Starthilfe für den Hartholz-Auenwald Unser Ziel: Schaffung wertvoller Lebensräume an der Elbe
Auf unseren Flächen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg wurden zwischen 2021 und 2023 im Rahmen des MediAN-Projektes Gehölzgruppen aus Bäumen und Sträuchern gepflanzt. Zudem wurde im September 2022 bei Hinzdorf Naturverjüngung vor Verbiss geschützt. Langfristig soll sich hier ein natürlicher Auenwald entwickeln, in dem bedrohte Tierarten wie der Schwarzstorch oder der Große Eichenbock einen Lebensraum finden. Auenwälder spielen eine gewichtige Rolle im Hochwasser- und Klimaschutz.
Auf einen Blick
Projekt: "Mechanismen der Ökosystemdienstleitungen von Hartholz-Auwäldern: Wissenschaftliche Analyse sowie Optimierung durch Naturschutzmanagement", MediAN, Teilprojekt 5
Landkreis: Prignitz
Fläche: im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg
Maßnahme: Pflanzung von Gehölzinseln und Einzelpflanzen, alternativer Verbissschutz
Ziele: Initialisierung einer natürlichen Auenwaldentwicklung
Zeitraum: 2021 - 2023, Abschlussbericht 2024
Hintergrund
Hartholz-Auenwälder sind mit ihren Eichen und Flatterulmen, Tot- und Altholzbeständen und dem dynamischen Wechsel zwischen Überschwemmung und Trockenheit ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere: Hier fühlen sich zum Beispiel Seeadler, Schwarzstorch und Fischotter oder Käferarten wie der Große Eichenbock wohl. Die Höhlen der Altbäume bieten Brutmöglichkeiten für Mittel- und Schwarzspechte oder Quartiere für Fledermäuse.
Darüber hinaus spielen Hartholz-Auenwälder eine große Rolle im Hochwasser- und Klimaschutz: Sie können wie ein Schwamm große Wassermengen aufnehmen und große Mengen Kohlenstoff in ihrem Boden und ihrer Vegetation binden. Außerdem halten sie das Grundwasser sauber, indem sie Sedimente und gelöste Stoffe aus dem Wasser filtern.
Durch die Begradigung und Eindeichung von Flüssen sind Auenwaldflächen in Deutschland allerdings sehr selten geworden. Alles, was den Wechsel von Überflutung und Trockenheit unterbindet, schadet diesem Lebensraum. Aktuell ist nur noch ein Fünftel der natürlichen Auen vorhanden und weniger als ein Prozent der ursprünglichen Hartholz-Auenwälder in Deutschland! Das Projekt „MediAN“ hatte sich daher den Erhalt und die Förderung von Hartholz-Auenwäldern zum Ziel gesetzt. Wir unterstützten das MediAN-Projekt finanziell und stellten darüber hinaus Flächen zur Verfügung.
Pflanzmethoden auf dem Prüfstand
Wissenschaftler*innen forschten auf mehr als 50 Untersuchungsflächen entlang von 150 Stromkilometern im länderübergreifenden Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Das BUND-Auenzentrum Burg Lenzen und die Loki Schmidt Stiftung haben dabei verschiedene Pflanzmethoden erprobt, um Hartholz-Auenwald zu initiieren oder zu fördern. Dabei stand eine besondere Pflanzmethode im Fokus. Sie soll den jungen Bäumen eine wichtige Starthilfe geben und sie gegen extreme Trockenheit und Hitze wappnen: Bei den Pflanzungen wurden einige Setzlinge in eine spezielle Mykorrhiza-Pilzlösung getaucht. Die Annahme: Die Mykorrhiza verbessert die Wasser- und Nährstoffaufnahme erheblich und damit auch die Überlebenschancen in Trockenphasen.
Mehr über MediAN
Das Forschungsprojekt "Mechanismen der Ökosystemdienstleitungen von Hartholz-Auwäldern: Wissenschaftliche Analyse sowie Optimierung durch Naturschutzmanagement", kurz MediAN, untersuchte die nützlichen Eigenschaften der Hartholzauen vor allem in der Hochwasserretention, der Kohlenstoffspeicherung und im Erhalt der biologischen Vielfalt. Außerdem wurden insgesamt 13.000 Bäume und Sträucher auf 34 Hektar gepflanzt. Die Projektstandorte befanden sich in Brandenburg und Niedersachsen.
