesse für den Natur- und Umweltschutz. Die Naturwacht stimmt sich eng mit der Verwaltung des Landesamtes für Umwelt (LfU) sowie dem Umweltministerium ab. Seit 1997 arbeitet die Naturwacht unter dem Dach der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg.
Arbeitsschwerpunkte der Naturwacht
Schutzgebietsbetreuung
Die 90 Ranger*innen der Naturwacht Brandenburg arbeiten als Mittler zwischen Mensch und Natur. Sie sind ansprechbar für alle, die in den Nationalen Naturlandschaften leben, arbeiten oder zu Gast sind. Nachfolgend erfahren Sie mehr über ihre Arbeitsschwerpunkte im Rahmen der Schutzgebietsbetreuung.
Arten- und Biotopschutz
Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit und eine besonders wichtige Aufgabe der Großschutzgebiete. Viele Tierarten benötigen für ihre Fortpflanzung besonderen Schutz vor Störungen, zum Beispiel vor freilaufenden Hunden oder Motorbooten. Darüber klärt die Naturwacht im Rahmen ihrer Gebietskontrollen auf.
Außerdem führt sie zahlreiche Einzelmaßnahmen durch, um Vorkommen seltener Arten zu sichern. Ein Beispiel dafür ist die Wiesenweihe. Für diese in Agrarlandschaften brütende Greifvogelart ist eine erfolgreiche Fortpflanzung nur möglich, wenn die Nester frühzeitig entdeckt werden, weil sie ansonsten durch die landwirtschaftlichen Flächenbearbeitungen ungewollt zerstört würden. Die Naturwacht erkundet die Neststandorte und vereinbart Maßnahmen zum Schutz mit den betreffenden Landwirt*innen.
Einige Vogelarten können durch spezielle Nisthilfen gefördert werden. Dazu gehört die deutschlandweit vom Aussterben bedrohte Trauerseeschwalbe, die in unseren Gewässern keine ausreichenden natürlichen Brutmöglichkeiten mehr findet. Die Naturwacht legt deshalb in geeigneten Gewässern Brutflöße an und kann der Art dadurch wirksam helfen.
Brandenburgs Ranger*innen engagieren sich zudem für die Einrichtung und Sicherung von Fledermausquartieren, kontrollieren Otterdurchlässe, warten Fischaufstiegsanlagen und suchen gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten nach Lösungen bei Vernässungen durch Biberstaue. Für die Einrichtung und Betreuung von Amphibienzäunen mobilisieren sie zahlreiche ehrenamtliche Helfer*innen und nutzen diese Maßnahmen gleichzeitig zur Umweltbildung.
Partnernetzwerke sind entscheidend
Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut, aber auch andere seltene Pflanzenarten wie Prachtnelke, Kümmel-Silge, Teufelsabbiss oder Kuckucks-Lichtnelke sind auf eine Beweidung oder regelmäßige Mahd angewiesen, weil sie andernfalls von konkurrenzstarken Arten überwuchert und verdrängt werden. Früher haben Ziegen und Schafe aus den Dörfern die Flächen kurz gehalten oder Kaninchenzüchter, die regelmäßig mit der Sense Futter für ihre Tiere holten. Seit dem Ende dieser kleinteiligen Nutzung muss die regelmäßige Mahd für den Erhalt solcher bundesweit gefährdeten Arten anders organisiert werden. Hier arbeiten die Rangerinnen und Ranger vielerorts mit Partner*innen zusammen und stimmen ab, wann das Schneidwerk oder die Weidetiere auf den Flächen zum Einsatz kommen. Freiwillige sowie Schulklassen und die Junior Ranger unterstützen die Naturwacht regelmäßig bei der Mahd. In einigen Großschutzgebieten wie den Naturparken Uckermärkische Seen oder Stechlin-Ruppiner Land hat aufgrund dieser jahrelangen Pflege der Bestand an Orchideen wieder zugenommen. Regelmäßig bietet die Naturwacht auch Führungen zu dem Thema an.
Die Naturwacht pflegt zudem auch Kopfbäume und Streuobstwiesen, sie pflanzt Hecken und Landschaftsbäume. Dadurch werden Strukturelemente erhalten oder neu geschaffen, die zahlreichen Tierarten Lebensraum bieten. Gleichzeitig werden die Schönheit und die Erlebnisqualität der Landschaft gefördert.
Bei den Maßnahmen des Arten- und Biotopschutzes arbeitet die Naturwacht mit zahlreichen Partner*innen zusammen, mit denen gemeinsame Projekte entwickelt werden. Dazu gehören Landnutzer*innen, Wasser- und Bodenverbände, Landschaftspflegeverbände, Naturschutzverbände, Jäger*innen, Angler*innen und Ehrenamtliche.
Gebietskontrolle
Damit sich Besucher*innen und Bewohner*innen in den Großschutzgebieten wohlfühlen und um den Schutz von Tieren und Pflanzen zu gewährleisten, müssen Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen verhindert oder die Folgen beseitigt werden.
Die Naturwacht kontrolliert vor allem bekannte "Brennpunkte", zum Beispiel Stellen, an denen wiederholt Müll abgelagert wurde, und arbeitet dabei eng mit Polizei, Forstverwaltungen und Ordnungsämtern zusammen.
Kleinere Verstöße gegen gesetzliche Regelungen geschehen oft aus Unwissenheit. In solchen Fällen lässt sich die Situation durch ein klärendes Gespräch schnell bereinigen. Schwere Verstöße, wie zum Beispiel die Verschmutzung von Gewässern durch Abwassereinleitung, werden dagegen angezeigt.
Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht sind als Mittler zwischen Mensch und Natur darin geschult, auch in Konfliktsituationen angemessen zu reagieren. Die in den vergangenen Jahren rückläufige Anzahl der Verstöße kann als Erfolg ihrer Aufklärungsarbeit gewertet werden.
Vertragsnaturschutz
Nehmen Landwirtinnen und Landwirte auf Belange des Naturschutzes besondere Rücksicht, können sie Mittel des Vertragsnaturschutzes erhalten. 2022 hat die Naturwacht 164 Verträge im Rahmen dieses Vertragsnaturschutzes betreut. Der Abschluss der Verträge erfolgt durch die Verwaltungen der Großschutzgebiete.
Besucherservice
Die Informationszentren sind eine gute erste Anlaufstelle für Besucher*innen. Dort erfahren Sie mehr über das jeweilige Großschutzgebiet sowie die angebotenen Führungen und Exkursionen. Die Ranger*innen der Naturwacht begleiten jährlich rund 10.000 Gäste auf mehr als 500 geführten RangerTouren. Die aktuellen finden Sie im Veranstaltungskalender.
