Staatssekretär besucht Natura-2000-Teams
In der Hutelandschaft Altranft-Sonnenburg, einem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) mit seltenen Trockenlebensräumen südlich von Bad Freienwalde, informierte sich Umweltstaatssekretär Dr. Stephan Nickisch über den aktuellen Stand der Naturschutzarbeit. Auf dem Programm standen auch ein Gespräch mit dem Landwirt Florian Köhler, der vor Ort eng mit dem Natura-2000-Team zusammenarbeitet und mit seinen Schafen die Trockenrasen pflegt.
Schwarzstorch, Rotbauchunke, Arnika und Sonnentau. Trockenrasen, Salzwiesen oder Moor- und Auenwälder: Brandenburg beheimatet eine Fülle von europaweit bedeutsamen Arten und Lebensräumen. Im Netz „Natura 2000“ sind sie geschützt. Dieses grenzüberschreitende Netzwerk aus Vogelschutz- sowie Fauna-Flora-Habitat-Gebieten schützt natürliche Lebensräume und wildlebende Arten in der Europäischen Union.
Seit 2022 arbeiten in Brandenburg fünf Natura-2000-Teams bestehend aus Fachleuten des Landesamtes für Umwelt und der Stiftung NaturSchutzFonds für dieses Ziel. Auf landesweit mehr als 1.000 Quadratkilometern Fläche initiieren die Teams Naturschutzprojekte und begleiten sie, pflegen EU-weit geschützte Lebensräume und Arten oder beraten Landnutzerinnen und Landnutzer.
Einer der Partner ist der Landwirt Florian Köhler aus Altgaul (Wriezen-Rathsdorf), der 2015 den Landwirtschaftsbetrieb seines Großvaters übernommen hat und unter anderem mehr als 400 Hektar Acker- und Grünland bewirtschaftet. Dazu kommen 500 Mutterschafe der Rasse Schwarz-köpfige Fleischschafe und in der Weidesaison nochmals 600 Lämmer. „Mein Großvater hat den Betrieb nach der Wende gegründet. Die Flächen hier bei Altranft wurden aber schon zu DDR-Zeiten durch Schafherden beweidet“, berichtet Florian Köhler, der an der Hochschule Neubrandenburg seine Masterarbeit über die Pflege naturschutzfachlich bedeutsamer Flächen in Brandenburg geschrieben hat.
Für das FFH-Gebiet „Hutelandschaft Altranft-Sonnenburg“ sind Köhlers Schafe überlebenswichtig, denn besonders typisch sind hier die Trockenrasen: Die trockenen, nährstoffarmen Wiesen mit ihren niedrigen Gräsern sind durch jahrhundertelange Beweidung entstanden und beheimaten zum Beispiel das in Brandenburg stark gefährdete Sand-Federgras, den hierzulande gefährdeten Dukatenfalter oder andere geschützte Arten wie Zauneidechse, Wendehals und Wiedehopf. Die Schafherde hält die Flächen im Dienst des Naturschutzes kurzrasig und verhindert, dass Büsche und Bäume die typische Vegetation überwuchern und verdrängen. Ohne diese Nutzung würden die Trockenrasen nach und nach verschwinden und mit ihnen die Artenvielfalt.
Projekte für EU-weit geschützte Arten
Nicht nur als Ansprechpartner und Vermittler sind die Natura-2000-Teams des Landes aktiv. Mehr als 20 eigene Naturschutzprojekte haben sie in den vergangenen Monaten umgesetzt, um den Zustand EU-weit geschützter Arten zu verbessern. In Hoppegarten (Landkreis Märkisch-Oderland) wurde ein Regenrückhaltebecken im Gewerbegebiet als neuer Lebensraum mit Förder-geldern der Stiftung NaturSchutzFonds für Amphibien hergerichtet. Der Erfolg zeigte sich schnell: bereits wenige Tage später tummelten sich dort tausende Kaulquappen, zudem wurde die Wech-selkröte nachgewiesen.
Natura 2000 in Brandenburg
In Brandenburg umfasst das Natura-2000-Schutzgebietsnetz rund 600 FFH-Gebiete sowie 27 Vogelschutzgebiete, die sich auf rund ein Viertel der Landesfläche erstrecken. Klare Schutzziele und eine gute Vernetzung der Gebiete ermöglichen unter anderem den Erhalt und die Entwicklung von selten gewordenen Arten und ihren Lebensräumen. Die fünf Natura-2000-Teams sind eine Kooperation des Landesamts für Umwelt und der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. Gemeinsame Aufgabe ist die Umsetzung von Natura-2000-Maßnahmen außerhalb der Nationalen Naturlandschaften. Innerhalb dieser 15 Gebiete sind die Verwaltungen der Nationalen Naturlandschaften und die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht Brandenburg damit betraut.
Die Natura-2000-Teams setzen sich aus je einem Mitarbeitenden des Landesamtes für Umwelt und zwei Mitarbeitenden der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg zusammen und sind in den Regionen Nordost, Mitte, Süd, West und Nordwest tätig.
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