Streuwiesen Werder Natura-2000-Team legt Grundstein für die Vergrößerung einer artenreichen Feuchtwiese
In der abwechslungsreichen Landschaft rund um Werder (Havel) mit ihren zahlreichen Gewässern gibt es auch viele feuchte Wiesen. Weil Grundwasser hoch ansteht, sind sie teilweise vermoort. An manchen dieser vermoorten feuchten Wiesen konnten sich sogenannte Pfeifengraswiesen entwickeln. Sie haben eine lange Nutzungsgeschichte und zeichnen sich durch eine hohe Artenvielfalt aus, weswegen sie unter Schutz gestellt wurden. Auch die Torfwiesen Glindow zählen zu diesen wertvollen Streuwiesen nahe der Havelseen. Sie zu vergrößern hat sich das Natura-2000-Team West zur Aufgabe gemacht.
Auf einen Blick
Projekt: Wiederherstellung artenreicher Pfeifengraswiesen in den Glindower Torfwiesen
Landkreis: Potsdam-Mittelmark (Gemeinde Werder/Havel)
Maßnahme: Schilfmahd (3,6 ha) und Gehölzentnahme (0,4 ha)
Ziel: unmittelbar angrenzende Pfeifengraswiesen (LRT 6410) sollen in ihrer Gesamtausdehnung um ca. 4 Hektar vergrößert werden
Zeitraum: Herbst/ Winter 2025
Die Streuwiesen Werder
Das Fauna-Flora-Habitats(FFH)-Gebiet “Streuwiesen bei Werder” umfasst drei Flächen: die Wiesen im Golmer Luch am Zernsee, die Uferwiesen am Großen Plessower See und die Torfwiesen Glindow im Ortskern von Glindow. Ihre Schutzgüter entstanden von Menschenhand: Um Weideflächen zu schaffen, rodeten Menschen den ursprünglichen Erlenbruchwald. Wo sie ihr Vieh hielten, wurden die Wiesen jährlich im Spätsommer oder zu Beginn des Herbstes gemäht. Das Mahdgut diente im Winter als Einstreu – der Begriff Streuwiesen rührt daher. Die Torfwiesen Glindow konnten aufgrund ihrer Feuchte nur eingeschränkt genutzt werden, aber auch hier wurde beweidet und gemäht. Da die Wiesen nicht gedüngt wurden, konnten sich auf den nährstoffarmen Standorten artenreiche, an die regelmäßige Mahd angepasste Pflanzengesellschaften entwickeln - die Pfeifengraswiese, einer der artenreichsten Grünlandtypen Deutschlands.
Geprägt wird dieser Lebensraum vom namensgebenden Pfeifengras. Hier wachsen aber auch eine Reihe weiterer Pflanzen, die wiederum eine große Zahl verschiedener Insekten anlocken. Vor allem Schmetterlinge und Heuschrecken fühlen sich hier wohl. Aber: Viele der auf diesen Wiesen vorkommenden Pflanzenarten sind konkurrenzschwach und werden ohne Nutzung und Pflege von sehr wüchsigen Pflanzen leicht überwuchert.
Kulturlandschaft erhalten
Naturschützer und Landnutzende können sich zusammentun, um diese Kulturlandschaft mit ihrem Artenreichtum zu erhalten. Gemeinsam mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark und in Abstimmung mit den Flächeneigentümern und -nutzern werden die Pfeifengraswiesen am Plessower See und auf den Glindower Torfwiesen in Anlehnung an die traditionelle Nutzung regelmäßig gemäht – dabei ist der wichtigste Unterstützer ein örtlicher Landwirt, der die Flächen seit vielen Jahren im Rahmen des Vertragsnaturschutzes pflegt.
Um weiteren Wiesenflächen auf den Glindower Torfwiesen Starthilfe zu geben, hat das Natura-2000-Team zunächst Schilfröhricht und vorhandenen Gehölze entnehmen lassen. Hierfür kam im ersten Schritt wegen der hohen Grundwasserstände eine Moorraupe zum Einsatz. Die Gehölze wurden gefällt und die Wurzelstubben gefräst, damit eine Mahd möglich wird. Die Wiesen werden nun durch den im Gebiet tätigen Landwirt gemäht. Die artenreiche Pfeifengraswiese konnte so in ihrer Gesamtausdehnung um vier Hektar vergrößert werden.
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Natura-2000-Netz
Die Streuwiesen bei Werder sind seit 2018 als FFH-Gebiet Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000. Hier sollen ausgewählte Tier- und Pflanzenarten wie Bauchige Windelschnecke und Hauben-Azurjungfer, Teufelsabbiß und Prachtnelke und sowie der Lebensraumtyp der Pfeifengraswiesen geschützt und erhalten werden. Die 73 Hektar große Fläche ist eines der 595 FFH-Gebiete in Brandenburg.
Bauchige Windelschnecke
Die knapp 2,7 mm lange und 1,6 mm breite Art kommt vor allem im Nordosten und im Süden Deutschlands vor. Damit hat Deutschland (neben Irland und Südengland) eine der wenigen intakten Populationen dieser Art und eine besondere Verantwortung für ihren Erhalt. Ihr Lebensraum sind Feuchtgebiete mit Röhrichten und Großseggenrieden, seltener auch feuchte bis nasse nährstoffarme Wiesen. Sie lebt dort v. a. auf hoher Vegetation, seltener in der Streu und ernährt sich vor allem von auf Pflanzen wachsenden Pilzen. Sie reagiert empfindlich auf Veränderungen des Wasserhaushalts, sowie Mahd oder intensive Beweidung.
Prachtnelke
Sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und ist eine typische Feuchtwiesenart wie auch das Knabenkraut oder die Kuckucks-Lichtnelke. Die Prachtnelke wird bis 80 Zentimeter hoch und von Hummeln, Honigbienen, Tag- und Nachtfaltern (da sie abends besonders gut duftet) besucht: z.B. vom kolibrihaften Taubenschwänzchen. Aber auch Sand- und Schmalbienen holen sich Pollen aus den Blüten.
Natura-2000-Teams
Die Natura-2000-Teams sind eine Kooperation unserer Stiftung mit dem Landesamt für Umwelt, LfU. Die gemeinsamen Teams beraten Landnutzer*innen, initiieren Umsetzungsprojekte und begleiten Projektpartner außerhalb der Nationalen Naturlandschaften Brandenburgs.