Kontakte der Naturwacht sowie alle Stützpunktadressen finden Sie hier.
Monitoring: regelmäßige und wiederholte Erfassung
Die Ranger*innen der Naturwacht Brandenburg erheben fortlaufend Daten. Diese regelmäßig wiederholte Erfassung gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume und auch abiotischer Parameter (Wasserstände, Wasserqualität) erfolgt nach standardisierter Methodik.
Gesetzliche Grundlagen
Naturschutzfachliches Monitoring ist im Bundesnaturschutzgesetz als Aufgabe von Bund und Ländern verankert: „Die Beobachtung dient der gezielten und fortlaufenden Ermittlung, Beschreibung und Bewertung des Zustands von Natur und Landschaft und ihrer Veränderungen einschließlich der Ursachen und Folgen dieser Veränderungen“ (§ 6 BNatSchG, Abs. 2).
In den Brandenburger Naturlandschaften weisen größere Bereiche einen europäischen Schutzstatus als Schutzgebiet nach EG-Vogelschutzrichtlinie bzw. nach EU Fauna-Flora-Habitat-Richtline (FFH) auf. Sie gehören zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Aus den Richtlinien ergeben sich auch für die Natura-2000-Gebiete Verpflichtungen zur regelmäßigen Datenerhebung, z.B. bei der Dokumentation des Erhaltungszustands und der regelmäßigen Berichtspflicht gegenüber der EU. Monitoring-Verpflichtungen ergeben sich zudem aus verschiedenen internationalen Konventionen (wie dem Übereinkommen über den Erhalt der Biologischen Vielfalt, der Ramsar-Konvention zum Schutz von Wasservogelrastplätzen oder der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten).
Der Naturwacht wurde für die FFH-Gebiete in den Großschutzgebieten die Betreuung übertragen. Die Rangerinnen und Ranger führen fortlaufend umfangreiche Erfassungen für die Dokumentation des Erhaltungszustands durch. Sie ermitteln nach wissenschaftlichen Standards, wie sich die Bestände bestimmter Tier- und Pflanzenarten sowie ganze Lebensräume entwickeln.
Methoden
Hellawell (1991) definiert Monitoring als "wiederholt (regelmäßig oder unregelmäßig) durchgeführtes Untersuchungsprogramm, das den Grad der Übereinstimmung mit einem vorher festgelegten Standard oder das Maß der Abweichung von einer erwarteten Norm ermittelt".
Monitoring für den Naturschutz bedeutet:
- "die wiederholte Erfassung des Zustandes von Natur und Landschaft oder deren Bestandteile sowie darauf einwirkender menschlicher Aktivitäten,
- das Wahrnehmen von Veränderungen und
- die Ausrichtung auf feste Zielsetzungen (z. B. als Grenzwert) oder Fragestellungen, die einen Anwendungsbezug haben" (Dröschmeister 1996)
Die Monitoring-Aufgaben werden generell mit standardisierten Methoden bearbeitet. Die methodischen Vorgaben lehnen sich an national und international gebräuchliche und anerkannte Verfahren an, um eine größtmögliche Vergleichbarkeit der erhobenen Daten zu gewährleisten. Dabei erfolgen ggf. Anpassungen der Standardmethodik an die Bedürfnisse der Naturwacht und des jeweiligen Auftrages. Anpassungen werden nur in Abstimmung mit den zuständigen Fachleuten im Landesumweltamt (LfU) durchgeführt.
Bereitsstellung der Daten
Die Datenhaltung erfolgt grundsätzlich digital. Die im Rahmen der Aufträge erfassten Parameter werden in die entsprechenden Datenerfassungssysteme übertragen. Aktuell werden folgende Systeme genutzt:
- Eigengestaltete QGiS-Layer
- Mit Lagedaten verknüpfte *xls-Tabellen
- Ornitho.de
- FloraDB
Eine vollständige Kompatibilität mit dem vom LfU genutzten zentralen Datenhaltungssystem MultibaseCS wird angestrebt.
Eine weitergehende Aufbereitung der Rohdaten ist prinzipiell möglich. Die Daten werden den auftraggebenden Personen im vorab vereinbarten Format übergeben. Eine parallele Datenhaltung erfolgt sowohl bei der betreffenden Naturwacht-Gruppe als auch bei der Naturwacht-Zentrale.
In Zukunft wird eine direkte digitale Erfassung in Handheld/Smartphone-Systeme immer wichtiger. Die Naturwacht prüft aktuell eine Erfassung im Rahmen der Gebietsbetreuung mit der frei programmierbaren App „ Cybertracker“.
Die beim Monitoring erhobenen Grundlagendaten werden benötigt, um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen. Daten über den Erhaltungszustand von Lebensräumen sowie Tier- und Pflanzenbeständen benötigt das Land Brandenburg zudem, um die Einhaltung seiner Verpflichtungen aus internationalen Abkommen belegen zu können.
Amphibien-Monitoring
Amphibien werden von der Naturwacht zum einen in den Laichgewässern erfasst. Dabei wird eine Standardmethodik mit mehreren Begehungen und einer Mischung aus Sichtbeobachtung, Verhören und Käschern angewandt, um möglichst effektiv das gesamte Artenspektrum erfassen zu können. Zudem werden Daten zum jeweiligen Gewässer gesammelt, um Aussagen zum Erhaltungszustand der Amphibien-Populationen treffen zu können. Erfasst werden Parameter wie pH-Wert, Größe des Gewässers sowie Beschattungsgrad und Flachwasseranteil, aber auch die Umgebung oder Wanderhindernisse wie Straßen.
Zum anderen werden Amphibien im Rahmen der Frühjahrswanderung, v.a. an den Amphibienschutzzäunen erfasst. Hier können Informationen über den Bestand und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen während der Amphibienwanderung gesammelt werden.
Die Betreuung von Amphibienschutzzäunen erfolgt häufig in enger Kooperation mit Freiwilligen der Naturwacht.
Biber-Monitoring
In allen Großschutzgebieten (GSG) erfolgt eine regelmäßige Erfassung von Aktivitätsnachweisen des Bibers (Burgen, Dämme, Sassen, Fraßspuren, Wechsel usw.). Die Daten fließen in die jährliche Revierübersicht des Landesamtes für Umwelt. Zudem stellen die Daten eine wichtige Grundlage für das Bibermanagement in den Großschutzgebieten dar. Das regelmäßige Monitoring ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen zukünftiger Problembereiche und das Erarbeiten von Vorschlägen zum konfliktfreien Nebeneinander von Biber und Landnutzung.
