Fliegenfischer angeln sich Brandenburger Naturschutzpreis 2026Einsatz für intakte Fließgewässer
Potsdam (04.09. 2026) – Der Verein Fario wird in diesem Jahr mit dem Naturschutzpreis des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Seit über 30 Jahren engagiert sich der Fliegenfischer-Verein Berlin-Brandenburg ehrenamtlich für den Erhalt und die Wiederherstellung intakter Fließgewässerlandschaften im Nordwesten Brandenburgs. Die Auszeichnung wird von der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg vergeben und ist mit einem Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro dotiert.
Umweltministerin Hanka Mittelstädt würdigt die Preisträger: „Wer sich für das Fliegenfischen begeistert, muss vor allem eines lieben: lebendige Gewässer. Genau das zeigt der Fario e.V. auf beeindruckende Weise. Die Mitglieder verbinden ihre Leidenschaft für das Angeln mit großem Fachwissen und einem außergewöhnlichen Einsatz für den Schutz und die Wiederherstellung unserer Flüsse und Bäche. Mit ihrem Einsatz bringen sie Fließgewässer wieder in einen guten Zustand, schaffen lebendige Flusslandschaften. Ob an Dosse oder Stepenitz – sie leisten ganz konkret einen Beitrag dafür, dass auch viele bedrohte Arten wieder bessere Lebensbedingungen finden. Dieses Engagement zeigt, was ehrenamtlicher Naturschutz bewirken kann: Aus der Liebe zum Gewässer wird Verantwortung für seine Zukunft. Dafür gebührt den Mitgliedern des Fario e.V. unser großer Dank und die Auszeichnung mit dem Naturschutzpreis des Landes Brandenburg.“
Umweltministerin Mittelstädt wird den Verein am 17. November im Landkreis Prignitz besuchen und den Naturschutzpreis dort persönlich überreichen. Der Fliegenfischerverein engagiert sich in der Region Prignitz unter anderem für die Wiederansiedlung von Lachsen und Meerforellen in der Stepenitz.
1995 von einer kleinen Gruppe von Fliegenfisch-Enthusiasten aus Berlin und Brandenburg gegründet, zählt der Fario e.V. heute mehr als 160 Mitglieder und ist vom Umweltbundesamt als Natur- und Umweltschutzverein anerkannt. Der Vereinssitz ist in Berlin. Die Jury würdigte den vielseitigen Einsatz des Vereins als herausragendes Beispiel für ehrenamtlichen Gewässerschutz: Jährlich investieren die Vereinsmitglieder tausende Arbeitsstunden in Gewässern und an deren Ufern.
Seit mehr als 30 Jahren bringt der Fario e.V. in den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin Natürlichkeit zurück in Flüsse, Bäche und deren Auen. Insbesondere an Dosse und Stepenitz verbessern die Fliegenfischer die Lebensräume zahlreicher bedrohter Arten, darunter Bachneunauge, Groppe, Elritze, Bachmuschel, Eisvogel und Fischotter: So bauen die Vereinsmitglieder zum Beispiel Laichkies und Totholz in die Gewässer ein, um die Strukturvielfalt zu erhöhen und überlebenswichtige Laichplätze und Rückzugsräume zu schaffen. Außerdem entsteht hierdurch eine hohe, natürliche Fließdynamik, die nach und nach wieder Kurven – die sogenannten Mäander – in die begradigten Ufer spült.
Gemeinsam mit Partnern wie den Wasser- und Bodenverbänden „Dosse-Jäglitz“ und „Prignitz“, dem Landesanglerverband Brandenburg (LAVB) sowie lokalen Behörden treibt der Verein den Rückbau alter, ungenutzter Wehre voran, um die Durchgängigkeit der Flüsse zu verbessern. So können Fische wie zum Beispiel Lachs, Meerforelle und Aal wieder wandern.
Die Mitglieder pflanzen gezielt Bäume an den Ufern. Deren Schatten verhindern, dass sich die Gewässer zu stark erwärmen. Darüber hinaus investieren die Fliegenfischer viele Stunden für die Pflege der Flusslandschaften: Sie halten Kiesbänke instand, indem sie diese gezielt freispülen und auflockern, sammeln Müll an den Ufern und gießen die gepflanzten Bäume in Trockenperioden.
