Preisträger 2026: Fario e.V.Aktiv für naturnahe Fließgewässer und ihre Auen
Seit über 30 Jahren engagiert sich der Fliegenfischer-Verein Berlin-Brandenburg ehrenamtlich für den Erhalt und die Wiederherstellung intakter Fließgewässerlandschaften im Nordwesten Brandenburgs.
Im Jahr 1995 von einer kleinen Gruppe von Fliegenfisch-Enthusiasten aus Berlin und Brandenburg gegründet, ist der Fario e.V. inzwischen auf mehr als 160 Mitglieder angewachsen und vom Umweltbundesamt als Natur- und Umweltschutzverein anerkannt.
Seit mehr als 30 Jahren bringt der Fario e.V. in den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin Natürlichkeit zurück in Flüsse, Bäche und deren Auen. Insbesondere an Dosse und Stepenitz verbessern die Fliegenfischer die Lebensräume zahlreicher bedrohter Arten, darunter Bachneunauge, Groppe, Elritze, Bachmuschel, Eisvogel und Fischotter: So bauen die Vereinsmitglieder zum Beispiel Laichkies und Totholz in die Gewässer ein, um deren Strukturvielfalt zu erhöhen und überlebenswichtige Laichplätze und Rückzugsräume zu schaffen. Außerdem entsteht hierdurch eine hohe, natürliche Fließdynamik, die nach und nach wieder Kurven – die sogenannten Mäander – in die begradigten Ufer spült.
Gemeinsam mit Partnern wie den Wasser- und Bodenverbänden „Dosse-Jäglitz“ und „Prignitz“, dem Landesanglerverband Brandenburg (LAVB) sowie lokalen Behörden treibt der Verein den Rückbau alter, ungenutzter Wehre voran, um die Durchgängigkeit der Flüsse zu verbessern. So können Fische wie zum Beispiel Lachs, Meerforelle und Aal wieder wandern.
Die Mitglieder pflanzen gezielt Bäume an den Ufern. Deren Schatten verhindern, dass sich die Gewässer zu stark erwärmen. Darüber hinaus investieren die Fliegenfischer viele Stunden für die Pflege der Flusslandschaften: Sie halten Kiesbänke instand, indem sie diese gezielt freispülen und auflockern, sammeln Müll an den Ufern und gießen die gepflanzten Bäume in Trockenperioden.
Gemeinsam mit verschiedenen Partnern verfolgt der Fario e.V. eine Vision: die Rückkehr der ehemals heimischen Wanderfischarten Atlantischer Lachs und Meerforelle. Insbesondere durch Wanderbarrieren und den Verlust ihrer Lebensräume waren diese Arten nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Deutschland ausgestorben. Die Bemühungen um ihre Wiederansiedlung in Brandenburg begannen bereits Ende der 1990er Jahre und wurden vom Fario e.V. von Anfang an aktiv unterstützt.
So betreibt der Verein seit 2013 ein eigenes Bruthaus – in Brandenburg einzigartig. Jährlich werden dort zehntausende Fische erbrütet, aufgezogen und anschließend in Brandenburgs Fließgewässern ausgesetzt, wissenschaftlich begleitet vom Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow (IfB) e.V. und unterstützt durch den Landesanglerverband Brandenburg. Neben eigenen Mitteln des Fario e.V. wird diese Arbeit maßgeblich aus der Fischereiabgabe des Landes Brandenburg finanziert.
Aus der Jury-Begründung
Die Jurymitglieder würdigten diesen herausragenden und vielseitigen Einsatz des Fario e.V. als ein beeindruckendes Beispiel für ehrenamtlichen Gewässerschutz: Die Vereinsmitglieder investieren jedes Jahr tausende Arbeitsstunden in Gewässern und an deren Ufern und verbinden Hobby mit kompetenten Natur- und Gewässerschutz. Sie verbessern so die Situation von europaweit geschützten Lebensräumen und Arten. Ein Engagement, dass über die Branderburger Landesgrenzen hinaus wirkt.
Neben dem praktischen Artenschutz hob die Jury lobend hervor, dass der Verein viele unterschiedliche Interessengruppen sensibilisiert und zusammenbringt. Der Fario e. V. vereint Menschen aus Behörden, Wissenschaft, Verbänden und der lokalen Bevölkerung für den Natur- und Gewässerschutz. Dies gelingt auch durch seine Öffentlichkeitsarbeit und moderne Umweltbildung. Im Rahmen der Aktion „Flusslandschaft des Jahres 2024/25“ brachten die Mitglieder das Thema Gewässerschutz in die Schulen. Mit regelmäßigen Führungen im Bruthaus, aktiven Social-Media-Kanälen und Bürgerforschungs-Projekten (Citizen Science) wie dem FLOW-Projekt zur Pestizidmessung schafft der Verein Angebote, sich zu informieren und aktiv mitzuwirken.