Dort, wo Probleme auftreten, helfen die Rangerinnen und Ranger den betroffenen Personen, indem sie beispielsweise Drainagen in den Biberdamm einsetzen oder diese ganz abbauen. Regelmäßig schützen die Naturwächter*innen auch wertvolle Bäume mit Schutzmatten vor der Fällung durch die größten einheimischen Nager. In sensiblen Bereichen wie Deichen können Biber auch umgesiedelt werden.
Fischotter-Monitoring
Die Erfassung von Aktivitätsnachweisen (Trittsiegel, Losung) des Fischotters an festgelegten Kontrollpunkten des IUCN-Monitorings (v.a. Brückenbauwerke) ermöglicht Aussagen zur Verbreitung und Bestandsdichte dieser schwer nachweisbaren Art. Zudem können auch mögliche Gefahrenpunkte wie Straßenquerungen identifiziert werden.
Aufgrund der guten Bestandszahlen und der nunmehr landesweiten Verbreitung des Fischotters, ist ein umfassendes Monitoring durch die Naturwacht aktuell nur noch im Einzelfall erforderlich.
Fledermaus-Monitoring
Fledermauskartierungen werden von der Naturwacht mit fünf unterschiedlichen Ansätzen durchgeführt. Sie erfolgen generell im Rahmen der landesweit koordinierten und standardisierten Fledermaus-Erfassungen.
- Kastenkontrollen: Es werden feste Kastenreviere (Gruppen von Fledermauskästen in Waldgebieten)regelmäßig auf das Vorkommen von Fledermäusen untersucht.
- Kontrolle Winterquartiere: Bekannte Winterquartiere wie umgebaute ehemalige Bunkeranlagen werden regelmäßig auf überwinternde Fledermäuse hin untersucht. Um die Winterquartiere möglichst attraktiv zu gestalten, werden regelmäßig Schäden behoben. Dies dient vor allem dazu, Ein- und Ausflug offen zu halten sowie Störungen durch Unbefugte zu verhindern. Wichtig ist zudem, die Quartiere frostfrei zu halten und Strukturen wie Hohlblocksteine zu installiert, in denen die Tiere hängen. Diese Baumaßnahmen kosten in der Regel wenig Geld, bringen jedoch sichtbare Effekte für den Schutz der Fledertiere. Deren Erfassungen führen die Rangerinnen und Ranger häufig gemeinsam mit Partner*innen durch.
- Kontrolle von Sommerquartiere und Wochenstuben in Gebäuden, beispielsweise in Dachböden älterer Häuser und Stallgebäude.
- Netzfänge: Gezielte Netzfänge von Fledermäusen in einem bestimmten Gebiet dienen ebenfalls dem Monitoring. Gelegentlich werden die Tiere dabei auch beringt oder mit einem Sender ausgestattet. Hierfür ist ein besonderer Sachkundenachweis erforderlich.
- Horchboxen: Die Naturwacht testet aktuell die Erfassung des Fledermaus-Artenbestandes über die automatisierte Auswertung sog. Horchboxen, die die artspezifischen Ultraschall-Lautäußerungen von Fledermäusen eines Gebietes automatisch erfassen.
Brutvogel-Monitoring
Systematische Brutvogelerfassungen werden von der Naturwacht zumeist für Arten des Anhangs 1 der Europäischen Vogelschutzrichtlinie in den festgelegten SPA-Gebieten (Special Protection Area, als Teil des Schutzgebietsnetzwerks Natura2000) durchgeführt. Die Erfassung erfolgt generell nach Methodenstandard (Südbeck et al. 2005). Die Daten gehen an die Vogelschutzwarte des Landes und bilden eine wichtige Grundlage für die von der EU geforderten regelmäßigen Berichte über den Zustand der SPA-Arten in den einzelnen SPA-Gebieten Brandenburgs.
Beispiele für von den Ranger*innen erfasste Arten sind Wachtelkönig und Rohrdommel. Die Rohrdommel lebt recht heimlich in breiten Schilfgürteln. Die Rangerinnen und Ranger erfassen sie daher anhand ihres eindringlichen Rufs. Das tiefe „Uh-Hump“, das der Rohrdommel den Beinamen Moorochse einbrachte, lässt sich über fünf Kilometer weit vernehmen. Bei größeren oder benachbarten Gewässern wird die Rohrdommel daher durch Synchronzählung durch mehrere Ranger*innen erfasst. Die Männchen verteidigen vergleichsweise große Reviere und können sich dort mit mehreren Weibchen verpaaren.
Wasservogel- und Rastvogelzählung
Die Zählungen von Wasservögeln und Rastvögeln werden mit einheitlicher Methodik und an festen Zählplätzen an den vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) bundesweit vorgegebenen und international abgestimmten monatlichen Terminen durchgeführt – zumeist im Winterhalbjahr. Die Daten werden systematisiert an den Koordinator der Wasservogelzählung in Brandenburg übermittelt und finden Eingang in den jährlichen Bericht des DDA.
Die Erfassung Tausender Gänse auf großen Gewässern wie dem Gülper See im Naturpark Westhavelland erfordert viel Erfahrung. Die Rangerinnen und Ranger nutzen für die Zählung zwar Ferngläser und Spektive, in der Morgendämmerung sind jedoch Saat-, Bless- und Graugänse nur mit geübtem Auge zu unterscheiden, wenn diese zusammen auf dem Gewässer sitzen. Die Zählung selbst erfolgt in Clustern von etwa 20 gut sichtbaren Tieren. Anschließend wird abgeschätzt, aus wie vielen Clustern der Schwarm besteht. Erfahrene Ranger*innen und Ornithologen können mit dieser Methode häufig sehr genau auch sehr große Ansammlungen von Gänsen oder Kranichen zählen.
Punkt-Stopp-Zählungen / Linienkartierung
Bei diesen verbreiteten Standardmethoden zur Erfassung mittelhäufiger bis häufiger Brutvogelarten in der Normallandschaft auf festgelegten Routen in einem bestimmten Gebiet werden alle festgestellten Vögel erfasst. Mitunter ergänzen die Ranger*innen auch Angaben zur Aktivität der gesichteten Tiere wie „Vogel singt“ oder „trägt Futter“. Die Erfassung wird auf exakt derselben Route in regelmäßigen Abständen (z.B. alle zwei Wochen) im Frühjahr mehrere Male wiederholt. Über Jahre entstehen so Datenreihen über das Vorkommen typischer Vogelarten in einem Gebiet, die gut zu vergleichenden Auswertungen genutzt werden können.