Auch bei den Pflanzungen wurde eine spezielle Methode angewandt: Die Bäume und Sträucher kamen nicht flächendeckend in den Boden, sondern es wurden Gehölzinseln angelegt. Hierbei wurden mehrere Baumarten – darunter Stieleichen, Flatterulmen, Vogelkirschen, Winter-Linden und Hainbuchen - mit einer überwiegend dornigen Strauchschicht aus Weißdorn, Schlehe, Kreuzdorn, Hundsrose und Pfaffenhütchen umrandet. Sie dient langfristig als Schutz für die Bäume und übernimmt nach einigen Jahren die Schutzfunktion der Zäune. Außerdem wurden in der Nähe schnell wachsende Arten wie Schwarzerle oder Silberweide gepflanzt. Sie sorgen für ein ausgeglichenes Mikroklima. Der Auenwald soll sich zukünftig von diesen Pflanzkreisen aus entwickeln und zusammenwachsen.
Gepflanzt wurde zum Beispiel auf einer Stiftungsfläche bei Wittenberge, auf der bereits Baumgruppen von Stieleichen wachsen. Die umgebenden artenarmen Grasbestände und ein Pappelforst sollen zu Auenwald umgewandelt werden, da dort keine Naturverjüngung stattfindet. Hier wurden im Dezember 2022 zehn Pflanzkreise aus insgesamt 160 Bäumen und 280 Sträuchern angelegt. Im südlichen Teil der Pflanzfläche – angrenzend an einen ehemaligen Pappelforst – kamen außerdem 200 Gehölze mit Einzelschutz in die Erde.
Bei Rühstädt wurden bereits im Winter 2021/22 122 Pflanzkreise auf einer ehemaligen Ackerfläche und 80 Pflanzkreise auf einer ehemaligen Grünlandfläche angelegt. Dabei kamen insgesamt rund 3.400 Bäume und rund 4.000 Sträucher in den Boden.
Darüber hinaus wurden auf einer Stiftungsfläche bei Hinzdorf im September 2022 32 junge Bäume vor Verbiss geschützt – vor allem Stieleichen, vereinzelt auch Esche, Flatterulme und Hainbuche. Hierbei wurde Einzelschutz aus biologisch abbaubaren Materialien verwendet, der im Gelände verbleiben und dort verrotten kann, ohne dass der Eintrag von (Mikro-)Plastik zu befürchten ist.
Erste Ergebnisse
Der Anwuchserfolg wurde bei Rühstädt erstmals im August 2022 erhoben. Aufgrund der extremen Sommertrockenheit in 2022 kam es besonders auf der Ackerfläche zu größeren Ausfällen. Daher wurden im Winter 2022/23 Bäume entsprechend des Versuchsdesigns und ohne Mykorrhiza nachgepflanzt, damit das Experiment in Zukunft auswertbar bleibt. Bei der erneuten Erhebung im Herbst 2023 konnte ein wesentlich besserer Anwuchserfolg festgestellt werden.
Insgesamt ist bisher kein Effekt der Mykorrhiza-Pilze auf die Vitalität der Setzlinge erkennbar. Ein Grund dafür könnte die extreme Trockenheit im Jahr 2022 sein, die für die Entwicklung von Mykorrhiza hinderlich ist. Die Untersuchungen werden in den kommenden Jahren fortgesetzt.
Weiterführende Links
- In Brandenburg führte das BUND-Auenzentrum Burg Lenzen das Teilprojekt 5 durch und informiert auf seiner Website.
- Die bisherigen Erkenntnisse und Empfehlungen des MediAN-Projektes sind in der Abschlussbroschüre sowie einem Kurzfilm zur Bedeutung des Auenwaldes zusammengefasst.
- Das Projekt wurde im Rahmen der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen als hervorragendes Beispiel ausgezeichnet.