Auf Lilienthals erster Startrampe: Gehölze machen Platz für seltene Pflanzen Seltene Trockenrasenflächen werden wieder hergestellt

Potsdam (18.3.2021) – Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg hat am Spitzen Berg bei Krielow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) Gehölze entfernt, um die dort vorkommenden geschützten Trockenrasen zu erhalten.

An den sonnenbeschienenen, sandigen Hängen des Spitzen Bergs bei Krielow im Natura-2000-Gebiet „Deetzer Hügel“ kommen Reste des geschützten Lebensraums Trockenrasen mit seltenen Pflanzen- und Tierarten vor. Die steilen Hänge sind Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, als für den Bau der nahegelegenen Bahnstrecke zwischen Berlin und Magdeburg Sand abgebaut wurde. Berühmt wurde die markante Erhebung durch den Flugpionier Otto Lilienthal, der hier 1891 seine ersten Flugversuche unternahm.

Über die Jahre haben sich am Spitzen Berg durch die Aufforstung mit Kiefern und die fehlende Nutzung wie Mahd oder Beweidung zunehmend Gehölze ausgebreitet. Der botanisch wertvolle Trockenrasen drohte zuzuwachsen. Nun hat die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg im Rahmen ihres EU-Projektes „LIFE Trockenrasen“ das Gebiet entbuscht sowie Bäume gefällt, um diesen wertvollen Offenlebensraum zu erhalten.

„Dank ehrenamtlicher Pflege durch Naturschutzverbände konnten die Trockenrasen am Spitzen Berg erhalten bleiben. Dennoch waren potenzielle Trockenrasenflächen größtenteils zugewachsen. Mit der Gehölzentnahme dringt wieder mehr Licht auf den Boden, sodass es die seltenen Trockenrasenpflanzen wie Ohrlöffel-Leimkraut, Berg-Steinkraut und Blaugrünes Schillergras leichter haben zu keimen und sich auszubreiten“, erklärt Projektleiterin Janine Ruffer, die sich für die konstruktive Zusammenarbeit mit der Landesforstverwaltung bedankt.

Am Spitzen Berg wurde in der vergangenen Woche auf einer Fläche von 3,3 Hektar der Wald durchforstet. Dabei wurden vor allem Büsche entfernt und Robinien geringelt. Das sogenannte Ringeln der Rinde lässt die widerstandsfähigen Robinien absterben, nur so kann ein Austreiben des weitverzweigten Wurzelsystems verhindert werden. Robinien lagern aktiv Stickstoff in den Boden ein. Die Arten der Trockenrasen benötigen jedoch nährstoffarme Standorte, um Gedeihen zu können.

Durch die aktuellen Pflegemaßnahmen konnte die Landesnaturschutzstiftung die Trockenrasenfläche am Spitzen Berg mehr als verdoppeln. Die Flächen sollen in den kommenden Jahren mit Schafen beweidet werden. Die Tiere verbeißen nicht nur die wieder aufkommenden Gehölze und fressen konkurrenzstarke Gräser, sondern sie sorgen auch für die Verbreitung der Pflanzensamen. Des Weiteren ist geplant, zahlreiche Exemplare der seltenen Pflanzenarten, die momentan im Botanischen Garten der Universität Potsdam großgezogen werden, am Spitzen Berg wieder anzusiedeln.

Brandenburg hat eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Trockenlebensräume, wie sie auch am Spitzen Berg in Krielow zu finden sind. Denn zwischen Elbe und Oder kommen ein Viertel der kalkreichen Sandtrockenrasen und fast die Hälfte aller Steppenrasen in Deutschland vor.

Das Projekt LIFE Trockenrasen

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg realisiert gemeinsam mit dem Botanischen Garten der Universität Potsdam und der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe von 2019 bis 2026 das Projekt "LIFE Trockenrasen". Mit dem Projekt werden wertvolle Trockenlebensräume im Land Brandenburg geschützt, erhalten und wiederhergestellt. Es wird aus Mitteln der Europäischen Kommission und der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg finanziert. Mehr unter www.life-trockenrasen.de.

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

Um die Vielfalt und die natürliche Schönheit der märkischen Landschaften zwischen Elbe und Oder, Lausitz und Uckermark auch für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Land Brandenburg die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg errichtet. Mehr als 900 Naturschutzprojekte hat die Stiftung in diesen Jahren gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen, Verbänden und Vereinen sowie weiteren Partnern wie zum Beispiel Betrieben oder Privatpersonen realisiert oder in eigener Trägerschaft verwirklicht.

Die Ranger der Naturwacht sind in den fünfzehn brandenburgischen Großschutzgebieten auf mehr als 30 Prozent der Landesfläche aktiv. Als Mittler zwischen Mensch und Natur haben sie alle die gemeinsame Aufgabe, Naturschätze zu bewahren und sich für eine intakte Umwelt einzusetzen.

Für Rückfragen

Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Marc Thiele
Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0331/ 971 64 820
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LIFE Trockenrasen
Janine Ruffer
Telefon: 0331/ 971 64 740
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