Käfer-Monitoring
Die Erfassung holzbewohnender Käfer durch die Naturwacht erfolgt in erster Linie durch den Nachweis von Habitatbäumen mit geeigneten Lebensraumstrukturen für die Zielarten Heldbock, Eremit und Hirschkäfer. Ein direkter Nachweis der Käfer durch Beobachtungen von Vollinsekten bzw. Larven oder den Fund von Körperresten bzw. Kot wird als Zufallsbeobachtung eingestuft, da die technischen Möglichkeiten zur systematischen Durchsuchung von z.B. Mulmhöhlen fehlen.
Tagfalter-Monitoring
Die Naturwacht ist in mehreren Gebieten in das Tagfaltermonitoring des UFZ (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) eingebunden. Die Sichterfassung der Falter erfolgt nach standardisierter Methodik entlang von festgelegten Routen. Die Ranger*innen müssen bei dieser Erfassung darauf achten, dass es im Untersuchungsgebiet für bestimmte Arten nicht zu kalt, heiß oder windig ist. Entlang eines festgelegten Transektes (Satz von Mess- bzw. Beobachtungspunkten) werden alle Arten notiert. Auch Futterpflanzen werden auf Raupen oder Eier hin untersucht.
Pflanzen-Monitoring
Einige landesweit bedeutsame Vorkommen von Pflanzenarten (z.B. Orchideen) werden von der Naturwacht regelmäßig aufgesucht, ihre Bestände gezählt und Aussagen zum Zustand der Populationen, zur Wirksamkeit von Pflegemaßnahmen und zu möglichen weiteren bestandsstützenden Maßnahmen getroffen. Z.T. wurden auch Dauerflächen eingerichtet, in denen regelmäßig der gesamte Artenbestand inklusive Deckungsgrad erfasst wird.
Biotopkartierung
In jedem Großschutzgebiet ist mindestens ein Ranger oder eine Rangerin als Biotopkartierer*in zertifiziert. Diese Naturwächter*innen führten im Rahmen der FFH-Managementplanung seit 2009 für ca. 30 FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat Gebiete des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000) umfangreiche Biotopkartierungen nach dem Landesstandard der Brandenburgischen Biotopkartierung (BBK) durch.
Nach Vorlage der abgeschlossenen Managementplanung als „status quo“ sollen von der Naturwacht in der Zukunft Änderungen im Erhaltungszustand durch die Methode der Biotopkartierung im Rahmen der Gebietskontrollen systematisch festgehalten werden.
Erfassung Pegel
Systematische Pegelablesungen spielen in vielen Großschutzgebieten eine wichtige Rolle in der Naturwacht-Arbeit. Mehr als 800 Pegel betreuen die Ranger*innen im ganzen Land im Jahr 2019. Die Daten reichen teilweise über 20 Jahre zurück und bilden eine wertvolle Grundlage für die Bewertung des Landschaftswasserhaushaltes. Auch lassen sie Rückschlüsse zu auf regionale Veränderungen im Rahmen des Klimawandels oder aber die Folgen lokaler Veränderungen z.B. durch die Umsetzung von wasserbaulichen Maßnahmen. Neben Oberflächenpegeln, lesen die Rangerinnen und Ranger auch Grundwasserpegel mit einem Lichtlot ab. Einige Messstellen sind mittlerweile mit automatischen Datenloggern ausgestattet.
FFH-Gebietskontrollen
Der Naturwacht wurde für die FFH-Gebiete in den Großschutzgebieten die Betreuung übertragen. Nach Vorlage der abgeschlossenen Managementplanung als „status quo“ sollen von der Naturwacht in der Zukunft Änderungen im Erhaltungszustand systematisch festgehalten werden.
Die Rangerinnen und Ranger dokumentieren dazu fortlaufend Abweichungen vom festgestellten Zustand. Zusätzlich werden Ergebnisse aus naturkundlichen Erfassungen sowie Zufallsbeobachtungen dokumentiert und Vorschläge für die weitere Gebietsentwicklung (auch aus Gesprächen mit Landnutzer*innen und Anwohner*innen) abgeleitet. Eine Datenbank zur Aufarbeitung und Dokumentation befindet sich aktuell in der Abstimmung. Die Daten können eine wichtige Rolle für die von der EU geforderten regelmäßigen Berichte zum Zustand der FFH-Gebiete spielen.
Nicht zuletzt verschaffen sich die Rangerinnen und Ranger durch Monitoring-Tätigkeiten auch selbst tiefergehende Kenntnisse über Tier- und Pflanzenarten und Entwicklungen in den Schutzgebieten. Dieses Fachwissen kommt den Naturwächter*innen auch bei Führungen mit Besucher*innen zugute und in der Bildungsarbeit mit Schul- und Kitakindern.
Bildung für nachhaltige Entwicklung
Mit ihren Bildungsangeboten ist die Naturwacht Teil des Netzwerkes der regionalen Bildungslandschaften einer nachhaltigen Entwicklung, BNE. Die Rangerinnen und Ranger setzen den gesetzlichen Auftrag der naturkundlichen Bildung und der Bildung für einen nachhaltige Entwicklung in 15 Nationalen Naturlandschaften Brandenburgs um.
Sie sensibilisieren und begeistern Einheimische und Gäste für den Erhalt und Schutz der biologischen Vielfalt und den schonenden Umgang mit Ressourcen. Aufgrund ihrer Erfahrungen aus allen Arbeitsfeldern der Schutzgebietsbetreuung fließen besondere Fach- und Ortskenntnisse in die Bildungsangebote ein und bieten damit einzigartige Bildungserlebnisse.
Kinder und Jugendliche können über das BNE-zertifizierte Junior-Ranger-Programm und das Erlebnis-Vielfalt-Programm die elf Naturparke, drei Biosphärenreservate und den Nationalpark Unteres Odertal erleben und die biologische Vielfalt Brandenburgs erforschen.
Das Junior-Ranger-Programm
Junior Ranger
Die Nationalen Naturlandschaften Brandenburgs mit ihren außergewöhnlichen und schützenswerten Naturausstattungen sind die Lern- und Erlebnisorte der Junior Ranger*innen. Gemeinsam mit den Rangerinnen und Rangern der Naturwacht Brandenburg gehen sie auf Tour, lernen Lebensräume und Arten kennen und setzen sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt und Ressourcensicherheit ein.
