Weidelandschaft MeuroVon der Abraumkippe zum artenreichen Offenland
Eine ihrer ersten Flächen erwarb die Stiftung 2002 im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Rahmen der Kompensationsverpflichtungen für den Lausitzring: die „Bergbaufolgelandschaft Meuro“, eine Abraumkippe des Tagebaus Meuro.
Zuvor hatte die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) die rund 300 Hektar große Fläche am Südufer des Großräschener Sees saniert: Die vorhandenen Sandmassen wurden zu einer fast lieblich anmutenden Hügellandschaft mit eingestreuten Kleingewässern modelliert, kulturfähiger Oberboden und blütenreiche Saatgutmischungen ausgebracht, Hecken und Solitärbäume gepflanzt. Auch erste Sonderbiotope wie Totholz- und Lesesteinhaufen wurden angelegt. Heute handelt es sich um eine der wenigen großen, zusammenhängenden und unzerschnittenen Offenlandschaften in der Region mit Hügeln, Tälern, Kleingewässern und feuchten Senken sowie kleinflächigen Aufforstungs- bzw. Sukzessionsflächen. Die Stiftungsfläche ist Teil des EU-Vogelschutzgebietes „Lausitzer Bergbaufolgelandschaft“.
Beweidung für die Artenvielfalt
Um das Gebiet zu pflegen und zu entwickeln, setzt die Stiftung inzwischen auf eine ganzjährige, extensive Beweidung mit robusten Rinder- und Pferderassen und arbeitet auf rund 215 Hektar eng mit einem lokalen Landwirtschaftsbetrieb zusammen. Ziel der „Weidelandschaft Meuro“ ist es, den Zustand wertvoller Offenlandlebensräume zu verbessern und damit europaweit geschützte und deutschlandweit bedrohte Vogelarten wie Braunkehlchen, Steinschmätzer, Wiedehopf oder Sperbergrasmücke zu fördern. Seit 2023 weiden robuste Herford-Rinder auf der Fläche, ein Jahr später kam eine kleine Herde Konikpferde dazu, die die Stiftung im Rahmen des Projekts für den Landwirtschaftsbetrieb erwerben konnte. Die Stiftung hat für die Entwicklung dieses Gebietes bislang rund 335.000 Euro aus Mitteln der Ersatzzahlung investiert.
“Dass ich Teil dieses Projekts sein darf, ist für mich eine große Bereicherung. Die Zusammenarbeit mit der Stiftung erfüllt mich mit großer Zufriedenheit, und es freut mich sehr, dass ich mit meinen Tieren einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz leisten kann.”
Kai Schneider, Bewirtschafter der Weidelandschaft Meuro
Schutz und Nutzung zusammengedacht
Um die Voraussetzungen für diese ganzjährige Beweidung zu schaffen, hat die Stiftung Weidezäune, Tränken und Weideunterstände als Witterungsschutz errichtet. Ergänzende Artenschutzmaßnahmen runden das Projekt ab: Es wurden weitere Lesesteinhaufen als Habitat für Steinschmätzer, Kreuzkröte und Zauneidechse errichtet und Nisthilfen für den Wiedehopf, Rauchschwalben und Nischenbrüterausgebracht.
Ein weiterer Aspekt: Durch den flächigen Verzicht auf landwirtschaftliche Pflegemaßnahmen mit großen Maschinen, wie Mähen, Mulchen, Schleppen oder Walzen kommt es zu einer Anreicherung der landschaftlichen Mikrohabitate. Insbesondere Sonderstrukturen wie Bauten von Kleinsäugern, Ameisennester, Totholz, aber auch Hochstaudenfluren, Triften und Wälzstellen mit offenem Boden bleiben als wertvolle Landschaftsrequisiten in den Flächen erhalten. Insgesamt ist die „Weidelandschaft Meuro“ ein gelungenes Beispiel, wie Naturschutzziele mit landwirtschaftlicher Wertschöpfung in Einklang gebracht werden können.
Infobox: Naturschutz durch Beweidung
Halboffene Weidelandschaften, in denen große Weidetiere wie Rinder, Pferde oder Wasserbüffel ganzjährig und in geringer Besatzdichte auf den Flächen stehen, etablieren sich im praktischen Naturschutz:
- Große Weidetiere fördern durch ihre Weideaktivität den floristischen Artenreichtum insbesondere durch die Regulierung der Konkurrenzverhältnisse.
- Es bleiben Rückzugräume oder Deckung für Bodenbrüter und ihre Gelege, für Amphibien und Insekten.
- Aus Trittschäden und Wälzstellen werden kleinflächige Rohbodenstandorte.
- Durch die Entwicklung von Triftwegen tragen Weidetiere auch zur Vernetzung von Lebensräumen bei.
- Selbst der Dung wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt aus. Viele Insektenarten sind darauf angewiesen – und bieten wiederum Nahrung für viele Wirbeltiere.
Vorbild sind die historischen Extensivweiden und Hutungen Mitteleuropas. Auch die Stiftung setzt zunehmend auf Beweidungsprojekte, um Offenlebensräume zu erhalten.