Wiederansiedlung verschollener Arten
Seit Ende der 1990er Jahre arbeitet der Fario e.V. mit verschiedenen Partnern an einer Vision: der Rückkehr des Atlantischen Lachses und der Meerforelle, einst heimischer Wanderfischarten. Insbesondere durch Wanderbarrieren und den Verlust ihrer Lebensräume waren sie nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Deutschland ausgestorben. Heute ziehen wieder kapitale Exemplare beider Arten durch das Stepenitz-System, ein Nebenfluss der Elbe im Landkreis Prignitz. Dank der Arbeit des Fario e.V. finden die Fische dort geeignete Bedingungen, um sich fortzupflanzen sowie für ihren Nachwuchs.
Im Rahmen der Aktion „Stepenitz - Flusslandschaft des Jahres 2024/25“ brachten die Mitglieder das Thema Gewässerschutz in die Schulen. Mit regelmäßigen Führungen im Bruthaus, aktiven Social-Media-Kanälen und Bürgerforschungs-Projekten (Citizen Science) wie dem FLOW-Projekt zur Pestizidmessung schafft der Verein Angebote, sich zu informieren und aktiv mitzuwirken.
Martin Rahmel, Vorsitzender des Fario e.V.: „Der Brandenburger Naturschutzpreis gehört nicht uns allein. Wir nehmen ihn stellvertretend für die vielen Menschen entgegen, die gemeinsam mit uns und unseren Partnern die Vision naturnaher, artenreicher Flüsse verfolgen. Ihnen gilt ebenso mein Dank wie den Fario-Mitgliedern.“
Viele der Probleme in Brandenburgs Flüssen sind von Menschen gemacht. Fließgewässer wieder zu gesunden Lebensadern zu machen, sei Martin Rahmels Auffassung nach eine Generationenaufgabe. „Glücklicherweise sind in Brandenburg mehr als 100.000 Anglerinnen und Angler in Vereinen organisiert. Darin liegt ein enormes Potenzial für den Schutz und die ökologische Verbesserung Brandenburger Gewässer. Dieser Preis soll deshalb auch eine Ermutigung an die gesamte Anglerschaft in Berlin, Brandenburg und darüber hinaus sein: Macht mit, übernehmt Verantwortung und helft dabei, aus unseren Flüssen wieder naturnahe, gesunde Lebensräume voller Artenvielfalt zu machen“, so der Aufruf des Fario-Vereinsvorsitzenden.
Die Kunst des Fliegenfischens
Fliegenfischen ist eine besondere Form des Angelns. Der Begriff wird dabei von der Art der Köderimitation abgeleitet: Die oft kunstvoll selbstgebauten Köder sehen wie Fliegen oder andere Wasserinsekten aus. Weil diese Köder federleicht sind, können sie nicht mit ihrem Eigengewicht ausgeworfen werden. Das notwendige Wurfgewicht wird deshalb in die spezielle Fliegenschnur verlegt. Zusammen mit darauf abgestimmten Ruten und Rollen entsteht daraus eine ganz eigene, beinahe kunstvolle Form des Werfens und Angelns. Gleichzeitig ist das Fliegenfischen durch die überwiegende Verwendung von Einzelhaken ohne Widerhaken für die Fische besonders schonend.
Der Naturschutzpreis de Landes
Seit 1998 zeichnet die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg richtungsweisende Leistungen im Bereich des praktischen Naturschutzes, der nachhaltigen Landnutzung oder auch in der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit dem Landesnaturschutzpreis aus. Darüber hinaus können auch wissenschaftliche, planerische oder wirtschaftliche Leistungen mit dem Preis geehrt werden. Bislang wurden 46 Preise an Brandenburgerinnen und Brandenburger vergeben, darunter 18-mal an Kinder und Jugendliche. Der Naturschutzpreis ist mit 3.000 Euro dotiert und kann geteilt werden. Mehr Info unter www.naturschutzfonds.de/naturschutzpreis
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Carolin TrübeÖffentlichkeitsarbeit
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