Das Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren, die sich längerfristig und intensiv mit den Schutzgebieten und den Fragen einer nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen wollen. Die regionalen Junior-Ranger-Gruppen treffen sich regelmäßig, sind Teil des großen bundesweiten Junior-Ranger-Programms und vernetzen sich auf Camps mit Junior Ranger*innen aus anderen Nationalparken, Biosphärenreservaten und Naturparken. Die ersten Gruppen hat die Naturwacht bereits 1994 aufgebaut und entwickelt das Programm ständig weiter.
Volunteer Ranger
Jugendliche ab 14 Jahren können sich zusätzlich im Rahmen des Junior-Ranger-Programms als Volunteer Ranger*innen qualifizieren. Sie übernehmen vermehrt eigenverantwortlich Projekte aus dem Aufgabenbereich der Rangerinnen und Ranger. Dies kann die Mitarbeit an einfachen Naturschutzmaßnahmen oder aber die Begleitung von Bildungsangeboten für Kinder umfassen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, sich im Netzwerk des bundesweiten Junior-Ranger-Programms von Nationale Naturlandschaften e.V. zu engagieren und an den bundesweiten Jugend-Akademien teilzunehmen.
Die Ansprechpartner*innen
Ihr Kontakt zu den Junior-Ranger-Betreuer*innen in den Brandenburger Naturlandschaften.
Das Erlebnis-Vielfalt-Programm
Ob auf Entdeckungstour im Hute-Eichenwald, zu Besuch bei "Herrn Lumbricus" oder auf den Spuren von "Holla, die Waldfee" - die Bildungsmodule des Erlebnis-Vielfalt-Programms lassen Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 18 Jahre die biologische Vielfalt entdecken und sensibilisieren für den Schutz und Erhalt der Natur. Durch die Verknüpfung des Erlebten mit den dringenden Nachhaltigkeitsthemen wie Klimawandel, Ressourcenschutz und globale Gerechtigkeit erwerben die Teilenehmenden Kompetenzen zum resilienten Umgang mit den Herausforderungen einer nachhaltigen Gesellschaft.
Insgesamt sind es 53 Bildungsangebote rund um die biologische Vielfalt und eine nachhaltige Entwicklung in Brandenburg. Diese erprobten Angebote liegen auch in gedruckter Form vor. Sie sind ausführlich beschrieben und können untereinander kombiniert werden. Die ErlebnisVielfalt-Ordner stehen in den Naturwacht-Stützpunkten zur Einsicht und Ausleihe bereit. Die umfangreiche Sammlung können Sie auch direkt online durchstöbern.
Das Programm richtet sich an Einrichtungen der formalen und non-formalen Bildung wie z.B. Kindertagesstätten, Schulen, Horte, Schullandheimen und Waldschulen. Es umfasst zwei- bis vierstündige Projektmodule, Angebote für Projekttage und Projektwochen. Kurz: Das Erlebnis-Vielfalt-Programm ist eine gute Ergänzung der schulischen Bildung im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung und ist Teil des Bildungsnetzwerkes in Brandenburg.
Ein Beispiel für einen besonderen Lernort
Erlebnis- und Lernorte haben eine große Bedeutung in der Bildungsarbeit. Sie ermöglichen intensives Erleben, Ausprobieren, Beobachten und nachhaltige Erfahrungen, die das Leben prägen. Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht sehen sich dabei als Begleiter*innen der jungen Generation auf ihrem Weg zu aktiven Persönlichkeiten. Ein Tag in der Natur öffnet tatsächlich neue Welten. Das zeigt nicht zuletzt das folgende Beispiel: die Baggerkuhle im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe.
Fernab allen Besuchertrubels im Biosphärenreservat liegt versteckt am Rande eines Gewerbegebiets ein kleines Refugium. An der stillgelegten Baggerkuhle inmitten einer Brachfläche und ehemaliger Industrie scheint der Alltag ausgebremst. Stille erfüllt diesen Ort, mal ganz abgesehen vom Blätterrauschen, Froschquaken und munterem Vogelgezwitscher. Ein buntes Mosaik aus Feucht- und Trockenlebensräumen
Nur einmal in der Woche wird es laut, wecken lebhafte Abenteurer*innen, unermüdliche Forscher*innen und unbändige Entdecker*innen die Sandkuhle aus dem Dornröschenschlaf. An ihrem Grund ein Tümpel mit magischer Anziehungskraft. "Keschern wir heute?" Natürlich, was für eine Frage. Auf dem kurzen Fußweg von der Schule zum Biotop fragen 19 kleine Plappermäuler unzähligen Fragen: Sind aus den Kaulquappen Frösche geworden, wer wird die meisten Teichmolche fangen und bauen wir Flöße?
Angekommen heißt es Kescher greifen, Gläser schnappen, Lupenbecher mit Wasser füllen. Bald tummeln sich unzählige Libellenlarven, Gelbrandkäfer, Stabwanzen, Rückenschwimmer und Schlammschnecken in Untersuchungsschalen und Einmachgläsern. Das Prachtexemplar eines medizinischen Blutegels wird sogleich unter faszinierten Blicken mit großer Experimentierfreude angesetzt.
Einige Kinder haben sich für den Bau von Holzflößen entschieden und wollen Wettrennen veranstalten. Am Hang arbeiten andere mit Spaten und Hacke am Wiederaufbau der Steilwand für Uferschwalben oder stellen ihr Geschick am Flechtzaun unter Beweis. Wieder andere zimmern an ihrer Bude aus Ästen und Zweigen der umliegenden Krüppelkiefern. Allenthalben geschäftiges Treiben.
Seit Jahren entdecken, erforschen, beobachten und betreuen Kinder der Grundschule das bunte Mosaik aus Feucht- und Trockenlebensräumen. Bei ihren Langzeitbeobachtungen erschließen sie sich spielerisch komplexe Zusammenhänge. Am "Tag der offenen SchulTür" staunen Eltern, wenn ihre Töchter und Söhne den Lebenszyklus der Libellen wie selbstverständlich erklären. Ist doch ganz einfach: Eier ins Wasser gelegt, es schlüpfen Larven, die wohnen als Räuber im Wasser und nach eins, zwei Jahren verwandeln sie sich in prachtvolle Fluginsekten. Tiefrot und himmelblau ...
