Tagfalter-Monitoring im Winter
Kann man Tagfalter im Winter kartieren? Ja, wenn man weiß, wie Tagfalter über den Winter kommen. Dafür haben sie ganz unterschiedliche Strategien, auch der Kleine Eisvogel.
Das Tagpfauenauge überwintert zum Beispiel als fertiger Falter an frostgeschützten Orten und fällt in Kältestarre. Zipfelfalter überstehen den Winter als Ei, der Schwalbenschwanz als Puppe und Perlmutterfalter überwintern als Raupe im Laub.
Besonders spannend ist der Kleine Eisvogel: Die Raupen dieses Waldschmetterlings bauen sich aus einem Blatt und selbst gesponnener Seide ein kleines Winterquartier, ein sogenanntes Hibernaculum. Diese Überwinterungsgespinste konnte die Naturwacht bei einer Gebietskontrolle im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg auch bei Schnee entdecken.
Nun ist nicht jedes zusammengerollte Blatt ein Hibernaculum und nicht jedes Hibernaculum lässt sich dem Kleinen Eisvogel zuordnen. Doch bei der Gebietskontrolle im Sommer wurden auf der gleichen Waldfläche schon zahlreiche Kleine Eisvögel beobachtet. Außerdem befinden sich die Blattrollen sich am Geißblatt, der Raupenfutterpflanze des schönen Falters. Es deutet also einiges darauf hin, dass im März oder April die unscheinbaren Raupen aus den Hibernacula schlüpfen. Dann ist der Reproduktionsnachweis eindeutig und im Sommer werden wieder zahlreiche Kleine Eisvögel durch den Wald flattern. Das ist deshalb besonders erfreulich, weil die Art in Brandenburg als stark gefährdet gilt, in der Prignitz aber in den letzten Jahren zuzunehmen scheint.
Ein Tipp zum Schluss: Wer Schmetterlinge fördern möchte, sollte im eigenen Garten auch an Raupenfutterpflanzen und Winterquartiere denken. Wer im Herbst alles aufräumt, Laub, verblühte Pflanzen und Gehölzschnitt entfernt, entsorgt dabei oft unbemerkt auch die nächste Schmetterlingsgeneration.
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