Mehr Leben in der DosseUmfangreiche Gewässeraufwertung umgesetzt
Wittstock/Dosse (01.04.2026) – Die Bauarbeiten an der Dosse sind abgeschlossen: Traktoren und Bagger haben die Ufer wieder verlassen. In den vergangenen Monaten hat die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg im Rahmen ihres landesweiten EU-Projekts „LIFE Bachmuschel“ umfassende Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt.
Auf einem rund sechs Kilometer langen Abschnitt nördlich von Fretzdorf (Gemeinde Wittstock/Dosse) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin wurden etwa 2.000 Tonnen Kies sowie 380 Tonnen Feldsteine eingebracht. Daraus entstanden unter anderem Stein- und Flügelbuhnen, Kiesgleiten sowie kleinräumige Kiesstrukturen. Ergänzend wurden 16 Totholzstrukturen installiert.
„Es handelt sich um die umfangreichsten Renaturierungsmaßnahmen in der Dosse seit ihrem Ausbau in den 1970er Jahren“, erklärt Projektleiter Michael Zauft. Damals wurde der Fluss durch Begradigungen und den Bau von Wehren stark verändert, um angrenzende Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Die Folge: Die Fließgewässerlänge verkürzte sich um rund 25 Prozent, zahlreiche Lebensräume für Fische und Muscheln gingen verloren.
Die nun eingebrachten Strukturen sorgen wieder für eine größere Vielfalt an Strömungen und Fließgeschwindigkeiten. Wo das Wasser schneller fließt, spült es Schlamm weg und formt eine sandig-kiesige Gewässersohle – ideale Bedingungen für die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel, die sich hier wieder fortpflanzen kann. Als natürliche „Wasserfilter“ leisten Bachmuscheln einen wichtigen Beitrag für das Ökosystem, denn eine erwachsene Muschel kann täglich bis zu 85 Liter Wasser reinigen.
Auch zahlreiche andere Arten profitieren von der Aufwertung des Gewässers. Bachneunaugen, Elritze und Groppen nutzen die neu entstandenen Flachwasserbereiche und Totholzstrukturen als geschützte Verstecke und Rückzugsorte. Zudem bieten die Veränderungen bessere Bedingungen für Wasserinsekten wie Köcherfliegen- und Libellenlarven, welche wiederum Nahrung für Eisvogel und Wasserfledermaus sind.
Ergänzend zu den Bauarbeiten pflanzten Mitarbeitende der Stiftung gemeinsam mit dem Anglerverein Fario e. V. insgesamt 50 Gehölze entlang der Ufer, darunter Faulbäume, Ulmen und Weiden. Diese stabilisieren künftig die Uferbereiche und beschatten in den Sommermonaten das Gewässer, wodurch sich die Dosse nicht so stark erwärmt.
Die anspruchsvollen Maßnahmen wurden erfolgreich von den Baufirmen Eggers aus Wittenberge und HTS Müritz aus Peenehagen umgesetzt. Vorausgegangen war eine enge Abstimmung zwischen der Stiftung, der Unteren Wasserbehörde des Landkreises, dem Wasser- und Bodenverband Dosse-Jäglitz, der Landesforst, der Stadt Wittstock/Dosse sowie dem Landesanglerverband Brandenburg und dem Anglerverein Fario e. V. Ein besonderer Dank gilt den beteiligten Landwirten, die die Umsetzung der Maßnahmen auf ihren Flächen ermöglicht haben.
EU-Gelder für die Bachmuschel
2023 hat die Stiftung NaturSchutzFonds ihr Projekt „LIFE Bachmuschel“ gestartet. In elf Fließgewässern in den Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße, Oder-Spree und Oberspreewald-Lausitz sollen die Vorkommen der Kleinen Bachmuschel erhalten sowie deutlich vergrößert und damit langfristig stabilisiert und gesichert werden. Hierfür fließen bis 2032 mehr als acht Millionen Euro aus dem LIFE-Programm der Europäischen Union für Natur-, Arten- und Gewässerschutz nach Brandenburg. „LIFE Bachmuschel“ ist das mittlerweile fünfte Großprojekt, für das die Stiftung erfolgreich Fördermittel bei der Europäischen Union einwerben konnte.
Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Um die Vielfalt und die natürliche Schönheit der märkischen Landschaften zwischen Elbe und Oder, Lausitz und Uckermark auch für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Land Brandenburg die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg errichtet. Seit 1995 betreut die Stiftung die Ersatzzahlung im Land Brandenburg. Mehr als 1.300 Naturschutzprojekte hat die Stiftung in diesen Jahren gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen, Verbänden und Vereinen sowie weiteren Partnern wie zum Beispiel Landwirtschaftsbetrieben, Kirchengemeinden oder Privatpersonen möglich gemacht oder in eigener Trägerschaft verwirklicht.
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Michael Zauft Projektleitung LIFE Bachmuschel
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Sarah BudeÖffentlichkeitsarbeit
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