Führungen & Vorträge
Die Naturwächter*innen begleiten jährlich rund 7.500 Gäste auf mehr als 400 geführten RangerTouren durch die Großschutzgebiete des Landes. Durch spezielle Veranstaltungsangebote wie Konzertfrühling, Lange Naturwacht-Nacht oder Führungen zum Großen Vogelzug verschafft die Naturwacht verschiedensten Besuchergruppen eindrucksvolle Naturerlebnisse. Sie vermitteln Wissen zu Arten und Lebensräumen sowie Schutzmaßnahmen und leistet damit wichtige Beiträge zur Stärkung des Tourismus in den Großschutzgebieten. Alle RangerTouren auf einen Blick finden Sie im Veranstaltungskalender.
Präsenz auf Messen & Festen
Auch auf überregionalen Veranstaltungen, wie der Internationalen Tourismus Börse und der Internationalen Grünen Woche in Berlin, werben die Ranger*innen für einen nachhaltigen Tourismus. Besonders wichtig ist der Naturwacht der Kontakt mit den Bewohner*innen der Schutzgebiete. Erfahrungsgemäß kommt man in der zwanglosen Atmosphäre auf regionalen Festen besonders gut miteinander ins Gespräch. Deshalb sind die Rangerinnen und Ranger bei solchen Anlässen häufig mit Infoständen vertreten.
Freiwillige bei der Naturwacht
Mit dem Freiwilligenprojekt, das seit 2003 gemeinsam mit dem Verband EUROPARC Deutschland entwickelt wird, möchte die Naturwacht Bürgerengagement für die Großschutzgebiete mobilisieren. Aktuell sind mehr als 350 freiwillige Helferinnen und Helfer bei der Naturwacht Brandenburg registriert. Sie helfen der Naturwacht beim Bau von Amphibienzäunen und der Pflege von Orchideenwiesen, wirken bei naturkundlichen Daueruntersuchungen wie den regelmäßigen Wasservogelzählungen mit und bringen sich bei der Kinder- und Jugendarbeit ein. Zum Jahresende richtet jedes Naturwacht-Team eine Dankveranstaltung für "ihre" Freiwilligen aus. Einmal im Jahr findet auch eine gemeinsame große Dankveranstaltung statt.
Aufgaben der Freiwilligen
Ohne Freiwillige wäre die Umsetzung zahlreicher Projekte in der jetzigen Form nicht möglich. Wer die Natur noch intensiver entdecken und sich für ihre Zukunft engagieren möchte, ist herzlich willkommen. Die Aufgaben sind vielfältig und natürlich auch vom Gebiet abhängig. Die Koordinatoren für das Freiwilligenprogramm helfen Ihnen gern dabei, Aufgaben zu finden, die Ihren Neigungen entsprechen. Dies sind nur einige der möglichen Einsatzbereiche:
Praktischer Arten- und Biotopschutz
- Auf- und Abbau sowie Kontrolle von Amphibienzäunen
- Wiesenmahd
- Baum- und Heckenpflanzungen und -pflege
Naturkundliche Beobachtungen
- Unterstützung bei der Erfassung von Pflanzen und Tieren
- Mitarbeit in Forschungsprojekten
Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung
- Begleitung von Exkursionen
- Betreuung von Besucherinformationszentren
- Betreuung von Kinder- und Jugendgruppen
- Fotografie
Pflege von Besuchereinrichtungen
- Instandhaltung von Lehrpfadstationen und Wanderrastplätzen
- Beschilderung überprüfen
- Erarbeitung von Wanderrouten
Bürotätigkeiten
- Eingabe und –auswertung von Daten
- Pressearbeit
- Archivbetreuung
Übrigens: Während ihrer Einsätze erhalten sie einen Unfallversicherungsschutz. Sie haben Interesse am Freiwilligenprogramm? Dann kontaktieren Sie bitte die oder den zuständigen Freiwilligenkoordinator*in in Ihrem Großschutzgebiet.
Einsätze von Unternehmen
Ein besonderes Angebot der Naturwacht richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen, die ihren Teamtag einer guten Sache widmen und das Ranger-Team als Freiwillige unterstützen. Solche Unternehmenseinsätze finden derzeit regelmäßig im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und im Naturpark Barnim statt.
Wenn Sie näher an diesem Thema interessiert sind, setzen Sie sich gern mit uns in Verbindung.
Rangerinnen und Ranger weltweit
Überall auf der Welt setzen sich Rangerinnen und Ranger für den Erhalt einer intakten Umwelt, für die biologische Vielfalt ein. Die Ranger-Teams der einzelnen Staaten haben sich meistens in nationalen Verbänden organisiert. Auf Bundesebene ist das zum Beispiel der Bundesverband der Naturwacht e.V..
Die nationalen Verbände haben die International Ranger Federation, IRF, gegründet. "Ein Planet, eine Zukunft, eine Verantwortung – Ranger*innen ohne Grenzen" lautet das Motto dieser weltweiten Dachorganisation. Es ist auch unser, denn wir sind überzeugt: In einer Zeit zunehmender Globalisierung ist es entscheidend, dass die Verantwortung aller Menschen für die Bewahrung unseres Planeten zunehmend ins Bewusstsein gerät. Auch in diesem Sinne sind wir Mittler zwischen Mensch und Natur.
World Ranger Day
Ranger*innen gibt es weltweit und seit 1991 auch in Brandenburg. Alle verbindet die Aufgabe, Naturschätze zu bewahren und sich für eine intakte Natur einzusetzen. Der World Ranger Day am 31. Juli ist deshalb ein Tag der Würdigung der weltweiten Gemeinschaft von rund 285.000 Ranger*innen und ihres täglichen Einsatzes für den Erhalt und Schutz der Natur. Ausgerufen hat diesen Tag die International Ranger Federation, IRF, bereits 2007.
Die Naturwacht Brandenburg versteht sich als Teil der internationalen Ranger-Gemeinschaft. Zum World Ranger Day erklären unsere Kolleg*innen im Rahmen von Führungen ihre Aufgaben hierzulande und die der Ranger*innen in anderen Teilen der Welt. Erfahren Sie mehr über den World Ranger Day in Brandenburg.
Austauschprogramm mit Israel
Die Naturwacht Brandenburg versteht sich als Teil der internationalen Ranger-Gemeinschaft - den Austausch mit Rangern aus Israel zu unterstützen und mit Leben zu füllen, passt in dieses Selbstverständnis. Die Idee, ein Austauschprogramm zwischen deutschen und israelischen Rangern aufzubauen, entstand bereits 2016 auf dem Welt-Ranger-Kongress der IRF in Colorado. Im Mai 2018 fand der erste Besuch einer israelischen Delegation in der Hauptstadtregion statt, auch Kolleginnen und Kollegen aus Brandenburg waren bereits mehrfach in Israel zu Gast - zuletzt Anfang 2023. Lesen Sie mehr über dieses Austauschprogramm.
Hintergrund und Ausbildung
Die Naturwacht Brandenburg startete am 1. Oktober 1991 als Arbeits-Beschaffungs-Maßnahme (ABM), die von der Bundesanstalt für Arbeit finanziert wurde und zeitweise über 200 Mitarbeiter umfasste. Aktuell verfügt die Naturwacht Brandenburg über 95 Stellen (Stand September 2021). Sie hat sich zu einer modernen Naturschutzorganisation entwickelt, die sich als professioneller Mittler zwischen den Ansprüchen der Menschen und den Bedürfnissen der Natur versteht.
Rangerausbildung heute
Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde bietet innerhalb des Studiengangs Landschaftsnutzung und Naturschutz eine Vertiefung Schutzgebietsbetreuung an, die als Berufsziel die Tätigkeit als Ranger*in anvisiert.
Die Hochschule betont dabei, dass Studierende, die sich für diese Vertiefung entscheiden, als Praktiker*innen mit sowohl umfangreichen Methodenkenntnissen als auch mit Kompetenzen im Umgang mit Interessenvertreter*innen ausgebildet werden.
Die vier Vertiefungsthemen sind
- Artenschutz, Landschaftspflege und Monitoring
- Kontrolle der Einhaltung gesetzlicher Regelungen
- Bildung, Besucherbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit
- Bau und Instandhaltung der touristischen und naturschutzrelevanten Infrastruktur.
Ein Berufspraktikum, Exkursionen und Projektarbeiten sind im Laufe des Studiums vorgesehen. Die Naturwacht Brandenburg bietet hierfür regelmäßig Möglichkeiten.
Der Studiengang Landschaftsnutzung und Naturschutz umfasst sechs Semester und führt zum Abschluss Bachelor of Science (B. Sc.). Studienort ist Eberswalde. Bewerbung zum Studiengang ist vom 1. Juni bis zum 15. Juli des jeweiligen Jahres möglich.
Alternative zum Studium: Geprüfte Natur- und Landschaftspfleger
Eine weitere Möglichkeit Ranger*in bzw. Schutzgebietsbetreuer*in zu werden, ist die staatliche Anerkennung zum „Geprüften bzw. geprüfte Natur- und Landschaftspfleger*in“ (GNL). Es handelt sich hierbei um eine Fortbildung für Ausbildungsberufe wie Forst- oder Landwirt*innen. Ein Quereinstieg ist jedoch möglich.
Entwicklung des Ranger-Berufs in Brandenburg
Für die Qualifizierung der Mitarbeitenden, die aus den unterschiedlichsten Berufen stammten, vielfach jedoch über Erfahrungen im ehrenamtlichen Naturschutz verfügten, wurden Anfang der 1990er Jahre Mittel des Europäischen Sozialfonds eingesetzt. Für die Konzeptentwicklung nahm man Kontakt mit dem Nationalpark Bayrischer Wald auf, in dem seit 1974 die erste und lange Zeit einzige hauptamtliche Naturwacht in einem deutschen Großschutzgebiet tätig war.
Während der dreijährigen ABM absolvierten die Naturwächter eine 1.000-stündige Fortbildung und erhielten danach sogenannte Naturwacht-Zertifikate. Für die nächsten vier Jahre wurde die Naturwacht als Maßnahme nach § 249 h des Arbeitsfördergesetzes (AfG) weiterfinanziert. Ende 1997 übernahm schließlich die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg die Trägerschaft. Über 100 Mitarbeiter erhielten jetzt unbefristete Arbeitsverträge. Die Finanzierung erfolgt im Wesentlichen durch eine Landeszuwendung.
Ein Beruf im Wandel
Die wesentlichen Kenntnisse und Fertigkeiten, die zum Naturwacht-Berufsbild gehören, konnten in den bundesweit anerkannten Fortbildungsberuf "staatlich geprüfter bzw. geprüfte Natur- und Landschaftspfleger*in" integriert werden. Mittlerweile gibt es an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde mit dem Studiengang „Landschaftsnutzung und Naturschutz“ eine passgenaue Ausbildung für den Ranger-Beruf. Dies trägt zu einer weiteren Professionalisierung der Naturwacht in Brandenburg und zunehmend auch anderen Bundesländern bei.
Inzwischen haben sich die Betreuer*innen der deutschen Großschutzgebiete zum Bundesverband der Naturwacht zusammengeschlossen, der Mitglied der internationalen Ranger-Förderation (IRF) ist und jährliche Treffen veranstaltet. Dadurch hat sich ein nationaler und weltweiter Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen Schutzgebietsbetreuer*innen entwickelt.
Naturwacht heute
Aktuell verfügt die Naturwacht Brandenburg insgesamt über 95 Stellen (Stand September 2021). Sie hat sich zu einer modernen Dienstleistungsorganisation entwickelt, die sich als professioneller Mittler zwischen den Ansprüchen der Menschen und den Bedürfnissen der Natur versteht. Die Naturwacht wird durch eine Zuwendung des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg finanziert. Sie unterliegt der Fachaufsicht des Landesumweltamtes und arbeitet eng und partnerschaftlich mit den Großschutzgebietsverwaltungen zusammen, mit denen das Arbeitsprogramm in jährlichen fachlichen Rahmenplänen abgestimmt wird.
Jeweils ein bzw. eine Referent*in der Großschutzgebietsverwaltung ist als fachlicher Berater*in ständiger Ansprechpartner*in für die Naturwacht. Über Fragen grundsätzlicher Art, wie zum Beispiel die Entwicklung von Fortbildungsprogrammen, entscheidet ein Fachbeirat, der sich aus Mitarbeiter*innen des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt- und Verbraucherschutz, des Landesumweltamtes und des NaturSchutzFonds Brandenburg zusammensetzt.
Historie: Naturschutz in Deutschland
Die Naturschutzbewegung in Deutschland entwickelte sich als Reaktion auf die starken Veränderungen der Landschaft durch die Bodenreformen und die Technisierung der Landnutzungen im 19. Jahrhundert. Die Bedrohung der Bestände wildlebender Tiere und Pflanzen drang seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in das öffentliche Bewusstsein, nachdem zuvor eine verstärkte naturkundliche Heimatforschung eingesetzt hatte.
1898 erhob der Abgeordnete Wilhelm Wetekamp im preußischen Landtag die Forderung, Naturschutzparke beziehungsweise größere Schutzgebiete auszuweisen (Pflug 1969). Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstanden Flächenschutzgebiete an der Küste, wo Seevögel direkten menschlichen Verfolgungen ausgesetzt waren. Sie wurden bei Ausflugsfahrten von Gästen der Badeorte in großen Mengen geschossen und litten unter dem massenhaften Absammeln von Eiern durch die Küstenbevölkerung. Zu den ersten Seevogelschutzgebieten gehörten die Inseln Mellum und Memmert (Pflug 1969, Dominick 1992). Weitere Impulse erhielt der Flächennaturschutz durch den 1909 in München gegründeten Verein Naturschutzpark e.V., der sich für die Schaffung von Großschutzgebieten nach US-amerikanischem Vorbild einsetzte. Tatsächlich erreichte der Verein bereits 1911 die Ausweisung eines fast 200 Quadratkilometer großen Naturschutzparks in der Lüneburger Heide.
Mit der Entstehung dieser Flächenschutzgebiete stellte sich auch die Frage, wie sie betreut werden sollten. Innerhalb der Seevogelschutzgebiete wurde in der Regel zumindest während der Brutzeit eine Aufsicht durch Vogelwarte organisiert. Im Naturschutzpark Lüneburger Heide entstand mit der Heidewacht ab 1924 ein straff organisierter Dienst ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer*innen.
Neben der Vermittlung zwischen den Ansprüchen der Menschen und den Bedürfnissen der Natur führte die Heidewacht auch umfangreiche naturkundliche Erfassungen durch, die in jährlichen Berichten dokumentiert wurden (Duve 1924). Aufgrund der hohen Professionalität, die dieser Ranger-Dienst im Laufe der Zeit erreichte, hätte es nur noch eines kleinen Schrittes bedurft, um einige Mitglieder zu hauptamtlichen Schutzgebietsbetreuer*innen zu ernennen. Stattdessen wurde die Heidewacht jedoch 1934 unter nationalsozialistischem Einfluss aufgelöst, weil sie in enger Verbindung zur sozialdemokratischen Arbeiterbewegung stand (Lütkepohl u. Prüter 1998).
In den Jahrzehnten nach dem Ende des zweiten Weltkriegs führten die Entwicklung der Konsumgesellschaft und ein erheblicher Industrialisierungsschub erneut zu umfangreichen Veränderungen der Landschaft und vielfältigen Bedrohungen der wildlebenden Tier- und Pflanzenwelt. In Westdeutschland gingen durch die Flurbereinigungen zahlreiche Kleinstrukturen verloren. Der Übergang zur Großraumlandwirtschaft in der DDR hatte ähnliche Folgen. Die hohen Stickstoffeinträge durch eine intensive Düngung bewirkten eine großräumige Eutrophierung der Landschaft und der umfangreiche Einsatz von Pestiziden schränkte die Existenzmöglichkeiten für wildlebende Organismen zusätzlich ein. Darüber hinaus entstanden in Westdeutschland durch die Verdichtung des Verkehrsnetzes und die damit einhergehende Zerschneidung der Landschaft erhebliche Naturschutzprobleme. Negative Folgen hatte auch die Zersiedlung großer Regionen durch die Ausdehnung urbaner Zentren. In der DDR wurde die Renaissance der Braunkohleförderung Ende der 1970er Jahre zum besonders deutlichen Zeichen für die Ausbeutung der Natur. Die Anordnung über die Geheimhaltung von Umweltdaten von 1982 behinderte nicht nur den gesellschaftlichen Diskurs über Umweltprobleme, sondern auch die Diskussion über eine bessere Integration von Natur- und Umweltschutz in das wirtschaftliche Handeln (Behrens 2000).
In Westdeutschland hatten unter anderem die Bücher "Der stumme Frühling" von Rachel Carson (1962) und "Die Grenzen des Wachstums" vom Club of Rome (Meadows et. al. 1972) zu neuen Einsichten über die Bedrohung der natürlichen Artenvielfalt und die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen geführt. In dem 1970 gegründeten Nationalpark Bayrischer Wald wurde ab 1974 erstmals eine hauptamtliche Schutzgebietsbetreuung, die Nationalparkwacht, aufgebaut. Der weitaus größte Teil der Schutzgebiete Westdeutschlands blieb jedoch ohne hauptamtliche Betreuung und ihr Zustand verschlechterte sich zusehends. Eine 1988 veröffentliche Studie ergab, dass von 867 untersuchten Schutzgebieten 80% die Qualitätsanforderungen nicht mehr erfüllten (Haarmann & Pretscher). Die Frustration, die sich aufgrund dieser Situation innerhalb der Naturschutzbewegung breit machte, brachte der Zoologe Hermann Remmert in seinem 1988 erschienen Buch "Naturschutz" zum Ausdruck, worin es unter anderem heißt, dass jeder das Phänomen kennt, wie aus Naturschutzgebieten Müllplätze, Sportplätze, Bauplätze und Campingplätze wurden.
Die politische Wende in der DDR bewirkte auch eine Wende für den Flächennaturschutz in Deutschland. In einer enormen Anstrengung wurde zur Zeit der de Maiziere-Regierung ein Großschutzgebietsprogramm aus Nationalparken, Biosphärenreservaten und Naturparks entwickelt und in der letzten Sitzung des DDR-Ministerrats am 12.9.1990 verabschiedet. Es umfasste 9,6% des Staatsterritoriums (Behrens 2000).
Brandenburg entwickelte das Großschutzgebietssystem mit besonderer Weitsicht fort, weil dessen Chancen für die Erhaltung der Biodiversität, für die naturschonende Regionalentwicklung und die Stärkung des ländlichen Raums frühzeitig erkannt wurden. Inzwischen existieren 15 Großschutzgebiete, die fast 35 Prozent der Landesfläche umfassen. Als Eckpfeiler dieses Systems wurde mit den jeweiligen Großschutzgebietsverwaltungen eine professionelle Schutzgebietsbetreuung aufgebaut - die Naturwacht Brandenburg.
Downloads
- Jahresbericht der Naturwacht Brandenburg 2024 (PDF-Datei)
- Flyer Naturwacht Brandenburg (dt.)
- Flyer Rangers of Brandenburg (engl.)
Ihr Kontakt
Britta SchmidtLeitung Naturwacht
Tel.: (0331) 97 164-790
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Ralf KlusmeyerMonitoring
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Johannes MüllerÖffentlichkeitsarbeit Naturwacht
Telefon: 0331 / 971 64 810
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Moritz DetelUmweltbildung / BNE
Telefon: 0331 / 97 164 792
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